Sonst geschah nichts in diesem Jahre. Doch, es kam ein Buch von Karl.
Karls neues Buch. Es hieß »Sturm«. Es waren knorrige Eichen, die brausten
und knarrten, sich schüttelten und lachten. -- Seht!
Das Jahr verging. Ich habe vergessen, wie. Dann sah ich wieder mit andern
Augen in die Welt.
Der Frühling kam wieder! Abermals kam er.
40
Es ist Frühling.
Ich sitze auf der Treppe meines Hauses und rauche aus meiner kurzen Pfeife.
Lustig wirbelt der Rauch heraus. Die Sonne scheint, die Welt ist grün. Grün
und durchsichtig wie Glas ist die Wiese, das Laub der Buchen. Blau und
durchsichtig wie Glas ist der Himmel. Die Sonne scheint. Die Vögel singen,
Tau tropft aus den Bäumen.
Ich rauche die Pfeife und lächle.
Schön ist die Welt! Schön ist das Leben!
Da liegt das Tal, schimmernd und grün. Aus dem Walde drüben winkt eine
kleine Fahne.
Die Apfelbäume blühen an der Straße. Ein Wegmacher scharrt auf der Straße,
das Messingband auf seinem Hute funkelt wie ein Kronenreif.
Friede und Schönheit sanken vom Himmel auf die Erde, denke ich. Die Sonne
schüttet brennenden Wein aus Kannen über die Welt, wie ehedem.
Ich lächle.
Es klingt im Walde, im Tal.
Die Bergstraße herab kommt ein Mädchen, ein schlankes Bauernmädchen, ein
weißes Tuch um den Kopf geschlungen, ein Bündel in der Hand. Golden funkelt
es unter dem Kopftuche.
Es nickt herüber zu mir, seine Zähne blitzen und seine Augen.
Kind, Kind, was funkelst du mit den Augen und lächelst? Gehst in den Wald
und suchst nach einem Geliebten? Es ist Frühling, nimm dich in acht, Kind!
»Guten Morgen!« ruft das Mädchen mit klingender Stimme und geht die Straße
hinab.