Von Schoschong zurück nach den Central-Diggings

Lage und Bedeutung Schoschongs.--Unser Empfang daselbst.--Rev. Mackenzie

und die Mission der London Missionary Society.--Geschichte der

Bamangwato's und ihres Reiches.--Sekhomo und Khama.--Sekhomo's

Rath.--Sitten und Gebräuche der Betschuana (Schluß).--Die Circumcision

und Boguera.--Die Kotla in Schoschong.--Die Breiprobe.--Aufbruch von

Schoschong.--Das Fasanhuhn.--Khama's Salzsee.--Elephantenspuren.--Die

Buffadder.--Die Dornfelder im Limpopothale.--Ein Löwe und die

Hundemeute.--Ein seltener Anblick.--Zu Tode erkrankt.--Tschune-Tschune.

--Die Dwarsberge und der Schweinfurth-Paß.--Brackfontein.--Eine

Sonderbare Elephantenjagd.--Linokana.--Rev. Jensen und die

Hermannsburger Mission.--Die Baharutse und Ihr Ackerbau.--Zeerust und

der Marico-District.--Das Hooge Velt.--Potschefstroom.--Die

Elephantenjäger David Jackob und Biljeon.--Die Quarzitwälle am

Klip-Port.--Trennung von meinen Gefährten.--Ankunft in Dutoitspan.

Die wichtigste Stadt der unabhängigen Eingebornenreiche im Innern

Süd-Afrika's ist unstreitig der Hauptort der östlichen Bamangwato:

Schoschong. Im Hauptthale der interessanten, nach dem sie bewohnenden

Stamme benannten Höhen zieht sich das nur nach den sommerlichen

Regengüssen gefüllte Bett eines unbedeutenden Flüßchens, das von Norden

her aus einer an der Mündung ziemlich breiten Felsenschlucht ein auch

nur periodisch fließendes, zur Regenzeit jedoch hochangeschwollenes

Bächlein »Schoschon« aufnimmt und an dem die Stadt gelegen ist; daher

auch der Name »Schoschong«, der Ablativ von Schoschon (am Flusse

liegend).

Schoschong war vor etwa zehn Jahren, bevor noch die Kämpfe zwischen den

einzelnen Gliedern der königlichen Familie ausgebrochen waren, die

bevölkertste Stadt in den unabhängigen Betschuanaländern. In diesen, den

Ländern der Batlapinen, Barolongen, Banaquaketsen, Bakwena, der

östlichen und westlichen Bamangwato, in denen die Hauptmacht des

regierenden Stammes gewöhnlich in der jeweiligen Hauptstadt concentrirt

ist, nahm Schoschong als eine der älteren Städte mit seiner

Bevölkerungszahl von 30.000 Seelen den ersten Rang ein, gegenwärtig

zählt die Stadt kaum mehr als ein Fünftel der einstigen Bevölkerung.

Diese Abnahme ist namentlich Sekhomo's Werk, der zur Zeit meines ersten

Besuches die östlichen Bamangwato beherrschte, er ist es, der nicht

allein den Bürgerkrieg entfachte, durch welchen viele Bewohner das Leben

verloren, sondern auch eine Spaltung des Stammes und die Auswanderung

der Makalaka hervorrief. Unter dem gegenwärtigen Regime des besten der

Betschuana-Herrscher erholt sich die Stadt augenscheinlich und wenn das

Land nicht in den nächsten Jahren durch einen feindlichen Einfall der

Zulu-Matabele leidet, wird es wie früher seinen Vorrang unter den

Eingebornenreichen im Innern Süd-Afrika's erringen. Für den Weißen, sei

er Forscher, Händler oder Jäger, war es von jeher ein Ort von höchster

Wichtigkeit und wird es auch bleiben, und zwar aus folgenden Gründen:

In die vier südlichen Betschuana-Königreiche führen drei Wege: vom

West-Griaqualande, vom Oranje-Freistaate und dem Transvaalstaate; diese

vereinigen sich nach Norden zu in der Stadt Schoschong und von hier

verzweigt sich wieder die Route nach Norden zum Zambesi, nach Nordosten

zu dem Matabele- und Maschona-Lande, und nach dem Gebiete der westlichen

(Ngami-See) Bamangwato und endlich zum Damaralande nach Nordwesten, so

daß ein Besuch dieser Länder oder des nördlichen Theiles Süd-Afrika's,

sowie das Vordringen nach Central-Afrika vom Süden her, von der Aufnahme

der Weißen von Seite des Königs Khama, des Sohnes Sekhomo's, abhängt.

Das erwähnte Hauptthal in dem Hochlande der Bamangwato ist 4-6 englische

Meilen breit, mit Gras und Büschen bewachsen, ein Theil ist cultivirt

und an der Vereinigung mit der Schoschong-Schlucht erblickt das Auge des

Reisenden einige hundert dunkelgraue, kegelförmige Strohdächer, welche

die niedrigen cylindrischen, etwa 2 Meter hohen und 3-3½ Meter im

Durchmesser enthaltenden Hütten bedecken. Hie und da ist eines von den

rauhen, dunkelgrünen Blättern der Kalebaß-Kürbisse überrankt.

Bevor wir jedoch aus Süden kommend die Stadt betreten, finden wir etwa

600 Schritte vor derselben das aus drei Gehöften und fünf einzeln

stehenden, theils im Style der Bamangwatohütten, doch größtentheils im

europäischen Style aus gebrannten Ziegelsteinen erbauten und mit

Giebeldächern versehenen Häusern bestehende, »weiße oder

Händler-Viertel«, in dem englische Händler einen Theil des Jahres

wohnen, um mit den Eingebornen zu verkehren, und auch, wie es früher der

Fall war, um den in das Innere ziehenden Jägern die nöthigen Bedürfnisse

vorzustrecken, welche Darlehen von den Jägern nach ihrer Rückkehr mit

Elfenbein und Straußenfedern zurückerstattet wurden. Das wichtigste

Handels-Etablissement war das der Herren Francis und Clark, welche

jedoch wie alle Binnenhändler in den letzten Jahren große Verluste

erlitten. Bisher verwehrte es der König den Weißen, sich an Ort und

Stelle ein Grundstück käuflich zu erwerben, er überließ ihnen jedoch

während der Zeit ihres Aufenthaltes dasselbe unentgeltlich. Nachdem wir

die zerstreuten Gehöfte der Weißen passirt, um zu dem Labyrinthe der

Betschuanahütten zu gelangen, betraten wir die Stadt, in der mir

zahllose verlassene Gehöfte auffielen. An einigen wurden Verbesserungen

vorgenommen. Hier sahen wir Frauen mit Hilfe der bloßen Hand die in den

Boden etwa einen Fuß tief eingerammten, armdicken, knorrigen und mit

Grasstricken aneinander befestigten, eine cylindrische, fünf bis sechs

Fuß hohe Wand bildenden Pfähle überschmieren. Das Material hiezu

bereiten einige Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, welche bis

auf eine etwa handbreite, aus Glasperlen oder Sternchenschnüren

gearbeitete Schürze jeder Bekleidung entbehrend, in einer mäßigen

Vertiefung den rothen Lehmboden unter einem monotonen Gesange stampfen,

was ihnen ebenso Freude bereitet, wie es den Müttern das notwendige

Baumaterial verschafft. Eine alte Frau, die mit ihren dünnen Gliedern

und der vertrockneten, pergamentartigen Haut mehr einer wandelnden Mumie

ähnelt und in ihrem Aussehen der Sorgfalt ihrer Kinder kein gutes

Zeugniß gibt, sitzt nahe an der Grube und schüttet langsam aus den an

sie herangestellten Töpfen dem Anwurfsmateriale Wasser zu. Dort klettern

wieder einige Frauen auf den eben mit frischgetrockneten und in

Bündelchen angelegten, grasbedeckten Dächern herum, um sie theilweise zu

glätten, die widerspenstig hervorragenden Halme herauszuziehen, andere

das Dach mit dünnen Grasschnüren der Länge und Breite nach zu

überziehen. An den Pfaden, in den Höfchen, doch meistens am Zaune, haben

sich neugierige Frauen postirt, die ihre Säuglinge auf dem Arm und

überdies noch einen Haufen kleiner, nackter Kinder um sich geschaart,

lachend den fremden Makoa (Weißen) anstaunen und ihre Meinungen über

denselben austauschen. Der Hals ist mit zahllosen, dunkelblauen großen

Glasperlen, die in Schnüren aneinander gereiht sind, bedeckt, die Brust

entblößt--blos hie und da bedeckt ein Cattunröckchen und ein Wolltuch

(meist roth und schwarz carrirt) den Körper, der Unterkörper ist meist

mit einer bis an die Knie oder bis zu den Knöcheln reichenden Carosse

verhüllt. Nach einer Stunde haben wir uns aus dem Labyrinthe

herausgearbeitet und treten in die eigentliche Schlucht ein, die etwa

400 Schritte breit, sich nach 1000 Schritten allmälig zu einem

Felsenthore einengt. Wenn wir gegen dasselbe hinblicken, so scheint es,

als wenn hier die Schlucht ihren Abschluß finden möchte; dem ist aber

nicht so, es ist nur die westliche steile Wand der Felsenenge, welche in

ihrer Wendung nach Osten sich bis an die von zerrissenen Felsblöcken

(der sogenannten Affenburg) gekrönte Ostwand vorschiebt; wie die

Geschichte der Stadt es beweist, ist diese Felsenge für den Besitz

derselben von der größten Wichtigkeit.

[Illustration: Frauenschürzen der Bamangwato's.]

[Illustration: Bamangwatohütten in Schoschong.]

Auf unserem Wege durch die Schlucht, nach den vor diesem Felsenthore je

an einem Abhange erbauten steinernen Missionsgebäuden, sehen wir den zur

Rechten durch drei Häusergruppen gebildeten mittleren Stadttheil,

während der hintere eine halbe Stunde jenseits der Felsenenge in einem

Felsenbecken erbaut ist.

[Illustration: Kotla in Schoschong.]

An der steilen Berglehne zur Linken (unbedeutend hoch über dem

Flußbette) sieht man Ruinen eines europäischen Häuschens, es sind die

Ueberreste der Hermannsburger Missionskirche, die nach dem Scheiden der

Hermannsburger Mission von Schoschong, wo sie der Londoner

Missions-Gesellschaft Raum machte, verfiel, bis sie in einem der Kämpfe

als ein Bollwerk benützt, und bis auf die lehmigen Mauern zerstört

wurde.

Das Missionsgebäude an der rechten Felsenwand ist wohnlicher und stellt

ein großes Gehöfte dar, in dem sich auch die Schule und die Wohnungen

für die verheirateten, schwarzen Seminaristen und die Kirche befinden.

Zur Zeit meines ersten Besuches in Schoschong wohnte hier als Prediger

einer der edelsten Männer, die ich in Afrika kennen gelernt, Rev.

Mackenzie, der seit 1876 mit dem Seminar nach Kuruman übersiedelte.

Seine Stelle wurde nicht ersetzt, in dem anderen Hause wohnt bis heute

noch Rev. Hephrun.

[Illustration: Bamangwatohaus.]

Von dem Herrn des Hauses freundlichst aufgenommen, wurden wir von seiner

Frau Gemahlin mit einer Tasse Thee und einer Brotschnitte bewirthet und

brachen sodann in seiner Begleitung wieder nach der Stadt auf, um den

König, der schon in der Kotla Platz genommen, zu begrüßen. Aus dem engen

Felsenthore, unter der vorerwähnten Affenburg strömt ein förmlicher Zug

von Frauen, manche wieder lenken in die Schlucht ein--andere kommen von

den im mittleren Drittel der Schlucht entspringenden Quellen, um Wasser

zu holen oder eilen zu ihnen hin. Sie haben die rauhgar gegerbten Felle,

Carossen (mit den Haaren nach innen) toga-artig um den Leib geschlungen;

die Rechte hängt heraus oder hält das am Kopfe getragene Thongefäß. Sie

verstehen sich darauf, diese irdenen, wenn auch noch so schweren Töpfe

über den sehr steinigen Weg hin, sehr gut zu balanciren. Die Carossen

sind reichlich mit einfachen aus Glasperlen und Riemchen verfertigten

Zierraten geschmückt, die Waden mit Wadenringen (Glasperlen und

Messingdraht) bedeckt, die Unterschenkelbildung vollkommen verunstaltend

und verhüllend.

Auf unserem Wege nach des Königs Hütten, welche um die Kotla, d.h. den

Berathungsplatz der conservativen Betschuana's, erbaut sind, haben wir

Gelegenheit zu beobachten, wie freundlich unser Begleiter von Alt und

Jung von den Vorübergehenden mit »Rumela« oder einem Hutlüften gegrüßt

wird. Die Kotla ist ein kreisförmiger, von 10 bis 30 Centimeter im

Durchmesser starken Baumstämmen umfriedeter, ebener Raum, welcher nach

Süden einen Ausgang in eine kleinere Umfriedung und nach Norden einen

Eingang hat. Die zweite Einfriedung ist des Königs Rindviehkraal, d.h.

eine Umzäunung, in welcher die Milchkühe oder Schlachtthiere zur

Nachtzeit untergebracht werden, während die Pferde in der Kotla

übernachten können. Der Eingang zu diesen beiden Räumen wird in der

Nacht mit Holzpfählen geschlossen. Zur Kriegszeit wird Nachts in der

Kotla ein hellloderndes Feuer unterhalten.

Schoschong, früher der Sitz eines Hermannsburger Missionärs, ist

gegenwärtig eine Station der London Missionary Society. Zur Zeit meines

ersten Besuches (1874) standen derselben Rev. J. Mackenzie (der Autor

des Werkes »Ten Years north of the Orange-River«) und Hephrun vor. Ihre

Amtsbrüder in Molopolole hatten mir die Post für Schoschong mit auf den

Weg gegeben, und mich damit an Rev. Mackenzie gewiesen. Seine

freundliche Aufnahme, sein höchst freundliches und anspruchsloses

Betragen während meines ersten Aufenthaltes in Schoschong, seine

freundschaftliche Zuvorkommenheit während meines zweiten Besuches und

seine wahrhaft brüderliche Sorgfalt, die er mir angedeihen ließ, als ich

mittellos und krank von der dritten Reise zurückkehrte, haben mich oft

alle Müh- und Drangsale meiner Laufbahn vergessen lassen, mich mit

innerstem Danke gegen diesen wahren Apostel des Friedens erfüllt und

mich seinen anhänglichsten und wärmsten Freund werden lassen. Ich

erfülle eine der angenehmsten Pflichten, indem ich auch an dieser Stelle

meinem Dankgefühle Ausdruck gebe.

Rev. John Mackenzie, ein Ehrenmann im vollsten Sinne des Wortes,

bekleidete als Missionär in Schoschong angesichts der steten Kämpfe in

der königlichen Familie der östlichen Bamangwato eine der schwierigsten

Stellen in Süd-Afrika, doch wie geschaffen für den Posten wirkte er mit

der größten Umsicht als Vermittler zwischen den einzelnen Parteien; mit

seltener Klugheit und tiefem Mitgefühl für das Edle und Gute begabt,

wußte er jeden Conflict zwischen den einzelnen Stämmen in Güte zu

schlichten und den Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu wecken.

Wenn heute Khama, der Sohn Sekhomo's, als der beste Herrscher unter den

Eingebogen Süd-Afrika's anerkannt wird, so ist dies das Werk Rev.

Mackenzie's. Ich verdanke ihm vielfache Aufklärungen und Mittheilungen

über die Geschichte und die Gebräuche der Betschuana's, deren Treue ich

in mehrfacher Hinsicht durch eigene, spätere Forschungen bestätigt fand.

Ich lagerte mit meinem Wagen am Südostende der Stadt und war bald von

einem Haufen Neugieriger umringt. Da es Herr Mackenzie für angezeigt

hielt, baldigst Sekhomo's, des Königs, Bekanntschaft zu machen, so begab

er sich mit mir zu ihm und bald saßen wir dem alten Manne auf kleinen

Stühlen in der Kotla gegenüber. Von seiner bettelhaften Zudringlichkeit

abgesehen, konnte ich mich während meines kurzen Aufenthaltes in

Schoschong über Sekhomo's Betragen nicht beklagen. Mehr als von

Mittelgröße, etwas beleibt, unterschied er sich durch nichts von den

Umsitzenden, sein Auftreten ließ den Beherrscher eines so großen

Gebietes kaum vermuthen. Ein kleiner Lederlappen war um seine Lenden

geschlungen, ein Ledermäntelchen hing um die Schultern. Dieses ist in

der Regel bei den östlichen Bamangwato's aus Hartebeest-Fell gearbeitet,

bis auf fünf Stellen (siehe die Illustration) glattgar gegerbt, mit

einem aus dem Felle der Säbelantilope geschnittenen schwarzen Ringe

(oder zuweilen ohne denselben) nahe an der unteren Ecke verziert und

oben am Halsrande mit aus Glasperlen etc. gearbeiteten Verzierungen

behangen. Nach einigen gewechselten und durch Herrn Mackenzie

verdolmetschten Phrasen schied ich aus der Kotla, um meinen Besuch

nächsten Tages zu wiederholen.

Ich will nun, bevor ich zu meinem persönlichen Verkehr mit Sekhomo und

seinen Bamangwato's übergehe, einige wichtige Episoden aus der

Geschichte des Bamangwato-Reiches anführen.

Nach den von meinem Freunde Mackenzie gesammelten Traditionen stammen

die Bamangwato von den Banquaketse ab. Wie schon erwähnt, theilten sich

die Baharutse in mehrere Unterabtheilungen und wanderten von den

gemeinsamen Stammsitzen aus; eine dieser Unterabtheilungen theilte sich

später wieder in zwei Stämme, die Banquaketse und die Bakwena, von

welchem ersteren endlich die Bamangwato's sich als der schwächere Theil

loslösten und die Gebiete nördlich der Bakwena's bis an den Zambesi und

Tschobe besetzten. Zur Zeit Matipis, des Urgroßvaters Sekhomo's, fand

eine neuerliche Theilung der Bamangwato's statt, welcher die beiden

Bamangwato-Reiche (das westliche am Ngami-See und das östliche zu

Schoschong) ihre Existenz verdanken.

Der Stifter des ersteren war Towane, der jüngere der beiden Söhne

Matipi's, Khama blieb in den Bamangwato-Höhen. Towane behandelte den mit

ihm ziehenden greisen Vater so schlecht, daß dieser wieder zu Khama

seine Zuflucht nahm. Khama ließ ihn zwar im Lande, verbot ihm aber die

Stadt zu betreten; über diesen schnöden Undank seiner beiden Söhne brach

dem alten Manne das Herz und er nahm sich das Leben. Seine Grabstelle

wird noch bis jetzt von den Bamangwato's in hohen Ehren gehalten.

Der Gerechtere unter den sieben Bamangwato-Herrschern, deren Namen uns

die Tradition nennt, war Khari, von ihm heißt es, daß er muthig und

kriegerisch war, klug, wenn er in der Kotla sprach, und milde mit den

Makalahari, den Madenassana und Masarwa's, den Unterjochten im Reiche.

Er war auch von den Nachbarvölkern so geachtet, daß viele, wie die

Makalaka's und einige weiter östlich wohnende Maschona's an ihn

freiwillig Tribut zahlten. Leider wird auch hier an den

Betschuana-Fürsten der Historiker eine ihm so wohlbekannte Erscheinung

zu beobachten haben. Der Mächtige, im eigenen Lande Hochgeehrte, bei den

Nachbarn Geachtete und von seinen Feinden Gefürchtete wollte noch höher

steigen. Dieser Versuch führte aber seinen Fall herbei. Einen der

südlicheren kleineren Maschona-Häuptlinge angreifend, fiel er mit dem

Kerne seiner Truppen in einen Hinterhalt, in dem er mit seinem

Unterhäuptling den Tod fand, während die Bamangwato-Armee beinahe

vollkommen aufgerieben wurde und in Folge dieser Niederlage im Lande

allgemeine Anarchie einriß. Die Maschona's, welche die Kampfweise der

Bamangwato kennen gelernt hatten, theilten ihre Armee in zwei Theile.

Die jüngeren Regimenter (die jungen Soldaten) mußten den anrückenden

Feinden entgegengehen und ihn angreifen, dann zurückweichen, die Flucht

fingiren, während inzwischen die alten Regimenter die feindliche Armee

nach Zulu-Art zu umzingeln hatten. Der Plan gelang vollständig. Die

angreifenden Maschona's nahmen Reißaus, kehrten sich jedoch gegen ihre

Verfolger und stachen sie nieder, während die Hauptmacht der Ersteren

Khari und sein Gefolge, die sorglos der scheinbar siegenden Vorhut

folgten, angriff und niedermetzelte. Die in der Hauptstadt des Landes

und hie und da im Lande zurückgebliebenen Häuptlinge hoben nun die Söhne

des Khari auf den Schild; bevor es indeß noch zum Bürgerkriege kam,

wurde das Land von dem aus den Oranje-River-Gegenden ausgewanderten und

von Sebituane angeführten Basutostamme der »Makololo« besetzt, während

die Hinterbliebenen des Königs als Gefangene nach Norden mitgeschleppt

wurden, wohin die Makololo's zogen, um sich am Tschobe eine neue Heimat

zu gründen. Im südlichen Theile des Mababifeldes gelang es den

Gefangenen zu entfliehen und Sekhomo, der älteste Sohn Khari's, obwohl

nach dem Gesetze von der Thronfolge ausgeschlossen, da er nicht ein Kind

des ersten Weibes seines Vaters war, durcheilte das Land, um die

Zerstreuten zu sammeln und sich Vasallen zu sichern. In einem der

folgenden Kämpfe mit den Makololo's gelang es ihm nicht nur den Angriff

derselben erfolgreich abzuwehren, sondern auch ein Reservecorps der

Makololo's in einem Engpasse der Bamangwato-Höhen (Unicornpaß)

vollkommen aufzureiben. Dieser Sieg gewann ihm die Unterstützung der

meisten Häuptlinge des Landes. Der eigentliche Thronerbe und Stiefbruder

ward auf sein Anstiften von den Letzteren getödtet. Sein Bruder

Matscheng wurde von der Königin (seiner Mutter) durch Flucht vor einem

ähnlichen Schicksale bewahrt.

[Illustration: Sekhomo und sein Rath.]

Der Sieg der Bamangwato's über die Makololo's blieb nicht lange

vereinzelt, bald waren sie so erstarkt, daß sie auch den Matabele-Zulu's

erfolgreich Widerstand leisten konnten, welche seit 30 Jahren jährlich

nach den Betschuanaländern kamen, um zu morden, zu plündern und zu

rauben. Ja es gelang ihnen sogar, den Matabele das geraubte Vieh

abzujagen und viele derselben niederzumachen. Dieser Waffenerfolg der

Bamangwato schüchterte den Matabele-König Moselikatse etwas ein und

hatte zur Folge, daß die östlichen Bamangwato längere Zeit von den

Belästigungen der Matabele verschont blieben. Ein späterer Versuch

Moselikatse's einen Raubzug nach dem Lande der Bamangwato zu

unternehmen, hatte ein klägliches Ende. Moselikatse sandte 40

Zulukrieger zu Sekhomo ab, um von ihm Tribut zu fordern. Sekhomo ließ

die Seinen sich heimlich rüsten und die Abgesandten niedermetzeln. Seit

diesem Vorfalle wagte es Moselikatse 20 Jahre hindurch nicht, die

Bamangwato's zu beunruhigen, so daß diese sogar ihre Viehheerden bis

gegen den Matliutse vorschoben. Im März 1862 jedoch erneuerte er, durch

einen zu ihm geflüchteten Bamangwato-Unterhäuptling, Kirekilwe, dazu

bewogen, den Angriff. Die am Matliutse und Serule Vieh hütenden

Makalahari wurden getödtet, ein Dorf der Maschwapong in den östlichen

Bamangwato-Höhen zerstört. Nur zwei Männer konnten als Ueberlebende des

Dorfes die Nachricht nach Schoschong (der von Sekhomo gewählten

Residenz) bringen. Seine Söhne Khama und Khamane brachen nun auf, um

diesen Einfall zu rächen; sie griffen die Matabele an, schlugen zwei

Haufen zurück, wurden jedoch von einem dritten, der auf einem Raubzuge

begriffen, durch das Schießen angelockt wurde, im Rücken angegriffen und

hatten Mühe, nachdem sie etwa 40 Matabele getödtet und dabei 20 der

Ihrigen verloren, Schoschong wieder zu gewinnen.

Die Matabele kamen nur bis in das Franz Josef-Thal und näherten sich den

die Schoschon-Schlucht und Schoschong beherrschenden und von den

Bamangwato's vertheidigten Höhen bis auf Schußweite. Sie zerstörten die

Felder und da sie aus guten Gründen das Eindringen in die Schlucht

vermeiden wollten, machten sie mehrere, jedoch erfolglose, Versuche, die

Bamangwato's zum Kampfe in der Ebene zu verleiten. Sie verließen endlich

das Franz Josef-Thal und zogen heim, die geraubten Heerden mit sich

führend, die ihnen Sekhomo indeß zwei Wochen später wieder abjagte.

Seit diesen Erfolgen mehrte sich das Ansehen der Bamangwato, da die

Matabele als die tapfersten Krieger angesehen wurden; aus dem

Matabelelande kamen Makalaka, Batalowta, Mapaleng, Maownatlala und

Baharutse als Flüchtlinge und baten um die Erlaubniß, sich an den

Bamangwato-Höhen niederlassen zu dürfen. Ich erwähnte, daß der

Stiefbruder Sekhomo's, Matscheng, mit seiner Mutter zu den Bakwena's

geflohen war. Hier wurde er von den auf einem Raubzuge befindlichen

Matabele's gefangen, doch befreit, fiel aber bei dem nächsten Raubzuge

denselben Matabele's wieder in die Hände und wurde von diesen als

gemeiner Soldat »Le-chaga« aufgezogen.

Seschele, der schon längst seine angeblichen Anrechte auf die

Bamangwato's (da sie von den Banquaketse's abstammten) geltend machen

wollte, sich jedoch offen aufzutreten zu schwach fühlte, suchte im

Geheimen die Bamangwato's für Matscheng, ihren rechtmäßigen Herrscher zu

gewinnen, was ihm auch theilweise gelang. Durch Dr. Mossat's Einfluß

wurde der Gefangene im Matabeleland freigelassen und von Seschele mit

Pomp empfangen, was diesem in Schoschong zu solchem Ansehen verhalf, daß

er als sich Tschukuru (nächst Sekhomo der erste Mann im Lande) für ihn

erklärte, als König in Schoschong einziehen konnte. Seschele wurde für

seine Hilfe mit Elfenbein und Straußenfedern bezahlt.

Sekhomo flüchtete nun zu Seschele, wo er mit offenen Armen aufgenommen

wurde. Matscheng behauptete sich jedoch nicht lange in Schoschong; er

war als Matabele-Krieger aufgezogen worden und wollte den Despotismus

derselben unter den conservativen Bamangwato's einführen, die von ihm

begangenen Uebergriffe und Grausamkeiten kosteten ihm bald den Thron.

Tschukuru war der erste, der sich gegen ihn auflehnte und mit Seschele's

Hilfe, Sekhomo wieder auf den Thron brachte. Der flüchtige Matscheng

aber wurde wieder von Seschele auf das Freundlichste aufgenommen. Dies

geschah im Jahre 1859, also vor dem letzterwähnten Angriffe der Matabele

auf die Bamangwato.

Von Interesse ist es vielleicht zu hören, daß, obgleich Matscheng als

Stiefbruder Sekhomo's, Khari's Sohn genannt wurde, er thatsächlich nicht

dessen Sohn war. Seine Mutter war die erklärte Königin und deshalb war

Matscheng, obwohl einige Jahre nach Khari's Tode geboren, legal, während

Sekhomo, obwohl Khari's Sohn, aber von einem Weibe zweiten Ranges

geboren, als illegal angesehen wurde.

Im Jahre 1864 vereitelte Sekhomo den bereits erwähnten Angriff

Seschele's auf Schoschong. Als im Jahre 1865 die Boguera in Schoschong

gefeiert wurde und Sekhomo seine beiden Söhne, Khama und Khamane, nicht

unter den »gestellten« Knaben und Jünglingen gewahrte, wurde der König

so wüthend, daß er dieselben ein volles Jahr durch Moloi's »bezaubern«

ließ, allein mit keinem anderen Erfolge, als beiden die Sympathien der

jungen Regimenter zuzuwenden.

Der Haß Sekhomo's mehrte sich noch, als Khama, ein Schwiegersohn

Tschukuru's, sein ihm von dem Prediger angetrautes Weib der Boguera

nicht unterwerfen wollte, was Sekhomo den alten Gebräuchen gemäß

forderte, wenn sie von Rechtswegen Königin werden sollte. Sekhomo wollte

heimlich Tschukuru tödten; unter den Bamangwato's wagte er es jedoch

nicht, die Mörder zu suchen und auch von den Matabele-Flüchtlingen

wollte keiner die That auf sich nehmen. Im Jahre darauf, nachdem Sekhomo

durch alle möglichen Mittel, Ueberredungen und Abschreckungen seinen

Söhnen viele Freunde abwendig gemacht zu haben glaubte, unternahm er

während einer Nacht einen Angriff auf die Hütten der Beiden. Er ließ

heimlich seine Getreuesten versammeln und hieß sie auf die Hütten seiner

Söhne losfeuern. Da jedoch Keiner dem Befehle Folge leisten wollte,

legte er selbst an, doch wurde ihm das Gewehr aus der Hand geschlagen.

Vergeltung befürchtend floh er nun zu seiner Mutter, doch seine Söhne

verziehen ihm nicht allein, sondern setzten ihn wieder unter der

Bedingung als König ein, daß er gegen sie und die christliche Gemeinde

kein neues Attentat versuchen dürfe. Sekhomo versprach es, doch sein

Charakter war nicht darnach, einer neuen Versuchung, die Verhaßten

verderben zu können, aus dem Wege zu gehen.

Schon kurze Zeit darauf sandte er zu Seschele, lud Matscheng zu sich, um

sich mit diesem gegen seine Söhne zu verbinden. Im März desselben Jahres

brachte Sekhomo einen zweiten Anschlag gegen seine Söhne zur Ausführung,

diesmal gelang es ihm namentlich durch Versprechungen viele der

Bamangwato's zu gewinnen, so daß Khama und Khamane mit ihrem Anhang sich

auf die Berge flüchten mußten, nachdem sie eine Belagerung in der

zerfallenen Kirche der Hermannsburger Mission ausgehalten hatten. Als

nach vierwöchentlichem Kampfe Sekhomo noch immer kein Resultat sah,

sandte er um Makalahari und die Makalaka erstürmten die Tafelfläche der

Höhe und belagerten von hier aus die auf dem, von der Tafelfläche

emporsteigenden isolirten Felsenhügel sich verteidigenden Söhne. Nach

achttägiger Belagerung ergab sich Khama mit seinem Anhange aus

Wassermangel auf Gnade und Ungnade, ohne jedoch persönlich zum

Heidenthume zurückzukehren. Sekhomo schenkte wohl seinem Sohne das

Leben, nicht aber seinen Getreuen, sie mußten alle fliehen, und viele,

darunter auch Tschukuru, wurden getötet.

Schon im Monat Mai erschien Matscheng in Schoschong um abermals sein

Recht zu fordern. Khama und Khamane erklärten sich offen gegen den

Prätendenten, ohne jedoch zu den Waffen zu greifen. Sekhomo wurde jedoch

zuerst seines »Stiefbruders« überdrüssig und sann auf neue List. Er

berief eine öffentliche Versammlung ein, wozu Matscheng und seine Söhne

geladen waren, er wollte diese zuerst in die Kotla eintreten und selbe

dann umzingeln lassen, um sich so mit einem Schlage von allen seinen

Gegnern zu befreien. Allein wie immer erfuhr Khama diesen Anschlag und

warnte Matscheng; am Versammlungstage wußten es die Geladenen so

einzurichten, daß sie die Letzten in die Kotla eintraten. Da sann

Sekhomo einen neuen Plan, doch die Seinen ließen ihn wieder im Stiche

und er mußte fliehen. Matscheng ward nun zum zweiten Male erklärter

Herrscher der Bamangwato's.

Sekhomo flüchtete sich zu den Manupi, im Lande der Banquaketse, dann zu

den Makhosi, wurde jedoch von hier auf Seschele's Befehl ausgetrieben

und floh zu Chatsitsive nach Kanja. Kaum fühlte sich jedoch Matscheng

alleiniger Herrscher der östlichen Bamangwato, so verfiel er in seine

alten Gelüste und benahm sich wie ein Zulu-Usurpator. Den Einfluß und

die steigende Macht Khama's und seines Anhanges trachtete er bei dem

Volke durch die Erklärung zu untergraben, daß die Kirche eine dem Staate

feindliche Gewalt sei und versuchte das religiöse Pflichtgefühl der

christlichen Gemeinde auf jede Art zu verletzen. Der offene Ungehorsam,

der seinen diesbezüglichen Befehlen entgegengesetzt wurde, bestärkte

Matscheng in seinem Streben, sich Khama's zu entledigen. Da dies mit

Waffengewalt nicht gut möglich war, blieb kein anderer Ausweg übrig, als

die Moloi's herbeizuziehen; doch all' ihre anstrengende Arbeit blieb

wirkungslos, ebenso erfolglos war Matschengs Bestreben, zu diesem Zwecke

von einem weißen Händler Gift zu erhalten.

Matschengs Herrlichkeit nahm ein schnelles Ende. Während eines Besuches

bei Chatsitsive im Banquaketseland traf Khama den König Seschele,

welcher ihm Hilfstruppen lieferte, um Matscheng aus Schoschong zu

vertreiben. In einer im Franz Josef-Thale an der Mündung der

Schoschonger Schlucht gelieferten Schlacht, welche auch in taktischer

Hinsieht dadurch an Bedeutung gewann, daß die unter Kuruman, dem Sohne

Moselikatse's, Führung stehenden Matabele's, die Verbündeten Matschengs,

zu Pferde fochten, wurde dieser geschlagen. Khama, der diesen Angriff

voraus sah, hatte seine in früheren Kämpfen erprobten Schützen als

Tiralleurs vorrücken und hinter kleinen Büschen Posto fassen lassen und

dadurch die berittenen Matabele zur zerstreuten Fechtart gezwungen, in

welcher sie gegen die gedeckt stehenden Schützen nicht aufkommen

konnten. Noch während der Schlacht fiel Kuruman von Matscheng ab und

trat den Rückzug nach dem Rustenburger District an. Matscheng und seine

Leute flohen in regelloser Flucht, nachdem sie das Haus des Händlers

Drake geplündert hatten.

Seit jener Zeit ließ sich der nach den Landesgesetzen rechtmäßige, doch

allgemein durch seine Handlungsweise verhaßte Herrscher der östlichen

Bamangwato nicht mehr in Schoschong blicken und zog zunächst nach den

Maschwapong-Höhen am mittleren Laufe des Limpopo (im östlichen

Bamangwatolande) und von Khamane aus diesem Zufluchtsorte vertrieben

später nach dem Mabolo-Gebirge. Nach der Vertreibung Matschengs wurde

Khama der erklärte König der östlichen Bamangwato, und es schien, als ob

nun nach so vielen Fehden und nachdem die beiden Haupt-Unruhestifter

Matscheng und Sekhomo außer Land waren, Friede in demselben herrschen

sollte. Doch das gute, kindliche Herz Khama's brachte es trotz aller

bitteren Erfahrungen nicht über sich, Sekhomo in der Verbannung zu

lassen; unter dem Versprechen Frieden zu halten, rief er ihn nach

Schoschong zurück. Doch es währte nicht lange und Sekhomo begann

neuerdings zu wühlen; zunächst versuchte er seine beiden Söhne Khama und

Khamane zu entzweien, indem er das Matscheng abgenommene Vieh sowie ein

Dorf der Manansa, die im Albertslande (dem Höhenlande südlich von den

Victoriafällen) wohnten, Khamane zusprach. Leider ließ sich Khamane

verleiten; in der Hoffnung, einst den Thron zu besteigen, blieb er gegen

Khama's und die Vorstellungen meines Freundes Mackenzie taub, der eine

Verständigung zwischen den beiden Brüdern und dauernden Frieden im Lande

herbeiführen wollte.

[Illustration: Flucht auf die Berge.]

Khama wanderte hierauf mit dem größten Theile der Schoschonger

Bevölkerung aus, ließ sich im Gebiete der westlichen Bamangwato am

Zuga-River nieder und erwarb sich hier unter den Batowana's große

Achtung und Zuneigung. Doch seine Leute wurden durch die Fieber am

Zuga-River decimirt und so blieb Khama nichts übrig, als an die Rückkehr

zu denken. Dies war der Zustand der Dinge, als ich in Schoschong

anlangte.

Meine nächste Sorge nach unserer Ankunft in Schoschong war die Ergänzung

meines Proviants, der bereits bedenklich zur Neige ging; es ging dies

schwerer als ich dachte, und nur durch die freundliche Vermittlung Rev.

Mackenzie's gelang es mir, den dringenden Bedarf zu decken. Aus eben

diesem Grunde mußte ich auf die Ausführung meines Wunsches verzichten,

bis zum Zuga oder Botletle vorzudringen.

Schon am 9. stattete mir Sekhomo den ersten Gegenbesuch ab und ich hatte

anfangs das Vergnügen, das sich bald in eine Plage umwandelte, den König

mit seinen Linjaka's, die wir aus näher zu erläuternden Gründen den

Aasvogel-Rath nannten, täglich ein bis zweimal bei uns zu sehen. Der

König schüttelte mir stets die Hand, während unterdessen sein

holländisch redendes Factotum diese oder jene Bettelei vorbrachte. Er

stand in der Regel mit eingestemmten Armen vor mir, während der Rath in

einem Halbkreise um ihn herumhockte und seine Geberden nachahmte. Lachte

er, lachten die Aasvögel mit, eines Tages verbrannte er sich die Lippen

an dem heißen Thee, den ich ihm anbot, auch diesmal beeilte sich der

versammelte Rath, die Gesichter zu verziehen und ihrem Bedauern Ausdruck

zu geben; gähnte seine Majestät, so blieben die alten Getreuen mit ihrer

Beisteuer nicht zurück und macht er sich auf den Heimweg, so erhob sich

einer nach dem andern, um dem König im Gänsemarsch zu folgen.

Am 11. wurde ich auf einen vorüberfahrenden holländischen Jäger, Namens

Franz Vissasi, aufmerksam, der mit seiner Familie von der Jagd aus den

Zuga- und Mababi-Gegenden heimkehrte. Während seiner sechsmonatlichen

Abwesenheit hatte er in diesen 21 Elephanten und 15 Strauße erlegt und

theilte mir zwei interessante Löwenabenteuer mit, bei welchen sich sein

kleiner Sohn recht heldenmütig betragen haben sollte; er nahm noch am

selben Tage meine Hilfe in Anspruch, da drei seiner Kinder an _Febris

intermittens_ darniederlagen.

Sekhomo's direkte Einnahmen betrugen nach einer Mittheilung Rev.

Mackenzie's 3000 £ St. und bestanden in Rindern, Elfenbein,

Straußenfedern, Häuten und Carossen. Staatsausgaben waren unbekannt. Den

freien Bamangwato's blieb der Ertrag ihrer Viehheerden, die

minderwerthigen Straußenfedern, Thierfelle, sowie je ein Elfenbeinzahn

von jenen Thieren, die sie selbst oder ihre Vasallen für sie erlegten.

Am 22. kamen zwei Boerwägen vom Marico-District an, welche verschiedene

Victualien zum Verkaufe brachten. An den folgenden Tagen besuchte ich

die Höhen, an denen ich einen Matabeleschädel fand und machte Ausflüge

im Schoschonthal aufwärts, besuchte den am jenseitigen Ufer des

Schoschon-Flüßchens sich erhebenden pittoresken Monkey-Felsen, den

nächtlichen Sammelort der Paviane und bestieg einige der anliegenden

Höhen. Da wo sich das Thal über dem Monkey-Felsen erweitert, lagen zwei

Dörfer der hier als Flüchtlinge lebenden Makalaka's und eines der

verlassenen Missionsgebäude des Hermannsburger Predigers Herrn

Schukenberg. Ueber dem östlichen Dorf erhob sich ein isolirter

Tafelberg, auf dessen Kuppe die Pferde während der Herbstpneumonie-Zeit

mit gutem Erfolge gehalten wurden.

Unser Wagen war trotz des mit geringen Unterbrechungen herabströmenden

Regens während der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes stets von Besuchern

und Arbeitern umlagert, es entwickelte sich ein reger Verkehr, der nur

einmal durch einen kleinen Zwischenfall, den meine Zugthiere verschuldet

hatten, unterbrochen wurde. Die allgemeine Friedensstimmung und

gemächliche Ruhe der Bevölkerung wurde eines Tages plötzlich in

unerwarteter Weise durch die Nachricht gestört, daß feindliche Matabele

im Anzuge seien. Eine mir unerklärliche Panik ergriff nun die

Bevölkerung; der König eilte zu mir und lieh sich eines meiner Gewehre

aus--ich hatte die größte Mühe, es später wieder zu erlangen--er zeigte

mir sein Palladium, ein aus einer Löwenklaue verfertigtes Amulet, das

ihn kugelfest machen sollte, und ordnete die Flucht der Bamangwato's auf

die Schoschong beherrschenden Höhen an. Die geringen Habseligkeiten

eiligst zusammenraffend, die widerspenstigen Rinder- und Schafheerden

vor sich hertreibend, floh Jung und Alt den Höhen zu. Die Bestürzung und

Verwirrung erreichte den höchsten Grad, als einige Männer auf eine vor

der Stadt aufgescheuchte Hyäne einige Schüsse abfeuerten, man wähnte die

Matabele schon an den Fersen zu haben.

Tags darauf traf ein Boer-Jäger aus dem westlichen Matabelelande, ein

Sohn des berühmten Elephantenjägers Pit Jacobs, der am Tatiflusse

residirt, in Schoschong ein, der die Bevölkerung über die völlige

Grundlosigkeit ihrer Aufregung aufklärte. Die Beschwichtigungen des

Jägers fanden indeß keinen Glauben und selbst die Weißen (Händler)

trafen Anstalten zu ihrem Schutze. Rev. Mackenzie rieth mir, baldigst

abzureisen, da mir, wenn nicht persönlich, so doch meiner Habe Gefahr

drohen konnte.

Als Sekhomo hörte, daß ich abreisen wollte, klagte er über den Schmerz,

den ihm mein Entschluß bereite, nannte uns seine Freunde und bat uns,

ihn in dieser Bedrängniß nicht zu verlassen. Ich gab ihm für eine seiner

sieben Frauen ein blaues Wollkleid als Abschiedsgeschenk, das er mit

einem Büschel grauer Straußenfedern erwiderte.

In keiner anderen der auf dieser Reise berührten Eingebornenstädte war

es mir vergönnt, eine ähnliche Menge der mannigfachsten ethnographischen

Objecte zu gewinnen, als eben hier; was ich noch an Gütern im Wagen

hatte, tauschte ich leider zum sichtlichen Mißbehagen der hier

ansässigen Händler für Arbeiten der Eingebornen aus. Ich erstand

zahlreiche Assagaie, Schlachtbeile und einige Dolche und Messer, Kiri's

und Stöcke, hölzerne Kopfpolster, Töpfe und Pfannen, hölzerne Löffel,

aus verschiedenem Material gearbeitete Würfel (Zauber- und

Doctorwerkzeuge), die verschiedenartigsten Schnupftabaksdosen,

Kürbißgefäße, Toiletteartikel und Carosse-Verzierungen, Schürzen und

Mützen, Puppen und aus Thon gearbeitete Spielsachen. Zu den wichtigsten

von mir erworbenen Gegenständen gehörten Sekhomo's Regen- und

Kriegstrommel, ein aus Elfenbein gearbeiteter kleiner Fetisch, Kiri's

aus Rhinoceros-Horn etc., auch fehlten Pfeifen nicht. Ich tauschte viele

Pallah- (Antilopen-) Leoparden-, Luchs-, Caracal-Felle etc. aus und ließ

mir daraus gegen Bezahlung Carossen verfertigen. Bis auf kleine

Unterscheidungs-Merkmale gleichen die Arbeiten der Bamangwato's denen

aller übrigen Betschuanastämme. Die Bauart der Hütten gleicht der bei

den Barolongen üblichen, die Hütten selbst sind nur kleiner und leichter

gebaut, hingegen traf ich in ihrer Größe unübertroffene Korngefäße aus

ungebranntem Thon. Nicht minder zahlreich als meine ethnographischen

Acquisitionen waren die naturhistorischen.[1]

1: Unter den Eidechsen zeichnet sich eine schöne, metallisch in

Braun, Dunkelgrün und Blau glänzende, leicht gestreifte, mitunter

auch streifenlose Art durch ihre Häufigkeit und Zutraulichkeit aus.

Bevor ich auf die Schilderung meiner Rückreise nach den Diamantenfeldern

eingehe, will ich die im vorigen Kapitel begonnenen Mittheilungen über

Sitten und Gebräuche der Betschuana's zu Ende führen. Der gewöhnliche

heidnische Betschuana besitzt in der Regel eine Frau, die wohlhabenderen

zuweilen zwei, Unterhäuptlinge drei bis sechs, die Könige noch mehr,

doch nicht so viele, als es im Marutse-Reiche Gebrauch ist. Der

wohlhabende Mann macht der neu erworbenen Frau ein Geschenk von mehreren

kleinen oder großen Hausthieren.

Beim Betreten einer Stadt hebt der Ankömmling die auf seinem Pfade

liegenden Steine auf und wirft sie in einen dichten Busch oder legt sie

in die Astgabelungen der Bäume, indem er den Wunsch ausspricht, er möge

den Zweck seiner Reise erreichen. Das Fell, Horn und Fleisch eines

geweihten Thieres--die Deukergazelle bei den Bamangwato's, das Krokodil

bei den Bakwena's etc.--darf nicht berührt werden; eine auf der Hütte

sitzende Eule wird als Unglücksbote angesehen und die Hilfe des Linjaka

in Anspruch genommen, um die vom Vogel berührte Stelle zu reinigen.

Außerdem werden Thiere, welche zuweilen etwas nach Betschuana-Begriffen

Ungewöhnliches begehen, als gefährlich und verderbenbringend angesehen

und müssen getödtet oder durch einen Linjaka gereinigt werden. So wird

z.B. eine auf das Dach springende Ziege mit dem Assagai durchbohrt.

Peitscht ein Thier, eine Kuh, in einem Viehkraal längere Zeit hindurch

mit dem Schweife den Boden, so ist sie keine gewöhnliche Kuh mehr, sie

ist »Tiba«, eine Unheilbringende, welche dem Eigenthümer Schaden,

Krankheit, sogar den Tod bringen kann. Ein Reicher tödtet ein solches

Thier sofort, ein Armer bietet sie dem Weißen oder einem Nachbarstamme

zum Kaufe an, es ist dies der einzige Fall, in welchem der Betschuana

seine Milchkühe verkauft. Keinem Weib ist es gestattet, die Milchkühe

und überhaupt das Rind zu berühren, dies ist Sache der Männer, der

Knaben wie des Mannes und Greises, so auch das Hüten derselben, während

es bei der Hottentottenfamilie gestattet ist, daß diese Hausthiere auch

von den Frauen gehütet werden.

Wie ich bereits erwähnt, ist die Regierungsform unter den Betschuana's

eine im gewissen Sinne constitutionelle; alle wichtigen Verfügungen und

Beschlüsse müssen von dem Pitscho (der öffentlichen Versammlung)

besprochen werden, doch sind in der Regel, namentlich da, wo der König

die Häuptlinge beeinflußt, diesen oder jenen für sich zu gewinnen

weiß--alle Beschlüsse eine im Vorhinein heimlich abgemachte Sache. Wie

bei anderen Banthuvölkern ist auch bei den Betschuana's der König

(Morena oder Koschi) der Oberste bei allen öffentlichen Functionen;

unter ihm stehen die Unterhäuptlinge des eigenen Stammes oder die

Flüchtlinge, die seinen Schutz angefleht, sowie die Häuptlinge anderer

Betschuanastämme, welche die Erlaubniß erhalten hatten, sich auf seinem

Gebiete niederzulassen, z.B. Chatsitsive und die Häuptlinge der Manupi

und der westlichen Baharutse. Diese Häuptlinge und Unterhäuptlinge

wohnen in eigenen Dörfern, die mehr oder minder von einander entfernt

liegen, oft jedoch an einander grenzen und Theile der Residenz bilden.

In jedem dieser Dörfchen ist nahe an dem Gehöfte des Häuptlings ein

kleiner mit Pfählen umfriedeter, runder Raum, welcher die Stelle der

Kotla vertritt, und in welchem die in der Kotla zur Sprache kommenden

Gegenstände vorberathen werden. Beruft der König die Unterhäuptlinge und

das Volk zu einer wichtigen Berathung, so legt der königliche Bote je

einen Baumzweig in die kleinen Kotla's--es ist das Zeichen des Aufruf's.

Eine Berathung über Krieg wird im Plenum außerhalb der Stadt

gehalten--um nicht so leicht wie in der Kotla belauscht zu werden, eine

solche Zusammenkunft wird Letschulo genannt, ebenso wie die von den

Linjaka's anläßlich der Regenbeschwörung veranstalteten Jagden. Bei

diesen Berathungen, an welchen die Einwohner der einzelnen Dörfer sich

unter der Führung ihrer Unterhäuptlinge betheiligen, wird sehr viel

gesprochen, Kleinigkeiten bis zur Erschöpfung ventilirt und dem

Redeschwall keine Zügel angelegt.

[Illustration: Korngefäße der Bamangwato's.]

Hat sich die Versammlung als Gerichtsbehörde constituirt, so wird in der

Regel darauf Rücksicht genommen, ob der Schuldige eine bei Hofe beliebte

Person sei oder nicht, im ersteren Fall geht oft auch ein Mörder

straflos aus. Hat Jemand sich eines Diebstahls schuldig gemacht, so eilt

des Königs Bote durch die Stadt und verkündet denselben, sowie die

königliche Androhung der über den Dieb verhängten Strafe. In der Regel

wirkt die bloße Androhung und im Dunkel der Nacht beeilt sich der Dieb

das gestohlene Gut auf einem öffentlichen Orte zu deponiren. Oft aber

werden die Linjaka's zur Hilfe gerufen, um einen Dieb zu eruiren, sie

benützen in solchen Fallen verschiedene Kunstgriffe oder werfen blos die

Würfel, im ersteren Falle gelingt es ihnen zuweilen, den Dieb ausfindig

zu machen. Eine oft gebrauchte List ist folgende: Nach eingehender

Untersuchung des Falles werden die der That Verdächtigen durch des

Königs Boten in die Kotla vorgeladen. Der Linjaka setzt sie in einem

Kreise um sich und nachdem er bei den Worten »der die Kuh etc.

gestohlen, muß noch heute sterben,« mehrmals im Kreise herumgegangen,

läßt er einen Topf mit warmem Mais- oder Kornmehlbrei herbeibringen. Er

schöpft nun einen Holzlöffel voll dieses Breies und spricht dazu. »Der

Dieb, der diesen Brei verschlingt, wird noch heute sterben,« und

wiederholt diese Worte, so oft er jedem der Umstehenden einen Löffel

voll in den Mund schiebt.

[Illustration: Staatskleid eines Bamangwato's.]

Nachdem er seine Arbeit gethan, beobachtet er Jeden genau, wirft dann

die Elfenbeinwürfel und mit den Worten: »Ich habe den Dieb gefunden,«

erhebt er sich, um den Kreis der Angeklagten zu umgehen. Er befiehlt

hierauf Allen den Mund zu öffnen und siehe da, Alle bis auf Zwei haben

den Brei geschluckt, diese Zwei jedoch, das sind die Diebe, die aus

Furcht vor dem Tode den Brei im Munde behielten um ihn im günstigen

Momente heimlich ausspeien zu können. Der eruirte Dieb muß doppelt bis

vierfach das Gestohlene ersetzen. Einem wiederholt ertappten Diebe

werden die Finger, einem unverbesserlichen Gewohnheitsdiebe die ganze

Hand verbrüht. Der Mord wird in der Regel mit dem Tode bestraft, doch

ist es auch zulässig, sieh durch ein Blutgeld von der Strafe

loszukaufen, wobei die Gegenstände (Rinder etc.) welche der zuerkannten

Geldstrafe gleichkommen, an die nächsten Angehörigen des Getödteten

abzugeben sind.

Zur Zeit als noch Matscheng in Schoschong herrschte, ereignete sich der

Fall, daß ein Mann aus Habsucht einen Brudermord beging. Sein alter

Vater hatte dem älteren Bruder den größten Theil seines Besitzes

gegeben, und da entschloß sich der Jüngere, sich einfach des Bruders zu

entledigen, um das Ganze zu haben. »Bruder, hat Dir nicht der Vater

erzählt, daß der Linjaka (Doctor) ein Affenfell braucht, um seinen

Gliedern die Kraft wieder zu geben? Ich gehe heute auf jenen Hügel

dort«--er wies auf den isolirten nahe der Stadt im Franz Josef-Thal sich

erhebenden, felsigen Kegel--»um einen Affen zu schießen.« Der Angeredete

hielt es für seine Pflicht mitzugehen und folgte dem Bruder. Am Fuße des

eine Gehstunde entfernten Hügels, schlug der Antragsteller des sicheren

Erfolges halber vor, die Jagd von zwei entgegengesetzten Seiten aus zu

beginnen, worauf der ahnungslose Bruder auch einging. Eine alte Frau,

welche unweit davon Beeren sammelte, und welcher das Betragen der beiden

mit Gewehren Bewaffneten auffiel, schlich sich näher und folgte

vorsichtig dem Einen derselben nach. Schon in der Mitte der Höhe kroch

der Jüngere, statt geradeaus emporzusteigen, nach rechts um den Hügel,

bis er seines Bruders ansichtig wurde und schoß ihn dann nieder. In der

Stadt erzählte er mit großer Bestürzung, daß er seinen Bruder für einen

Affen angesehen und getödtet habe, allein das alte Weib berichtete

Matscheng den wahren Sachverhalt und statt in den Besitz des Erbes zu

kommen, wurde der Schuldige auf Matschengs Befehl an den Thatort geführt

und hier mit dem Gewehre des getödteten Bruders erschossen.

Unter den noch zu erwähnenden Gebräuchen gibt es solche, die uns an die

alten mosaischen Gesetze erinnern und an die wir mehr oder weniger bei

allen mir bekannten, zu der Banthufamilie gehörenden Stämmen lebhaft

erinnert werden.[1] Vor Allem die Beschneidung (Circumcision); sie ist

die wichtigste Ceremonie für den heidnischen Betschuana, ohne die der

Jüngling von seinen Gefährten weder als Mann, noch die Frau als

heiratsfähig anerkannt wird. Doch fällt diese Ceremonie nicht mit dem

Stadium der Mannbarkeit zusammen--wie wir es bei anderen Stämmen, wie

z.B. bei den Matongas und Maschukulumbe und deren Sitte des

Zähneausbrechens beobachten--sie wird einfach ausgeübt, um die Reihe von

Abhärtungen zu beginnen, die ein Knabe durchmachen muß, um einst, wenn

er Mann geworden, auch den Titel eines Mona und Ra führen zu können. Die

Ceremonie heißt Boguera und wird an den Knaben nach ihrem neunten

Altersjahre ausgeführt. Je nach der Stärke des Stammes wird sie alle

zwei bis fünf Jahre vorgenommen und bildet eine der größten

Festlichkeiten in den Städten. Mit einer Kalklösung bestrichen, gehen um

diese Zeit die dazu sich freiwillig meldenden oder gezwungenen Knaben

einher, die Mädchen nur mit aus Schilfrohrstücken verfertigten Bändern

oder Genettaschwanz-Schürzen bekleidet, auch sie werden auf der Brust

und im Gesichte ähnlich wie die Knaben weiß übertüncht. Die Zeremonie

wird außerhalb der Stadt bei den ersteren von alten Männern, bei den

Mädchen von alten Frauen ausgeführt.

1: Ich verweise den Leser auf die zwei Sagen der nördlichen

(Montsua's) Barolongen.

Da eben zur Zeit meines Besuches in Schoschong die Boguera gefeiert

wurde, hatte ich Gelegenheit, die Zeremonie näher kennen zu lernen.

Singend ziehen die Knaben und Mädchen, von den Gauklern begleitet vor

die Stadt. Hier werden die Knaben im männlichen Auftreten, die Mädchen

in weiblichen Arbeiten und Pflichten unterrichtet und ihnen sofort

schwere Arbeiten, wie das Tragen großer Holzbündel, Wasserholen etc.,

auferlegt, bei deren Verrichtung sie meist einen monotonen Gesang

anstimmen. In ihrer Uebertünchung und mit den klappernden

Schilfrohrbändern behangen, gewähren diese Gestalten einen nicht minder

phantastischen als komischen Anblick. Die Knaben werden partienweise in

die Kotla berufen, wo sie gepeitscht werden. Wir finden hier zwei Reihen

gegen einander mit dem Rücken stehender, bis auf ein sehr primitives

Kleidungsstück nackter Knaben, welche in ihren Händen Sandalen halten

und niederzuknieen haben, um von den vor ihnen stehenden Männern (in der

Regel ihren nächsten Verwandten) auf den Rücken geschlagen zu werden.

Sowie aber der Mann zum Schlagen ausholt, hebt der Knabe die Sandalen

empor und die meisten verstanden es, die Wucht des Schlages mit den

Sandalen zu brechen, oder den Schlag vollkommen damit aufzufangen. Dabei

singen die Knaben und heben abwechselnd die Füße empor.

[Illustration: Züchtigung der Knaben.]

Alle jene Knaben, die sich zur selben Zeit dieser Zeremonie unterziehen,

werden in ein Regiment eingereiht, und desto größer ist der Stolz des

heidnischen Betschuana, je mehr Söhne er zur Boguera mitbringen kann.

Der Häuptling aber trachtet, daß auch er einen Sohn einstellen kann,

oder wenigstens den eines seiner nächsten Verwandten, da dieser die

Leitung dieses neu gebildeten, d.h. _seines_ Regimentes übernimmt. Enge

Freundschaft wird dann geschlossen und von ihr auch bei den zuweilen am

Hofe auftauchenden Streitigkeiten guter Gebrauch gemacht. Diese

Freundschaft bleibt selbst dann aufrecht erhalten, wenn der Sohn des

Häuptlings, d.h. der Chef des Regiments, sich später taufen läßt. Die

Mädchen dürfen nach der Ceremonie längere Zeit hindurch nicht schlafen,

um sie wach zu erhalten, haben sie des Nachts auf den hölzernen

Kornstampfblöcken (_motso Chlobole_) zu sitzen; da jedoch diese

Stampfblöcke in der Regel so unförmlich gearbeitet sind, daß sie an und

für sich kaum das Gleichgewicht halten können, fallen die darauf

Sitzenden sofort nieder, wenn sie, sich vergessend, einschlummern.

[Illustration: Bamangwatomädchen zur Boguera bekleidet.]

Der Hauptzweck dieser Ceremonie ist die Abhärtung der Jugend. Denselben

Zweck verfolgt auch der dieser Ceremonie folgende und sich auch im

nächsten Jahre wiederholende Jagdzug. Die zu einem Regiment Vereinigten

theilen sich, von erfahrenen Jägern angeführt, in mehrere Haufen, um

Antilopen, Gazellen etc., im folgenden Jahre Büffel, Elephanten etc. zu

tödten. Auf dieser Jagd werden der Jugend alle möglichen Strapazen

aufgelegt, ihr jede Erleichterung versagt, lange Märsche in wasserlosen

Gegenden unternommen, der Zutritt zu dem Feuer in der oft bitterkalten

Jahreszeit nur ausnahmsweise gestattet und sie überdies mit den Qualen

des Hungers bekannt gemacht.

Der gemeine Betschuana bestimmt sein Alter nach der Boguera, d.h. er

sagt, daß er zu dem oder jenem (bestimmt benannten) Regimente gehöre,

oder er nennt eines oder zwei der wichtigsten Mitglieder desselben, z.B.

des Oberbefehlshabers, die als »weise« angesehen, den Fragesteller

vielleicht mit einer anderen Antwort befriedigen können.

In die Kategorie des eben betriebenen Gebrauches gehört auch nach

Mackenzie die _Tschwaragana moschwang_, das Bündniß zwischen zwei

Häuptlingen, das Gelübde der Treue, Freundschaft und des Vertrauens

zwischen ihnen, z.B. dem Herrscher eines Landes und einem bei ihm als

Gast oder Schützling weilenden Häuptling. Das Bündniß wird auf folgende

Weise ceremoniell gefeiert. Ein Hausthier wird geschlachtet und der

Magen aufgeschnitten, und nun tauchen beide Häuptlinge ihre Hände in

seinen Inhalt und schütteln sich dann dieselben.

Zu diesen Gebräuchen gehört auch die Reinigung jener, die aus einem

Kriege oder von einem Raubzuge heimkehren, die Reinigung ihrer Waffen

und der Gefangenen wie der übrigen Beute, die sie aus dem Kriege

mitbringen, die Reinigung aller Personen, die eine Leiche berühren oder

berühren müssen, jene der Frauen nach Geburten, die ein bis drei Monate,

je nach der Wohlhabenheit ihres Mannes (je wohlhabender desto länger)

abgesondert leben müssen, ferner die Isolirung und Abschließung der

Schwererkrankten. Die Reinigungen, die meist gegen Bezahlung von Seite

der Linjaka's ausgeführt und von ihnen auch oft angeordnet werden, sind

äußerst mannigfach. Dazu gehört z.B. das Abschaben der Wollhaare am

Kopfe mit einem scharfen, kleinen Horn, Messer etc.

Am 16. Februar brachen wir endlich von Schoschong nach dem

Maricodistrict auf. Jupiter grollte uns noch immer und sorgte für die

ausgiebigste Erschwerung des Fortkommens auf dem völlig durchweichten,

schlammigen Boden. An manchen Stellen stand das Wasser zwei Fuß hoch und

auch an ein Ausweichen war bei dem dichten Baumwuchs auf der Strecke

nicht zu denken. Die Gesammtstrecke von Schoschong bis zu dem Punkte, an

welchem der Reisende den Limpopo auf seinem Zuge nach Südosten trifft,

ist ein einziger Wald. Manche Stellen zeigten salzhaltigen Grund und

auch Salzseen waren nicht selten. Der südlichere Theil an den Ufern des

Sirorume ist etwas hügelig und hier ist der Wald tiefsandig. Zur

Winterszeit hat diese drei Tagereisen beanspruchende Strecke nur an zwei

Stellen Süßwasser.

Während der Fahrt am 17. beobachtete ich zum ersten Male ein

hühnerartiges Federwild, welches in Süd-Afrika allgemein »det fasant«

genannt wird. Ich hörte ein lautes, schrilles Gackern in einem dichten

Niederbusch und bald darauf erschien der Schreier, ein bräunlicher

Vogel, (Francolinus nudicollis) auf einem Baumstumpf. Er gehört zu den

rebhuhnartigen Vögeln und ist über einen großen Theil der bewaldeten und

bebuschten, wasserreichen Thalpartien der von mir besuchten Gegenden

Süd-Afrika's verbreitet, auch in Süd-Central-Afrika sehr häufig.

Paarweise oder in kleinen Ketten lebend, wacht der Hahn treu über das

Wohl der Seinen, schreit bei jeder Gelegenheit, während des Scharrens,

wenn er sich umsehen will, sich ein Feind nähert, oder wenn er Abends

die Lagerstätte im gewohnten Busch oder Baum aufsucht. Durch sein

Geschrei und weil er sich, wenn auch nur für wenige Momente, auf

hervorragende Gegenstände setzt, wird er oft des Jägers Beute.

Am 18. passirten wir einen einige hundert Schritte langen, ellyptisch

geformten, flachen, kaum zwei Fuß tiefen Salzsee, der mit einer stark

salzhaltigen, milchigen Flüssigkeit gefüllt war. Nur an seinem

nördlichen Ende ist in trockenen Jahren in Felsenlöchern Trinkwasser zu

finden. Still lag die milchig-graue Fluth des todten See's von einem

breiten, hellgrünen Rasenbande umsäumt in einer mäßigen Vertiefung des

Waldes vor uns. Kein grüner Binsenhalm, kein Blatt der Seerose

schaukelte sich darin. Hier waren es Bäume, die das sich sanft erhebende

Ufer bekränzten, dort undurchdringliches Gebüsch, wo nur gebeugt und

mühselig zwischen den Stämmchen die flüchtige Deukergazelle wandeln

mochte--in den übrigen Uferpartien neigten sich von dem Niederwalde die

kurzen schattigen, einer gemeinschaftlichen Wurzel mehrfach

entsprossenen Akazienbäumchen herab und Blumen wucherten überall--daß

der todte See in der Vertiefung einer duftenden bebuschten und

bewaldeten Au begraben zu sein schien. Später nannte ich den Salzsee dem

jetzigen, edlen Bamangwato-Könige zu Ehren »Khama's Salzsee« (Khama's

Saltpan). Am Rande des See's fand ich Grünsteinstücke und Chalcedone,

sowie an der nahen, dicht mit Dornbäumen bebuschten Bodenerhebung

Quarzit und weiterhin Kalkfelsen vor. Zahlreiche Spuren deuteten auf die

Anwesenheit kleinerer Gazellen, Gnu's, Zebra's und Giraffen, welche in

den westlich und östlich nach dem Limpopo sich ausbreitenden bewaldeten

Ebenen reichliche Weide finden.

Unter den Bäumen fiel mir namentlich einer auf, dessen vortreffliches

Holz ich noch später kennen lernen sollte; es ist dies eine den Boers

als Knopidorn bekannte und bis zu 50 Fuß Höhe meist gerade wachsende,

selten gabelig verästelte Mimose. Die grau bis gelblichgraue Rinde ist

mit ein bis zwei Zoll langen Auswüchsen versehen, welche an ihrer meist

stumpfen Spitze hakenförmig gekrümmte, kleine und scharfe Dornen tragen.

Ihr Holz wird als Bauholz, namentlich aber zu Wagnerarbeiten verwendet.

Nachmittags gelangte ich zu einigen Salzlachen, in denen ich zu meinem

Erstaunen Fische--eine mir bekannte Species--äußerst verkümmert vorfand.

Bei der Lage der Tümpel auf der Höhe des Hochplateau's läßt sich ihr

hiesiges Vorkommen nicht anders erklären, als daß sie durch Vögel hieher

übertragen worden waren. Der Abend überraschte uns in dem Thale des

oberen Sirorume, dort, wo er sich über einige interessante

Sandsteinbänke in ein offenes Thal Bahn bricht, um dann eine südliche,

später eine Ostsüdost-Richtung nach dem Limpopo zu verfolgen. Als wir am

nächsten Tage den tiefsandigen Wald, in dem inneren Bogen des Sirorume

durchzogen, wurden wir vom Wagen aus auf eine Spur aufmerksam, welche

durch das Gras führte; das hohe Gras schien wie mit einer zwei Meter

breiten Walze niedergedrückt worden zu sein--die Stelle näher

untersuchend fanden wir Elephantenspuren. Zwei nach dem

Transvaal-Gebiete ziehende Bamangwato berichteten uns, daß diese Spuren

von einer kleinen Heerde der großen, kleinzähnigen Elephanten

herrührten, welche hier an der Grenze von Sekhomo's und Seschele's

Gebiet »wechsle«. Es mußte jene Heerde sein, von der ich schon vernommen

und die sich auch hier noch zwei Jahre aufhielt, bis sie von den

Damara-Emigranten vernichtet wurde.

Vor uns in ziemlich geringer Entfernung wand sich das Thal des Sirorume,

darüber hinaus nach Westen und Süden lag unabsehbar ein dichter

Niederwald. Bald darauf stiegen wir zum zweiten Male in das Thal des

Sirorume, von den Engländern _the Brack reeds_ genannt, herab. Das Bett

des Flusses ist hier meilenweit auf- und abwärts flach und ein einziges

mit bohem Schilf bewachsenes Moor. Dreimal passirte ich diese Strecke

und jedesmal fand ich die Gegend überraschend reich an der bekannten

Buffadder. Alle unsere Mühe Trinkwasser zu finden war vergebens und so

zwang mich die Wassernoth und der herabgeschmolzene Mehlvorrath

weiterzureisen.

[Illustration: Khama's Salzsee.]

Am 21. endlich stießen wir auf der Höhe des bewaldeten Plateau's auf

eine jener unverhofft anzutreffenden Regenlachen, deren Vorkommen ich

bereits bei der Schilderung meiner ersten Reise erwähnt habe.

Auf unserer Weiterfahrt am 18. hatten wir Gelegenheit, zwei Buffaddern,

Puffotter (Vipera arietans), einen Meter lange, armdicke Exemplare mit

herzförmigem Kopf und zwei sehr langen und stark gekrümmten Giftzähnen

zu erlegen. Das Schuppenkleid dieser Schlangen variirt in der Farbe

zwischen gelblich- bis dunkelbraun und ist schräg nach abwärts,

abwechselnd hell und dunkel gebändert. Vom Meere bis zum Zambesi

verbreitet, bewohnt sie unstreitig gewisse Striche häufiger als andere.

So fand ich namentlich dicht bebuschte, besonders mit Dornbüschen

bewachsene Partien dichter von dieser Schlange bevölkert. Eben diese

Partien werden auch seltener von den Schlangenadlern aufgesucht. Die

meisten Exemplare lagen träge am Rande von Gebüschen und Pfaden

tellerförmig zusammengerollt. Ihre Trägheit und Unbeholfenheit ist

merkwürdig--denn ich sah sie in Wasserlöchern liegen, aus denen sie sich

nicht mehr emporwinden konnte. Ihrer stark nach rückwärts gekrümmten

Giftzähne halber, kann die Buffadder nicht gleich den gewöhnlichen

Species verwunden, sie muß vielmehr um dies zu thun, ihren Vorderkörper

nach rückwärts krümmen, den Kopf senken und sich mit dem halben oder

ganzen Körper auf ihr Opfer werfen. Dies vermag sie auf mehrere Fuß

Entfernung hin und mir sind namentlich Beispiele dieses Angriffs aus der

Cap-Colonie und Natal bekannt. Außer dieser finden wir noch eine zweite

Eigenthümlichkeit, die mehrmals schon, und dies namentlich in der

westlichen Cap-Colonie, beobachtet wurde und welche ich mir in folgender

Weise zu erklären suche. Zufällig trifft hier ein Landmann, dort ein

Jäger oder ein Hirt auf eine dieser Schlangen. Nicht ihr Anblick,

sondern ein eigenthümlicher Ton, der zwischen Fauchen und Aechzen die

Mitte hält, wird die Aufmerksamkeit desselben erregen. Diesem fauchenden

Aechzen nachforschend, findet der Beobachter eine Buffadder vor sich,

welche sich hin- und herwindet, hin- und herschlägt und sich wiederholt

krümmt. Bei näherem Herantreten sieht er, daß der Leib des Thieres

durchlöchert ist und aus diesen Oeffnungen sich die kleine Brut einen

Weg nach Außen zu bahnen sucht. Jene, welche dies beobachtet, waren und

sind der Ansicht, daß die »Brut« auf diese Weise zur Welt gebracht

wurde, d.h. daß sie sich selbst aus dem Mutterleibe herausfresse; ich

konnte dieser Ansicht nicht beipflichten und wurde darin später durch

den Bericht eines gebildeten Augenzeugen bestärkt. Unter den Schlangen,

die ich in Süd-Afrika kennen gelernt, ist die Buffadder durch die

Anhänglichkeit an ihre Brut wohlbekannt. Bei Gefahr, die sie außerhalb

ihres Schlupfwinkels überrascht, bläst sie sich auf und droht dem Feinde

mit weit aufgesperrtem Rachen. Dabei geschieht es nun--doch bleibt es

mir ein Räthsel, ob das Thier dies absichtlich thut oder nicht--daß ein

Theil der herumschlängelnden über und unter der Mutter hingleitenden,

sich an sie schmiegenden Brut in dem weiten Rachen verschwindet. Die

Mutter bläst sich noch mehr auf, wobei die Jungen bald darauf sich

gewaltsam einen Ausweg nach außen bahnen, nachdem ihnen zum Theile oder

insgesammt vielleicht durch das Schließen der Kinnladen der Mutter der

natürliche Ausweg benommen wurde.

Von den Buffadder-Höhen am Unterlaufe des Sirorume herabfahrend, kamen

wir in das Thal des Limpopo (auch Ouri und Krokodil-River genannt); die

hügelige Gegend am linken Ufer desselben geht nach Westen in ein

bewaldetes Hochplateau über, während das rechte und flache theils

bewaldete, theils prairienartige Ebenen besäumt. Das Bett des 12-30

Meter breiten Flusses ist sandig, das Ufer steil geböscht und mit

undurchdringlichem Gebüsch oder mit hohem Gras bewachsen. Am Ufer fand

ich häufig Krokodil-, sowie einige Flußpferdspuren, an den freieren und

lehmigen Uferstellen Löwen- und Leopardenspuren und in dem anliegenden

Walde konnten wir folgende Wildarten theils beobachten, theils deren

Anwesenheit an den frischen Spuren erkennen: Kudu's, Roenantilopen,

Wasserböcke, Buschböcke, Hartebeeste, Gnu's, Giraffen und Zebra's.

Wir waren noch nicht weit das Limpopothal nach aufwärts gefahren, als

wir erstaunt ein Gefährte vor uns erblickten. Es war ein mit Mehl schwer

beladener Wagen, Eigenthum eines Baharutse in Linokana, der den Ertrag

seiner Felder nach Schoschong bringen wollte, um ihn da an die Händler

oder an die Bamangwato's zu verkaufen. Ein auf südafrikanischen Wegen

häufiger Unfall, ein Achsenbruch, nöthigte dem armen Manne an dieser

Stelle einen unfreiwilligen, dreiwöchentlichen Aufenthalt auf, denn so

lange währte es, bis seine Diener aus Linokana Ersatz herbeischaffen

konnten.

Am 22. langten wir an der Mündung des Notuany, eines im westlichen

Maricodistrict des Transvaal-Gebietes entspringenden, nur nach heftigem

Regen und selbst dann nur stellenweise fließenden etwa 150 engl. Meilen

langen Flusses an. Sein Bett ist tief, grubenförmig, und an seinen

bewaldeten Ufern finden sich hie und da große, stets wasserhaltende

Lachen, welche zahlreiche Fische und oft auch Krokodile beherbergen. Zur

Zeit unseres Besuches floß der aus Westen zahlreiche Sand-River

aufnehmende Notuany, und da seine Mündung stark verschilft war, dachten

wir, daß die Saurier nicht über Land in den Fluß gelangen könnten und

gönnten uns an der ziemlich tiefen Furth die Wohlthat eines Bades.

In dem südlichen Winkel der Notuany-Mündung finden wir, wie an mehreren

anderen Stellen im Limpopothale, ein »Dornfeld«, d.h. eine umfangreiche

ebene und humusreiche Strecke, die mit bis sechs Fuß hohen _Acacia

horrida_-Gebüschen bewachsen ist. Es sind dies Strecken, deren

Bodengattung das Herz eines europäischen Landwirthes erfreuen müßten,

die hier aber lange Jahre noch brach liegen werden. Auf meinen Ausflügen

während des zweitägigen Aufenthaltes am Notuany schoß ich einen grauen

Uhu und einen Aasgeier. Thier- und Pflanzenleben boten mir reichlichen

Stoff zu den interessantesten Studien.

Im Jahre 1870 hatte einer der Schoschonger Händler zwei Wägen unter der

Oberaufsicht von drei Colonial-Halbcastmännern und eines ihnen

untergeordneten Bamangwato-Dieners nach Zeerust gesendet. Eine ihrer

Raststellen war an der Furth des Notuany-Flusses. Da es die Wagenführer

für gut fanden, in der Tageshitze nicht zu reisen, so betrug die Rast

mehrere Stunden, welche Zeit sich einer der Halbcast mit einem Ausflug

verkürzen wollte und zu diesem Zwecke von einer Meute Hunde gefolgt auf

die Jagd zog. Längs des Ufers vordringend, sah er sich bald von seinen

vierfüßigen Freunden verlassen, die eine Wildspur aufgenommen zu haben

und ihr nun kläffend zu folgen schienen. Er achtete anfangs nicht

darauf, als es ihm jedoch däuchte, daß sie mit vereinten Kräften auf

eine bestimmte Stelle anschlugen, nahm er diese Richtung auf und näherte

sich vorsichtig derselben. Dichtes Gebüsch, hie und da ein Baum und

hochbegraste Lichtungen bildeten die Scenerie seiner nächsten Umgebung.

[Illustration: Löwe von Hunden umringt.]

Je deutlicher das Gebell ihm entgegendrang, um so rüstiger schritt er

darauf los und sah sich nach einer Viertelstunde einem seltsamen

Schauspiele gegenüber. Von der kläffenden Meute umringt, saß einige

Schritte vor ihm ein ausgewachsener, dunkel bemähnter Löwe, der seinen

mächtigen Schädel bald nach dieser, bald nach jener Seite wendete und

dem das heisere Kriegsgeschrei der Hunde kein besonderes Vergnügen zu

bereiten schien. Der Jäger schlich sich gedeckt durch einen Busch, bis

auf 50 Schritte heran und konnte nun das Zähnefletschen des Löwen sehen

und sein dumpfes Brummen vernehmen. Der Mann legte an, doch in dem

Augenblicke als er losdrücken will, springt der größte der Hunde, der in

Schoschong als ein Hyänenwürger bekannt war, vorwärts, um den König des

Waldes zu fassen. Das arme Thier büßte seinen Muth mit dem Tode, ein

blitzschneller Hieb mit der Pratze schlug ihn nieder. Seine Brust und

der Unterleib zeigten eine klaffende Wunde, aus der die Eingeweide

hingen. Nach allen Seiten stoben daraufhin die Hunde auseinander, auch

des Schützen Hand zitterte fühlbar und er mußte niederknieen, und mit

aller Kraft das Gewehr an die Schulter und Wange pressen, um einen

sicheren Schuß zu erzielen. Der Löwe war aufgestanden und beschnupperte

sein zuckendes Opfer--da traf ihn die Kugel, wie eingegossen saß sie

unter dem Blatte in der Brust und der königliche Räuber fiel auf

derselben Stelle, an der er seinen verwegenen Angreifer getödtet hatte.

Am 24., als wir uns der Marico-Mündung näherten und einige der hier

zahlreichen den Weg kreuzenden, nach dem Limpopo zu führenden engen

Regenschluchten passirten, brach die in Schoschong gezimmerte Achse,

doch gelang es dieselbe noch so weit herzustellen, daß sie bis zur

nächsten Transvaal-Farm Dienste leistete. Am folgenden Tage hatte ich

Gelegenheit, zwei Heerden der schönen, im Buschlande in den Wäldern

nördlich vom Molapo bis in's centrale Afrika wohnenden, hier an

Häufigkeit den südlichen Bläßbock der Grasebenen vertretenden Pallah's

zu treffen. Unsere Weiterfahrt war durch anhaltende Regen gehindert und

da wir noch immer in der Niederung des Limpopo und später jener des

Maricothales aufwärts zogen und es in den letzten Wochen hier ebenso

stark wie in Schoschong geregnet haben mußte, so reisten wir fast die

Hälfte der Strecke hindurch durch Wasserlachen und Sumpfland, ohne

selbst zu unserem Nachtlager eine trockene Stelle ausfindig machen zu

können.

Auf einer großen Wiesenfläche zu unserer Linken (am linken Maricoufer)

wurden wir auf der Morgenfahrt des 26. von einem seltenen Anblick

überrascht. Mehr denn die Hälfte der Au, einige hundert Schritte im

Gevierte messend, glich einem einzigen feuerrothen Teppich, ringsum von

dem üppigen Grün der Wiesenflur und dem dunklen Grün der Mimosen-Büsche

und Bäume umrahmt. Dieses herrliche Bild war durch blühende Aloën

hervorgerufen, welche aus dem Kranze ihrer fleischigen und bedornten

Blätter, die bis drei und vier Fuß hohen, oben armleuchterförmig

verästelten Aehrenblüthen tragenden Stengel emporhoben. In den dichteren

Büschen beobachtete ich manche derselben mit einer schön

schwefelgelbblüthigen Schlingpflanze überladen.

Die Anstrengungen der Reise, die Fieberluft der durchzogenen Gegenden

und die feuchten Nachtlager der letzten Tage blieben nicht ohne Folgen

für meine Gesundheit, am 28. hatte sich mein Zustand derart

verschlimmert, daß wir die Reise unterbrechen mußten. Die allgemeine

Abspannung hatte in einem solchen Grade zugenommen, daß ich nicht im

Stande war, vom Wagen herabzuklimmen, sondern von den Gefährten

heruntergehoben werden mußte. Nach 1½ Stunden trat heftiges Erbrechen

ein, der Kopf schien mir centnerschwer, und ich war unfähig, auf die

Fragen der mich bestürmenden Freunde zu antworten. Allmälig schwand die

Kraft der Sinne und ich verfiel in ein zweistündiges Delirium, aus dem

ich auf einen Moment--Dank der Hilfe meiner Gefährten--erwachte. Die

drei Männer knieten an meiner Seite und frottirten mich mit kühlem

Wasser. Freund E. schluchzte laut und F. lief wie sinnlos umher. Nur

nach der aufopfernden Pflege des um mich besorgten Freundes Eberwald,

und nachdem ich mir, des heftigen Blutandranges zum Kopfe halber, mit

Noth zur Ader gelassen hatte, trat eine merkliche Besserung ein. Die

rührende Sorgfalt und Theilnahme Eberwalds zeigte sich mir bei dieser

Gelegenheit im schönsten Lichte und machte mir den Freund um so werther.

Das eiserne Gebot der Notwendigkeit, die afrikanische Natur, hatten

indeß den besten Einfluß auf meine Genesung, am dritten Tage war ich

wieder so weit hergestellt, daß wir die Reise fortsetzen konnten.

Am 3. verließen wir das eigentliche Thal des Marico[1] überschritten den

Sattel und kamen in einen nur nach dem Marico zu offenen Kessel, der von

dem Betschuanaspruit durchkreuzt, im Süden von der interessanten Gruppe

der Berthahöhen gebildet wird. An ihren südwestlichen Ausläufern liegt

Tschune-Tschune (engl. Tshwene-Tshwene), die Stadt der unter dem

Häuptling Matlapin stehenden Batloka, die auf dem Gebiete Seschele's

liegt, das von der Sirorume-Mündung bis an die Dwarsberge reicht. In dem

Niederwald im Kessel, namentlich gegen Tschune-Tschune, fand ich den

Morula-Baum mit reifen Früchten.

1: Ich beobachtete am Marico-Ufer Granit- und Gneisfelsen mit

aufsteigenden mächtigen Quarzadern, die von großen

Goldglimmerplättchen durchzogen waren.

Am 4. trafen wir im Weichbilde der Stadt ein. Die Stadt selbst war

ziemlich reinlich gehalten. Die Gehöfte und Hütten waren größer und

geräumiger als jene der meisten Betschuana's und hie und da von Gärtchen

umgeben. Auf den Feldern stand nur noch hie und da etwas Korn, Mais und

Kafirzuckerrohr. Ich hielt vor der Stadt, da mir von Batloka's bedeutet

wurde, daß der Morena betrunken sei und es in der Stadt lustig hergehe.

Von dem Hochplateau, aus dem sich der letztgenannte Höhencomplex erhebt,

herabsteigend, fanden wir an dem Abfall desselben in dem harten grauen

Kalksteinfelsen mehrere tiefe Löcher, welche kühles Quellwasser

enthielten. Von diesen Quellen bot sich uns ein überraschender Anblick.

Vor uns lag ein mehrere Meilen breites, leicht bewaldetes Thal, das sich

gegen Osten nach dem Marico zog und im Süden von einem langen bebuschten

und bewaldeten, zahllose Kuppen aufweisenden Höhenzuge, den Dwarsbergen,

begrenzt war. Jenseits derselben lag bereits das Gebiet der

Transvaal-Republik. Den Paß, über den ich die Dwarsberge am 6.

überschritt, nannte ich Schweinfurths-, den nächsten westlichen

Rohlfs-Paß. Von der Sattelhöhe desselben erblickten wir auf einer

namentlich nach Osten gegen den Marico sich ausbreitenden Ebene die

erste Farm. Am jenseitigen Fuße der Höhen begegneten wir einem nach dem

Damaralande auswandernden Boer.

Auf der Farm Brackfontein angelangt, entdeckte ich zu meiner freudigsten

Ueberraschung, daß der Eigenthümer ein Schmied war, und ich nun die

Schäden an meinem Wagen ausbessern lassen konnte. Der Einladung seiner

beiden Söhne, sie auf die Jagd zu begleiten, konnte ich mit Rücksicht

auf meine Reconvalescenz nicht folgen, obwohl der Reichthum der Gegend

an Wild verlockend war. In den dichter bebuschten Partien an den

Dwarsbergen gab es Gazellen und Kudu-Antilopen, in den leicht bewaldeten

Partien an ihrem Fuße und auf den Grasebenen nach Osten und Süden

Heerden der beiden Gnu-Arten, Zebras, Springböcke und zuweilen wurden

auch Säbel-Antilopen und Strauße sichtbar. Fourier, der Farmer, erwähnte

auch, daß Löwen zur Winterszeit die Gegend beunruhigen und erzählte mir

mehrere Jagdabenteuer, von welchen ich eines hier anführen will, das er

und seine benachbarten Farmer im Maschonalande erlebten.

[Illustration: Elephant und Boer.]

Auf einem gemeinschaftlich unternommenen Jagdausfluge im Gebiete der

Tsetsefliege hatten dieselben eine Elephantenheerde aufgespürt; da sich

die Spuren plötzlich theilten, folgte Fourier mit seinen

Matabele-Dienern den zahlreicheren, während sein Freund die riesige

eines männlichen Thieres aufnahm. Er war auch der erste, der seiner

Beute nach einem halbstündigem Marsche ansichtig wurde. Fourier hörte

auch dessen Schuß und kehrte, nachdem sein Bemühen, die Heerde

aufzufinden, erfolglos war, zu seinem Freunde zurück, er fand ihn, doch

nur als Leiche, wieder. Auf den Boden gestreckt, sein Gesicht mit Blut

befleckt, das aus Mund, Nase und den Ohren floß. Vor ihm lag sein

Gewehr[1] mit geborstenem Kolben und etwa 30 Schritte in gleicher

Richtung unter einem Baume der Cadaver eines großen männlichen

Elephanten. Während der Erzählung des Farmers hatte ich eines der

riesigen, unbeholfenen und schweren, stark verrosteten Vierpfünder in

die Hand genommen, die Innenfläche (Backenfläche) war mit Schafwolle

ausgefüttert und mit einer weichen Haut überzogen.

1: Das Gewehr, von ¼pfündigem Kaliber, wird, da vier Kugeln auf ein

Pfund gehen, von den Boers Vierpfünder genannt.

Von Brackfontein wandte ich mich am 12. nach Süden, um--das sogenannte

»Bushveldt« (Buschfeld) durchkreuzend--die in dem eigentlichen

Marico-Höhennetze liegende Eingebornenstadt Linokana aufzusuchen.

Ohne vorläufig auf eine nähere Beschreibung des Bushveldts einzugehen,

will ich hier nur erwähnen, daß es von einem bewaldeten Hügelland

gebildet wird, das zahlreiche mit den Dwarsbergen zusammenhängende,

niedere Kämme, sandige Bodenerhebungen, isolirte Hügel und zahlreiche

Thäler aufweist und dessen Boden mit üppigem Grase bewachsen ist. Bevor

ich es durch den Buyspaß (Buysport) verließ, berührte ich die Farmen

Markfontein, Sandfontein, Witfontein. Der Eigenthühmer der

erstgenannten, Zwart, hatte die ziemlich umfangreiche, große Farm um 300

£ St. erstanden. Auch Zwart war ein alter Elephantenjäger und hatte das

Damaraland und die Zambesi-Fälle auf seinen Streifzügen besucht. In

Sandfontein wohnte in einem Hartebeest-Häuschen ein Holländer, der für

Herrn Taylor, den Kaufmann bei Seschele, die Verfrachtung der Waaren

besorgte. Wir wurden von ihm und seiner freundlichen, alten Mutter,

trotzdem daß er hier nur mit den Seinen periodisch einige Tage im Monat

wohnte, auf das Beste bewirthet.

[Illustration: Buysport, Felsenthor im Bushveldt.]

Abends erreichten wir den erwähnten Buysport (Paß) und überschritten ihn

am folgenden Tage (15. März). Der Buyspaß gehört zu den anziehendsten

Partien des Marico-Höhennetzes. Ein Spruit, der in kleinen, tiefen

Lachen das ganze Jahr hindurch Wasser in seinem felsigen Bette birgt,

muß einigemal gekreuzt werden, und wenn auch das Fortkommen dadurch sehr

erschwert wird und die größte Vorsicht erheischt, so bietet sich dem

Auge in dem bald von bewaldeten, bald schroff abfallenden oder

stufenförmigen Felsenblöcken eingeengten Flußthale ein so pittoreskes

und schönes Bild dar, daß man die Mühen der Reise durch den Paß nicht

scheut, und dies um so mehr, als der Naturfreund sich reichlich belohnt

findet.

[Illustration: Baharutse Wasser schöpfend.]

Buschböcke, Roibock-Gazellen, Klippspringer, Paviane und Meerkatzen

gehören nebst kleineren katzenartigen Raubthieren und dem Hyrax zu den

gewöhnlicheren Erscheinungen unter den größeren Vierfüßlern, doch trifft

man auch zuweilen Leoparden, Luchse und Kudu's. Der Reichthum an Vögeln,

Schlangen, Insecten und Pflanzen ist überraschend. Nebst dem schon hie

und da erwähnten Wildgeflügel--mit Ausnahme der Trappen und der

trappenähnlichen Otis--fand ich Wachteln, zwei mir neue Drosselarten,

einen Wendehals, zwei Mandelkrähen-Arten etc.

Das Hochplateau, das wir nach Passirung des Passes betraten, war ein

herrliches Wiesenland und von zahlreichen bebauten Flächen bedeckt, nach

Westen und Osten senkt es sich zu den Notuany- und Zeerust-Höhen herab.

Diese Höhen einige Meilen in südwestlicher Richtung herabfahrend, kamen

wir in das Thal des obern Notuany, das von dem unmittelbar vor uns

einmündenden Matebethal durch einen Höhenzug theilweise getrennt und zur

Hälfte seiner Ausdehnung bebaut war. Diese Felder bildeten das

Wahrzeichen Linokana's, einer Baharutsestadt, von deren blühendem

Ackerbau ich schon in Moschaneng, Molopolole und an anderen Orten

vernommen hatte. Der Notuany, den wir einige Meilen oberhalb seiner

Quellen überschritten, floß in einem grabenförmigen Bette und war mit

einigen Holzstämmen neu nothdürftig überbrückt, über welchen höchst

primitiven und gefährlichen Bau wir den Wagen übersetzen mußten. Wir

fuhren in das Thal des Matebeflüßchens und kamen bald in den Thalkessel

von Linokana, in dessen Mitte, sowie an dessen nördlichem und östlichem

Rande der Höhen die gleichnamige Eingebornenstadt erbaut ist.

In den zahlreichen Schilfrohrdickichten am Matebeflüßchen macht sich

eine reiche Thierwelt bemerklich. Der Abend und der Morgen sind die

Zeiten, an denen wir ihrem Treiben lauschen, die graue Wildkatze im

Beschleichen der Schnepfen und der langschwänzigen Capfinken, den

Wasserleguan und seltener auch den Caracal beobachten können, den

letzteren doch nur dann, wenn es ihm in seinem Felsengeklüfte an Nahrung

gebricht und er sich gezwungen sieht, in das Thal herabzusteigen, wo ihm

dann die Schilfrohrdickichte reiche Beute und einen sicheren

Schlupfwinkel bieten.

Gleich beim Betreten des östlichen Thalkessels fällt uns neben den

wohlbebauten Feldern eine dichte Baumgruppe am nördlichen Ende der Stadt

auf, aus welcher Baumgruppe sich namentlich einige schlanke und weithin

sichtbare Eucalyptus-Bäume[1] bemerkbar machen. Sie beschatten mehrere

im europäischen Style erbaute Häuschen, die einem freundlichen und

zuvorkommenden Manne als Wohnstätte dienten, der mit seinem Beispiele so

wohlthätig auf die Baharutse eingewirkt hat, daß diese jetzt unter den

Transvaal-Betschuana's die bedeutenden Ackerbauer und wohl auch die

wohlhabendsten sind. Thomas Jensen ist der Name dieses Missionärs, ein

Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft; er nahm uns freundlich

auf, führte mich zum Häuptling Moilo (oder Moiloa) und zu den anderen an

den Bergen wohnenden Häuptlingen, Tschukuru etc. Moiloa war eine hohe

Greisengestalt, freundlich, obgleich mit harten Gesichtszügen, er war

ein treuer Unterthan der Transvaal-Republik, besorgt um das Wohl seiner

Unterthanen und überragte in mehrfacher Hinsicht die Herrscher der

Nachbarreiche. Er stellte mir seine Söhne vor, von denen er keinen der

Nachfolge auf den Thron fähig bezeichnete, übrigens war der in

Moschaneng lebende Sohn eines verstorbenen Verwandten, als Ursprosse des

alten Königshauses aller Betschuana's, der Baharutse in Linokana, der

rechtmäßige zukünftige Häuptling.

1: Dieselben hatten bei einer Höhe von über 60 Fuß einen

Stamm-Durchmesser von zwei Fuß.

In jedem größeren Gehöfte in der Stadt fand ich einen Pflug und überall

ragten Wagendächer zwischen den kegelförmigen Grasdächern hervor. Dem

Rathschlage Rev. Jensens folgend, haben es die Baharutse verstanden, die

an den westlichen Höhen des Thalkessels entspringende Quelle des

Matebeflüßchens auszunützen; sie wird theilweise durch die Stadt, doch

auch in mehreren Armen durch die Felder und Obstgärten geleitet und

sowohl zur Bewässerung des angebauten Landes, als auch als Wasserleitung

für häusliche Zwecke in Anspruch genommen. Die erwachsene männliche

Bevölkerung zahlte zehn Shillinge Kopfsteuer an die Transvaal-Republik

und war im Kriegsfalle verpflichtet, Männer und Zugthiere beizustellen.

Rev. Jensen war mit der Inempfangnahme der Kopfsteuer betraut und

lieferte sie an die Regierung ab, wofür ihm keine Vergütung irgend einer

Art zu Theil wurde, obgleich er jährlich an 400 £ St. abgab.

Um das Missionsgehöfte ziehen sich die Gärten und Felder, in denen Mais

und Weizen angebaut wird und Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Feigen,

Orangen und Zitronen gedeihen, deren Ertrag eine willkommene Beisteuer

zu dem allzu bescheidenen Gehalt des Missionärs bildet. In dem kleinen

Blumengärtchen begrüßten wir alte Bekannte aus der trauten Heimat, da

gab es mehrere Arten von Rosen, theils einzeln, theils als Hecken

gezogen, Schwertlilien, die buntfarbigen, duftenden Nelken, den

Pfeifenstrauch, verblühte Tulpen, Hyazinthen etc.

Das Familienleben des Missionärs unter den hohen Bluegum-Bäumen am

Matebeflüßchen glich einer stillen, glücklichen Idylle, und war um so

beachtenswerther, als sie den dunklen Nebenmenschen ein leuchtendes

Vorbild war. Rev. Jensen theilte uns auch mit, daß sicheren Nachrichten

zufolge, die über Capstadt von Zanzibar gekommen waren, Livingstone

einem Ruhr-Anfall am Bangweolo-See erlegen sei, was unsere allgemeine

Freude über die freundliche Aufnahme nicht wenig trübte. Von Rev. Jensen

erfuhr ich, daß der erste Begleiter Livingstone's auf seinen

Missionsreisen in Linokana noch lebe.

Der Häuptling Moiloa beklagte sich bei mir durch Rev. Jensen über das

Betragen einiger Weißen, die in die Stadt gekommen waren, namentlich

eines Photographen von Gewerbe (eines Amerikaners) und eines Engländers,

der sich C.H. nannte. Rev. Jensen berichtete mir eine höchst

interessante Heilung von Schlangenbiß, die er an einem Bewohner

Linokana's beobachtet hatte. Ein Mann war während des Holzfällens von

einer Cobra gebissen worden. In seiner Angst laut schreiend, ließ er

Beil und Pfähle im Stiche und lief aus Leibeskräften über Stock und

Stein nach dem Missionshause zu. Verwundert sieht Jensen einen über und

über mit Schaum bedeckten Mann heranstürzen, der, bei ihm angekommen,

vor Ermattung niederfällt und kein Wort zu stammeln im Stande ist. Als

er nach einiger Zeit zu sich kommt und die Wunde vorzeigt, war ihre

nächste Umgebung nur etwas geschwollen, allein der Mann fühlte sich ganz

wohl und ward gesund, ohne ein Medicament genommen zu haben. Der heftige

und reichliche Schweiß hatte zweifellos das Gift aus dem Körper

getrieben.

[Illustration: Scene aus dem Leben der Baharutse.]

Die Baharutse besitzen zahlreiche Heerden, obgleich sie jährlich eine

bedeutende Anzahl durch die herrschende Lungenseuche verlieren.[1]

1: Nur durch von der Regierung erlassene Maßregeln und durch die

Einführung von Acid. sulphuricum dilutum als Specificum, wird man

mach meinem Dafürhalten diesem Uebel kräftig entgegenwirken und

damit ein großes Capital, das jährlich im Transvaal-Gebiete nutzlos

verloren geht, vielleicht retten können.

Linokana (=ein kleiner Fluß--Li=der--noka=Fluß--nokana=Flüßchen) wurde

früher, aber nur zu Lebzeiten des Häuptlings Moiloa und ihm zu Ehren

Moiloa genannt. Für den Sammler ist, wie Karl Mauch dies bestätigt hat,

ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in Linokana sehr lohnend. Mit Ausnahme

der Mamalia sind naturhistorische Objecte aller Art reichhaltig

vertreten.[1] Die Höhen, von denen der nördliche der To- (Elephanten-),

der östliche Po- (Büffel-) Berg genannt werden, die Wiesen und

morastigen Partien des Matebethales, die bewaldeten des Notuany zeigen

eine große Reichhaltigkeit an Vögeln, unter denen namentlich Raubvögel,

langschwänzige Finken, Bienenfänger, grünliche Tauben und Purpurreiher

etc. auffallen.

1: Eisenhaltiger Schiefer sowie der harte graue Transvaal-Kalkstein

mit Kalkspath, Blei-, Eisen-, und Kupfererzen durchschlossen und

ganze Hügel von Petrefacten, der letzten Periode angehörend, welche

deutlich auf ein Vorhandensein heißer Quellen schließen lassen,

werden die mineralogischen Sammlungen bereichern.

In früheren Zeiten hatte Moiloa große Treibjagden veranstaltet, welche

auf der westlichen Hochebene abgehalten wurden. Er ließ große Flächen

derselben umzingeln und die Treiber das aufgescheuchte Wild gegen den

Abfall der Hochebene nach Linokana zu treiben, wo es von den Schützen

erwartet und zum großen Theile erlegt wurde.

Am 16. verließ ich Moiloa's freundliche Ackerbauer und schlug eine

südliche Richtung ein, um nach Zeerust zu gelangen. Wir kamen am selben

Tage bis zur nächsten schönen Farm, die dem Fieldeornet Martin Zwart

gehörte, und den wir eben mit der Destillation von Pfirsichbranntwein

beschäftigt fanden. M. Zwart besaß hier zwei Farmen, hatte mehrere an

der Grenze verkauft und befand sich trotzdem in keineswegs rosigen

Verhältnissen. Gleich vielen anderen einst wohlhabenden Farmern ließ die

leidenschaftlich betriebene Jagd auch ihn nicht aufkommen. Er war 21

Jahre lang Jachter (Jagter-Jäger) gewesen, während welcher Glanz- und

zugleich Verarmungsperiode er 294 Elephanten erlegt hatte.

[Illustration: Südafrikanische Trappe.]

Im Notuanythal aufwärts zu den Quellen dieses Flusses ziehend, unternahm

ich eine Excursion, nach der Farm des Oosthuisen, der hier mit mehreren

Verwandten in einem schönen Thalkessel wohnte. Seine Farm ist

nennenswerth reich an Kupfererzen, welche auch hier zuvor von den

Eingebornen gewonnen, geschmolzen und zu Armringen etc. verarbeitet

wurden; ebenso wie man an den Höhen unfern der Matebequellen bei

Linokana Stellen findet, an denen Eisenerze in ähnlicher Weise

verarbeitet wurden. Oosthuisen beschäftigte sich namentlich mit Mais-,

Weizen- und Tabakbau und dem Gerben von Thierfellen, die er den aus dem

Inneren heimkehrenden Jägern abgekauft hatte. Nach Zwarts Farm

zurückgekehrt, fuhren wir zwei Stunden später in das nahe liegende

Zeerust, den Sitz der Behörde für den District Marico. Damals nur aus

circa 40 Häusern bestehend, hatte das Städtchen eine mit hoher Mauer

umfriedete holländische Kirche, welche bei der früheren Unsicherheit der

Gegend, der holländischen Bevölkerung der nächsten Umgebung als

Zufluchtsort diente.

[Illustration: Tschukuru, Häuptling der Baharutse.]

Zeerust liegt am kleinen Marico, der sich nach Osten durch die Höhen

Bahn bricht, um sich mit dem großen Marico zu vereinigen. Der

Marico-District ist zum größten Theile ein von zahlreichen fließenden

Bächlein und Flüßchen durchzogenes und äußerst fruchtbare Thäler

besitzendes Höhenland, das auch verhältnißmäßig besser als die meisten

übrigen Transvaal-Districte angebaut ist. Ein Theil ist mit einem

Mimosen- und anderem Niederwald bedeckt und in seiner Gesammtheit ein

gutes Weideland für Pferde und Rinder. Die Farmen stehen hier auch

dichter und wir sehen die Gartencultur ziemlich schwunghaft betrieben,

daß wir jedoch trotz Allem die Wohlhabenheit nur auf gewisse Farmen

concentrirt fanden, rührt daher, daß sich die Besitzer der meisten

derselben der Elephantenjagd ergeben hatten und dabei die Erträgnisse

des fruchtbaren Bodens an dieses so beschwerdenreiche Vergnügen

vergeudeten. Das von den Betschuana-Königen erlassene Jagdverbot wird

diese Jäger zwingen, daheim bei ihren Pflügen zu bleiben, was ihre

materielle Lage heben und in einigen Jahren dem Reisenden nur ein Bild

allgemeiner Wohlhabenheit im Marico-District bieten wird.

Am 19. verließ ich Zeerust im Thale des kleinen Marico aufwärts nach

Süden. Nachdem wir eine Anzahl von Farmen, die theils im Thale und in

den Seitenthälern, theils an den Abhängen liegen und Quarifontein,

Quaggafontein, Kafirkraal, Graffel und Deukfontein etc. heißen, passirt

hatten, gelangten wir auf das Hooge-Veldt (Hohe Feld), eine der größten

Grasebenen des südafrikanischen Hochplateaus. Im Osten waren die

Zwart-Ruggens (schwarzen Höhenrücken) sichtbar. Die wildreiche Ebene ist

der östliche Theil der zwischen dem Molapo- und dem Hart-River liegenden

Wildebenen jenes Hochlandes, in dem der Hart-River, der Molapo und der

Marico mit vielen ihrer Nebenflüsse entspringen und denen der bei

Wonderfontein beschriebene und sonst oft erwähnte graue

Transvaal-Kalkstein als Grundlage dient. Auf diesem Hochplateau, dem

östlichen Theil des Hooge-Veldt, stießen wir blos auf zwei Farmen, Pit-

und Witfontein, welche in kleinen Vertiefungen lagen, die nach dem

Hart-River zu führen schienen.

Auf einer der Farmen klagte mir der Eigenthümer über die Dreistigkeit

der Hyänen. Eine solche war einige Wochen zuvor Abends, als der

Eigenthümer in der Stube saß, in dieselbe eingedrungen. Der Mann, der

eben eine holländische Zeitung las, dachte, es sei ein Hund, als ihn

sein unter dem Tische liegender Hund, der auf den frechen Eindringling

lossprang, eines Anderen belehrte. Auf Pitfontein fanden wir Löwenspuren

und die Söhne des Farmers erzählten uns, daß eine der in dem umzäunten

Felde arbeitenden Barolong-Dienerinnen zwei Tage zuvor, Früh am Morgen

einen Löwen gesehen hätte. Auch war am selben Tage eines ihrer Kälber im

»veldt« (auf der Ebene) von einem Löwen getödtet gefunden worden. Nach

diesen Mittheilungen zu schließen, mußten es Löwen vom Maretsane- und

Konanaspruit gewesen sein, welche vom Westen her ähnliche Besuche diesen

Farmen und den wildreichen Ebenen abzustatten pflegten.

Auf Witfontein klagte man über die Unverschämtheit eines Mannes, der in

Potschefstroom wohne und zeitweilig das Land bereise, um unter dem

Vorwande, neue Quellen aufzufinden, den Bauern schweres Geld ablocke.

Nach der Beschreibung der Leute hatten wir dem Mann begegnet, als wir

eben das Hochplateau betraten. Es war ein verschmitzt aussehender Alter,

das Prototyp eines echten Transvaal-Raubritters, mit einem

hoffnungsvollen Sprossen und einem Betschuana, der den zweirädrigen von

zwei Ochsen gezogenen Karren lenkte.

Am 22. März begannen wir allmälig herabzusteigen und betraten das Thal

des Makoksspruit, an dem Makoks-(Eingebornen-)Kraal liegt. Im Thale fand

ich eine Farm und in dem Farmer den Verwandten eines Mannes, den ich in

den Diamantenfeldern behandelt. Obgleich sehr verarmt, bemühten sich die

Leute uns zu bewirthen. Am folgenden Tage erreichten wir das Thal des

oberen Schoenspruit, der reichlich floß und in dessem Thale sich eine

Farm an die andere reihte. Zwischen dem Schoenspruit und Potschefstroom

hatten wir mehrere flache Höhenrücken zu überschreiten, welche

südwestliche Ausläufer des Hooge-Veldts sind und die Moi-River und

Schoen-Zuflüsse begleiten.

Unter den in meinem Tagebuche verzeichneten Löwenjagden finde ich

einige, welche sich auf dem Terrain zwischen Zeerust und Potschefstroom

abspielten. Die interessanteste derselben, welche mir in dem Urwalde des

östlichen Bamangwatolandes von dem im Jakobsdaler District ansässigen

Elephantenjäger David Jakobs mitgetheilt wurde, will ich hier

wiedererzählen.

Im Jahre 1863, während der in der Transvaal-Republik herrschenden

Unruhen hatten sich auch die Bewohner des Marico-Districtes an denselben

betheiligt und so war ein Haufen der Farmer zu Pferde nach

Potschefstroom abgezogen. Unter diesen befanden sich die zwei berühmten

Elephantenjäger J.W. van Viljoen und Pit Jakobs, dann der Erzähler und

17 andere Boers. Auf ihrem Wege dahin waren sie bis zu Makoks-Kraal

gekommen, als unweit desselben die Reiter nahe am Wege eine

ausgewachsene Löwin im hohen Grase liegen sahen. Viljoen, ein Löwenjäger

à la Gordon leitete den sofortigen Angriff ein und die übrigen, seine

Erfahrenheit in diesen Dingen wohl kennend, fügten sich willig. Er ließ

absatteln, die Pferde mit den Zügeln aneinander binden und dann die

Männer mit ihren Gewehren eine Stellung zwischen dem Raubthiere und den

Pferden einnehmen, in dieser waren sie etwa 100 Schritte von demselben

entfernt. Viljoen erlaubte sich bei solchen Gelegenheiten immer einen

Spaß; so oft er mit Jemandem jagte und dabei zufällig einem Löwen

begegnete, stellte er immer den Muth seines oder seiner Begleiter auf

die Probe. Van Viljoen, der seitlich von seinen Begleitern stand,

benützte den Moment, wo deren Augen auf die Pferde gerichtet waren, um

sich nach der Löwin zu wenden, und um sie herauszufordern, eine Kugel

über sie hinwegfliegen zu lassen. Seine Absicht gelang vollkommen. Die

Löwin kam zähnefletschend bedächtig herangeschritten. Auf 40 Schritte

Entfernung traf sie der Schuß eines der Jäger am Ohr und nun kam sie

rascher heran. Als das Raubthier die Entfernung schon um 20 Meter

verkürzt hatte, geriethen die Männer in's Schwanken--Viljoen stand ruhig

etwa 18 Meter von dem Thiere entfernt und fixirte bald das Thier, bald

die auf dasselbe gerichteten Mündungen der Gewehre seiner Genossen--da

blitzte es auf, sechs Schüsse fielen und die Löwin that keinen Schritt

näher--fünf Kugeln waren ihr in die Brust gedrungen.

»Nun, da haben sich Deine Freunde wacker gehalten,« sagte ich zu David

Jakobs.

»Nun, es war nicht so arg mit ihnen, denn als die Löwin näher kam,

kehrten sich einige von ihnen nach den Pferden um, d.h. sie wollten sich

empfehlen, allein die Pferde, welche die Löwin gewittert, hatten sich

ängstlich aneinander gepreßt und waren um volle 20 Schritte

zurückgewichen, so mußten die Genossen bleiben, die Löwin hätte ihnen

den Rückzug abgeschnitten.

Auf dem Wege vom Schoenspruit nach Potschefstroom entdeckte ich auf der

ersten Höhe ein interessantes Felsenthor und mehrere senkrecht aus der

Erde meist halbkreisförmig aufsteigende, kammförmige Quarzit-Wälle. Die

zwischen denselben gelegene Farm führt den Namen Klip-Port und eine der

nächsten Farmen Klip-(Stein-)Fontein; auch hier fand ich massenhaft

schönen, ein wellenförmiges Geschiebe bildenden mit Quarzit

durchschossenen Eisenschiefer, wie wir es an den Quarzitfelsen auf

Klip-Port beobachtet. Auch weiterhin gegen Potschefstroom zu, hatten wir

enge Thäler und felsige Höhen zu überschreiten.

Am selben Tage Nachmittags langten wir in Potschefstroom an. Meinem

Vorhaben gemäß verkaufte ich daselbst zwei Zugthiere, da mein Baargeld

völlig erschöpft war. Freund E. und B. sagten mir hier Lebewohl, um sich

nach den in Schwung gekommenen Goldfeldern des Leydenburger Districtes

zu begeben und ihr Glück, das sie vergebens in den Diamantenfeldern

gesucht, nochmals zu erproben; auch F. verließ mich hier.

Am 28. brach ich von Potschefstroom auf und erreichte Tags darauf

Klerksdorp. Auf dieser 34 englische Meilen langen Strecke begegnete ich

auffallend vielen Wägen. Es waren Kaufleute und Diamantensucher, sowie

Kantinjers, welche Leydenburg mit den Diamantenfeldern zu vertauschen

gesonnen waren und nun nach Gold lechzten, ebenso wie kurz zuvor

Diamanten ihr Losungswort war. Ich verließ Klerksdorp noch am Abend

desselben Tages und fuhr bis zum Estherspruit.

Am 30. begegneten wir der Passenger cart, dem zwischen den

Diamantenfeldern und Leydenburg verkehrenden, auch die Transvaalpost

befördernden Omnibus.

An der Furth des Maqwasispruit wurde mir eine angenehme Ueberraschung

bereitet. Die Zugthiere an der Tränke beaufsichtigend, schlug plötzlich

der Ruf: »Doctor, mein Gott, Doctor, sind Sie es?« an mein Ohr. Ich sah

auf und blickte in das freundliche Gesicht der Frau P., eine jener

Frauen, in deren Höfchen ich in Dutoitspan am Hill gewohnt. Sie war

immer so gütig gegen mich, daß ich sie Mutter nannte. Ihr Mann wie ihr

Bruder hatten sich aufgemacht, um ihr Glück, das sie in den

Diamantenfeldern vollkommen im Stich gelassen, nun in den Goldfeldern zu

versuchen.

Am 1. April überschritt ich den Bamboesspruit und 17 Meilen unterhalb

Christiana den Vaal an Blignauts (sprich Blechnots) Fähre und langte am

7. April 1874 in Dutoitspan an. Die Gesammtauslagen dieser zweiten Reise

überstiegen 9000 fl. Unter den mitgebrachten, mehr als 20 Kisten

füllenden Gegenständen waren die ethnographischen Objecte, 400 an der

Zahl, am besten vertreten, ihnen folgten, der Zahl und dem Werthe nach:

Insecten, Pflanzen, Hörner, Reptilien, Säugethierfelle, Mineralien,

Vogelbälge, anatomische Präparate, Spinnen und Krustenthiere,

Weichthiere und Versteinerungen. Auch in kartographischer Hinsicht

konnte ich während dieser zweiten Reise der Aufnahme meiner Routen mehr

Muße widmen; leider verhinderten mich theils Wassermangel, theils

verschiedene Unfälle, die der geehrte Leser bereits kennt, an einer

umfassenderen Verwirklichung meiner diesbezüglichen Absichten.

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). · 第 28 / 37 题