Lottchen. Siegmund.
Siegmund. Ich habe schon einen Augenblick mit Julchen gesprochen.
Sie ist ungehalten auf den Herrn Damis, aber ihre ganze Anklage
scheint mir nichts als eine Liebeserklärung in einer fremden Sprache
zu sein. Ich hätte nicht gedacht, daß sie so zärtlich wäre. Die
Liebe und Freundschaft reden zugleich aus ihren Augen und aus ihrem
Munde, je mehr sie nach ihrer Meinung die erste verbergen will.
Lottchen. Ei, ei, mein lieber Herr Siegmund! Ich könnte bald einige
Minuten eifersüchtig werden. Nicht wahr, meine Schwester ist
reizender als ich? Aber dennoch lieben Sie mich.
Siegmund. Wer kann Sie einmal lieben und nicht beständig lieben?
Ihre Jungfer Schwester hat viele Verdienste; aber Sie haben ihrer weit
mehr. Sie kennen mein Herz. Dieses muß Ihnen für meine Treue der
sicherste Bürge sein.
Lottchen. Ja, ich kenne es und bin stolz darauf. Ach, mein liebster
Freund, ich muß Ihnen sagen, daß uns vielleicht ein kleines Glück
bevorsteht. Wollte doch der Himmel, daß es zu Ihrer Beruhigung etwas
beitragen könnte! Der Herr Vormund des Herrn Damis hat dem Papa in
einem Billette gemeldet, daß heute das Testament der Frau Muhme
Stephan geöffnet werden würde und daß er glaubte, sie würde den Papa
darinne bedacht haben. O wenn es doch die Vorsicht wollte, daß ich so
glücklich würde, Ihre Umstände zu verbessern!
Siegmund. Machen Sie mich nicht unruhig. Sie lieben mich mehr, als
ich verdiene. Gedulden Sie sich, es wird noch alles gut werden und...
Lottchen. Sie sind unruhig? Was fehlt Ihnen? Sagen Sie mir's. Mein
Leben ist mir nicht lieber als Ihre Ruhe.
Siegmund. Ach, mein schönes Kind, es fehlt mir nichts, nichts als das
Glück, Sie ewig zu besitzen. Ich bin etwas zerstreut. Ich habe diese
Nacht nicht wohl geschlafen.
Lottchen. O kommen Sie und werden Sie mir zuliebe munter. Wir wollen
erst zu Julchen auf ihre Stube und dann gleich zur Mahlzeit gehn.
(Ende des ersten Aufzugs.)