Im Museum zu Basel.]

Die Bekanntschaft mit Erasmus verdankte Holbein ohne Zweifel dem

Buchdrucker Froben. Dieser berühmte Verleger gab dem jungen Künstler

bald nach dessen Ankunft in Basel Beschäftigung, indem er ihn

Holzzeichnungen zur Druckausstattung von Büchern anfertigen ließ.

Eine mit Hans Holbeins Namen bezeichnete Titeleinfassung, bestehend

aus einem Renaissancegehäuse, das von Putten belebt ist, und auf

dessen Sockel Tritonen wie in Relief dargestellt sind, kommt in den

Ausgaben verschiedener Bücher aus dem Jahre 1515 und der Folgezeit

vor. Dann folgen von 1516 an verschiedene Umrahmungen, in denen

Figurendarstellungen die Hauptsache sind; da werden die Geschichten

von Mucius Scävola, von Marcus Curtius, von Kleopatra, die Sage von

Tantalus und Pelops (Abb. 8) und andere klassische Erzählungen, die

in jenem Zeitalter des Humanismus wieder neues Leben bekommen hatten,

dem Beschauer vorgeführt. Es ist bemerkenswert, daß Holbein hier

schon anstatt der Tracht seiner Zeit antikes Kostüm angewendet hat,

dessen Kenntnis die Kupferstiche des Mantegna ihm zutrugen. Dazu kommt

ein Titelrahmen mit der vom Mittelalter her beliebten Verbildlichung

von der Weibermacht; Paris, Pyramus, David und Salomon sind als

Beispiele der dem Weibe unterliegenden Männer vorgeführt. Außer

ganzen Titeleinfassungen zeichnete Holbein auch einzelne Zierleisten,

figurengeschmückte Alphabete und einzelne Buchstaben für den Buchdruck;

ferner die auf dem Titel oder am Schluß des Buches anzubringenden

Verlagszeichen (Signete), nicht nur des Froben, sondern auch anderer

Drucker. Das Verlagszeichen des Johannes Froben war ein von zwei

Händen gehaltener Merkursstab, auf dessen Knopf zwischen den Köpfen

der beiden Schlangen eine Taube sitzt. Auf dem großen Bücherzeichen

(~Ex-libris~) Frobens (Abb. 9) sehen wir dieses Signet auf einem

Schild angebracht, der von Putten in einem reichen Renaissancegehäuse

gehalten wird; leider wird das hübsch erfundene Blättchen durch die

mangelhafte Schnittausführung verunstaltet. Überhaupt ist der Schnitt

dieser frühen Holzzeichnungen Holbeins recht unvollkommen; der Strich

der Künstlerhand erscheint manchmal sehr entstellt. Bei mehreren der

Blätter, die keine Namensbezeichnung tragen, bleibt es zweifelhaft,

ob Hans Holbein oder sein auf demselben Gebiete thätiger Bruder

Ambrosius der Urheber ist. -- Das Frobensche Signet hat Hans Holbein

auch einmal in größerem Maßstab, sozusagen als Bild, ausgeführt,

in Wasserfarbenmalerei auf Leinwand. Dieses Blatt, das sich in der

Handzeichnungensammlung des Baseler Museums befindet, ist ein Muster

guten Geschmacks; in klarer, einfacher Zeichnung, die mit wenigen

Tönen angelegt ist, erzielt es die trefflichste dekorative Wirkung.

Der Stab mit Schlangen und Tauben schwebt, von Händen, deren Ursprung

in Wolken verschwindet, gehalten, hell vor einem dunkelblauen Grund,

unter einer Bogenarchitektur mit kurzen Säulen, deren Kapitelle die

korinthische Form haben und deren Schäfte, dunkelrot mit ausgesparten

Lichtern, den Eindruck glänzend polierten Marmors machen.

[Illustration: Abb. 12. +Der Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen.+

Zeichnung in Silberstift und Rötel. Im Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

Der junge Maler nahm jeden Auftrag an, der ihm geboten wurde. So

malte er im Jahre 1516 das Aushängeschild eines Schulmeisters (Abb.

10 und 11). Es war eine Tafel, die, am Schulhause herausgehängt, auf

beiden Seiten zu sehen war; jede Seite bekam daher Aufschrift und

Bild. Jetzt befindet sich die Tafel, in ihre beiden Seitenhälften

gespalten, im Museum zu Basel. Die Aufschrift, die, auf beiden Seiten

gleichlautend, jedem, der gern deutsch schreiben und lesen lernen will,

er sei Bürger oder Handwerksgesell, Frau oder Jungfrau, verspricht,

ihm dieses in kürzester Zeit gründlich beizubringen, unter der Zusage,

von demjenigen, bei dem die Unterweisung vergeblich sein sollte,

keinen Lohn nehmen zu wollen, und die für die jungen Knaben und

Mägdlein die übliche Schulzeit ansagt, nimmt in ihrer Ausführlichkeit

den größten Raum der Tafel ein. Für die bildliche Belebung dieser

Ansprache an die Vorübergehenden blieb je ein länglicher niedriger

Streifen frei. Holbein hat hier, begreiflicherweise ohne künstlerischen

Kraftaufwand, aber doch mit malerischer Lust und mit heiterer Laune,

zwei niedliche Bildchen gemalt, in denen er einerseits den Unterricht

der Kinder, andererseits denjenigen der Erwachsenen schildert. Dort

sieht man in ein kahles Zimmer mit Bretterboden und grauen getünchten

Wänden. An der Langwand steht unter den Butzenscheibenfenstern eine

ganz einfache Bank, eine zweite Bank steht genau in der Mitte des

Raumes; links und rechts befinden sich je ein Pult. An dem einen Pult

sitzt auf einer Kiste der Schulmeister, gelb und rot gekleidet, mit

einer roten Mütze auf dem Kopf; er berührt einen lesenden Knaben

in grünem Röckchen freundschaftlich mit der Rute. Gegenüber sitzt

die Frau Schulmeisterin in rotem Kleid und weißer Haube auf einem

Stuhl, mit dem Unterweisen eines blau und grün gekleideten Mädchens

beschäftigt. In der Mitte sitzen auf der Bank und auf einem daneben

stehenden Schemel zwei Knaben, die für sich lesen, der eine in blauem

Anzug, der andere in gelbem mit roter Mütze. Das Bildchen hat in

seiner großen Anspruchslosigkeit einen Reiz durch seine vollkommene

Naivetät; der Ausdruck, nicht nur in den Gesichtern, sondern auch in

den Bewegungen, ist ganz vortrefflich. Das andere Bildchen besitzt

noch mehr malerischen Reiz. Die naturgemäße Beleuchtung mit dem

durch die Fenster von hinten auf die Figuren fallenden Licht und den

nach vorn sich ausbreitenden Schlagschatten ist mit Entschiedenheit

angegeben. Die Stube ist ähnlich wie dort, wirkt aber doch etwas

wohnlicher. An der Wand sieht man eine Vorrichtung zum Waschen mit

einem sauberen Handtuch. In der Mitte steht ein Tisch mit Stühlen.

Da sitzt der Schulmeister, den man hier gerade von vorn sieht --

zweifellos ist er Porträt --, in der nämlichen Kleidung wie dort,

zwischen zwei erwachsenen jungen Männern, die nach der Landsknechtsmode

gekleidet sind, der eine bunt in Rot und Gelb, der andere grün. Der

Gesichtsausdruck ist wieder meisterhaft, namentlich wirkt die Miene

des Grünen, der sich mit der größten Mühe anstrengt zu fassen, was der

Lehrer ihm sagt, unbeschreiblich komisch.

[Illustration: Abb. 13. +Dorothea Kannengießer, Gattin des

Bürgermeisters Jakob Meyer.+ Zeichnung in Silberstift und Rötel. Im

Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 14. +Der Bürgermeister Jakob Meyer.+ Ölgemälde von

1516.

Im Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

Neben solchen bescheidenen Arbeiten von flüchtiger Ausführung malte

Holbein aber auch Bildnisse, in denen er den höchsten künstlerischen

Ansprüchen Genüge leistete durch eine meisterhafte Bethätigung der

Kunst, aus dem naturgetreuen Abbild eines Menschen ein wirkliches

Bild, ein in Formen und Farben in sich abgeschlossenes harmonisches

Kunstwerk, zu gestalten, und durch die vollendetste technische

Durchbildung. In eben dem Jahre 1516 gab der neuerwählte Bürgermeister

von Basel, Jakob Meyer, ihm den Auftrag, ihn und seine Gattin zu

malen. Das Baseler Museum besitzt nicht nur die in einem Rahmen

vereinigten Bildnisse des Ehepaares, sondern auch die Vorarbeiten,

welche Holbein zu denselben gemacht hat. Diese letzteren bestehen in

Zeichnungen der Köpfe, die in der nämlichen Größe, die sie im Gemälde

bekommen sollten, halb lebensgroß, mit der äußersten Sorgfalt und

Feinheit ausgeführt sind. Mit haarscharfen Linien des Silberstifts,

die so klar und bestimmt dastehen wie Federstriche, hat der Künstler

die Umrisse festgestellt; in leichter, zarter Modellierung hat er

mit demselben Stift die Rundung der Formen angegeben und dabei die

Verschiedenartigkeiten der Haut in ihrer Lage über festen und über

weichen Teilen treffend anzugeben gewußt; mit Rötel hat er dann die

röteren Stellen der Haut bezeichnet. Namentlich die Zeichnung des

Männerkopfes ist so vollendet in der Durchbildung, daß diese Vorarbeit

zu einem Gemälde den Wert eines selbständigen Kunstwerks in sich trägt.

Jakob Meyer, mit dem Beinamen zum Hasen -- solche unterscheidende

Beinamen wurden von den Wahrzeichen der Häuser der Betreffenden

hergeleitet --, zeigt sich uns als eine ehrenfeste Persönlichkeit,

in deren Zügen sich Milde und Entschiedenheit vereinigen. So können

wir uns den Mann wohl vorstellen, der, nachdem er mehrere Feldzüge

in Italien mitgemacht hatte, als der erste von bürgerlicher Herkunft

an die Spitze der Regierung von Basel berufen wurde und in einer

Reihe aufeinander folgender Amtsjahre tief eingreifende Neuerungen

in der Verfassung der Stadt mit Umsicht und Thatkraft durchführte

(Abb. 12). Die Gattin des Bürgermeisters, Dorothea Kannegießer,

erscheint jung und hübsch; sie war Jakob Meyers erst vor wenigen

Jahren heimgeführte zweite Frau (Abb. 13). -- Nachdem Holbein solche

Zeichnungen angefertigt hatte, in denen Form und Ausdruck schon

vollkommen fertig festgelegt waren, konnte er bei der Ausführung in

der Malerei sein ganzes Augenmerk auf die Farbe richten. Und auch um

der Farbe willen brauchte er seine Modelle nicht durch viele und lange

Sitzungen zu ermüden. Auf der Bildniszeichnung Jakob Meyers sehen

wir oben links in der Ecke einige schriftliche Bemerkungen von der

Hand Holbeins; das sind Notizen über die Farbe, z. B. „Brauen heller

denn das Haar.“ Wir ersehen daraus, daß der Künstler die Absicht

hatte und zweifellos auch durchführte, beim Herstellen der Gemälde,

im Vertrauen auf sein erforderlichenfalls durch solche Notizen

unterstütztes Farbengedächtnis, die Zeichnungen so viel wie möglich

aus dem Kopf in Malerei zu übersetzen. Dieses Verfahren hat Holbein

zeitlebens beibehalten. In die Art und Weise, wie er beim Malen zu

Werke ging, gewährt ein in den ersten Anfängen stehen gebliebenes

Damenporträt im Baseler Museum einen interessanten Einblick; da sind

innerhalb der genauen Zeichnung alle Farben mit ganz platten Tönen

angelegt, nur das Fleisch ist von vornherein ein wenig modelliert. --

Das gemalte Doppelbildnis des Meyerschen Ehepaares (Abb. 14 und 15) ist

ein ausgezeichnetes Meisterwerk. Von seinem Vater hatte Holbein die

Lust überkommen, Architekturen in dem neuen italienischen Geschmack,

im Renaissancestil, zu erfinden. So hat er auch die beiden Brustbilder

unter eine solche, seiner Phantasie entsprungene Architektur gesetzt.

Dieselbe ist als eine in beiden Bildhälften durchgehende gedacht. Sie

bringt Abwechselung in Formen und Farben in die Hintergründe; der graue

Stein ist buntfarbig belebt durch braunrote Marmorsäulchen, goldfarbige

Verzierungen und dunkelblaue Tönungen in den Kassetten der Wölbung. Bei

dem Bilde des Mannes bleibt ein schmaler, bei demjenigen der Frau ein

breiter Durchblick in die lichtblaue Luft frei. Jakob Meyer trägt einen

schwarzen Rock, ein weißes Hemd mit goldfarbiger Stickerei am Börtchen

und eine scharlachrote Mütze auf dem krausen braunen Haar; das Rot und

das Luftblau stehen ganz ähnlich zusammen wie in dem das Jahr zuvor

gemalten Bildnis im Darmstädter Museum. Das Bild der Frau ist womöglich

noch prächtiger in der Farbe, als das des Mannes. Kopf und Hals heben

sich in den lichten Fleischtönen einer Blondine, deren kühle Farbe

durch eine warme Tönung des mit goldfarbigen Verzierungen durchwirkten

Weißzeugs von Haube und Hemd noch gehoben wird, von der blauen Luft

ab; ein paar schmale Kettchen auf dem weißen Hals und glitzernder

Metallschmuck am Saum des Hemdes beleben die Helligkeitsmasse, die

unten kräftig abgeschlossen wird durch den breiten schwarzsammetenen

Besatz des scharlachroten Kleides.

[Illustration: Abb. 15. +Die Gattin des Bürgermeisters Jakob Meyer.+

Ölgemälde von 1516. Im Museum zu Basel.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

Ein mit der Jahreszahl 1517 bezeichnetes kleines Bild im Baseler

Museum zeigt Adam und Eva in Brustbildern (Abb. 16). Es ist eine mit

Ölfarbe auf Papier gemalte fleißige Naturstudie, deren malerischer Reiz

in der Verschiedenheit besteht, mit der sich helleres und dunkleres

Fleisch -- Adam ist brünett, Eva blond -- nebeneinander vom schwarzen

Grunde abheben.

[Illustration: Abb. 16. +Adam und Eva.+ Ölmalerei auf Papier, von 1517.

Holbein der jüngere · 第 20 / 39 题