Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]

Wohl nicht zu einem bestimmten Zweck ersonnen, sondern nur aus Freude

an der Sache entworfen sind mehrere, in verschiedenen Sammlungen

befindliche Darstellungen aus dem Leben der Schweizer Landsknechte, in

leichter Ausführung mit höchster Lebendigkeit hingezeichnete Blätter.

Das Baseler Museum besitzt eine ganz wundervolle Schilderung eines

Zusammenstoßes zweier Landsknechthaufen; auf der einen Seite suchen die

Männer mit den langen Spießen eine geschlossene Verteidigungsstellung

zu behaupten, von der anderen drängen sie in wuchtigem Haufen heran,

in der Mitte raufen die Katzbalger, die verlorenen Gesellen. Das ist

mit einer so packenden Lebendigkeit zur Anschauung gebracht, als ob

der Zeichner Selbsterlebtes erzählte. Auch die Art der Ausführung

trägt zur Lebendigkeit des Eindrucks bei; in schneller und sofort

sicherer Führung des Tuschpinsels hat der Zeichner mit Strichen und

Tönen die vorderen Figuren in allem Gewühl und Getümmel klar erkennbar

auseinander gehalten, und die weiter zurückstehenden, die in der

Wirklichkeit ein Staubschleier dem Beschauer undeutlich machen würde,

hat er nur in flüchtigen, gleichsam zitternden Umrissen angedeutet

(Abb. 69). Zu den Landsknechtsbildern gehört auch die Abbildung eines

Schiffes, die sich im Städelschen Museum zu Frankfurt befindet. Das

augenscheinlich nach der Wirklichkeit gezeichnete Fahrzeug ist in

Bereitschaft, den Hafen zu verlassen, um eine Schar von Bewaffneten,

deren Tracht die des Schweizer Kriegsvolks ist, in die Ferne zu führen.

Der Hauptstrom der Schweizer Reisläufer ging damals nach Frankreich;

Holbein mag, wenn er in Avignon seinen Freund Amerbach besuchte, von

dort aus leicht Gelegenheit gefunden haben, einen solchen Vorgang,

wie er ihn hier schildert, zu sehen. Schon blähen sich die Segel des

Schiffes, eilig rudert zum letztenmal ein Boot heran, um, was nicht an

Bord gehört, zurückzuholen. Die Eingeschifften haben den Abschied vom

Lande kräftig gefeiert, jetzt gilt es, das Scheiden kurz zu machen.

Der Trommler und der Pfeifer lassen vom Heck die Marschmusik der

Landsknechte ertönen, der Fähnrich schwingt grüßend das große Banner.

Unter der Schiffsmannschaft kreist noch ein Abschiedstrunk in großen

Kannen, bis zum Mastkorb hinauf. Daß, nach der Bauart des Schiffes, die

Figuren im Verhältnis zu diesem etwas zu groß geraten sind, mag man dem

Zeichner gern verzeihen (Abb. 70).

[Illustration: Abb. 74. +Der Tod und der Ritter.+

Holbein der jüngere · 第 28 / 39 题