Priester. Und Heron sage--

(Eine Rolle aus dem Busen ziehend.)

Gib ihr dies Schreiben, das von ihren Eltern

Nur eben kam, und das--Vielmehr, laß nur!--

Sag ihr, daß ich die Dienerin beschied.

(Der Tempelhüter ab in den Turm.)

Priester. Abydos!

Was ist's, daß dieser Name mich durchfährt?

War aus Abydos nicht das Fremdenpaar,

Das jüngst im Hain--Wahnsinn, es nur zu denken!

Und doch! Ist nicht das Jünglingsalter kühn,

Und bleibt nicht gern auf halbem Wege stehn,

Vor allem wo Verbotnes lockt. Wenn sie

Versucht, das Abenteuer zu bestehn,

Das mein Dazwischentritt gestört, und Hero,

Unwissend trüge sie des Wissens Schuld,

Nebstdem, daß sie noch jung und neu im Leben,

Noch unbelehrt zu meiden die Gefahr,

Ja zu erkennen sie.--Genug, genug!

In meinem Innern reget sich ein Gott,

Und warnt mich, zu verhüten, eh's zu spät!

(Der Tempelhüter ist zurückgekommen.)

Priester.

Nun?

Tempelhüter. Hero hält Janthen noch bei sich.

Die Priestrin ruht, gelehnt auf weichen Pfühl,

Das Mädchen kniet vor ihr, und spricht und tändelt.

Man läßt dich bitten, Herr--

Priester. Sie zögern, wie?

Heiß du Janthen Augenblicks mir nahn.

Tempelhüter (sich nach rückwärts bewegend).

Nur aber--

Priester. Und wenn still auch sonst und klug!

Der Wahnsinn der das kluge Weib befällt,

Tobt heft'ger als der Torheit wildstes Rasen.

(Janthe kommt.)

Tempelhüter.

Ei komm nur immer, komm nur, du Geschmückte!

Hier frägt man dich, warum so spät du wachst.

Priester.

Von allem was sich Schlimmes je begab

In diesem Haus, fand ich dich immer wissend,

Belehrt durch Mitschuld, oder Neugier mindstens.

Nun meldet man, daß sich in dieser Nacht

Verdächtig Treiben hier am Turm geregt,

Auch fand dich dieser Mann, da alles schlief,

Noch wachend und gekleidet in den Gängen.

Drum steh ihm Red' und sage was du weißt.

(Er entfernt sich.)

Janthe.

Bei allen Göttern, Herr--

Priester (zurücksprechend). Laß du die Götter!

Und sorg erst wie den Menschen du genügst.

Janthe.

Nichts weiß ich ja; ich hörte nur Bewegung,

Ein Kommen und ein Gehn. Die Nacht war schwül;

Da lauscht' ich vor der Tür, und ging dann schlafen.

Tempelhüter.

So nennst du: vor der Tür, zwei Treppen hoch?

Ich fand dich in dem Gang vor Heros Kammer.

Janthe.

Ich war so bang, allein; da wollt' ich Hero fragen,

Ob sie gehört, und ob ihr bang wie mir?

Priester (sich wieder nähernd).

Ich aber sage dir: du sollst gestehn!

Denn daß du weißt, zeigt mir dein ängstlich Zagen.

(Hero kommt.)

Hero.

Was ist denn nur? Warum berief man uns?

Priester.

Hier ist Janthe, die du kennst, gleich mir.

Sie wird beschuldigt, daß bei nächt'gem Dunkel--

Hero. Man tut ihr wohl zuviel!

Priester. So weißt du--?

Hero. Herr!

Ich weiß nur, daß der Mensch gar gern beschuldigt,

Und vollends dieser Mann ist wirren Sinns.

Priester.

Doch ist's gewiß. ein Fremder war am Turm.

Hero (nach einer Pause).

Nun Herr, vielleicht der überird'schen einer!

Du sprachst ja selbst: in altergrauer Zeit

Stieg oft ein Gott zu sel'gen Menschen nieder.

Zu Leda kam, zum fürstlichen Admet,

Zur strengverwahrten Danae ein Gott:

Warum nicht heut? Zu ihr; zu uns, zu wem du willst.

(Sie geht auf die Ruhebank zu.)

Priester.

Sprach das der Spott? und dünkt das Heil'ge dir--?

(Zu Janthen.)

Nun Törin, oder Schuldige, gesteh!

Janthe.

Frag doch nur Hero selbst. Sie wohnt im Turm;

War dort Geräusch, vernahm sie es wohl auch.

Priester (sich Hero nähernd).

Hörst du?

Hero (die sich gesetzt hat, halb singend, den Kopf in die Hand

gestützt).

Sie war so schön,

Ein Königskind.

(Sprechend.)

Nun lichter Schwan, flogst du zu lichten Sternen?

Priester.

Hero!

Hero (emporfahrend).

Was ist? Wer faßt mich an? Was willst du?

Priester.

Hast du vergessen schon?

Hero. Nicht doch! ich weiß

Was man beschuldigt jene, ohne Grund.

Sei du nicht bange, Janthe, frohen Muts!

Wenn alle dich verließen, alle sie,

In meiner Brust lebt dir ein warmer Anwalt.

(Sie küssend.)

Wenn sie dich quälen, Gute, komm zu mir!

Nun aber geh, sie spotten dein und meiner.

Priester.

Bleib noch!

(Janthe zieht sich zurück.)

Priester (zu Hero).

Du liebtest nie das Mädchen sonst.

Woher der Anteil nun?

Hero (die aufgestanden ist).

Was frägst du mich?

Sie ist gekränkt, braucht's da noch andern Grund?

Priester.

Doch wem galt jene nächtig dunkle Störung?

Hero.

Warum denn ihr?

Priester. Wem sonst?

Hero. Die Lüfte wissen's;

Doch sie verschweigen's auch.

Priester. Nun denn, zu dir. Man sah

In deinem Turme Licht die ganze Nacht.

Tu das nicht mehr.

Hero. Wir haben Öl genug.

Priester.

Doch sieht's das Volk und deutet's wie es mag.

Hero.

Mag's denn!

Priester. Auch riet ich dir den Schein zu meiden,

Den Schein sogar; viel mehr noch wahren Anlaß.

Hero.

Wir meiden ihn, doch meidet er auch uns?

Priester.

Sprichst aus Erfahrung du?

Hero. Was ist die Zeit?

Wie lang ist noch bis Abend?

Priester. Und warum?

Hero.

Gesteh ich's, ich bin müd'.

Priester. Weil du gewacht?

Hero.

So ist's. Der Wind kommt uns von Osten denk ich,

Und ruhig ist die See. Nun, gute Nacht!

Priester.

Am hohen Tage? Hero, Hero, Hero!

Hero.

Was willst du, Ohm?

Priester. Hab Mitleid mit dir selbst!

Hero.

Ich sehe wohl, um mich geht manches vor,

Das mich betrifft, und nah vielleicht und nächst,

Doch faß ich's nicht und düster ist mein Sinn.

Ich will darüber denken.

Priester. Halt vorerst!!

--Du kannst noch nicht zurück in deine Wohnung!

Erst harrt noch--ein und anderes Geschäft.

Hero.

Geschäft?

Des Meeres und der Liebe Wellen: Trauerspiel in fünf Aufzügen · 第 16 / 18 题