Lottchen. Damis.
Lottchen. Kommen Sie mir zu Hülfe. Und wenn sie mein Unglück auch
alle wollen: so sind doch Sie zu großmütig dazu. Was geht mit meinem
Bräutigam vor? Sagen Sie mir's aufrichtig.
Damis. Er ist Ihnen untreu.
Lottchen. Auch Sie sind mein Feind geworden? Hat Sie mein Liebhaber
beleidiget: so handeln Sie doch wenigstens so großmütig und sagen mir
nichts von der Rache, die Sie an ihm nehmen wollen.
Damis. Mein Herz ist viel zu groß zur Rache.
Lottchen. Aber klein genug zur Undankbarkeit? Hat Ihnen mein
Geliebter nicht heute den redlichsten Dienst erwiesen?
Damis. Wollte der Himmel, er hätte mir ihn nicht erwiesen: so würden
Sie glücklicher, und er würde nur ein verborgner Verräter sein.
Lottchen. Betrüger! Verräter! Sind das die Namen meines Freundes,
den ich zwei Jahr kenne und liebe?
Damis. Wenn ich die Aufrichtigkeit weniger liebte: so würde ich mit
mehr Mäßigung vor Ihnen reden. Aber mein Eifer gibt mir für Ihren
Liebhaber keinen andern Namen ein. Sie, meine Schwester, sind Ihres
Herzens wegen würdig, angebetet zu werden, und eben deswegen ist der
Mensch, der bei Ihrer Zärtlichkeit und bei den sichtbarsten Beweisen
der aufrichtigsten Liebe sich noch die Untreue kann einfallen lassen,
eine abscheuliche Seele.
Lottchen. Eine abscheuliche Seele? Wohlan; nun fordere ich Beweise.
(Heftiger.) Doch weder Ihr Vormund noch Sie, noch meine Schwester,
noch mein Vater selbst werden ihm meine Liebe entziehn können. Und
ich nehme keinen Beweis an als sein eigen Geständnis. Ich bin so sehr
von seiner Tugend überzeugt, daß ich weiß, daß er auch den Gedanken
der Untreue nicht in sich würde haben aufsteigen lassen, ohne mir ihn
selbst zu entdecken. Und ich würde ihn wegen seiner gewissenhaften
Zärtlichkeit nur desto mehr lieben, wenn ich ihn anders mehr lieben
könnte.
Damis. Ich sage es Ihnen, wenn Sie mir nicht trauen: so gebe ich
Ihnen das Herz meiner Braut wieder zurück. Ihnen bin ich's schuldig;
aber ich mag nicht die größte Wohltat von Ihnen genießen und zugleich
Ihr Unglück sehn.
Lottchen. Sie müssen mich für sehr wankelmütig halten, wenn Sie
glauben, daß ich durch bloße Beschuldigungen mich in der Liebe irren
lasse. Haben Sie oder ich mehr Gelegenheit gehabt, das Herz meines
Bräutigams zu kennen? Wenn Sie recht haben, warum werfen Sie ihm
seine Untreue abwesend vor? Rufen Sie ihn hieher. Alsdann sagen Sie
mir seine Verbrechen. Er ist edler gesinnet als wir alle. Und ich
will ihn nun lieben.
Damis. Sie haben recht. Ich will ihn selbst suchen.