Die Vorigen. Herr Cleon. Herr Siegmund.
Cleon. Mein wertester Herr, ich habe Sie mit dem Herrn Siegmund schon
im Garten gesucht. Ich sahe Sie in das Haus hereintreten, und ich
glaubte, Sie würden den Kaffee im Garten trinken wollen. Ich erfreue
mich über die Ehre Ihrer Gegenwart. Ich erfreue mich recht von Herzen.
Simon. Und ich erfreue mich, Sie wohl zu sehen und heute einen Zeugen
von Ihrem Vergnügen abzugeben.
Lottchen. Ach, lieber Papa! Ach, lieber Herr Siegmund! Soll ich's
sagen? Herr Simon!
Simon. Wenn Sie es erzählen, wird mir's so neu klingen, als ob ich's
selbst noch nicht wüßte.
Cleon. Nun, was ist es denn? meine Tochter! Wem willst du es erst
sagen, mir oder meinem lieben Nachbar? Welcher ist dir lieber, du
loses Kind?
Lottchen. Wenn ich die Liebe der Ehrfurcht frage: so sind Sie's. Und
wenn ich die Liebe der Freundschaft höre: so ist es Ihr lieber Nachbar.
Ich will's Ihnen beiden zugleich sagen, was mir Herr Simon itzt
erzählt hat. Die selige Frau Muhme hat Julchen in ihrem Testamente
ihr ganzes Rittergut vermacht. Das Testament ist geöffnet, und mein
Herr Pate, der Herr Hofrat, läßt Ihnen durch den Herrn Simon diese
Nachricht bringen.
Cleon. Dafür sei Gott gedankt. Das Gut ist doch Weiberlehn? Ja!
Ich erschrecke ganz vor Freuden. Das hätte ich nimmermehr gedacht. O
sie war dem Mädchen sehr gut! Gott vergelte es ihr in der frohen
Ewigkeit. Das ganze Rittergut?
Siegmund. Das ist vortrefflich. Die rechtschaffene Frau!
Simon (zu Cleon). Ich habe mir in Ihrem Namen die Abschrift von dem
Testamente schon ausgebeten, und ich hoffe sie gegen Abend zu erhalten.
Sie werden auch bald eine gerichtliche Verordnung bekommen.
Cleon. Das ist ja ganz was Außerordentliches. Ich will's die Armen
gewiß genießen lassen. Aber du, meine liebe Tochter, du kömmst dabei
zu kurz.
Lottchen. Ich? Papa. Nein. Wenn ich das Glück tragen könnte: so
würde mir der Himmel gewiß auch welches geben. Ich habe schon Glück
genug. Nicht wahr? Herr Siegmund! Was meinen Sie?
Siegmund. Daß Sie es ebenso würdig sind als Ihre Jungfer Schwester.
Cleon. Herr Simon, Sie haben mir ja in Ihrem Billette gemeldet, daß
auch Sie eine erfreuliche Nachricht erhalten hätten. Kommen Sie doch
mit mir in den Garten und vertrauen Sie mir's. Diese beiden
feindseligen Gemüter werden sich schon hier allein vertragen oder uns
nachkommen.