(Offner Platz, im Hintergrunde das Meer. Rückwärts auf der linken
Seite Heros Turm mit einem halb gegen das Meer gerichteten Fenster
und einem schmalen Eingange, zu dem einige Stufen emporführen.
Daneben am Ufer einige hochgewachsene Sträucher. Nach vorn auf
derselben Seite laufen Schwibbögen und Säulen, die Nähe von
Wohnungen bezeichnend. Die rechte Seite frei mit Bäumen. Quer in
die Bühne hineinstehend eine steinerne Ruhebank.)
(Nach dem Aufziehen des Vorhanges hört man hinter der Szene)
Die Stimme des Tempelhüters.
Hierher, hierher, ihr Diener dieses Hauses!
(Dann tritt Hero ganz vorne rechts auf.)
Hero. Er ist hinüber. Allen Göttern Dank!
War's doch, als hätte sich das All verschworen
Ihn hier zu halten bis zum lichten Tag.
Ein Gehen war und Kommen ohne Ruh'.
Und er stand da, im Winkel still geduckt.
Da endlich kam der günst'ge Augenblick.--
Nun, er ist fort, und ich bin wieder ruhig.
(Auf derselben Seite, mehr nach rückwärts, kommt der Tempelhüter,
ein Horn am Bande um den Leib, und einen Spieß auf der linken
Schulter, ihr bei jeder Bewegung folgend.)
Tempelhüter.
Du sahst ihn wohl?
Hero. Wen doch?
Tempelhüter. Den fremden Mann.
Er sprang nur jetzt ins Meer.
Hero. Nur jetzt? so rasch?
Tempelhüter.
Drei Schritte kaum von dir.
Hero. Und sah ihn nicht?
(Sie geht auf den Turm zu.)
Tempelhüter.
Wohl sahst du ihn, und mußtest wohl ihn sehn!
Hero (weitergehend).
Muß ich? Bin ich denn Wächter so wie du?
Tempelhüter.
Nicht Wächter.--Zwar, wenn Wächter ist, wer wacht:
Du wachtest ziemlich lang bei deiner Lampe.
Hero.
Ei, daß du alles siehst!
Tempelhüter. Wohl seh ich, wohl!
(Der Priester kommt von der linken Seite.)
Priester.
Find ich hier Streit?
Hero (auf den Stufen des Turms).
Der Mann da ist nicht klug.
Tempelhüter.
Wollt' ich nur reden, ei!
Hero. Er spricht und spricht!
Ich geh!
Priester. Wohin?
Hero. In Turm.
Priester. Was dort?
Hero. Zu schlafen.
(Ab in den Turm.)
Tempelhüter.
Zu schlafen, ja! nachdem sie lang gewacht!
Priester.
Was war denn hier?