Der Schwalben Spott.
Wohl denn! rief auf diese Begrüßung
Spottend die Schwalbe:
Herr Professor, Ihre Entschließung
Ist nur 'ne halbe.
Während Sie so mit der Biene summen,
Welken die Blüthen,
Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,
Sind wir im Süden.
Während Sie zur Verzweiflung bringt das
Schneegewimmel,
Lacht mir -- und wie anders klingt das! --
Blau der Himmel.
Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,
Seh' ich erstarren,
Während der Sonne warme Strahlen
Meiner harren.
Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?
Und nach Algirien?
Bis die Gärten wieder Blüthen haben,
Sind wir die Ihrigen.
Von der Luxemburger Mosel.
Eile durch die Blumenauen,
Holde Mosel, nach dem Rhein,
Laß mir meine deutschen Gauen
Tausendmal gegrüßet sein!
Trage mit dreifarb'ger Fahne
Meiner Sehnsucht Schifflein fort,
Sei behutsam mit dem Kahne,
Bring' mir ihn zu sicherm Port!
Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen!
Seid _noch nicht_ im deutschen Land,
Wenn man's euch auch vorgelogen --
Längst zerrissen ist das Band.
Glaubt es nicht dem Klang der Zungen,
Der da rechts und links erklingt,
Nicht dem Lied des Fischerjungen,
Der am Ufer drüben singt!
Glaubt es nicht der deutschen Hütte,
Die im Dorfe drüben steht;
Glaubt es nicht der deutschen Sitte,
Die in ihren Mauern weht;
Dürft's auch nicht den deutschen Trauben,
Nicht einmal dem Bettlerkind,
Noch dem Meilenzeiger glauben,
Daß wir hier in Deutschland sind.
Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen,
Thut's dem Vater Rheine kund,
Was sie hier euch vorgelogen:
Hat geträumt dem Deutschen Bund,
Und im Schlaf, -- daß Gott erbarme! --
Stahlen sie ihm Land und Leut',
Und Franzosen sind wir heut'.
Will es nicht gerad' verdammen:
Wer sein Kind von Haus' entfernt,
Gibt's hinaus zu welschen Ammen,
Daß der Bub' französisch lernt. --
Aber daß das Kind, das deutsche,
Man zu Schimpf und Spott verkehrt,
Daß man's die Beamtenpeitsche
Auf französisch tragen lehrt! --
Das in wilden Wellenschlägen,
Das erzählt dem deutschen Land,
Macht's von Vaterlandes wegen
An dem ganzen Rhein bekannt!
Und vergeßt mir nicht das eine:
Meiner wärmsten Liebe Kahn,
Legt mir ihn am schönen Rheine
Bei dem schönsten Ufer an.
Es lag mir schon sehr lange nah',
Der Welt eins aufzuspielen
Von jener Himmelsmusica,
Die ich wohl hört', doch nimmer sah,
Und die die lieben Engelein
An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein,
In meinem Herzen singen. --
Nun mein' ich wohl, ich hätt's gethan,
Erhalt auch Lob von Vielen,
Doch hör' ich's recht genau mir an,
So klingt's doch nimmermehr, nein, nein,
Doch nimmer, wie die Engelein
In meinem Herzen singen.
Die Fische.
In einer Kugel von Krystall
Zwei gold'ne Fischlein wohnten,
Die theilten ihre Schmerzen all
Seit vielen vielen Monden.
Doch war dem kleinen gold'nen Paar
Der Käfig nicht zum Leide,
Denn weil so eins beim andern war,
War's eine Welt für beide.
Und weil Gelübd' und frommer Schwur
Die kleinen Zungen banden,
So haben, Aug' in Auge nur,
Die Fischlein sich verstanden.
Und grüßte draußen froh und laut
Das Vöglein in den Zweigen,
Hat eins das and're angeschaut
Mit wehmuthsvollem Schweigen.
Und schienen in's Krystall hinein
Der Abendröthe Strahlen,
That sich der Liebe heller Schein
In Fischleins Auge malen.
Sie träumten wohl von Meeresgrund,
Von ferner Wogen Schäumen,
Doch keines that dem andern kund
Sein Lieben und sein Träumen.
Und weil nun eins mit so viel Schmerz
Um's and're hat geworben,
Da ist gebrochen Fischleins Herz,
Und Fischlein ist gestorben.
Und weil's mit Sprache nicht begabt,
Muß still das and're klagen:
»Ich hab' Dich doch so lieb gehabt,
Und konnt's Dir doch nicht sagen.«
Morgenlied von dem Schäfchen.
Schlaf', Kindlein, schlaf',
Der Vater hüt't die Schaf',
Die Mutter schüttelt's Bäumelein,
Da fällt herab ein Träumelein --
Schlaf', Kindlein, schlaf'.
Schlaf', Kindlein, schlaf',
Am Himmel zieh'n die Schaf':
Die Sternlein sind die Lämmelein,
Der Mond, der ist das Schäferlein --
Schlaf', Kindlein, schlaf.
Schlaf', Kindlein, schlaf',
Christkindlein hat ein Schaf',
Ist selbst das liebe Gotteslamm,
Das um uns all' zu Tode kam --
Schlaf', Kindlein, schlaf.
Schlaf', Kindlein, schlaf',
So schenk ich Dir ein Schaf'
Mit einer goldnen Schelle fein,
Das soll Dein Spielgeselle sein --
Schlaf', Kindlein, schlaf.
Schlaf', Kindlein, schlaf',
Und blöck' nicht wie ein Schaf',
Sonst kommt des Schäfers Hündelein
Und beißt mein böses Kindelein --
Schlaf', Kindlein, schlaf'.
Schlaf', Kindlein, schlaf'.
Geh' fort und hüt' die Schaf',
Geh' fort, du schwarzes Hündelein,
Und weck' mir nicht mein Kindelein!
Schlaf', Kindlein, schlaf'.
Maria und der Doctor.
Es ist Nacht. Die düst're Lampe scheint;
Am Bettchen sitzet die Mutter und weint,
Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind,
Und im Bettchen liegt das kranke Kind,
Und erzählt im Fieberbrande
Vom Engel im weißen Gewande.
Und die Mutter ringt sich die Hände wund:
Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund;
Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind,
Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind.
Ich bau' auf Deinen Namen,
So ist es gewißlich, Amen.
Kaum naht der Tag im Dämmerschein,
Da trat der gelehrte Doctor herein.
Der prüfet das Kind allüberall,
Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall,
Den ich nimmer in Praxi erlebt.
Und verschreibt ein großes Recept.
D'rauf standen allerhand Sprüchelein
In Zeichen und Wörtern in Latein;
Der Apotheker hat d'rüber zwei Stunden geschwitzt,
Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt.
Sogleich hat der Trank das Leben
Dem Kinde zurückgegeben.
Die Mutter in freud'gem Herzensdrang
Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang,
Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut,
Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut;
Der Himmel in höheren Welten,
Der mög' es euch reichlich vergelten!
Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn,
Entläßt die Mutter mit frohem Sinn.
Die aber hurtig schließet sich ein
In's heimliche Krankenkämmerlein,
Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen
Auf die Knie beim Bette des Kleinen.
Es ist Nacht, und die düst're Lampe scheint,
Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint.
Warum weinst du Mutter noch himmelwärts,
Der Doctor hat ja getröstet dein Herz?
Doch nein, ich will dich nicht fragen:
Nicht alle Dinge lassen sich sagen.