Bei Tagesgrauen Gewehrfeuer, das bald verstummte. Nach Sonnenaufgang
öffnete sich der trübe Himmel; man sah hinter durchsichtigem
Wolkenhäutchen den abnehmenden Mond als embryonenhafte Goldgestalt. Die
Krankenträger sind eingetroffen, und nach und nach werden alle
Verwundeten fortgetragen. Pirkl muß hierbleiben; er ist fast ohne Puls
und würde vermutlich als Leiche nach Ojtóz kommen. Sein Bruder hat auf
eine Stunde Erlaubnis erhalten, ihn zu besuchen. Da er sich nicht mehr
mit ihm verständigen kann, so benutzt er die Frist, um dem noch Lebenden
ein Grab zu graben und ein Kreuz zu schnitzen, auf dem er sehr
sorgfältig mit blauem Stifte den Namen des Gefallenen verzeichnet.
Um neun Uhr erscheinen unter Führung eines fahnentragenden Rabbiners
dreizehn Rumänen mit Gewehren und Munition, erbitten Gehör bei dem
ungarischen Hauptmann und ergeben sich ihm in aller Form. Der Aufzug war
ein bißchen bühnenmäßig, wofür Ungarn wie Rumänen gewiß mehr Sinn haben
als wir. Der Tag vergeht ruhig. Die Kälte hat nachgelassen; Föhnwind
leckt Eis und Schnee von den schwarzen Felsen. Oft geht man durch eine
Welle sehr warmer Luft, als ob Öfen in der Nähe stünden. Blasse Sonne,
breit zerfließend, steht in löschpapierweißem Dunst. Am Abend ziehen die
ungarischen Sanitätsfähnriche lange Flaschen aus ihren geräumigen
Tragkörben, dazu feine geschliffene Gläser und erquicken sich und uns
mit heißem Wein.