ANMERKUNGEN

1 In seinen Briefen schrieb später _Karl Jatho_ über Dr. Goldschmidt

an seine Eltern:

Leipzig, d. 9. 11. 1872.

Eine ebenso angenehme wie nützliche und belebende Bekanntschaft habe

ich gemacht an dem hiesigen Rabbiner Dr. Goldschmidt – seine Frau

hielt vor einigen Jahren in einer Weiberemanzipationsversammlung zu

Kassel eine Rede, vielleicht erinnert Ihr Euch dieses Vorfalles

noch. Er ist ein Mann von ebenso wahrem Wissen als Gemüt und Herz;

seine Religion ist die Menschenliebe, sein Glaube hält sich an einen

Gott, der in der Seele vorgebildet ist; im übrigen unerkennbar, also

nur demütiger Verehrung zugänglich. Daraus wird es erklärlich, daß

er ebenso teilnehmend in seiner nationalen wie in der christlichen

Theologie jeder Konfession arbeitet und lebt, überdies aber die

Philosophie als Mutter und Grund aller idealen Wissenschaften hoch

schätzt und gründlich studiert hat ... Und so kamen wir in ein

Gespräch über den Zwiespalt der Bekenntnisse, welcher umso

betrübender sei, je klarer sich die Einheit des rein menschlichen,

der guten wie schlechten Eigenschaften herausstelle ...

Leipzig, d. 21. 12. 72.

Da ist hier mein Gönner, der Rabbiner (Dr. Goldschmidt), mit dem ich

sehr rege und freudig verkehre, nach wie vor meine innigste Freude

und Verehrung. Nicht einmal verlasse ich sein Haus, wo ich nicht

eine frische Anregung zum Guten, zum Nützlichen empfangen hätte; er

zieht alles Entgegentretende in den Ring seiner Tätigkeit, die rein

wie lauteres Gold im Wohl und Glück der Mitmenschen ihren sich

selbstumfassenden Abschluß findet. Dabei stehen ihm die Mittel der

Gelehrsamkeit, der Weltkenntnis, der eindringlichen Rede zu Gebote,

kurz, er besitzt so vielerlei, was ich mit keinem anderen Ausdruck

zu benennen weiß als einer gesunden Religiosität, die, frei von

aller Dogmatik, nur in der Tat ihr höchstes Ziel erkennt. Wirken ist

sein Losungswort, Menschlichkeit der Grundton seines Charakters. Er

sucht den Himmel auf der Erde und in seinem Herzen, das im

Bewußtsein einer guten Tat den vollen Genuß eines göttlichen

Friedens empfindet ...

2 „Vom Kindergarten zur Hochschule für Frauen. Ein Rückblick auf die

Anfänge der deutschen Frauenbewegung und das Erziehungswerk

Friedrich Fröbels.“ (Zeitschrift für pädagogische Psychologie 1918.)

_ 3 Originalgetreue Neuausgabe_ erschien im Verlag Ernst Wiegandt,

Leipzig. _Abgeänderte Neuausgabe_ (bearbeitet von Henriette

Goldschmidt) in der Jaeger’schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig.

4 Aufbewahrt im Archiv des Sozialpädagogischen Frauenseminars der

Stadt Leipzig.

5 Ich habe in meiner Schrift „_Friedrich Fröbel_“ II. Aufl. 1920 (Bd.

82 der Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt“. B. G. Teubner, Leipzig)

an der Hand zahlreicher neuer Quellen gezeigt daß das

„_Kindergartenverbot_“ wahrscheinlich eine Maßnahme gegen die damals

zahlreich entstandenen freien Gemeinden sein sollte. Darum darf ich

in diesem Zusammenhang von einer näheren Darstellung jener Vorgänge

absehen.

Henriette Goldschmidt: Ihr Leben und ihr Schaffen · 第 19 / 20 题