Im Museum zu Basel.]

Die Darstellung des letzten Abendmahls (Abb. 4) verlegt den Vorgang in

einen Raum von spielender, bunter Renaissancearchitektur -- auch diese

Architektur ist echt Holbeinisch --; darin öffnen sich Durchblicke auf

die dunkelblaue Luft. Die Tafel ist auf zwei rechtwinklig aneinander

stoßenden Tischen gedeckt. An der Spitze des Winkels sitzt Christus

so, daß man ihn von der Seite sieht, und reicht dem gelb gekleideten

Judas das Brot über den Tisch herüber. Das Ganze hat eine sehr reiche

Farbenwirkung. In einer Art von Laube, die man im Hintergrund sieht,

ist als Nebendarstellung die Fußwaschung des Petrus zur Anschauung

gebracht. -- Das Gebet am Ölberg ist in einem düsteren Nachtstück

geschildert. Christus wirft die Arme in heftiger Bewegung empor, wie

es Dürer in seiner wenige Jahre vorher erschienenen Kupferstichpassion

vorgebildet hatte. Der Engel kommt, in kühner Verkürzung dargestellt,

köpflings vom Himmel herab; er ist in ein blaßrotes Renaissancekostüm

gekleidet. Die Gewänder des Heilandes und des im Vordergrund

schlafenden Petrus klingen in schwärzlichen Tönen mit der allgemeinen

Nachtstimmung zusammen. Am Horizont flimmert ein rötliches Morgenlicht

im Gewölk. Von den Fackeln der Männer, welche im Hintergrund das

Gartenthor durchschreiten, geht heller Schein aus. Wenn dieses Bild im

ganzen weniger ansprechend wirkt, als die übrigen, so macht dagegen die

Schilderung des folgenden Vorgangs, der Gefangennahme Christi, einen

wahrhaft großartigen Eindruck. Eine wilde Bewegung geht durch das Bild,

in dem, wie üblich, die drei Momente des Judaskusses, des Ergreifens

des Verratenen und des Schwerthiebes des Petrus zusammengefaßt sind.

Die eigentümliche Mächtigkeit des Farbeneindrucks beruht hauptsächlich

auf der Wirkung, in welcher der gelbe Rock des Judas und das graue

Eisen der Rüstungen und Waffen der Häscher zu einander stehen; das

Fackellicht ist nicht zu künstlichen Beleuchtungswirkungen benutzt.

-- In dem Pilatusbilde ist die linke Hälfte des Gemäldes, wo der

Landpfleger in dunkelolivengrünem Rock mit Hermelinpelz in einer

Nische aus verschiedenfarbigem Marmor thront und sich die Hände in

einer goldenen Schüssel wäscht, die ihm ein Diener in dunkelfarbiger

Kleidung hinhält, während ein anderer Diener, in einen hellgelben Rock

mit schwarzem Sammetbesatz gekleidet, aus goldener Kanne eingießt, zu

großer Schönheit der Farbenstimmung durchgebildet. Rechts von dieser

Gruppe sieht man den Heiland, der von einer Schergenschar zur Thür

hinausgeschleppt wird; die am meisten sprechende Farbe gibt hier der

dunkelblaue Christusrock. -- Die Geißelung ist in einer gewaltig

eindrucksvollen Darstellung mit wahrer Grausamkeit gemalt (Abb. 5). Der

entkleidete Christus, dessen Körper mit bedeutender Kenntnis gezeichnet

ist, ist mit einem Strick um den Leib an eine weiße Säule gebunden,

mit einem anderen Strick sind seine Hände hoch gezogen; unter der

Gewalt der Schmerzen klemmt er seine Beine krampfhaft übereinander. Die

helle Gestalt und die bunt gekleideten grimmigen Henker heben sich von

einer beschatteten grauen Steinwand ab; in der Wand sieht man eine

Thüröffnung, durch die Pilatus dem gräßlichen Schauspiel zusieht.

[Illustration: Abb. 6. +Bildnis eines Unbekannten.+ Ölgemälde von 1515.

Holbein der jüngere · 第 15 / 39 题