Im Großherzogl. Museum zu Darmstadt.]

Beweglichen Geistes vermochte Holbein, der hier mit so eindringlicher

Vertiefung das herbste Leiden schilderte, sich ebenso ausdrucksvoll

auf dem Gebiete lustigen Humors zu bewegen. Davon gibt eine in

der Stadtbibliothek zu Zürich aufbewahrte Arbeit die erste Probe,

die in der ersten Hälfte des Jahres 1515 entstanden sein muß, da

der Besteller derselben, Hans Ber, im Sommer dieses Jahres als

Fähnrich mit den Baseler Truppen ausrückte und aus der zweitägigen

blutigen Schlacht bei Marignano nicht heimkehrte. Es ist eine mit

Verbildlichungen volkstümlicher Späße bemalte hölzerne Tischplatte.

Die Hauptdarstellungen zeigen einen eingeschlafenen Händler, dessen

Kram von Affen geplündert wird, und den „Niemand,“ der an allem, was

irgendwo Verkehrtes angerichtet worden ist, schuld sein soll und der

sich doch nicht verteidigen kann. Um diese Hauptbilder zieht sich ein

Rahmen, in dem allerlei Kurzweil dargestellt ist: Kampfspiele, Jagden,

Fischfang, Bad, Schmauserei und Mädchenfang. Dazu sind verschiedene

kleine Dinge, ein Brief, eine Brille, Schreibgeräte und dergleichen, so

auf den Tisch gemalt, als ob sie wirklich dort lägen. Diese Zuthaten

bezwecken den Scherz der Augentäuschung durch die Körperhaftigkeit

der Malerei. Noch im XVII. Jahrhundert war diese Tischplatte ein weit

berühmtes Werk; später in Vergessenheit geraten, wurde sie erst im

Jahre 1871 wieder entdeckt, leider in schwer beschädigtem Zustand.

Im Jahre 1515 trat Holbein auch schon als Bildnismaler auf. Das Museum

zu Darmstadt bewahrt das halblebensgroße Brustbild eines jungen Mannes,

welches mit dieser Jahreszahl und den Buchstaben ~H. H.~ bezeichnet

ist. Der unbekannte Jüngling ist in scharlachrotes Tuch gekleidet,

eine Mütze aus demselben Stoff sitzt auf seinem blonden Haar; den

Hintergrund bildet ein lichtblauer Luftton. In einem kühnen Wagnis hat

der junge Maler hier seine Farbenkunst auf die Probe gestellt; und es

ist ihm wohl gelungen (Abb. 6).

[Illustration: Abb. 7. Schlußbild zu Erasmus’ „+Lob der Narrheit+“.

(Die Narrheit steigt vom Katheder herunter.)

Holbein der jüngere · 第 16 / 39 题