Die Vorigen. Julchen.
Julchen. Da sind Sie ja alle beisammen. Der Papa wollte gern wissen,
wo Sie wären, und ich kann ihm nunmehro die Antwort sagen. (Sie will
wieder gehn.)
Lottchen. Mein liebes Julchen, warum gehst du so geschwind? Weißt du
eine bessere Gesellschaft als die unsrige?
Julchen. Ach nein, meine Schwester. Aber wo Ihr und Herr Siegmund
seid, da wird gewiß von der Liebe gesprochen. Und ich finde heute
keinen Beruf, einer solchen Versammlung beizuwohnen.
Lottchen. Warum rechnest du denn nur mich und Herr Siegmunden zu den
Verliebten? Was hat dir denn Herr Damis getan, daß du ihm diese Ehre
nicht auch erweisest?
Julchen. Herr Damis ist so gütig gewesen und hat mir versprochen,
lange nicht wieder von der Liebe zu reden. Und er ist viel zu billig,
als daß er mir sein Wort nicht halten sollte.
Damis. Ich habe es Ihnen versprochen, meine liebe Mamsell, und ich
verspreche es Ihnen vor dieser Gesellschaft zum andern Male. Erlauben
Sie mir, daß ich meine Zärtlichkeit in Hochachtung verwandeln darf.
Die Liebe können Sie mir mit Recht verbieten; aber die Hochachtung
kömmt nicht auf meinen Willen, sondern auf Ihre Verdienste an. Scheun
Sie sich nicht mehr vor mir. Ich bin gar nicht mehr Ihr Liebhaber.
Aber darf ich denn auch nicht Ihr guter Freund sein?
Julchen. Von Herzen gern. Dieses ist eben mein Wunsch, viele Freunde
und keinen Liebhaber zu haben; mich an einem vertrauten Umgange zu
vergnügen, aber mich nicht durch die Vertraulichkeit zu binden und zu
fesseln. Wenn Sie mir nichts mehr von der Liebe sagen wollen: so will
ich ganze Tage mit Ihnen umgehen.
Lottchen. Kommen Sie, Herr Siegmund. Bei diesen frostigen Leuten
sind wir nichts nütze. Ob wir ihr kaltsinniges Gespräch von der
Freundschaft hören oder nicht. Wir wollen zu dem Papa gehen.