Fünfter Auftritt

Die Vorigen. Julchen.

Julchen. Da sind Sie ja alle beisammen. Der Papa wollte gern wissen,

wo Sie wären, und ich kann ihm nunmehro die Antwort sagen. (Sie will

wieder gehn.)

Lottchen. Mein liebes Julchen, warum gehst du so geschwind? Weißt du

eine bessere Gesellschaft als die unsrige?

Julchen. Ach nein, meine Schwester. Aber wo Ihr und Herr Siegmund

seid, da wird gewiß von der Liebe gesprochen. Und ich finde heute

keinen Beruf, einer solchen Versammlung beizuwohnen.

Lottchen. Warum rechnest du denn nur mich und Herr Siegmunden zu den

Verliebten? Was hat dir denn Herr Damis getan, daß du ihm diese Ehre

nicht auch erweisest?

Julchen. Herr Damis ist so gütig gewesen und hat mir versprochen,

lange nicht wieder von der Liebe zu reden. Und er ist viel zu billig,

als daß er mir sein Wort nicht halten sollte.

Damis. Ich habe es Ihnen versprochen, meine liebe Mamsell, und ich

verspreche es Ihnen vor dieser Gesellschaft zum andern Male. Erlauben

Sie mir, daß ich meine Zärtlichkeit in Hochachtung verwandeln darf.

Die Liebe können Sie mir mit Recht verbieten; aber die Hochachtung

kömmt nicht auf meinen Willen, sondern auf Ihre Verdienste an. Scheun

Sie sich nicht mehr vor mir. Ich bin gar nicht mehr Ihr Liebhaber.

Aber darf ich denn auch nicht Ihr guter Freund sein?

Julchen. Von Herzen gern. Dieses ist eben mein Wunsch, viele Freunde

und keinen Liebhaber zu haben; mich an einem vertrauten Umgange zu

vergnügen, aber mich nicht durch die Vertraulichkeit zu binden und zu

fesseln. Wenn Sie mir nichts mehr von der Liebe sagen wollen: so will

ich ganze Tage mit Ihnen umgehen.

Lottchen. Kommen Sie, Herr Siegmund. Bei diesen frostigen Leuten

sind wir nichts nütze. Ob wir ihr kaltsinniges Gespräch von der

Freundschaft hören oder nicht. Wir wollen zu dem Papa gehen.

Die zärtlichen Schwestern · 第 10 / 61 题