Rosalinde.

Mitnichten, mein Herr. Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit

verschiednen Personen. Ich will Euch sagen, mit wem die Zeit den

Paß geht, mit wem sie trabt, mit wem sie galoppiert und mit wem sie

stillsteht.

Orlando.

Ich bitte dich, mit wem trabt sie?

Rosalinde.

Ei, sie trabt hart mit einem jungen Mädchen zwischen der Verlobung

und dem Hochzeitstage. Wenn auch nur acht Tage dazwischen hingehn,

so ist der Trab der Zeit so hart, daß es ihr wie acht Jahre

vorkommt.

Orlando.

Mit wem geht die Zeit den Paß?

Rosalinde.

Mit einem Priester, dem es an Latein gebricht, und einem reichen

Manne, der das Podagra nicht hat. Denn der eine schläft ruhig,

weil er nicht studieren kann, und der andre lebt lustig, weil er

keinen Schmerz fühlt; den einen drückt nicht die Last dürrer und

auszehrender Gelehrsamkeit, der andre kennt die Last schweren

mühseligen Mangels nicht. Mit diesen geht die Zeit den Paß.

Orlando.

Mit wem galoppiert sie?

Rosalinde.

Mit dem Diebe zum Galgen; denn ginge er auch noch sosehr Schritt

vor Schritt, so denkt er doch, daß er zu früh kommt.

Orlando.

Mit wem steht sie still?

Rosalinde.

Mit Advokaten in den Gerichtsferien; denn sie schlafen von Session

zu Session und werden also nicht gewahr, wie die Zeit fortgeht.

Orlando.

Wo wohnt Ihr, artiger junger Mensch?

Rosalinde.

Bei dieser Schäferin, meiner Schwester; hier am Saum des Waldes,

wie Fransen an einem Rock.

Orlando.

Seid Ihr hier einheimisch?

Rosalinde.

Wie das Kaninchen, das zu wohnen pflegt, wo es zur Welt gekommen

ist.

Orlando.

Eure Aussprache ist etwas feiner, als Ihr sie an einem so

abgelegnen Ort Euch hättet erwerben können.

Rosalinde.

Das haben mir schon viele gesagt; aber in der Tat, ein alter

geistlicher Onkel von mir lehrte mich reden; er war in seiner

Jugend ein Städter und gar zu gut mit dem Hofmachen bekannt, denn

er verliebte sich dabei. Ich habe ihn manche Predigt dagegen

halten hören und danke Gott, daß ich kein Weib bin und keinen Teil

an allen den Verkehrtheiten habe, die er ihrem ganzen Geschlecht

zur Last legte.

Orlando.

Könnt Ihr Euch nicht einiger von den vornehmsten Untugenden

erinnern, die er den Weibern aufbürdete?

Rosalinde.

Es gab keine vornehmsten darunter; sie sahen sich alle gleich wie

Pfennige: jeder einzelne Fehler schien ungeheuer, bis sein

Mitfehler sich neben ihn stellte.

Orlando.

Bitte, sagt mir einige davon.

Rosalinde.

Nein, ich will meine Arznei nicht wegwerfen, außer an Kranke. Es

spukt hier ein junger Mensch im Walde herum, der unsre junge

Baumzucht mißbraucht, den Namen Rosalinde in die Rinden zu graben,

der Oden an Weißdorne hängt und Elegien an Brombeersträuche, alle--

denkt doch!--um den Namen Rosalinde zu vergöttern. Könnte ich

diesen Herzenskrämer antreffen, so gäbe ich ihm einen guten Rat,

denn er scheint mit dem täglichen Liebesfieber behaftet.

Orlando.

Ich bin's, den die Liebe so schüttelt; ich bitte Euch, sagt mir

Euer Mittel.

Rosalinde.

Es ist keins von meines Onkels Merkmalen an Euch zu finden. Er

lehrte mich einen Verliebten erkennen; ich weiß gewiß, Ihr seid

kein Gefangner in diesem Käfig.

Orlando.

Was waren seine Merkmale?

Rosalinde.

Eingefallne Wangen, die Ihr nicht habt; Augen mit blauen Rändern,

die Ihr nicht habt; ein ungeselliger Sinn, den Ihr nicht habt; ein

verwilderter Bart, den Ihr nicht habt--doch den erlasse ich Euch,

denn, aufrichtig, was Ihr an Bart besitzet, ist eines jüngeren

Bruders Einkommen.--Dann sollten Eure Kniegürtel lose hängen, Eure

Mütze nicht gebunden sein, Eure Ärmel aufgeknöpft, Eure Schuhe

nicht zugeschnürt, und alles und jedes an Euch müßte eine

nachlässige Trostlosigkeit verraten. Aber solch ein Mensch seid

ihr nicht. Ihr seid vielmehr geschniegelt in Eurem Anzuge, mehr

wie einer, der in sich selbst verliebt als sonst jemands Liebhaber

ist.

Orlando.

Schöner Junge, ich wollte, ich könnte dich glauben machen, daß ich

liebe.

Rosalinde.

Mich das glauben machen? Ihr könntet es ebensogut Eure Liebste

glauben machen, was nie zu tun williger ist--dafür steh ich Euch--

als zu gestehn, daß sie es tut; das ist einer von den Punkten,

worin die Weiber immer ihr Gewissen Lügen strafen. Aber in ganzem

Ernst: seid Ihr es, der die Verse an die Bäume hängt, in denen

Rosalinde so bewundert wird?

Orlando.

Ich schwöre dir, junger Mensch, bei Rosalindens weißer Hand: ich

bin es, ich bin der Unglückliche.

Rosalinde.

Aber seid Ihr so verliebt, als Eure Reime bezeugen?

Orlando.

Weder Gereimtes noch Ungereimtes kann ausdrücken, wie sehr.

Rosalinde.

Liebe ist eine bloße Tollheit, und ich sage Euch, verdient

ebensogut eine dunkle Zelle und Peitsche als andre Tolle; und die

Ursache, warum sie nicht so gezüchtigt und geheilt wird, ist, weil

sich dieser Wahnsinn so gemein gemacht hat, daß die Zuchtmeister

selbst verliebt sind. Doch kann ich sie mit gutem Rat heilen.

Orlando.

Habt Ihr irgendwen so geheilt?

Rosalinde.

Ja, einen, und zwar auf folgende Weise. Er mußte sich einbilden,

daß ich seine Liebste, seine Gebieterin wäre, und alle Tage hielt

ich ihn an, um mich zu werben. Ich, der ich nur ein launenhafter

Junge bin, grämte mich dann, war weibisch, veränderlich, wußte

nicht, was ich wollte, stolz, phantastisch, grillenhaft, läppisch,

unbeständig, bald in Tränen, bald voll Lächeln, von jeder

Leidenschaft etwas und von keiner etwas Rechtes, wie Kinder und

Weiber meistenteils in diese Farben schlagen. Bald mochte ich ihn

leiden, bald konnte ich ihn nicht ausstehn; dann machte ich mir mit

ihm zu schaffen, dann sagte ich mich von ihm los; jetzt weinte ich

um ihn, jetzt spie ich vor ihm aus: so daß ich meinen Bewerber aus

einem tollen Anfall von Liebe in einen leibhaften Anfall von

Tollheit versetzte, welche darin bestand, das Getümmel der Welt zu

verschwören und in einem mönchischen Winkel zu leben. Und so

heilte ich ihn, und auf diese Art nehme ich es über mich, Euer Herz

so reinzuwaschen, wie ein gesundes Schafherz, daß nicht ein Flecken

Liebe mehr daran sein soll.

Orlando.

Ihr würdet mich nicht heilen, junger Mensch.

Rosalinde.

Ich würde Euch heilen, wolltet Ihr mich nur Rosalinde nennen und

alle Tage in meine Hütte kommen und um mich werben.

Orlando.

Nun, bei meiner Treue im Lieben, ich will es; sagt mir, wo sie ist.

Rosalinde.

Geht mit mir, so will ich sie Euch zeigen, und unterwegs sollt Ihr

mir sagen, wo Ihr hier im Walde wohnt. Wollt Ihr kommen?

Orlando.

Von ganzem Herzen, guter Junge.

Rosalinde.

Nein, Ihr müßt mich Rosalinde nennen.--Komm, Schwester, laßt uns

gehn.

(Alle ab.)

Dritte Szene

Der Wald

(Probstein und Käthchen kommen. Jacques in der Ferne, belauscht

sie)

Probstein.

Komm hurtig, gutes Käthchen; ich will deine Ziegen zusammenholen,

Käthchen. Und sag, Käthchen: bin ich der Mann noch, der dir

ansteht? Bist du mit meinen schlichten Zügen zufrieden?

Käthchen

Eure Züge? Gott behüte! Was sind das für Streiche?

Probstein.

Ich bin hier bei Käthchen und ihren Ziegen, wie der Dichter, der

die ärgsten Bocksprünge machte, der ehrliche Ovid, unter den Goten.

Jacques.

O schlechtlogierte Gelehrsamkeit! schlechter als Jupiter unter

einem Strohdach!

Probstein.

Wenn eines Menschen Verse nicht verstanden werden und eines

Menschen Witz von dem geschickten Kinde Verstand nicht unterstützt

wird, das schlägt einen Menschen härter nieder als eine große

Rechnung in einem kleinen Zimmer.--Wahrhaftig, ich wollte, die

Götter hätten dich poetisch gemacht.

Käthchen

Ich weiß nicht, was poetisch ist. Ist es ehrlich in Worten und

Werken? Besteht es mit der Wahrheit?

Probstein.

Nein, wahrhaftig nicht; denn die wahrste Poesie erdichtet am

meisten, und Liebhaber sind der Poesie ergeben, und was sie in

Poesie schwören, davon kann man sagen, sie erdichten es als

Liebhaber.

Käthchen

Könnt Ihr denn wünschen, daß mich die Götter poetisch gemacht

hätten?

Probstein.

Ich tue es wahrlich, denn du schwörst mir zu, daß du ehrbar bist.

Wenn du nun ein Poet wärest, so hätte ich einige Hoffnung, daß du

erdichtetest.

Käthchen

Wolltet Ihr denn nicht, daß ich ehrbar wäre?

Probstein.

Nein, wahrhaftig nicht, du müßtest denn sehr häßlich sein; denn

Ehrbarkeit mit Schönheit gepaart ist wie eine Honigbrühe über

Zucker.

Jacques.

Ein sinnreicher Narr!

Käthchen

Gut, ich bin nicht schön, und darum bitte ich die Götter, daß sie

mich ehrbar machen.

Probstein.

Wahrhaftig, Ehrbarkeit an eine garstige Schmutzdirne wegzuwerfen,

hieße, gut Essen auf eine unreinliche Schüssel legen.

Käthchen

Ich bin keine Schmutzdirne, ob ich schon den Göttern danke, daß ich

garstig bin.

Probstein.

Gut, die Götter sei'n für deine Garstigkeit gepriesen, die

Schmutzigkeit kann noch kommen. Aber sei es, wie es will, ich

heirate dich, und zu dem Ende bin ich bei Ehrn Olivarius Textdreher

gewesen, dem Pfarrer im nächsten Dorf der mir versprochen hat, mich

an diesem Platz im Walde zu treffen und uns zusammenzugeben.

Jacques (beiseite).

Die Zusammenkunft möchte ich mit ansehn.

Käthchen

Nun, die Götter lassen es wohl gelingen!

Probstein.

Amen! Wer ein zaghaft Herz hätte, möchte wohl bei diesem

Unternehmen stutzen; denn wir haben hier keinen Tempel als den Wald,

keine Gemeinde als Hornvieh. Aber was tut's? Mutig! Hörner sind

verhaßt, aber unvermeidlich. Es heißt, mancher Mensch weiß des

Guten kein Ende; recht! mancher Mensch hat gute Hörner und weiß

ihrer kein Ende. Wohl! es ist das Zugebrachte von seinem Weibe,

er hat es nicht selbst erworben.--Hörner? Nun ja! Arme Leute

allein?--Nein, nein, der edelste Hirsch hat sie so hoch wie der

geringste. Ist der ledige Mann darum gesegnet? Nein. Wie eine

Stadt mit Mauern vornehmer ist als ein Dorf, so ist die Stirn eines

verheirateten Mannes ehrenvoller als die nackte Schläfe eines

Junggesellen; und um soviel besser Schutzwehr ist als Unvermögen,

um soviel kostbarer ist ein Horn als keins.

(Ehrn Olivarius Textdreher kommt.) Hier kommt Ehrn Olivarius.--

Ehrn Olivarius Textdreher, gut, daß wir Euch treffen. Wollt Ihr

uns hier unter diesem Baum abfertigen, oder sollen wir mit Euch in

Eure Kapelle gehn?

Ehrn Olivarius.

Ist niemand da, um die Braut zu geben?

Probstein.

Ich nehme sie nicht als Gabe von irgendeinem Mann.

Ehrn Olivarius.

Sie muß gegeben werden, oder die Heirat ist nicht gültig.

Jacques (tritt vor).

Nur zu! nur zu! ich will sie geben.

Probstein.

Guten Abend, lieber Herr. Wie heißt Ihr doch? Wie gehts Euch?

Schön, daß ich Euch treffe. Gotteslohn für Eure neuliche

Gesellschaft! Ich freue mich sehr, Euch zu sehn.--Ich habe hier

eben eine Kleinigkeit vor, Herr. Ich bitte, bedeckt Euch.

Jacques.

Wollt Ihr Euch verheiraten, Hanswurst?

Probstein.

Wie der Ochse sein Joch hat, Herr, das Pferd seine Kinnkette und

der Falke seine Schellen, so hat der Mensch seine Wünsche; und wie

sich Tauben schnäbeln, so möchte der Ehestand naschen.

Jacques.

Und wollt Ihr, ein Mann von Eurer Erziehung, Euch im Busch

verheiraten wie ein Bettler? In die Kirche geht und nehmt einen

tüchtigen Priester, der Euch bedeuten kann, was Heiraten ist.

Dieser Geselle wird Euch nur so zusammenfügen, wie sie's beim

Tafelwerk machen; dann wird eins von euch eintrocknen und sich

werfen wie frisches Holz: knack, knack.

Probstein (beiseite).

Ich denke nicht anders, als mir wäre besser, von ihm getraut zu

werden wie von einem andern; denn er sieht mir aus, als wenn er

mich nicht recht trauen wurde; und wenn er mich nicht recht traute,

so ist das nachher ein guter Vorwand, mein Weib im Stiche zu lassen.

Jacques.

Geh mit mir, Freund, und höre meinen Rat.

Probstein.

Komm, lieb Käthchen!

Du wirst noch meine Frau, oder du bleibst mein Mädchen.

Lebt wohl, Ehrn Olivarius. Nicht:

"O holder Oliver!

O wackrer Oliver!

Laß mich nicht hinter dir." Nein:

"Pack dich fort!

Geh! auf mein Wort,

Ich will nicht zur Trauung mit dir."

(Jacques, Probstein und Käthchen ab.)

Ehrn Olivarius.

Es tut nichts; keiner von allen diesen phantastischen Schelmen

zusammen soll mich aus meinem Beruf herausnecken.

(Ab.)

Vierte Szene

Der Wald. Vor einer Hütte

(Rosalinde und Celia treten auf)

Rosalinde.

Sage mir nichts weiter, ich will weinen.

Celia.

Tu es nur; aber sei doch so weise, zu bedenken, daß Tränen einem

Mann nicht anstehn.

Rosalinde.

Aber habe ich nicht Ursache zu weinen?

Celia.

So gute Ursache sich einer nur wünschen mag. Also weine.

Rosalinde.

Selbst sein Haar ist von einer falschen Farbe.

Celia.

Nur etwas brauner als des Judas seins. Ja, seine Küsse sind rechte

Judaskinder.

Rosalinde.

Sein Haar ist bei alledem von einer hübschen Farbe.

Celia.

Eine herrliche Farbe; es geht nichts über Nußbraun.

Rosalinde.

Und seine Küsse sind so voll Heiligkeit wie die Berührung des

geweihten Brotes.

Celia.

Er hat ein Paar abgelegte Lippen der Diana gekauft; eine Nonne von

des Winters Schwesterschaft küßt nicht geistlicher; das wahre Eis

der Keuschheit ist in ihnen.

Rosalinde.

Aber warum versprach er mir, diesen Morgen zu kommen, und kommt

nicht?

Celia.

Nein, gewißlich, es ist keine Treu und Glauben in ihm.

Rosalinde.

Denkst du das?

Celia.

Nun, ich glaube, er ist weder ein Beutelschneider noch ein

Pferdedieb; aber was seine Wahrhaftigkeit in der Liebe betrifft, so

halte ich ihn für so hohl als einen umgekehrten Becher oder eine

wurmstichige Nuß.

Rosalinde.

Nicht wahrhaftig in der Liebe?

Celia.

Ja, wenn er verliebt ist; aber mich dünkt, das ist er nicht.

Rosalinde.

Du hörtest ihn doch hoch und teuer beschwören, daß er es war.

Celia.

(War) ist nicht (ist.) Auch ist der Schwur eines Liebhabers nicht

zuverlässiger als das Wort eines Bierschenken: sie bekräftigen

beide falsche Rechnungen. Er begleitet hier im Walde den Herzog,

Euren Vater.

Rosalinde.

Ich begegnete dem Herzog gestern und mußte ihm viel Rede stehn. Er

fragte mich, von welcher Herkunft ich wäre; ich sagte ihm, von

einer ebenso guten als er; er lachte und ließ mich gehn. Aber was

sprechen wir von Vätern, solange ein Mann wie Orlando in der Welt

ist?

Celia.

O das ist ein reizender Mann! Er macht reizende Verse, spricht

reizende Worte, schwört reizende Eide und bricht sie reizend der

Quere, grade vor seiner Liebsten Herz, wie ein jämmerlicher

Turnierer, der sein Pferd nach (einer) Seite spornt, seine Lanze

zerbricht. Aber alles ist reizend, wo Jugend obenauf sitzt und die

Zügel lenkt. Wer kommt hier?

(Corinnus kommt.)

Corinnus.

Mein Herr und Fräulein, ihr befragtet oft

Mich um den Schäfer, welcher Liebe klagte,

Den ihr bei mir saht sitzen auf dem Rasen,

Wie er die übermütge Schäfrin pries,

Die seine Liebste war.

Celia.

Was ist mit ihm?

Corinnus.

Wollt ihr ein Schauspiel sehn, wahrhaft gespielt

Von treuer Liebe blassem Angesicht

Und roter Glut des Hohns und stolzer Hoffart:

Geht nur ein Endchen mit, ich führ euch hin,

Wenn ihr's beachten wollt.

Rosalinde.

O kommt! gehn wir dahin;

Verliebte sehen nährt Verliebter Sinn.

Bringt uns zur Stell, und gibt es so das Glück,

So spiel ich eine Roll in ihrem Stück.

(Alle ab.)

Fünfte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Silvius und Phöbe treten auf)

Silvius.

Höhnt mich nicht, liebe Phöbe! Tut's nicht, Phöbe!

Sagt, daß Ihr mich nicht liebt, doch sagt es nicht

Mit Bitterkeit; der Henker, dessen Herz

Des Tods gewohnter Anblick doch verhärtet,

Fällt nicht das Beil auf den gebeugten Nacken,

Bis er sich erst entschuldigt. Seid Ihr strenger

Als der von Tropfen Bluts sich nährt und kleidet?

(Rosalinde, Celia und Corinnus kommen in der Entfernung.)

Phöbe.

Ich möchte keineswegs dein Henker sein;

Ich fliehe dich, um dir kein Leid zu tun.

Du sagst mir, daß ich Mord im Auge trage;

's ist artig in der Tat und steht zu glauben,

Daß Augen, diese schwächsten, zartsten Dinger,

Die feig ihr Tor vor Sonnenstäubchen schließen,

Tyrannen, Schlächter, Mörder sollen sein.

Ich seh dich finster an von ganzem Herzen:

Verwundet nun mein Aug, so laß dich's töten.

Tu doch, als kämst du um! so fall doch nieder!

Und kannst du nicht: pfui! schäm dich, so zu lügen,

Und sag nicht, meine Augen seien Mörder.

Zeig doch die Wunde, die mein Aug dir machte.

Ritz dich mit einer Nadel nur, so bleibt

Die Schramme dir; lehn dich auf Binsen nur,

Und es behält den Eindruck deine Hand

Auf einen Augenblick; allein die Augen,

Womit ich auf dich blitzte, tun dir nichts,

Und sicher ist auch keine Kraft in Augen,

Die Schaden tun kann.

Silvius.

O geliebte Phöbe!

Begegnet je--wer weiß, wie bald dies je!--

Auf frischen Wangen dir der Liebe Macht,

Dann wirst du die geheimen Wunden kennen

Vom scharfen Pfeil der Liebe.

Phöbe.

Doch bis dahin

Komm mir nicht nah, und wenn die Zeit gekommen,

Kränk mich mit deinem Spott, sei ohne Mitleid,

Wie ich bis dahin ohne Mitleid bin.

Rosalinde (tritt vor).

Warum? ich bitt Euch--Wer war Eure Mutter,

Daß Ihr den Unglückselgen kränkt und höhnt

Und was nicht alles? Hättet Ihr auch Schönheit

(Wie ich doch wahrlich mehr an Euch nicht sehe,

Als ohne Licht--im Finstern geht zu Bett),

Müßt Ihr deswegen stolz und fühllos sein?

Was heißt das? Warum blickt Ihr mich so an?

Ich seh nicht mehr an Euch, als die Natur

Auf Kauf zu machen pflegt. So war ich lebe!

Sie will auch (meine) Augen wohl betören?

Nein, wirklich, stolze Dame! hofft das nicht.

Nicht Euer Rabenhaar, kohlschwarze Brauen,

Glaskugelaugen, noch die Milchrahmwange

Bezwingen meinen Sinn, Euch zu verehren.--

O blöder Schäfer, warum folgt Ihr ihr

Wie feuchter Süd, von Wind und Regen schwellend?

Ihr seid ja tausendfach ein hübschrer Mann

Als sie ein Weib. Dergleichen Toren füllen

Die ganze Welt mit garstgen Kindern an.

Der Spiegel nicht: Ihr seid es, der ihr schmeichelt;

Sie sieht in Euch sich hübscher abgespiegelt,

Als ihre Züge sie erscheinen lassen.--

Doch, Fräulein, kennt Euch selbst, fallt auf die Knie,

Dankt Gott mit Fasten für 'nen guten Mann;

Denn als ein Freund muß ich ins Ohr Euch sagen:

Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf.

Liebt diesen Mann! fleht ihm als Eurem Retter:

Am häßlichsten ist Häßlichkeit am Spötter!--

So nimm sie zu dir, Schäfer. Lebt denn wohl!

Phöbe.

O holder Jüngling, schilt ein Jahr lang so!

Dich hör ich lieber schelten als ihn werben.

Rosalinde.

Er hat sich in ihre Häßlichkeit verliebt, und sie wird sich in

meinen Zorn verlieben. Wenn das so ist, so will ich sie mit

bittern Worten pfeffern, so schnell sie dir mit Stirnrunzeln

antwortet.--Warum seht Ihr mich so an?

Phöbe.

Aus üblem Willen nicht.

Rosalinde.

Ich bitt Euch sehr, verliebt Euch nicht in mich,

Denn ich bin falscher als Gelübd' im Trunk;

Zudem, ich mag Euch nicht. Sucht Ihr etwa mein Haus:

's ist hinter den Oliven, dicht bei an.

Wollt Ihr gehn, Schwester?--Schäfer, setz ihr zu.--

Komm, Schwester!--Seid ihm günstger, Schäferin,

Und seid nicht stolz; konnt alle Welt auch sehn,

So blind wird keiner mehr von hinnen gehn.

Zu unsrer Herde, kommt!

(Rosalinde und Celia ab.)

Phöbe.

O Schäfer! nun kommt mir dein Spruch zurück:

"Wer liebte je und nicht beim ersten Blick?"

Silvius.

Geliebte Phöbe--

Phöbe.

Ha, was sagst du, Silvius?

Silvius.

Beklagt mich, liebe Phöbe.

Phöbe.

Ich bin um dich bekümmert, guter Silvius.

Silvius.

Wo die Bekümmernis, wird Hilfe sein.

Seid Ihr um meinen Liebesgram bekümmert,

Gebt Liebe mir; mein Gram und Euer Kummer

Sind beide dann vertilgt.

Phöbe.

Du hast ja meine Lieb, ist das nicht nachbarlich?

Silvius.

Dich möcht ich haben.

Phöbe.

Ei, das wäre Habsucht.

Die Zeit war, Silvius, da ich dich gehaßt:

Es ist auch jetzt nicht so, daß ich dich liebte;

Doch weil du kannst so gut von Liebe sprechen,

So duld ich deinen Umgang, der mir sonst

Verdrießlich war, und bitt um Dienste dich.

Allein, erwarte keinen andern Lohn

Als deine eigne Freude, mir zu dienen.

Silvius.

So heilig und so groß ist meine Liebe,

Und ich in solcher Dürftigkeit an Gunst,

Daß ich es für ein reiches Teil muß halten,

Die Ähren nur dem Manne nachzulesen,

Dem volle Ernte wird. Verliert nur dann und wann

Ein flüchtig Lächeln: davon will ich leben.

Phöbe.

Kennst du den jungen Mann, der mit mir sprach?

Silvius.

Nicht sehr genau, doch traf ich oft ihn an.

Er hat die Weid und Schäferei gekauft,

Die sonst dem alten Carlot zugehört.

Phöbe.

Denk nicht, ich lieb ihn, weil ich nach ihm frage.

's ist nur ein dummer Bursch--doch spricht er gut;

Frag ich nach Worten?--Doch tun Worte gut,

Wenn, der sie spricht, dem, der sie hört, gefällt.

Es ist ein hübscher Junge--nicht gar hübsch;

Doch wahrlich, er ist stolz--zwar steht sein Stolz ihm:

Er wird einmal ein feiner Mann. Das Beste

Ist sein Gesicht, und schneller als die Zunge

Verwundete, heilt' es sein Auge wieder.

Er ist nicht eben groß, doch für sein Alter groß;

Sein Bein ist nur so so, doch macht sich's gut;

Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen,

Ein etwas reiferes und stärkres Rot

Als auf den Wangen: just der Unterschied

Wie zwischen dunkeln und gesprengten Rosen.

Es gibt der Weiber, Silvius: hätten sie

Ihn Stück für Stück betrachtet so wie ich,

Sie hätten sich verliebt; ich für mein Teil,

Ich lieb ihn nicht, noch hass' ich ihn, und doch

Hätt ich mehr Grund zu hassen als zu lieben.

Denn was hatt er für Recht, mich auszuschelten?

Er sprach, mein Haar sei schwarz, mein Auge schwarz,

Und, wie ich mich entsinne, höhnte mich.

Mich wundert's, daß ich ihm nicht Antwort gab.

Schon gut! Verschoben ist nicht aufgehoben;

Ich will ihm einen Brief voll Spottes schreiben,

Du sollst ihn zu ihm tragen: willst du, Silvius?

Silvius.

Phöbe, von Herzen gern.

Phöbe.

Ich schreib ihn gleich;

Der Inhalt liegt im Kopf mir und im Herzen,

Ich will ganz kurz und bitter zu ihm sein.

Komm mit mir, Silvius!

(Ab.)

Vierter Aufzug

Erste Szene

Der Wald

(Rosalinde, Celia und Jacques treten auf)

Jacques.

Ich bitte dich, artiger, junger Mensch, laß uns besser miteinander

bekannt werden.

Rosalinde.

Sie sagen, Ihr wärt ein melancholischer Gesell.

Jacques.

Das bin ich; ich mag es lieber sein als lachen.

Rosalinde.

Die eins von beiden aufs äußerste treiben, sind abscheuliche

Burschen und geben sich jedem Tadel preis, ärger als Trunkenbolde.

Jacques.

Ei, es ist doch hübsch, traurig zu sein und nichts zu sagen.

Rosalinde.

Ei, so ist es auch hübsch, ein Türpfosten zu sein.

Jacques.

Ich habe weder des Gelehrten Melancholie, die Nacheifrung ist, noch

des Musikers, die phantastisch ist, noch des Hofmanns, die

hoffärtig ist, noch des Soldaten, die ehrgeizig ist, noch des

Juristen, die politisch ist, noch der Frauen, die zimperlich ist;

noch des Liebhabers, die das alles zusammen ist, sondern es ist

eine Melancholie nach meiner Weise, aus mancherlei Ingredienzien

bereitet, von mancherlei Gegenständen abgezogen, und wirklich die

gesamte Betrachtung meiner Reisen, deren öftere Überlegung mich in

eine höchst launische Betrübnis einhüllt.

Rosalinde.

Ein Reisender? Meiner Treu, Ihr habt große Ursache, betrübt zu

sein; ich fürchte, Ihr habt Eure eignen Länder verkauft, um andrer

Leute ihre zu sehn. Viel gesehn haben und nichts besitzen, das

kommt auf reiche Augen und arme Hände hinaus.

Jacques.

Nun, ich habe Erfahrung gewonnen.

(Orlando tritt auf.)

Rosalinde.

Und Eure Erfahrung macht Euch traurig. Ich möchte lieber einen

Narren halten, der mich lustig machte, als Erfahrung, die mich

traurig machte. Und noch obendrein darum zu reisen?

Orlando.

Habt Gruß und Heil, geliebte Rosalinde.

Jacques.

Nein, dann Gott befohlen, wenn Ihr gar in Versen sprecht.

(Ab.)

Rosalinde.

Fahrt wohl, mein Herr Reisender! Seht zu, daß Ihr lispelt und

ausländische Kleidung tragt, macht alles Ersprießliche in Eurem

eignen Lande herunter, entzweit Euch mit Eurer Geburt und scheltet

schier den lieben Gott, daß er Euch kein andres Gesicht gab: sonst

glaub ich es kaum, daß Ihr je in einer Gondel gefahren seid.--Nun,

Orlando, wo seid Ihr die ganze Zeit her gewesen? Ihr, ein

Liebhaber?--Spielt Ihr mir noch einmal so einen Streich, so kommt

mir nicht wieder vors Gesicht.

Orlando.

Meine schöne Rosalinde, es ist noch keine Stunde später, als ich

versprach.

Rosalinde.

Ein Versprechen in der Liebe um eine Stunde brechen?--Wer tausend

Teile aus einer Minute macht und nur ein Teilchen von dem

tausendsten Teil einer Minute in Liebessachen versäumt, von dem mag

man wohl sagen, Cupido hat ihm auf die Schulter geklopft; aber ich

stehe dafür, sein Herz ist unversehrt.

Orlando.

Verzeiht mir, liebe Rosalinde.

Rosalinde.

Nein, wenn Ihr so saumselig seid, so kommt mir nicht mehr vors

Gesicht; ich hätte es ebenso gern, daß eine Schnecke um mich freite.

Orlando.

Eine Schnecke?

Wie es Euch gefällt · 第 3 / 5 段