auf den Tod meines Kanarienvogels.
So bist auch Du des Todes Beute!
O namenloser Schmerz!
Auch Du, mein Glück und meine Freude,
Das einz'ge treue Herz?
Da liegst Du kalt und ohne Leben,
Geliebtes Thierchen Du,
Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben
Die Thränen süßer Ruh'.
Der frohe Lenz er kehret wieder
Mit seiner Blüthenlust,
Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder
Aus Deiner frohen Brust.
Sonst, wenn die warme Frühlingssonne
Durch's offene Fenster schien,
Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne
In zarten Melodien.
Meiner kleinen Schwester,
an ihrem Geburtstage.
Spiele, holde Kleine
Mit dem gold'nen Sinn,
Durch Dein Rosenleben,
Spiele immerhin!
Schöne Blumen blühen,
Kleine, rings um Dich,
Lilien und Rosen
Duften rings um Dich!
Holde Vöglein singen,
Dir im Blüthenhain,
Deine Sonne leuchtet
Milden Purpurschein.
Himmel steh'n Dir offen,
Und herab zu Dir
Schweben kleine Engel,
Spielen gern mit Dir.
Winden mit Dir Kränze.
Deiner Locken Zier,
Pflücken mit Dir Blumen,
Freuen sich mit Dir.
Rufen die Gespielen,
Holde Kleine, Dir,
Bleib', die Mutter weinet,
Bleibe, Kind, bei ihr.
Durch Dein Rosenleben,
Mit dem Engelssinn,
Mit dem frohen Herzen,
Spiele immerhin!
* * * * *
Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde,
An Blüthen hängt der Thräne Silberschein,
Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde
Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n.
Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde,
Es webt die Liebe nur die Blumen ein,
Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, --
Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.
Betritt es nun das künstliche Gebilde,
Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß,
Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde,
Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß,
Aus beiden weben sich die Lenzgefilde,
Durch die Dein Engel Dich geleiten muß.
Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen,
Er wird sie Dir zu Diademen fügen.
Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden,
Das fern von Deinen Lieben Dich gequält.
Doch Kronen sind der Dulderin gewunden,
Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt.
Nun stehst Du da in blühendem Gesunden,
Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt,
Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen
Ist uns ein neues Leben aufgegangen.
Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente,
Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land
Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende,
Umschweben uns die Horen Hand in Hand.
O daß der Lenz doch immer wiederfände
Im Kreise, die die Liebe Dir verband!
Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, --
Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.
Nachtwächter-Lied.
1831.
Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_,
Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,
Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,
Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht,
Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!
Die Sternlein geh'n hinunter --
Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_
Viel hat sich im Alten zugetragen.
Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,
D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,
Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut --
Wer reißt uns das Fähnlein herunter?
Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_
Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:
Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,
D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,
Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,
Behütet den heiligen Zunder!
Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_
Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,
Das Haus umschleichet die Diebesbrut:
Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,
Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!
Die Sternlein geh'n hinunter --
Halloh, ihr Herrn, seid munter!
_Und lobet Gott den Herrn!_
Er sendet den Morgenstern!
Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n,
Und die Sternlein auf und nieder geh'n!
Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,
Denn unser Gott thut Wunder --
Halloh, ihr Herrn, seid munter!
Es war mir heut' Abend so einsam, so leer,
Als wenn ich von etwas geschieden wär';
Mir war so betrübt, so wunderbar
Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war;
Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum;
Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum,
Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug
Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug,
Da blies fern, fern mit bebendem Ton,
Ein uraltes Lied ein Postillon.
Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt,
Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt.
Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an,
Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan,
Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht,
Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht.
Gruß an die Heimath.
1838.
O was bewegt mir denn den warmen Busen,
Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?
Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,
Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.
Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?
Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?
Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten,
Es sind ja Töne Deines Heimathlands.
Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne
Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,
Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne
Die Grüße meines Herzens anvertraut.
Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,
Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,
Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen:
Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?
Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,
Auf des Pelargus schauerlicher Höh',
Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,
Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.
Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,
Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,
Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen,
Erzählten mir von meiner Liebe vor.
Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,
Erneut sich alles Leid und alle Qual;
Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,
Und keine Blume find' ich in dem Thal,
Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden,
Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim --
Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:
Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim.
Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:
Von allem, was das Leben mir zerbrach,
Hab' ich doch meine Harfe noch behalten,
Und manches Lied, das mir am Herzen lag.
Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen,
Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;
Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen;
Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!
So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern,
Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.
Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,
Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund!
Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern,
Von all dem Weh mit einemmal gesund,
Als könnte mit dem wunderbaren Klingen
Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen.
So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen
Das Ideal tief in die Brust hinein,
So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten;
Und bist Du elend, gramvoll und allein,
Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,
Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein,
Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne,
Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.
Mein Engel.
Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land,
Da hab' ich krank gelegen,
Da that mich keine liebe Hand
In meinem Fieber pflegen.
Bei Nacht im dunkeln Krankensaal
Hob ich die schwachen Hände
Und bat, daß Gott mir endlich 'mal
Den Todesengel sende.
Der thät wohl auf und ab mit Ruh'
Von Bett zu Bette wandern,
Drückt hier und da die Augen zu
Dem einen wie dem andern.
Das meine ward -- ich war so froh --
Von Tag zu Tage trüber,
Doch ging an meinem Bett von Stroh
Der Engel stets vorüber.
Wie gern ich auch die matte Hand
Ihm hingegeben hätte,
Ein and'rer Bote Gottes stand
An meinem Krankenbette.
Er trocknet mit dem weißen Tuch
Den Schweiß von meinen Wangen,
Und hielt mir hin den irdnen Krug,
That ich den Trunk verlangen.
Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer
Im stillen Kampfe neigte;
Es war ja Niemand um mich her,
Der mir den Dienst erzeigte.
Hat mir erzählt gar lieb und gut
Von meinem Heimathlande,
Als ich in einer Fiebergluth
Der Mutter Namen nannte.
Ich hab' den Engel nicht geseh'n,
Und Niemand konnt' ihn schauen,
Doch muß ich seit dem Aufersteh'n
Auf seine Vollmacht bauen.
Sehnsucht nach dem Tode.
Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,
Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.
So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,
Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.
Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,
Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;
So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde
Den stillen Engel meiner letzten Stunde.
Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse:
Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;
Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,
Weil's mich belügend sein Versprechen brach,
Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,
Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.
Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten --
Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden.
Das Leben ladet uns zu frohen Festen,
Den Bettler wie den König allzumal,
Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,
Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;
Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,
Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal,
Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,
Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.
Und wie sie zu Accorden sich gestalten,
Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein,
Und lauschest durch entzückend helle Spalten,
Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein,
Sich einen strahlenden Palast entfalten,
Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n;
Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,
Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.
Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,
Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,
Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,
Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.
Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,
Und eine Brust war drunter eingewiegt.
Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!
Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.
Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben,
Weil's mir die Aussicht auf ein höh'res gibt,
Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben:
Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.
Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,
Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,
Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Väter
Mit müdem Finger an die morschen Bretter.
Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen
Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt;
Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,
So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;
Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,
Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat;
Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:
Sieh', darum möcht' ich gerne von ihm scheiden.
Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,
Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:
Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,
Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,
Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde
Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st;
Dann magst Du mir die müden Augen schließen,
Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.
Tröst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,
Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.
Sag' meinen Schwestern, daß in stiller Kammer
Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;
Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer
Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,
Sieh aus dem Fenster ohne Thrän' und Klagen,
Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.
Reliquie eines Verschollenen.
Es gibt geheime Schmerzen,
Sie klaget nie der Mund,
Getragen tief im Herzen,
Sind sie der Welt nicht kund;
Es gibt ein heimlich Sehnen,
Es scheuet stets das Licht;
Es gibt verborg'ne Thränen,
Der Fremde sieht sie nicht.
Es gibt ein still Versinken
In eine inn're Welt,
Wo Friedensauen winken,
Vom Sternenglanz erhellt;
Wo auf gefall'ne Schranken
Die Seele Hoffnung baut,
Und jubelnd den Gedanken
Den Lippen anvertraut.
Es gibt ein still Vergehen,
Ein stummer öder Schmerz,
Und Niemand darf es sehen,
Das schwer gepreßte Herz.
Es sagt nicht, was ihm fehlet,
Und wenn's im Harme bricht,
Verblutend und zerquälet,
Der Fremde sieht es nicht.
Es gibt ein sanfter Schlummer,
Wo süßer Frieden weilt,
Wo stille Ruh' den Kummer
Der müden Seele heilt. --
Doch gibt's ein schöner Hoffen,
Das Welten überfliegt:
Da, wo am Herzen offen
Das Herz voll Liebe liegt.
* * * * *
Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken,
Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh'n:
Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken,
Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n.
Drin seh' ich Heil'ge, die mir längst versanken,
Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n;
Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren
Mein Engel an verfallenen Altären.
Ich höre Töne, lange nicht gekannte,
So lieblich, Stimmen gleich im Paradies,
Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande
Die Himmelstöne wiederkehren ließ?
Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte?
Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß?
Die Traumgedanken all', woher sie kamen?
Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen.
Ach, jene Tön', aus Aether zart gewoben,
Belauscht' ich einst mit hochentzücktem Ohr;
Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben,
Schwang meine Psyche selig sich empor:
Da griff mich eine Riesenfaust von Oben,
Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor,
Hinunter, wo sich ächzend und erblindet,
Tellurisches Gewürm im Staube windet.
Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen,
Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n,
Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen,
Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n,
Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen,
Wo Deiner Träume süße Bilder steh'n;
Was Du gesä't mit kindischem Begreifen,
Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen.
Da faßte mich wahnsinniges Verirren,
Der Geist vergaß die knechtische Geduld,
Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren,
Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld;
Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren,
Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld:
Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben
Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben.
So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder,
Und fragte nach dem früh verlor'nen Pfad,
Da, wo im Kindergarten fromme Lieder
Sein erst' Gefühl mein Herz gestammelt hat,
Bückt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder,
Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat,
Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen
Mit warmen Thränen meine Welt zusammen.
Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden
Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland,
Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten,
Und meinen Heiligen ihr Meßgewand,
Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten,
Die Kelle meinem Engel in die Hand,
Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder,
Und neue Ahnung zeugte neue Lieder.
* * * * *
Was treibt mich hin zu Dir mit Macht?
Was gab mich Dir zu eigen?
Was hast Du in mir angefacht,
Das ich Dir muß verschweigen?
Ach, was zu Dir mich zieht,
Kein Name nennt's, kein Lied,
Und Töne können's nicht bekunden,
Doch ewig hat's mich Dir verbunden.
Und Deiner Stimm' und Deinem Wort,
Wer gab ihm die Gewalten,
An meines Herzens tiefsten Ort
Gebieterisch zu schalten? --
Mich reißt's mit trunk'nem Sinn
Zu Deinen Füßen hin.
Darf's auch mein Auge nicht bekunden,
Doch ewig hat mich's Dir verbunden.
Ich wünsch' es mit geheimer Lust,
Und fürcht' es doch zu sagen,
Wie lieb ich Dich in meiner Brust
Seit Monden schon getragen.
Verschmähtest Du mein Herz,
Verging's im stummen Schmerz,
Es liebte Dich mit tausend Wunden,
Und ewig blieb es Dir verbunden.
Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters.
Ich habe geschlafen,
Ein Kindlein süß,
Und habe geträumt
Vom Paradies,
Und habe geträumt
Vom himmlischen Spiel,
Und habe geseh'n
Der Engel viel.
Und einen mit langem
Gelockten Haar,
Der nahe dem Vater
Zur Rechten war.
Der hatte ein Auge
So mild und fromm,
Und sprach so freundlich:
»Mein Kindlein komm!«
Es sind die Kindlein
Mir immer fern,
Für wen Du bittest,
Den segn' ich gern!
Ich schlug in die Hände
Und bat: Papa!
Und darauf erwacht' ich,
Und Du warst da.
Die Waldmühle.
Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?
Ein Gießbach ist's mit geschwätzigem Mund,
Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,
Die Mühl' im blumigen Wiesengrund.
Da treibet des Wassers Stärke
Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;
Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,
Schwerfällig das Mühlrad seine Last.
Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,
Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald
Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,
Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,
Und sieht im Mondschein die Wogen
Zerstieben in glänzendem Bogen.
Doch kommt er näher, da faßt's ihn an,
Ein leises Grauen den Wandersmann.
Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen
Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
Da hört' er mit lieblicher Stimme singen,
Wie Geister tief unten im feuchten Grund.
Drauf sieht er mit eignen Augen
Einen Arm aus den Wellen tauchen.
Und ziehet heim, von Gedanken schwer,
Und erzählet Niemand die schaurige Mähr'.
Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,
Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,
Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,
Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt.
Das spielt' einst in friedlichen Träumen
Ganz nah, wo die Wogen schäumen,
Und pflückte sich duftende Blümchen ab
Am Rande vom tobenden Wellengrab.
Und wie es sich bückt, zieh'n fremde Gewalten
Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n,
Und die Himmlischen können's nicht mehr halten,
Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n!
Schon wälzet das Mühlrad die Speiche
Zermalmend über der Leiche,
Und siehe, des Kindes purpurnes Blut
Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.
Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,
Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
Wo's der Wandrer höret so lieblich singen,
Wie Geister tief unten im feuchten Grund,
Ist des Waldmüllers Kind begraben,
Das die Räder zermalmet haben,
Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,
Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.
Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:
»Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr?
»Hier unten ist's freundlich, ist kühler wie Erde,
»Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr!«
Den Müller faßt es mit Grausen,
Wenn er höret die Stimme draußen.
In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,
Da singt das ertrunkene Müllerkind.
Schweizers Sehnsucht.
O wer kühlt dies bange Sehnen,
Das mich glühend heiß erfüllt,
Und in stille warme Thränen
Meine matten Augen hüllt?
Nicht mehr kann ich sie verhehlen
Diese Schmerzen, die mich quälen,
Die sich ewig mir erneu'n.
Wenn die junge Morgenröthe
Freundlich von dem Himmel lacht,
Hab' ich einsam, still und öde,
Eine bange Nacht durchwacht,
Und der erste Purpurschimmer
Hat den süßen Frieden nimmer
In des Schweizers Brust gesandt.
Ach, ein Land nenn' ich mit Zähren,
Wo der Morgen schöner brennt,
Auf der Alpen Hochaltären,
Am entflammten Firmament;
Wo die Andacht Blicke feuchtet,
Wenn die große Fackel leuchtet,
In der Morgenröthe Gluth.
Jene Höh'n, wo seit Aeonen
In der Ewigkeiten Schooß',
Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,
Der am Morgen, herrlich groß,
Es der Erde froh verkündet,
Daß die Opfer angezündet
Frommen Dankes für den Herrn.
Wo der Aar in reinern Lüften
Kühner seine Schwingen hebt,
Ueber bodenlosen Klüften
Ungewohnt der Wandrer bebt,
Wo von friedlich stillen Matten,
Bei des Abends kühlem Schatten,
Heerden mit Geläute zieh'n.