[Illustration: Abb. 2. +Die heilige Jungfrau Maria.+
Ölbild im Museum zu Basel.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
i. E. und Paris.)]
Seine Söhne, die er beide zu Nachfolgern seiner Kunst herangebildet
hatte, verließen die Vaterstadt schon früher und begaben sich nach
Basel. Hier ist die Thätigkeit von Hans Holbein seit 1515, diejenige
von Ambrosius seit 1516 bezeugt.
Ambrosius Holbein war ein bescheidenes Talent. Es sind nur wenige
Gemälde von ihm vorhanden; unter diesen nehmen zwei im Baseler Museum
befindliche Knabenbildnisse die erste Stelle ein. Ferner werden einige
Bildniszeichnungen von ihm in der nämlichen Sammlung und in der
Albertina zu Wien aufbewahrt. Dazu kommt eine Anzahl in Holzschnitt
vervielfältigter Zeichnungen, der Mehrzahl nach reich verzierte und mit
figürlichen Darstellungen ausgestattete Buchtitel. Ambrosius Holbein
muß früh gestorben sein. Seine Aufnahme in die Baseler Malerzunft wird
im Jahre 1517 beurkundet. Nach 1519 aber gibt kein Werk und keine
Urkunde mehr Zeugnis von seinem Dasein.
Hans Holbein lenkte gleich in der ersten Zeit seiner Anwesenheit in
Basel durch kecke und bedeutende Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich.
Das Museum zu Basel besitzt als das älteste bekannte Werk von der
Hand des jüngeren Hans Holbein ein kleines Marienbild, welches mit
der Jahreszahl 1514 bezeichnet ist (Abb. 1). Dieses Bildchen ist in
einem Dorfe in der Nähe von Konstanz aufgefunden worden, und die
Vermutung scheint begründet, daß der junge Maler dasselbe während
seiner Wanderschaft von Augsburg nach Basel angefertigt habe. Es
ist ein kindliches, aber ansprechendes Werk. Die Jungfrau Maria ist
sitzend, das Jesuskind auf dem Schoße haltend, dargestellt, als
Kniestück; sie trägt ein weißes Kleid und schwarzen Rock, das fein
gefältelte Kleid ist mit Goldstickereien verziert; Gesicht und Hände
und das Kinderkörperchen sind so licht gehalten, daß ihre Farbe dem
Weißen nahe kommt. Dieses Ganze von anspruchslosen Tönen hebt sich
von einem dunkelroten Hintergrund ab, der aber nicht unmittelbar das
Weiß des Kleides und das farblose Fleisch berührt, sondern durch die
Goldfarbe der Krone auf Marias Haupt und des über ihre Schultern
fließenden Haares davon getrennt wird. Um das Bildchen ist ein gemalter
Rahmen herumgeführt, wie ein Aufbau aus weißem Stein, in dem sich
kleine Englein, durch schwarze Füllungen in dem Architekturrahmen
hervorgehoben, bewegen; sie tragen die Leidenswerkzeuge Christi,
Musikgeräte und Inschrifttäfelchen. Aus dem oberen Querteil dieses
Rahmens hängt ein grünes Lorbeergewinde in den dunkelroten Grund
herab, der außerdem noch durch zwei Wappen belebt wird. Die Formen des
Rahmens gehören vollständig dem Renaissancestil an. Aus dem reizvollen
Zusammenklang, der in die wenigen Farben gebracht ist, spricht schon
eine große Feinheit des Farbengefühls.
Unter den von Holbeins Freund Bonifacius Amerbach gesammelten Werken
von dessen Hand, die den Grundstock des Baseler Museums ausmachen,
werden in dem ursprünglichen Verzeichnis mehrere Bilder ausdrücklich
als früheste Arbeiten des Malers bezeichnet. Diese müssen also dem
ersten Jahre seines Aufenthalts in Basel, 1515, angehören. Es sind
zwei Köpfe von Heiligen und einige Bilder aus der Leidensgeschichte
Christi. Die beiden Heiligen, eine Jungfrau mit Krone und losem Haar
(Abb. 2) und ein bartloser junger Mann mit lockigen Haaren (Abb. 3),
stellen wohl Maria und Johannes den Evangelisten vor. Sie haben goldene
Heiligenscheine und hellblaue Hintergründe. Die Töne sind auch hier gut
zusammengestimmt. In Form und Ausdruck aber verraten die sehr fleißig
gemalten Köpfe noch nicht viel von der hohen Begabung ihres Urhebers.
[Illustration: Abb. 3. +Der heilige Johannes der Evangelist.+
Ölbild im Museum zu Basel.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
i. E. und Paris.)]
In höherem Maße sind die Passionsbilder geeignet, unsere Aufmerksamkeit
zu fesseln. Die aus der Amerbachschen Sammlung stammenden Stücke, denen
das alte Verzeichnis jenen Vermerk bezüglich ihrer Entstehungszeit
beigegeben hat, stellen das letzte Abendmahl und die Geißelung Christi
dar. Zu diesen sind durch spätere Erwerbung noch drei andere in das
Baseler Museum gelangt, welche augenscheinlich Bestandteile der
nämlichen, ursprünglich zweifellos noch größer gewesenen Folge bilden:
das Gebet am Ölberg, die Gefangennahme Christi und die Händewaschung
des Pilatus. Die Bilder sind nicht auf Holztafeln, sondern auf Leinwand
gemalt. Da dieses damals in Deutschland noch ganz ungebräuchlich war
bei Gemälden, auf welche man Wert legte, so ist mit Grund die Vermutung
ausgesprochen worden, dieselben seien zu einem vorübergehenden Zweck,
etwa zur Ausschmückung einer Kirche in der Karwoche gemalt worden.
Daraus würde sich auch die derbe und eilfertige Art der Ausführung
dieser Bilder erklären. Auch glaubt man, da die Bilder auf den ersten
Anblick nicht den Eindruck von Werken Holbeins machen, annehmen
zu müssen, daß er dieselben in der Werkstatt eines älteren Malers
als dessen Gehilfe ausgeführt habe. Nach dieser Annahme würden die
Kompositionen der Bilder wahrscheinlich nicht von ihm, sondern von
dem Meister der Werkstatt herrühren. Aber die Kompositionen sind
bedeutender, als man sie von einem der älteren damaligen Baseler
Maler erwarten dürfte, und in zwei Dingen kommen die besonderen
Begabungen Holbeins deutlich zum Ausspruch: in dem künstlerischen Wert
der Farbenstimmungen und in der Lebendigkeit und Natürlichkeit der
Gesichter; der Gesichtsausdruck ist überall außerordentlich sprechend,
und wenn er hier und da an die Grenze der Übertreibung streift, so
ist das leicht erklärlich in Bildern, bei denen die derbe Art der
Ausführung kein Eingehen in Feinheiten zuließ.
[Illustration: Abb. 4. +Das letzte Abendmahl.+ Ölgemälde auf Leinwand.