II. Kapitel.

Babylonien -- Assyrien.

Ich wende mich nun dem Zuge der semitischen Völkerwanderung folgend

nach dem uralten Kulturland, zwischen den grossen Strömen Euphrat

und Tigris, zum Zweistromland, dem mâtu Pur Pur, nach Mesopotamien,

Babylonien, Assyrien. Hier kam zu den schon für Ägypten fliessenden

Quellen noch ¨Berossos¨ hinzu, und die Bibel in weit reichlicherem

Masse. Berosus, ein Babylonischer Priester des Bel der im 3. Jahre v.

Chr. in griechischer Sprache schrieb, hat sich als mit den Traditionen

seines Volkes in Mythos und Geschichte sehr vertraut erwiesen, und es

ist zu bedauern, dass von seinem grossen Werke nur Fragmente durch

Alexander Polyhistor und danach von Josephus und Eusebios erhalten

sind. Verdanken wir doch Berossos die Kunde von dem Babylonischen

Weltschöpfungsmythus, die Sintflut eingeschlossen, der Quelle des

mosaischen, eine Kunde, welche durch die Funde von Kujundschik-Ninive

so glänzend bestätigt und erweitert wurde. Aber auch die Bibel hat sich

als eine nicht zu unterschätzende Geschichtsquelle erwiesen, und unter

dem Einfluss der Ausgrabungen in den letzten 30 Jahren ist »Babel und

Bibel« (¨P. Delitzsch¨) zu einem Schlagwort geworden. Aber erst im

letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gelang es durch Entzifferung der

rätselhaften Keilschrift, die Geschichte Vorderasiens auf urkundliche

Grundlage zu stellen. So bedeutend aber die Leistungen der Schüler

¨Eberhard Schraders¨ im letzten Dezennium gewesen sind, so sagt doch

einer der berufensten unter ihnen ¨P. Jensen¨: »Ein jedes Werk von

Assyriologen auch der besten ist und wird auf lange noch vergleichbar

bleiben einem Feld mit Hopfenstangen, von denen sehr viele zwar

annähernd oder durchaus korrekt und gerade, viele aber, nach allen

Richtungen hin, schief stehen.«

Im Gegensatz zu Ägypten, wo wir ein und dasselbe Volk bis zum heutigen

Tage vor uns haben, sind im Zweistromland zwei der Rasse nach

verschiedene Völker zu unterscheiden, die beide langsam kulturell

zusammengeschmolzen sind. Vom Nordosten her, möglicherweise vom Altai

und dem Pamirplateau kamen als Nomaden in einzelnen Schwärmen die

¨Sumerer¨, ein Volk, das bis dato für sich steht, die sich vorzugsweise

in Südbabylonien in Sumer ansiedelten, vielleicht vom Meere aus in

die Mündungen des Euphrat und Tigris eindringend. Vom Nordwesten her

in gleicher Weise die ¨Semiten¨, die sich, zugleich oder früher,

vorzugsweise in Nordbabylonien, Accad (Agade) festsetzten. Naturgemäss

mussten beide Völker zusammenstossen, und in hin und her schwankenden

Kämpfen drangen Sumerer in Accad und Accader in Sumer ein, bis seit

¨Chammurabi¨ die Sumerer endgültig den Semiten unterlagen, die an

den Beduinen Arabiens immer frischen Nachschub hatten. Gehörte doch

nach ¨Ed. Meyer¨, welcher sich dabei stützt auf ¨Ranke¨, Early

Babyl. personal names (p. 33, Band VI, 1 des grossen Hilprecht'schen

Sammelwerkes über die Amerik. Ausgrabungen in Nippur) und noch mehr

auf die Monumente, Chammurabi selbst einem solchen frischen Schwarm

Amoriter Beduinen an.

[Sidenote: Sumerische Frage.]

Die sogen. Sumerische Frage gehörte zu den dunkelsten; während

anfangs der Siebziger die Sumerer als die Kulturträger, die Semiten

als rohe Nomadenhorden hingestellt wurden, hat später ein so

bedeutender Semitologe, wie Halévy, die ganze Existenz der Sumerer

geleugnet und ihre Schrift und Sprache für eine Art Stenographie der

Semitisch-Babylonischen erklärt. Gestützt auf die genaue Untersuchung

der ihm zugänglichen plastischen Denkmäler, hat ¨Eduard Meyer¨ in

seiner Abhandlung »Sumerier und Semiten in Babylonien« [Abh. d. Kön.

Preuss. Akad. d. W. 1906 phil-hist.] die Frage aufgehellt. An der

Existenz der Sumerischen Sprache konnte, wie Meyer mit Fug bemerkt,

nach der Auffindung der griechischen Übersetzungen bilinguer Syllabare,

das sind Listen von Schriftzeichen mit Angabe ihrer Sumerischen und

Assyrischen Silben- und Wortwerte, nicht mehr gezweifelt werden. Man

vgl. die Abhandlung von ¨T. G. Pinches¨ in den Proc. Bib. Arch. 24, p.

108 und ¨A. H. Sayce¨ ibid. p. 120, in denen die Aspiration des p, k

und t durch die Griechische Übertragung konstatiert ist.

[Sidenote: Sumerer und Semiten.]

Die Rassenfrage wurde durch die bildlichen Darstellungen im

wesentlichen auf Grund der Ausgrabungen ¨de Sarzecs¨, die von

¨Heuzey¨ vortrefflich ediert sind, und denen von Nippur, die seit

20 Jahren ununterbrochen fortgesetzt sind, unzweifelhaft zugunsten

eines selbständigen Volks der Sumerer entschieden, wie es ¨Bezold¨,

¨Winkler¨, ¨Hilprecht¨ etc. angenommen hatten. Abgesehen von der

Kleidung, dem sumerischen Mantel und dem semitischen bunten Plaid, sind

scharfe und stereotype Unterschiede vorhanden. Zunächst zeichnen sich

die Semiten wie noch heute durch üppig wucherndes Bart- und Haupthaar

aus, während die Sumerischen Köpfe bis auf die Augenbrauen völlig ohne

Haar sind. Die Nase ist von der semitischen scharf verschieden, ebenso

Mund, Backe und Stirn. Auch die Frauenköpfe aus Tello sehen durchaus

nicht semitisch aus. »So lehren die Denkmäler mit unwiderleglicher

Evidenz, dass es zwei verschiedene Rassen in Babylonien gegeben hat,

eine semitische [vorzugsweise] im Norden, und eine nicht semitische

[vorzugsweise] im Süden, [die Sumerer]. Zu diesen beiden Rassen kamen

dann als drittes Element die Beduinischen Westsemiten Chammurabis, die

das Haupthaar kurz schneiden und die Lippen rasieren.«

[Sidenote: Anteil der Sumerer und der Semiten an der Kultur.]

Die dritte Frage, die von ¨Meyer¨ naturgemäss nicht so entscheidend,

wie die beiden ersten beantwortet wird, ist die Frage nach dem Anteil

der beiden Rassen an der Kultur. Da hat nun Meyer nachgewiesen, dass

die ¨Sumerer der Zeit Gudeas¨ (etwa um 2600), ¨ihre Götter nicht mit

ihrem eignen sumerischen Typus, sondern in Gesichtsbildung, Bart, Haar

und Gewandung als Semiten gebildet haben¨. Danach haben auf religiösem

Gebiete die Semiten entschieden die Führung gehabt, wenn naturgemäss

auch ihre Religion durch die der Sumerer beeinflusst ist, bis sich

eine einheitliche Religion heranbildete. Meyer glaubt die Sagen von

Gilgamesch, dem Herkules der Babylonier, der Sintflut etc. den Semiten

zuweisen zu können, während besonders die Verbindung der Götter mit den

Sternen, insbesondere die Astrologie, der Hexen- und Dämonenglauben

sumerisch seien, der sich ja von Babylon aus insbesondere durch das

spätere Judentum und das Christentum über die ganze Welt verbreitet hat.

Die Semiten scheinen auch auf dem Gebiet der Kunst die Führenden

gewesen zu sein, und sehr früh haben sie eine hohe Stufe der Kunst

erreicht, wie die unübertroffene Siegesstele des Naramsin (s. u.)

beweist (vgl. Abbildung).

[Illustration: Siegesstele des Naramsin.]

Über einen Punkt aber herrscht unter den Assyriologen volle

Übereinstimmung, ¨die Erfindung der Babylonischen Schrift, der

Keilschrift, ist Eigentum der Sumerer¨. Zwar ist die von ¨Hilprecht¨

als sumerisch angesprochene vorsargonische Periode Nippurs schriftlos,

und wir haben aus der Zeit wo in dieser Stadt, dem uralten

Stammesheiligtum der Babylonier, der Sumerische Sturmgott En-lil,

dessen Idiogramm später als Bel gelesen wird, seinen Kult hatte, keine

Tafeln mit Schriftzeichen gefunden, aber der Beweis liegt darin, dass

die semitischen Silbenzeichen ursprünglich sumerische Worte bedeuten.

Meyer weist mit Recht darauf hin, dass die Semiten als Erfinder der

Schrift, alle Konsonanten ihrer Sprache bezeichnet hätten, und weist

auf den entscheidenden Einfluss hin, den die sumerische Schrift und

Sprache auf das Semitische der Babylonier für Phonetik und Satzbau

geübt hat.

[Sidenote: Gudea und die Fürstpriester von Telloh.]

Durch die Ausgrabungen de Sarzecs wissen wir, dass nach dem Tode der

grossen Semitischen Fürsten Sargon und Naramsin die Sumerer auch in

Accad vorübergehend zur Macht gelangten in dem Königreich von Sumer

und Accad der Fürsten von Ur; wir kennen durch die so erfolgreichen

Ausgrabungen ¨E. de Sarzecs¨ aus wunderbaren Statuen, denen leider der

Kopf fehlte (vgl. Abbildung) und einer Reihe von Schriften, genauer

Vertonungen ihren König oder richtiger Fürstpriester, pateïssi, denn

nie nennt er sich König, ¨Gudea¨; nach ¨Winkler¨ war er Vasall des

¨Urengur¨ von Ur, König von Sumer und Accad, und Gudeas Vorgänger

Urnina, Entemena etc. Ihre Residenz war Schirpurla auch Lagasch,

heute Telloh geheissen; und die Urkunden aus jenen ältesten Zeiten

sind für die Entwicklung der Schrift ganz besonders wichtig. Der Plan

und der Massstab Gudeas (vgl. Abb. S. 62) ist für die Metrologie

beinahe unschätzbar; wie die p. 105 besprochene Arbeit ¨Borchardts¨

beweist, ist er zirka 3000 Jahr in Gültigkeit geblieben, und stimmt

nach der ¨Borchardt¨'schen Messung mit ¨Lehmanns¨ Hypothesen (p. 106)

vortrefflich.

[Illustration: Gudea mit Plan und Massstab.]

[Illustration: Plan der Gudeastatue, 1/2 der nat. Grösse.]

[Illustration: Massstab der Gudeastatue, 1/2 der nat. Grösse.]

[Sidenote: Statuen des Gudea.]

Durch einen merkwürdigen Zufall ist uns jetzt auch der ¨Kopf Gudeas¨

bekannt geworden. Der Nachfolger de Sarzecs in den Ausgrabungen von

Tello (Sirpurla), der Kapitän ¨G. Cros¨, fand unweit der Stelle,

wo jener einen prächtig gearbeiteten Kopf aus Diorit ausgegraben

hatte, eine kleine ganz disproportionierte Statue ohne Kopf, die laut

Inschrift als die der Gudea bezeichnet wurde, von ihm seinem speziellen

Schutzgott, dem er auch den neuen Tempel in Tello gebaut hatte, dem

Ningiszida, dem Sohn des Nin-a-zu (nach Meyer ein anderer Name für

den Götterkönig Anu, den Himmelsgott) gewidmet. ¨Léon Heuzey¨, der

ausgezeichnete Leiter der Assyrischen Abteilung des Louvre, bemerkte,

dass die Brüche des Kopfes und des Torso zu einander passten, er

setzte den Kopf auf den Torso und ohne jeden Kitt sass er fest (vgl.

Rev. d'Assyr. Bd. VI, 1907 p. 19). Dadurch besitzen wir jetzt 4 Köpfe

des Gudea, darunter der von Hilprecht in seinem Vortrag über die

Ausgrabungen im Bêl-Tempel zu Nippur S. 52 wiedergegebene »Marmorkopf

von feinster Arbeit«. Die Köpfe tragen sämtlich die sogenannte Kappe

der Sumerischen Fürsten, die wir bei Chammurabi (s. u.) wiederfinden,

und drei davon den Turban, der also uralt sumerischen Ursprungs ist.

Die scheinbare Plumpheit und Disproportioniertheit der Körper der

Statuen aus Tello hat Heuzey m. E. sehr zutreffend erklärt. Der Körper

diente nur als Sockel für den Kopf, falls der schwer zu bearbeitende

Dioritblock für eine ganze Statue zu klein war, und ¨Heuzey¨ bemerkt

sehr richtig, dass unsere Büsten mit ihrer abgespalteten Brust den

Sumerern, so sonderbar vorgekommen waren, wie uns die ihren.

[Illustration: Kopf des Gudea, Federzeichnung nach dem Funde des Cap.

Cros.]

[Sidenote: Semitische Einwanderung in Vorderasien.]

Und von der entgegengesetzten Seite her, wie heute ziemlich feststeht,

von Nordafrika her, drangen nomadische Semitenschwärme, in verschiedene

Volksstämme, richtiger Clane gespalten in das reiche Zweistromland, und

siedelten sich in der 13 Meridian breiten, paradiesisch fruchtbaren

Ebene an. ¨Delitzsch¨ versetzt geradezu das Paradies in die Gegend

von Babylon, den Euphrat und Tigris nennt die Bibel selbst und die

beiden andern Ströme erklärt er für Kanäle, was nicht unmöglich, da

die Babylonier für Kanal und Fluss dasselbe Wort nâru haben. An der

jetzigen grauenhaften Verödung dieses Paradieses erklärt Delitzsch

die Türken für unschuldig, und sicher haben Beduinen und Islam vor

den Türken die Versandung der Kanäle und damit die Verödung des

Landes auf dem Gewissen. Wir hegen die begründete Hoffnung, dass

die deutsche Bagdadbahn und das deutsche Kapital in wenig mehr als

einem Menschenalter die jetzige Wüste wieder zu einem grossen Garten

umgeschaffen haben wird.

[Sidenote: Sargon und Naramsin.]

Die Unterwerfung der Sumerer gelang um so leichter, als sie keinen

Grossstaat hatten, sondern nur einzelne grosse Städte, in denen

sich nach und nach die Semiten ansiedeln. Die Städte standen unter

sogenannten Fürstpriestern, Pateissi, die sich gegenseitig unter

einander befehdeten, wie wir aus den Inschriften ¨Gudeas¨ erfahren, und

aus dem von ¨Cros¨ vor kurzem ausgegrabenen Bericht über die Verwüstung

Tellos durch Lugalzaggissi, den Pateissi der Nachbarstadt Gishu, bis

sie unter die Oberherrschaft Semitischer »Grosskönige« gerieten, wie

Tello unter die des grossen Semitenfürsten ¨Sargon I.¨, Besitzer

von Argade (Accad), der von Nordbabylonien, dem Lande Accad aus,

auch Südbabylonien (Sumer) unterwarf. Sargons und seines ebenfalls

bedeutenden Sohnes ¨Naramsin¨ Existenz war lange sagenhaft, -- die

Moses-Mythe wird auch von Sargon erzählt -- bis Nabonahid und die Funde

der Amerikaner in ¨Nippur¨, dem Sitz eines uralten Tempels des Bêl,

ihre historische Existenz bewiesen. Dort ist sogar der Stempel des

Sargon (vgl. Abb.) mit seinen altertümlichen Schriftzeichen gefunden

worden.

¨Nabonahid¨, der letzte König von Babylon, war das, was wir heute einen

Romantiker nennen würden, seine Interessen wurzelten in der Vorzeit, er

wollte den uralten Dienst des Schamasch, der Sonne, und des Sins, des

Mondes, wiederherstellen und geriet so in Konflikt mit der mächtigen

Priesterschaft des Marduk-Bel in Babylonien, deren Unterstützung Cyrus

mehr für seinen Erfolg verdankte als der Macht seiner Waffen. Im

Grundstein des Tempels von Sippar, den Nabonid erneuern wollte, fand

er die Urkunde Naramsins, des Sohnes des Sar-u-ukin. Die Gelehrten

des Königs berechneten nach den Königslisten die Regierungszeit des

Naramsin auf 3200 Jahre früher, wodurch Sargon auf 3800 v. Chr. gerückt

wurde, und mit ihm Gudea. Trotz mancher Bedenken, welche gegen dieses

hohe Alter geltend gemacht wurden, insbesondere von ¨H. Winkler¨ und

¨C. F. Lehmann¨, nahm doch noch ¨Bezold¨ 1903 diese Daten als richtig

an. Aber der Fund der neuen Königsliste von Nippur, aus dem Ende des

3. Jahrtausend der Schrift nach, durch ¨Hilprecht¨ 1906 im XX. Bd.

der Berichte publiziert und interpretiert, bewies, dass Lehmann mit

seiner Vermutung, dass die Gelehrten des Nabonid sich um etwa 800 Jahre

geirrt hatten, im Recht war und die neue Chronologie von ¨L. W. King¨

(Chronicles conc. early Babyl. kings 2 vol 1907) setzt Sargon von Akkad

auf 2500 v. Chr. auf Grund der Arbeiten ¨H. Rankes¨.

[Illustration]

[Sidenote: Babylonisch-Assyrische Chronologie.]

Über die Chronologie sei gleich hier bemerkt, dass der Hang der

Babylonier zum genauen Datieren, insbesondere auch die zahllosen

Geschäftsurkunden, die wir von Gudea bis Nabonid besitzen, uns über

die Chronologie der Assyrer weit besser als über die der Ägypter

unterrichtet haben. In Kürze werden uns die Ausgrabungen, besonders

die der Pennsylvania Universität in Nippur bis ins 4. Jahrtausend

hinein eine völlig gesicherte Zeitfolge der Geschichte gewähren, von

Chammurabi bis Kyros, von 2000 bis 539 steht sie schon jetzt auf

sicherem Boden. Vom 15. Jahrhundert bis zum Jahr 1000 können wir uns

auf die sogen. ¨synchronistische¨ Geschichte stützen. Nach ¨H. Winkler¨

(die Keilinschr. u. das alte Test. 3. Aufl. 1903 p. 47) ist es ein

Dokument, in welchem ¨Adad-nirari¨ III. von Assyrien (812-783) die

Vereinigung Assyriens und Babyloniens als im Interesse beider Völker

hinstellt, nach ¨Bezold¨ ein Staatsvertrag beider Länder. Jedenfalls

wird darin in Kürze die Geschichte beider Länder chronologisch erzählt.

Die synchron. Geschichte ist immerhin nicht ganz einwandfrei, sie

enthält gewissermassen den persönlichen Fehler Adad-niraris. Von

diesen sind für Assyrien die ¨Eponymenkanones¨, für Babylonien die

¨Königslisten¨ frei. Das Jahr wurde von Adad-nirari II., etwa um 900

an, zunächst nach dem die Regierung antretenden Herrscher und dann

der Reihe gemäss, nach den höchsten Beamten benannt, wie in Athen

nach den Archonten. Beide Listen sind Chroniken zum Zweck genauer

Datierung von Rechtshandlungen. Die Vergleichbarkeit des Kanons mit

unserer Zeitrechnung wurde möglich durch Erwähnung der Sonnenfinsternis

im Monat Sivan bei Gelegenheit eines Aufstands gegen Assur-daja. Die

Astronomische Berechnung ergab den 15. Juni 763. Eine weitere Kontrolle

ergab dann der völlig zuverlässige Kanon des grossen Astronomen

Ptolemaios (vgl. Hellas), der uns hilft bis zur ¨Seleuciden¨-Ära

(Berossos), deren Beginn zwischen 312 und 311 schwankt und die

Arsaciden-Ära von 248, welche neben der Seleucidenära hergeht.

Die Semiten überschwemmten ganz Westasien, längs der Küste des

Mittelmeeres zogen die Phönizier, besser Kanaanäer, zu denen die

Chabiri, die wir jetzt als Hebräer bezeichnen, gehören, die, wie es

scheint, noch im Anfange der historischen Zeit nicht sesshaft waren,

und erst zur Zeit Chinatôns ihre Stammesgenossen angriffen.

Arvat, Byblos und vor allem Sydon und Tyrus sind Städte der Phönizier.

Die zweite Sammelgruppe der Beduinenschwärme bilden die Aramäer, mit

dem Hauptzweig der Syrer, die südlich von den Kanaanäern hielten

und sich weit nach Norden und Osten vorschoben. Hier kam es nur in

Damaskus, der alt berühmten noch heute blühenden Handelsstadt zu einer

Staatenbildung. Am ausgedehntesten war die Wanderung des an Zahl

stärksten dritten Zweiges, der Babylonier und Assyrer, die sprachlich

und genealogisch nahe verwandt sind. Doch sind nach den Abbildungen die

Babylonier weit stärker mit den Sumerern blutgemischt als die Assyrer.

[Sidenote: Geschichte der Babylonier und Assyrer.]

Die Assyrer sind sprachlich und auch dem Rassentypus nach mit den

Babyloniern so nahe verwandt, dass die Annahme ihrer Abzweigung von

diesen, etwa um 1150, nach einem siegreichen Einfall der Elamiten, sehr

wahrscheinlich ist. Sie waren ein Krieger- und Herrenvolk, das den

Priestern einen weit geringeren Einfluss einräumte als die Babylonier.

Ihre Kämpfe, wie die der Babylonier, gelten, wie leicht begreiflich

ist, dem Bestreben, sich die grossen Handelsstrassen nach Indien und

nach dem Kulturzentrum, dem Mittelmeerbecken offen zu halten. Wird

ihnen, durch das Aufkommen einer nicht semitischen Grossmacht ein

Handelsweg im Westen verlegt, so erkämpfen sie sich einen neuen im

Osten. Sehr bald gingen sie gegen Babylonien aggressiv vor, und der

grausame aber tüchtige ¨Assurnassirpal¨ bringt Babylon völlig unter

seinen Einfluss. Der eigentliche Begründer der Assyrischen Weltmacht

¨Tiglat Pileser¨ III. besteigt dann 744 unter dem Namen Pulu (Phul

der Bibel) den Thron Babels und nennt sich König von Sumer und Accad.

Diese Glanzzeit Assyriens hält unter Sargon II. und seinem Sohn

¨Sanherib¨ an, aber kurz nachdem Sanherib Babylon zerstört hatte (689)

und nach der erfolgreichen Regierung ¨Assurbanipals¨ (Sardanapal) wird

auch Ninive, die Residenz seit Sanherib von den Medern unter Kyaxares

zerstört und zwar weit gründlicher als Babel.

Bis an die Hochebene Mediens in Nordosten, Elams oder Susa in Südosten,

im Süden bis an die Sümpfe der Mündung des Euphrat und Tigris in

den persischen Busen drangen die Semiten, auch hier zunächst kein

Grossstaat, sondern Städte, die das Stammesheiligtum bargen als Zentren

des Kultus, des Marktverkehrs und Sitz der Fürsten. Nach Agade und

Sirpurla nenne ich Kis, Ur (deren Fürsten sich seit ¨Urengur¨ Könige

der vier Weltgegenden nannten und Nordbabylonien in Abhängigkeit

brachten), Nippur, Larsam und Babel, die mehr oder minder zentrale

Bedeutung gewannen bis Chammurabi (vielleicht der Amraphel der

Bibel) Babel zur Hauptstadt des Grossstaats Babylon machte, der nun

Nordbabylonien (Accad) und Südbabylonien (Sumer) durch Eroberung von

Larsam im Süden und Absetzung des dortigen Königs einte.

Babel war eigentlich eine Doppelstadt, an einem Ufer Babel -- das

Tor Gottes, am andern Borsippa (Birs) -- die Stadt des Mondgottes

Sin, dessen Kult in Sumer, insbesondere in Ur blühte, während in

Nordbabylonien der Dienst der Sonne (Schamasch und Marduk) in den

Vordergrund trat.

[Sidenote: Chammurabi.]

[Illustration: Ḫammurabi empfängt von Schamasch seine Gesetze.]

Wir kennen ¨Chammurabi¨ wie wenige Fürsten des Altertums, und wenige

Regenten dürften ihn in alter und neuer Zeit an Kraft und Weisheit,

und wenn wir seinen Gesichtszügen (s. Abb.) und den zahlreichen

Rechtsschriften Glauben schenken, auch an Gerechtigkeit und Milde

übertroffen haben. Was er für die Stadt Babel getan, berichtet er uns

selbst sumerisch und babylonisch: »Chammurabi, der mächtige König, der

König von Babylon, der König der vier Weltgegenden, der Begründer des

Landes, der König, dessen Taten dem Fleische des Gottes Schamasch und

des Gottes Marduk wohltun, bin ich. Die Spitze der Mauer von Sippar

habe ich mit Erdreich wie einen Berg erhöht, mit Rohrgeflecht habe ich

sie umgeben. Den Euphrat grub ich ab gen Sippar zu und liess einen

Damm dafür aufwerfen. Chammurabi, der Begründer des Landes, dessen

Taten etc. wohltun, bin ich. Sippar und Babel habe ich auf immerdar zu

behaglichen Wohnstätten gemacht. Chammurabi, der Günstling des Gottes

Schamasch, der Liebling des Gottes Marduk bin ich. Was seit uralten

Tagen kein König dem Herrn der Stadt (dem Schutzgott) gebaut hat, das

habe ich für Schamasch, meinen Herrn, grossartig ausgeführt.«

[Illustration: Chammurabi.]

[Sidenote: Codex des Ḫammurabi.]

Hatte ¨C. Bezold¨ in Ninive und Babylon schon ¨Chammurabi¨ in der

eben zitierten Weise gewürdigt, so wurde die Gestalt dieses grossen

Fürsten in noch weit helleres Licht gerückt durch die Erfolge der

französischen Ausgrabung unter ¨G. de Morgan¨ in Susa, der Hauptstadt

von Elam. In drei Stücken wurde dort im Dezember 1901 und Januar 1902

die Standsäule mit der Gesetzsammlung Ḫammurabis gefunden, welche

1903 von ¨V. Scheil¨ zum ersten Male ediert und in französischer

Sprache erklärt wurde und 1904 von ¨H. Winkler¨ deutsch und von

¨R. Harper¨ englisch ebenfalls 1904, und vom juristischen Standpunkt

von ¨J. Köhler¨ und ¨E. Peiser¨ 1904. Der Codex Hammurabis steht auf

einer ethischen Höhe, welche dem mosaischen vom Sinai nichts nachgibt,

und ist das erste uns erhaltene Corpus juris. Sie genoss, Winkler

zufolge, viele Jahrhunderte das höchste Ansehen -- wie die Gesetze des

Moses sind sie von Gott gegeben, das Bild der Säule zeigt, wie der

König die Gesetze von Schamasch empfängt, leider ist das Antlitz des

Königs, der Kappe und Stab trägt, verstümmelt, der Sonnengott ist mit

¨Turban¨ und Faltenrock bekleidet -- sie hat das griechische Recht,

dieses das römische und dieses das unsrige in hohem Grade beeinflusst.

Die Strafe ist natürlich wie bei den Hebräern und Römern Vergeltung,

bei Sittlichkeitsvergehen Abschreckung. Im Zivilprozess spielt der Eid,

grade wie bedauerlicherweise noch heute, eine hervorragende Rolle. Die

Sammlung weist der Frau eine rechtliche Stellung an, welche sie noch

heute in der Türkei nicht errungen hat, sie schränkt die väterliche

Gewalt, ich nenne nur § 168, die Ausweisung des Sohnes betreffend,

erheblich ein, und das Erbrecht ist in sehr zu billigender Weise

geregelt, denn auch hier ist die Frau und die Tochter geschützt. Das

Handelsrecht hat er wohl kaum modifizieren können, denn das war ja

zugleich international, aber das sogenannte Sumerische Familienrecht

zeigt, dass dieser Schutz der weiblichen Familienglieder so recht

dem eigenen Sinn des grossen Königs entsprungen ist. Und so können

wir den Worten, mit denen er auf der Säule sich seiner Taten nach

orientalischer Sitte rühmt -- Einleitung und Schluss -- wohl Glauben

schenken. Die Stele kam nach Susa als Trophäe zugleich mit anderen

wichtigen steinernen Urkunden im 12/11 Jahr v. Chr., als die Elamiten

unter Sutruk-Nahunte Sippar und Babylonien erobert hatten. Es sei hier

auch erwähnt, dass von dem Kampfe Abrahams zur Befreiung Lots auch eine

Urkunde Chammurabis berichten soll. Die Stele mit der Gesetzsammlung

zeigt am Anfang das Relief, welches die Übergabe des Codex an den König

durch Schamasch schildert, das Relief ist verstümmelt; (Abbild. S. 69)

die Legende ist um so deutlicher.

[Sidenote: Babylonisch-Assyrische Kultur.]

Die Geschichte Babyloniens und Assyriens kann ich hier nicht erzählen,

sie ist z. T. in der Bibel und bei Herodot und später bei Arrian,

Diodor, und vor allem bei Berossos etc. wenigstens von 2000 ab erzählt;

sie ist jetzt bis 4000 v. Chr. so ziemlich aufgehellt; sie wurde in

grossen Zügen durch die verschiedenen Schichten der einwandernden

nomadischen Semitenschwärme und durch die geographische Lage im

einzelnen bedingt. Nach Westen und Südosten Kämpfe mit den Aramäern

und weiter nördlich mit den Kanaanäern, Phöniziern und Hebräern, die

an dem nahen Ägypten Rückendeckung hatten. Im nördlichen Syrien auch

Kämpfe mit dem uralten vermutlich von Kappadocien her eingedrungenen

vielleicht indogermanischen Stamm der Cheti oder Hetiter, die sich

später mit den Hebräern vermischt haben und mit den Mitani, die noch

ziemlich rätselhaft sind. Im Norden, Osten oder Südosten ist es die

indogermanische Wanderung, die unausgesetzt das babylonisch-assyrische

Reich bedroht; im Norden zusammengefasst als Skythen, im Osten die

Meder, in Südosten die Elamiter mit der Hauptstadt Susa. Im Süden

wieder hemmten die Chaldäer, die im sogenannten neubabylonischen

Reiche nach jahrhundertelangen Kämpfen schliesslich die Herrschaft an

sich rissen. Und hinter den Medern und Elamitern wieder Indogermanen,

deren bedeutsamster Stamm, die Perser, das ganze babylonische Reich

zerstörten.

[Sidenote: Grotefend und die Entzifferung der Keilschrift.]

¨Die Erschliessung der babylonisch-assyrischen Kultur¨ verdanken wir

in erster Linie dem Lehrer am Gymnasium zu Göttingen: ¨Georg Friedrich

Grotefend¨. Aus den Ruinen von Persepolis, der von Alexander dem

Grossen in der Trunkenheit in Brand gesteckten Hauptstadt Persiens,

waren im Laufe der Zeit einige Inschriften in eigentümlichen

keilförmigen Zeichen bekannt geworden, und ¨Carsten Niebuhr¨, der

Vater des berühmten Historikers hatte 1770 äusserst sorgfältige und

ausführliche Kopien mitgebracht, welche die allgemeine Aufmerksamkeit

auf die Keilschrift lenkten; er hatte auch schon bemerkt, dass die

Inschriften drei verschiedenen Schriftsystemen angehörten und von

links nach rechts zu lesen waren. Zufällig wurde Grotefend auf einem

Spaziergang im Juli 1802 veranlasst, sich mit der Entzifferung zu

beschäftigen und schon am 4. September 1802 legte er die Resultate

seiner Forschung der Göttinger gelehrten Gesellschaft vor. Er ging

davon aus, dass die in drei verschiedenen Keilschriften und also

auch wohl in drei verschiedenen Sprachen verfassten Inschriften

von den Erbauern der Paläste, den persischen Achämeniden Darius,

Xerxes, Artaxerxes etc. herrührten; dass also vermutlich die erste

der drei Sprachen die persische, dass die Texte wahrscheinlich auch

die Namen der Könige enthielten, dass endlich die Schrift des ersten

Systems wegen der geringen Anzahl der Zeichen eine Buchstabenschrift

sein musste; danach verglich Grotefend die ihm aus der Bibel und

den Klassikern und aus der Zendsprache in den heiligen Büchern

Zarathustras bekannten Namen dieser Könige auf ihre Länge und die

Wiederkehr gewisser Zeichen und kam zu folgendem Schluss: Eine häufig

wiederkehrende Gruppe von Zeichen musste König oder verdoppelt König

der Könige bedeuten, und in den dieser Gruppe vorangehenden Zeichen

war der Name des Königs enthalten; so fand er Darius oder vielmehr

die altpersische Form Dārheūsch, und ein zweiter Name liess sich als

Xerxes-Khschêrsche, ein dritter als Hystaspes-Gôschtaspähe deuten

und ebenso bekam er das Wort Sohn heraus. Die Göttinger gelehrte

Gesellschaft verfuhr mit der Abhandlung Gr. ähnlich wie die dänische

mit der Kaspar Wessels über die geometrische Darstellung der Complexen

Zahlen und die Pariser Akademie mit ¨Abels¨ grösster Arbeit: sie

lehnte es ab, die Abhandlung zu veröffentlichen. »Erst neunzig Jahre

später (1893) ist seine Originalabhandlung von Prof. Wilhelm Meyer in

Göttingen wieder aufgefunden und in den »Gelehrten Nachrichten« der

Akademie veröffentlicht worden.« (¨H. V. Hilprecht¨, die Ausgrabungen

in Assyrien und Babylonien 1904).

Aber die Entdeckungen Grotefends wurden vor dem Schicksal der

Wessel'schen und Abel'schen bewahrt, dadurch dass sie Aufnahme fanden

in das s. Z. epochemachende Werk von ¨A. Heeren¨, Ideen über Politik,

den Verkehr und den Handel der alten Welt 4. Aufl. I, 2 S. 345. So war

die Grundlage geschaffen, auf der dann die anderen, ich nenne ¨Benfey¨,

¨Hinks¨, ¨Oppert¨, ¨Spiegel¨ weitergebaut haben, so dass jetzt die

bisher bekannten derartigen Texte, mit voller Sicherheit gelesen werden.

In der zweiten Schrift entdeckten ¨Norris¨ und ¨Oppert¨ eine aus

Silbenzeichen und einigen Wortzeichen konstruierte Schrift, in der,

wie heute feststeht, die susische oder elamitische Sprache ausgedrückt

wurde; sie enthält gegen 100 Zeichen.

Weit grössere Schwierigkeit bot das dritte System, das über 300

verschiedene Keilschriftzeichen enthielt. Die Entzifferung war schwer

möglich und sie gelang Grotefend nicht. Da entdeckte ¨James Rich¨, ein

geborener Franzose, aber Resident der ostindischen Kompagnie in Bagdad

im Jahre 1820-21 gegenüber der blühenden Handelsstadt Mossul (Musselin)

auf dem linken Tigrisufer die Ruinen von Ninive und fand zahlreiche

Inschriften des dritten Systems. Bemerkenswert ist es, dass schon im

12. Jahrhundert der spanische Rabbi ¨Benjamin von Tudela¨ den Ort von

Ninive bestimmt bezeichnete.

Fast gleichzeitig wurde die sogenannte grosse Dariusinschrift, eine

sehr lange dreisprachige Inschrift am Felsen von Behistun, einer 100

Meter steilen Felswand, an der Grenze des alten Mediens gefunden und

1835 von ¨Henry Rawlinson¨ vermittelst hoher Leitern auf ungeheueren

Papierabklatschen aufgenommen unter grosser Lebensgefahr --, man nennt

die Dariusschrift den Babylonischen Stein von Rosette --. Von nun ab

wuchs die Menge der ausgegrabenen Inschriften rapide, besonders durch

die Arbeiten von Sir ¨Henry Layard¨ und ¨Rassam¨, im Auftrage des

British Museum, in Nimrud, 25 Kilometer von Mossul, die alte Residenz

¨Kelach¨.

[Sidenote: Die wichtigsten Ausgrabungen.]

Im Jahre 1881 entdeckte ¨Hormuz Rassam¨ die Ruinen von Sippar. R.

hatte schon 1878 in Balawat, die für die assyrische Kunst- und

Kulturgeschichte gleich wichtigen Bronzetüren Salmanassars II.

gefunden. Von grösster Bedeutung sind die Ausgrabungen der Franzosen in

Tello gewesen, schon dadurch dass die wunderbaren Funde ¨E. de Sarzecs¨

Franzosen, Engländer, Amerikaner, Deutsche, ja selbst die hohe Pforte

zu weiteren Arbeiten anspornte. Vor de Sarzec hatten schon im Auftrage

der französischen Regierung ¨Botta und Place¨ in Korsabad den Palast

Sargons II. gefunden und mit Glück gearbeitet, und den Grund zu der

grossen Sammlung im Louvre gelegt.

¨De Sarzecs¨ »Découvertes en Chaldée« von ¨Léon Heuzey¨ 1868 auf Kosten

der Regierung herausgegeben, wie schon die Prachtwerke, welche über

Bottas und Places Arbeiten berichteten: Monument de Ninive découvert

et décrit par ¨E. Botta¨, mesuré et dessiné, par ¨E. Flandin¨, Paris

1846-50 und ¨V. Place¨, Ninive et l'Assyrie 1866-69, haben der modernen

Assyriologie den stärksten Impuls gegeben. Die Franzosen setzen die

Ausgrabungen von Tello bis heute fort, daneben hat die Expedition

nach Elam (Susa) unter ¨De Morgan¨, deren Resultate der hochverdiente

¨V. Scheil¨ mitgeteilt hat, u. a. den Kodex des Chammurabi aufgefunden.

Die Engländer ihrerseits haben fleissig unter Budge und King in

Kujundschik, das Layard seinerzeit den Franzosen weggenommen,

gearbeitet. Die ¨Deutsche Orientgesellschaft¨ arbeitet seit 1899

unter ¨R. Koldwey¨ und ¨L. Borchardt¨ mit grossem Erfolg in Babylon

und besonders in Assur. Aber mit den Riesensummen, welche der Staat

Pennsylvanien und seine Universität Philadelphia auf die Ausgrabungen

in Nippur verwandt hat, ist keine Konkurrenz möglich. Von den Leitern

¨J. P. Peters¨, ¨H. V. Hilprecht¨, ¨J. H. Haynes¨ ist besonders der

Deutsche Hilprecht der eigentliche Assyriologe, unter dessen Leitung

die Excavations in Assyria and Babylonia die Resultate der seit 1879

bis jetzt fortgesetzten Ausgrabungen der Mit- und Nachwelt zugänglich

machen.

[Sidenote: Die Keilschrift.]

Es gelang vier grossen Forschern ¨Rawlinson¨, ¨Oppert¨, ¨De Saulcy¨

und dem scharfsinnigen Irländer ¨Hinks¨ die dritte Schrift und die

Sprache zu entziffern. Die Schrift war eine Verbindung von Wort und

Silbenzeichen, die Sprache eine der arabischen und hebräischen nahe

verwandte, es war die babylonisch-assyrische Sprache. Die Schrift war

ursprünglich eine ziemlich rohe Bilderschrift, zeigt aber schon in

ihren ältesten Formen das Bestreben, Bogen durch Striche zu ersetzen,

aus denen sich dann die Keilschrift entwickelte. So sind z. B. die

ältesten Formen für »Stern«, »Sonne«, »Rohrpflanze«:

[**symbol] [**symbol] für [**symbol] [**symbol], später [**symbols]

und weiterhin vereinfacht:

[**symbols]

und analog haben sich aus den Bildern [**symbols] für Fuss und Weib die

betreffenden Keilschriftzeichen entwickelt.

Diese Keilschriftzeichen lassen sich im wesentlichen auf drei

Grundelemente: den horizontalen Keil [**symbol], den vertikalen Keil

[**symbol] und den schrägen Keil [**symbol] zurückführen, selten

sind die umgekehrten Keile, der Winkelhaken [**symbol] ist wohl aus

Vereinigung zweier Keile hervorgegangen. Die Keile konnten durch

Wiederholung, Neben- und Übereinanderstellung und Kreuzung zu den

mannigfachsten, oft äusserst komplizierten Gruppen vereinigt, sowohl

Worte als Silben im Assyrischen bezeichnen. Dabei zeigte sich aber eine

anfangs äusserst rätselhafte Erscheinung, die sogenannte Polyphonie.

Dasselbe Zeichen bedeutet sehr oft ein oder mehrere Worte und daneben

noch ein oder mehrere Silben. So bedeutet das Zeichen [**symbol]

nicht nur »Stern«, assyrisch Kakkabu, sondern auch Himmel schami und

Gott ilu und hatte die Silbenwerte an und il. Das Zeichen [**symbol]

hatte nicht nur die Wortbedeutungen »Land« (matu) »Berg« (schadu),

erreichen, erobern Kaschādu; aufgehen (von der Sonne, napāchu), sondern

konnte auch ausserdem als Silbenzeichen in seinen verschiedenen

Zusammenstellungen mit andern Zeichen noch kur, mad, mat, schad, schat,

lat, nad, nat, kin oder gin gelesen werden.

Das Rätsel löste sich mit einem Schlage als ¨Rawlinson¨ aus einer

Anzahl sehr alter Keilschrifttexte eine neue Sprache in genau derselben

Schrift entdeckte, die Sprache der Sumerer.

Die Beduinenhorden der Babylonier hatten sich mit dem Lande zugleich

der ¨Schrift¨ der Sumerer bemächtigt, [**symbol] der Himmel hiess

sumerisch an, hoch und wurde im Babylonischen Zeichen für den Begriff

Himmel und für die Lautsilbe an, Wortzeichen und Determinativ für Gott

und ebenso wurde [**symbol] Land; Berg, sumerisch kur als Wortzeichen

und Determinativ für Land und Berg und Silbenzeichen gebraucht.

Diese Erklärung wurde später durch die Auffindung einer grossen

Menge zweisprachiger Texte, babylonisch und sumerisch, in derselben

Schrift bestätigt. (¨E. Bezold¨: Ninive und Babylon, Monographien zur

Weltgeschichte XVIII 1903.)

[Sidenote: Entwicklung der Keilschrift nach Delitzsch.]

Über die Entwicklung der Schrift oder den Ursprung der Keilinschriften

hat ¨Fr. Delitzsch¨, dem wir Wörterbuch und Grammatik des Assyrischen

verdanken, 1897 ein Werk veröffentlicht, das, mögen auch Einzelheiten

verbesserungsfähig sein, die Prinzipien völlig einleuchtend festlegt,

nach denen die Sumerischen Priesterfürsten die Schrift als Verbindung

von Wortzeichen -- Idiogrammen -- und Silbenzeichen geschaffen haben.

Und wenn die ¨Schrift¨ planmässig mittelst weniger aber wirksamer

Grundgedanken aus der Bilderschrift entstanden ist, so wird damit

auch meine Ansicht, dass das ¨Zahlsystem¨ eine planmässige und mit

Überlegung ausgeführte Schöpfung derselben Gelehrten ist, im höchsten

Grade wahrscheinlich. Gestützt auf die Formen der Schrift aus Telloh

und die noch älteren aus Nippur, die Geierstele, die Vase Entemenàs,

die Vase Lugat-šug-engur, welche sicher bis gegen 4000 (3700)

heraufreicht, und, anknüpfend an des grossen 1905 verstorbenen Jules

Oppert Expédition en Mésopotamie 1859 Kap. I, schied D. zunächst

37 Urzeichen aus, welche sich aus 21 Urbildern und 16 Urmotiven

zusammensetzen. Ich gebe hier die wichtigsten an: [**symbol] Stern

etc., [**symbol] Sonne, aufgehend, Tag, Licht, hell sein, [**symbol]

untergehende Sonne, schwach werden, niedergehen. [**symbol] Zunehmender

Mond (Horn), zunehmen, voll werden, [**symbol] schwinden, zurückkehren

(abnehmender Mond), [**symbol] penis = Mann, männlich, [**symbol] Mann,

Diener, [**symbol] (volva) = Weib, [**symbol] Auge aus [**symbol];

[**symbol] Hand, [**symbol] (Fuss) gehen, stehen. [**symbol] Herz,

[**symbol] Ochse, [**symbol] Werkzeug zum Öffnen, daher öffnen,

auflösen, Tod, [**symbol] Netz, Geflecht, Gefüge, [**symbol]

Umschliessung, [**symbol] Raum, [**symbol] Kreis (aus [**symbol]),

[**symbol] das Richtungsmotiv, dessen Ecken die 4 Kardinalpunkte und

dessen Axe die Nord-Südlinie verbildlicht; [**symbol] oder [**symbol]

Spitze, daher [**symbol] Gebirge, [**symbol] Kopf, [**symbol] Bogen,

Kurve etc.

Aus diesen Grundelementen werden dann durch Zusammensetzung gleicher

oder verschiedener Zeichen beliebig viele neue Wortzeichen abgeleitet,

welche sich häufig als Definitionen der dargestellten Begriffe erweisen

und auf die Psyche und die Kultur des Volkes der Sumerer ein so helles

Schlaglicht werfen, dass D. daraufhin den Versuch wagen konnte, ihren

Kulturzustand zur Zeit der Schrifterfindung zu rekonstruieren.

Die Verdoppelung, im Altbabylonischen auch als Kreuzung sichtbar

gemacht, dient zunächst als Pluralzeichen und Iterativum wie das

hebräische Piël, dann aber auch zu Neubildungen. Aus [**symbol] geben

wird durch [**symbol] hinzugeben, addieren tab, dap; aus [**symbol]

gross (nun-rabû) wird [**symbol] Herr d. i. Grösster (Grossmann

der Hottentotten), mit doppelten Zeichen des Umschliessens wird

die Summe bezeichnet: [**symbol] entwickelt zu [**symbol]. Für die

Zusammensetzung ungleicher Zeichen greife ich aus den Beispielen von D.

die folgenden heraus: berufen, erwählen = Auge + werfen, König = gross

+ Mensch, Hirt, [**symbols] bei Gudea = Stab + Träger. Fügte man in

das Zeichen für Mund das Zeichen für Brot ein, so erhielt man: essen,

und das eingefügte [**symbol] (Wasser) ergab trinken und tränken. Die

»Schlacht« wird dargestellt als »Handwerk des Kriegers«, der Regen als

[**symbols] gleich Wasser des Himmels, die Tränen als Wasser des Auges

[**symbols]; Vater als Schützer des Hauses zu erklären unter Hinweis

auf das entsprechende lateinische pater familias scheint allerdings

zweifach fehlerhaft, insofern das Zeichen im Haus den Feind bedeutet

und das sanscrit paṭar schützen mit piter Vater gar nichts zu tun

hat. Die Verkürzung des a zu i in Jupiter und der Komposition (z. B.

suscipio) ist eine ganz spez. lateinische Eigentümlichkeit. Eins der

schlagendsten Beispiele ist Mond oder Monat, das durch Tag und 30

bezeichnet wird; [**symbol] und [**symbol] also [**symbol].

[Sidenote: Die Gunierung.]

Ein ebenso einfaches wie weittragendes Mittel der Weiterbildung ist die

von den Babylonisch-Assyrischen Grammatikern gunû, d. i. Beschwerung,

genannte Steigerung. Sie besteht in der Hinzufügung von 4 Strichen oder

Keilen, d. h. also Paare von Paaren, die aus Rücksicht auf den Raum

mitunter auf drei reduziert werden. So wird aus [**symbol] Wohnung,

Wohnraum durch Gunierung [**symbol] Palast, Residenz, Grossstadt, und

damit das Determinativ für die Sitze der Pateissi. Aus [**symbol] dem

Bilde des Unterschenkels mit Fuss, das zugleich gehen, stehen, stellen

etc. bedeutet, wird durch Gunierung [**symbol] »Fundament«. Zu den

von den Babylonischen Grammatikern, insbesondere von dem so äusserst

wichtigen Syllabar b der Bibliothek Sardanapals (s. u.) gegebenen hat

D. eine ganze Reihe neuer Gunû Idiogramme abgeleitet, von denen ich

erwähne das Schwert als grosser Dolch; der Vollmond ist der gunierte

Mond, d. h. der grosse, volle, Mond, die Monatsmitte, die vom Neulicht

(s. u.) gezählt wurde und dann Mitte schlechtweg, archaisch [**symbol],

und das Neulicht selbst wird als der ¨grosse¨ Eingang des Tages oder

als Anfang einer Tagesreihe guniert geschrieben. Es ist D. gelungen,

für einen sehr grossen Teil der Idiogramme meist recht einleuchtende

Ableitungen zu geben, auf Grund derer er es eben wagen konnte ein Bild

des Kulturzustandes der Sumerer nach Erfindung der Schrift zu geben.

Und selbst Erklärung wie die des Zeichen für Mensch [**symbol] als des

auf das Antlitz geworfenen Knechts oder »¨Hundes¨« der Götter sind in

Anbetracht, dass es Priester waren, welche die Schrift erfanden, nicht

unglaubwürdig, und recht einleuchtend ist die Erklärung für Ehemann

oder Frau als Verbindung von [**symbol] und [**symbol] durch das

Vereinigungszeichen [**symbol] p. 161 (vgl. Abb.).

[Illustration]

[Sidenote: Die Determinative und das phonetische Komplement.]

Die Schwierigkeiten, welche die Vieldeutigkeit der Wort- und

Silbenzeichen boten, wurden durch zwei Mittel wesentlich vermindert,

erstens durch die Determinative, welche wie im Ägyptischen nicht

mitgelesen wurden, und zweitens durch das sogenannte Phonetische

Komplement (Delitzsch Grammatik 1907, § 33 a). Die gebräuchlichsten

Determinative sind [**symbol] ilu Gott sum. an, das nur vor An(u)

fehlt, dem Himmelsgott, der ja selbst mit an bezeichnet ist, [**symbol]

vor Ländern und Gebirgen, Fluss Kanal [**symbol] (Euphrat), Baum

[**symbol], Gerät altertümlich Holz [**symbol]. Mitunter wurden die

Determinative wie bei den Ägyptern nachgesetzt, so hinter Städten Ki

und hinter Fischen ḫa.

Das phonetische Komplement besteht in der Hinzufügung einer oder auch

zwei Silben »um durch Bestimmung der Schlusssilbe (n) die richtige

Lesung zu sichern. Das sumerische Silbenzeichen [**symbol] für kur

bedeutet als Wortzeichen Berg šadu, Land mâtu, erobern kaṣadu etc.

Folgt auf kur, u, a, i, plur-e. -- Pluralzeichen nachgesetztes

[**symbol], vielleicht gunierte eins -- so sichert dies šadu -- a --

i, etc., während Kur-ti, Kur plur-ti auf mâti, mâtati (Länder) und

Kur-ud auf aksud (ich eroberte) hinführt.«

[Sidenote: Babylonisch-Assyrische Ausgrabungen.]

In unerwarteter Weise haben wir über die Kultur, der diese Sprache

diente, Aufschluss erhalten durch die Ausgrabungen einer ganzen Anzahl

von Tempelbibliotheken. Im Jahre 1854 entdeckten ¨Rassam¨ und ¨Layard¨

im Trümmerhügel von Kujundschik, einem Dorf gegenüber Mossul, die

Bibliothek Assurbanipals, das ist Sardanapal, in dem Nordpalast dieses

vielleicht grössten assyrischen Fürsten zu Ninive, dessen Regierung von

668-626 fällt. Über 22000 sorgfältig gebrannte Tontäfelchen oder Stücke

solcher Tafeln sind allein im British Museum geborgen. Es sind Tafeln,

deren Fläche von 37 × 22 und 2,4 × 2 variiert bei einer mittleren Dicke

von 2,4. Vorder- und Rückfläche, ja vielfach auch die Seitenwände sind

mit sorgfältiger Schrift beschrieben; die Tafeln enthalten Löcher

zur Aufnahme kleiner Holzpflöcke, mit denen die Tafeln zu Büchern

aufgereiht wurden. Die Zusammensetzung ist vielfach dadurch ermöglicht,

dass, ähnlich wie bei unsern Akten, das letzte, für sich stehende, Wort

einer Tafel das Anfangswort der folgenden ist. Eine Anzahl Tafeln ist

durch ein mit Adresse versehenes Kuvert, natürlich aus Ton, geschützt;

wir haben hier den Ursprung unserer Briefkuverts. Es ist die älteste

eigentliche Bibliothek, d. h. absichtliche Sammlung zur Bewahrung

der Literatur und zu wissenschaftlichen Zwecken. Sehr vielfach sind

sorgfältige Abdrücke älterer Schriften erhalten.

[Sidenote: Die Ausgrabungen von Nippur.]

1874 fanden Araber in Babylon mehr als 3000 beschriebene Tontafeln

geschäftlichen Inhalts, 1881 entdeckte ¨Rassam¨ die Ruinen von

Sepharwaim und fand bei Ausgrabungen des Sonnentempels das Archiv, das

aus Tonzylindern und über 50000 allerdings sehr schlecht gebrannten

Tontafeln bestand. Und die Ausgrabungen der Pennsylvania Universität

Philadelphia von 1889 an haben bereits zwei grosse Bibliotheken in

Nippur zutage gefördert, wo das älteste grosse Landes-Heiligtum des

Bel matâti, des Herrn der Länder, ¨ekur¨, das Haus des Berges, stand.

Die bedeutendere über 3 Jahrtausende v. Chr. alte, ist durch den

schon erwähnten Einfall der Elamiten gewaltsam zerstört, während die

jüngere auf schlecht gebrannten Tafeln, neubabylonisch, allmählich in

Verfall geraten ist. Über 23000 Tafeln sind geborgen und dabei sind

erst 80 Zimmer oder etwa 1/12 der Bibliothek ausgegraben worden. Aus

einer Reihe von Anzeichen im Boden schliesst ¨Hilprecht¨, der Leiter

der Ausgrabungen, dass in der untersten Schicht der Hügel noch eine

ältere vor Sargon, d. h. vor 3000 entstandene Bibliothek verborgen

liegt. Hilprecht bezeichnet die Bibliothek geradezu als Universität,

die sogar nach Fakultäten gegliedert war; eine Anzahl Säle enthielt die

philologische Abteilung, eine andere die astrologisch-astronomische,

wieder eine andere die technische etc. Im untersten Grund des

Tempelturmes fand Hilprecht vorzüglich erhalten aus dem 5. oder 4.

Jahrtausend v. Chr. eine Kanalisations-Einrichtung, die die unseren

beschämt. In mächtigen ¨Tonnengewölben¨, die noch den Römern unbekannt

waren, eingebettet in eine Art Zement, zwei Tonrohrleitungen mit Knie-

und T-Stücken, so dass jede Reparatur ohne Belästigung des Publikums

vorgenommen werden konnte.

[Illustration: Turm zu Borsippa.]

[Sidenote: Tempelanlage, Priesterausbildung.]

Eine solche Tempelanlage bestand aus dem in Terrassen gelegentlich auch

mit Rampen in 7 Etagen aufgeführten hohen Turme; ich erinnere an den

Turm zu Borsippa (vgl. Abbildung), zu Babel, den Esagila, auf dessen

Höhe der Gott wohnt, in dessen Mitte die Menschen verkehrten und der

unten mit der Unterwelt zusammenhing. Daran schloss sich der Palast der

Priesterfürsten und die besonderen Gebäude der Unterrichtsanstalten,

das Archiv, die Verwaltungsgebäude. Ein solcher Tempel war nicht nur

Kultstätte, nationales Heiligtum, Sitz der Fürsten, sondern Landgut und

Fabrik, Bank, Archiv und Handelshaus. Die Tempel waren stets nach den 4

Himmelsgegenden genau ausgerichtet, daher bedeutet das Richtungszeichen

(s. o.) auch Tempelfundament und das ¨gunierte¨ Zeichen [**symbol]

die Erde selbst als das grosse Fundament, da nach der Babylonischen

Weltschöpfungssage die Erde nach den 4 Kardinalpunkten ausgerichtet ist.

[Illustration: Tonnengewölbe der Kanalisation von Nippur.]

Wie sorgfältig der Unterricht war, und wie mühsam die Vorbereitung

eines jungen Priesters, davon können wir, die über Überbürdung

klagen bei unserm bisschen Unterricht, uns kaum eine Vorstellung

machen. Schrift und Sprache allein würden kaum von uns heutigen

bewältigt; hunderte von Schriftzeichen, die zusammen in mehr denn

12000 verschiedenen Anwendungen gebraucht wurden, die alle den

Adepten geläufig sein mussten; das Schreiben selbst schon so viel

umständlicher. -- Zu den wichtigsten Entdeckungen gehören auch die bei

Ägypten besprochenen Funde von Tell Amarna 1888.

[Illustration: Hochrelief Urnina, König von Telloh und seine Familie.]

[Sidenote: Babylonisch-Assyrische Kunst.]

Die ¨Kunst¨ zeigt ganz analoge Entwicklung wie die ägyptische.

Von naturalistischen Anfängen wo die Kalamones, das Rohrgeflecht

der Euphrat- und Tigrismündung als Vorbild dienten, eine rasche

Entwicklung; dann ein Sinken, und wieder ein Emporblühen. Die erste

Blütezeit entwickelt sich etwa in 200 Jahren; altsumerisch bezeichnet

den Anfang etwa das Hochrelief ¨Urnina¨, König von Telloh etwas vor

3000, und seiner Familie; der verhältnismässig riesengrosse König,

links, trägt auf dem Kopf in einem Korbe Erde zum Bau seines Tempels

herbei (vgl. Abb.). Die genauere Erklärung bei E. Meyer l. c. p. 77 ff.

Die nächste Stufe wird verdeutlicht durch die berühmte ¨Geierstele¨

(vgl. Abb.), welche den Sieg eines Vorgängers von Gudea, des Eannatum

über die feindlichen Nachbarn von Gishu darstellt, vgl. Meyer p.

82. ff. Es wird die Hilfe des Lokalgottes von Telloh, des Ningirsu,

verherrlicht, das Relief zeigt grosse Fortschritte, sowohl in der

Komposition als in der Technik des Hochrelief. Unter semitischem

Einfluss erhebt sich die Kunst zu der Höhe, welche sie unter Sargon

und Naramsin erreicht, wofür die herrliche Siegesstele des Naramsin,

von den Franzosen unter de Morgan in Susa gefunden, der vollgültige

Beweis ist, vgl. Meyer p. 10 ff. Diese Blüte semitischer Kunst

beeinflusst auch die sumerische, wofür die Fundstücke aus der Periode

Gudeas zeugen. Im Gegensatz zu dem Mangel an Proportionen bei den

Sumerern sind die Gestalten schlank und proportional, und die Technik

des Relief steht auf grösster künstlerischer Höhe.

[Illustration: Rückseite der Geierstele.]

[Illustration: Vorderseite der Geierstele.]

[Illustration: Relief von den Bronzetüren aus Balawat.]

Diese Blüte hält an bis auf ¨Chammurabi¨ und seine nächsten Nachfolger,

die Könige von Sumer und Accad. Aber mit dem Sinken der Macht dieses

altbabylonischen Reiches sinkt auch die Kunst, um dann unter der

Assyrischen Macht neu emporzublühen, etwa von Nebukadnezar I., von

1150 an, sie erreicht unter Sargon II. und Sanherib ihre Höhe, und

hält sich auf dieser bis Sardanapal bis etwa 600. Ich führe als

Beispiel hier die Bronzetüren Salmanassar II. aus Balawat (vgl. Abb.),

ferner den Urkundenstein ¨Kudurru¨, aus dem Berliner Museum, der die

Belehnung des Magnaten Bel-ache-irbâ seitens des Königs Mardukbaliddin

II. 715 darstellt (vgl. Abbildung). Meyer findet in diesem Stein den

semitischen Typus am reinsten ausgeprägt. Dazu die Dämonen (vgl.

Abbildung), Engel- und Tierkolosse, die wunderbaren Mosaiken der

Fussböden in den Palästen von Khorsabad (vgl. Abb.), und vor allem die

herrlichen Tiergestalten in bunter Mosaik aus der Zeit Nebukadnezar

II., Sargons etc.

[Illustration: Mosaik aus dem Palaste Sargon II.]

[Sidenote: Babylonisch-Assyrische Wissenschaft.]

Wie es mit der Wissenschaft steht, bleibt noch zu untersuchen. Von

der Rechtswissenschaft wissen wir, dass sie sich bedeutend entwickelt

hatte, insbesondere das Handelsrecht stand auf einer Höhe, die dem

römischen nichts nachgibt. Wir kennen die Siegel und Namen grosser

Handelsfirmen wie Egibi und Söhne am Euphrat zur Zeit Nebukadnezars

und die Firma Maraschi Söhne zu Nippur zur Zeit Ezras und Nehemias.

Wir wissen, dass sie Filialen in allen Grossstädten hatten, und dass

der Schekverkehr, unsere neueste Errungenschaft, bei den babylonischen

Grossfirmen gang und gäbe war.

[Illustration: Belehnung des Belacheirba durch König Mardukbaliddin II.]

[Sidenote: Medizin, Mathematik.]

Aus den Beiträgen zur Kenntnis der assyrisch-babylonischen Medizin

von ¨F. Küchler¨ (Assyrische Bibliothek von Delitzsch und Haupt XVIII

1904) sehen wir, dass die Priesterärzte, abgesehen von den üblichen

Beschwörungen, Omina etc. über eine sehr ausgedehnte Pharmazie

geboten. Es ist bekannt, dass die griechische Heilkunst stark von der

babylonischen beeinflusst ist, und auf Hippokrates geht unsere Medizin

zurück. Unser altes Apothekergewicht Gran, Skrupel geht auf Babylon

zurück (vgl. Küchler S. 84 ši'u). Geht doch auch Stab und Ring unserer

Bischöfe auf altbabylonische Götterdarstellungen zurück (Winkler, die

Gesetze Hammurabis 1904 p. VI).

Eine neue Ausgabe des Theophrast ist in Vorbereitung und hoffentlich

wird man auf dem Umweg über die Griechische einigen Aufschluss über die

Babylonische Pharmakologie erhalten.

Wenden wir uns nun zur Mathematik der Babylonier, so müssen wir

sagen, dass von reiner Mathematik bis jetzt verhältnismässig wenig

entziffert ist. Das wichtigste sind die sogenannten ¨Tafeln von

Senkereh¨ (Larsa) aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., de facto eine in zwei

Stücke zerbrochene Tafel; die astronomischen Bücher aus der königlich

Sardanapalschen Bibliothek und die 1 × 1 Tabellen von Nippur. Hilprecht

sagt: »in geradezu staunenswerter Weise wurde das 1 × 1 geübt.«

[Illustration: Dämon mit Flügeln.]

M. H. In unserer Kulturgeschichte wird es als hohes wissenschaftliches

Verdienst des Petrus de Dacia, Rektors der Sorbonne vom Jahre

1328 gerühmt, das 1 × 1 bis zu 50 × 50 fortgesetzt zu haben, und

¨Hilprecht¨ versichert, dass er in der im 3. Jahrtausend zerstörten

Bibliothek Tafeln des 1 × 1 bis 1350 in der Hand gehabt hat. Das kleine

1 × 1 ging bis zur 60 (s. p. 113 ff.).

[Illustration: Bruchstücke der Geierstele, Vorderseite.]

[Sidenote: Münz-, Mass- und Gewichtssystem.]

Uns sind zwei Zahlsysteme bekannt; das eine ist rein dekadisch,

das andere, ältere, ist sexagesimal und hängt auf das genaueste

mit dem babylonischen Gewichts-, Münz- und Masssystem zusammen,

dessen Einteilung uns in der Tafel von Senkereh und in zahlreichen

griechischen, römischen und jüdischen Quellen enthalten ist. Es ist

ja die Bibel erst nach der babylonischen Gefangenschaft redigiert und

zeigt in allen Namen der Masse und Gewichte babylonischen Einfluss.

Seit der grosse Philologe ¨August Boeckh¨ das Münz- und Gewichtssystem

der Römer erschlossen und in der vergleichenden Betrachtung der

Masse ein wichtiges Mittel erkannt hat um den Handels- und sonstigen

Verkehr der Völker zu erkennen, haben eine Reihe von Forschern, ich

nenne ¨Brandis¨, ¨Ginzel¨, ¨Lehmann¨ und vor allen ¨Boeckh¨ selbst

dargetan, dass die Wiege der Messkunst in Babylon steht, und die Masse

der Babylonier in ausgedehntester Weise bis zum Metersystem Gültigkeit

hatten, ja, zum Teil heute noch gelten. (cf. ¨C. F. Lehmann¨, das

altbabylonische Mass- und Gewichtssystem als Grundlagen des antiken

Gewichts-, Münz- und Masssystem. 8. intern. Orient. Kongress,

Bastiansche Zeitschrift für Ethnologie 1889. Verh. der Berl. anthrop.

Gesellschaft 1889. Als selbst. Schrift Leiden 1893.)

[Illustration: Gewicht in Löwenform.]

Die Babylonier hatten vor 5000 Jahren ein geschlossenes Masssystem, das

in seiner Anlage unserm metrischen System sehr ähnlich war. Wie bei uns

das Zehntel des Meters die Kante des Würfels bildet, der ein ¨Liter¨

fasst und der mit destilliertem Wasser von 4° C. gefüllt bei der Wägung

das ¨Kilogramm¨ gibt, so ist das Zehntel der babylonischen Doppelelle

die Basis des Hohlmasses, dessen Wassergewicht die Mine gibt. Es sind

uns künstlerisch geformte Gewichte in Eisen- und Bronzearbeit mit

Entenform und Eberköpfen und besonders in Löwenform und ausserdem

einige justierte Gewichte erhalten.

a) Früher Eigentum des Dr. Blau: Ein sehr harter dunkelgrüner

Stein sehr sorgfältig geglättet, oval, der in altbabylonischer

Keilschrift und in sumerischer Sprache (die ja auch idiographisch als

babylonisch-assyrisch gelesen werden kann) die Inschrift hat:

1/2 ma na gina -- gal (mulu) dingir igi ma na

Mensch Gott Auge Mine

d. h. 1/2 Mine richtig, der Diener des Gottes, der das Auge auf der

Mine hat.

[Sidenote: Metrologie.]

Die Masse unterstanden göttlichem Schutz; in Athen waren die

Normalmasse auf der Akropolis; in Rom auf dem Kapitol und im Tempel der

Juno moneta verwahrt (Generalaichamt).

[Illustration]

b) In der Vorderasiatischen Abteilung des Berliner Museums aus

demselben Material 1/6 Mine, Inschrift unentzifferbar.

c) Das Gewicht der amerikanischen Wolfe Expedition 1885 (Americ.

Orient. Soc. Proceedings at New York 1885), das die bei den sogenannten

Zylindern mit Bau- und Weihinschriften übliche Fässchenform hat, aus

gleichem Material, es wiegt fast genau doppelt soviel wie b, ist also

1/3 Mine und das bestätigt die Inschrift:

[Illustration]

1) 1/3 Ṭu gina, 2) e--kal^m Nabû -- sum -- esir (?), 3) abli^m Da--lat

(?), 4) .... pāte--is--si ili Marduk

d. i. 1/3 [Mine in] Schekel [n] [ausgedrückt] Palast des Nab., Sohnes

des D., Fürstpriester des Marduk (Lehmann, Verh. der Berl. anthrop.

Gesellschaft 1891; J. Oppert, L'étalon des mesures assyr., Extrait du

journal asiat. Paris 1875).

Die Gewichte in Entenform sind erheblich ungenauer, aber als

Durchschnittsgewicht ergibt sich 491,2 Gramm für die leichte Mine,

982,4 für die schwere. Indem man die Kubikwurzel aus 982,4 zieht,

ergibt sich für die 10fache Wurzel, das ist die Doppelelle 992,35

mm. Nun ist die Länge des Sekundenpendels für den 31. Breitengrad

992,35 mm, und nach der Hypothese Lehmanns, welche Helmholtz plausibel

erschien, hatten die Babylonier zur Zeit Gudeas den Gedanken Huygens,

die Länge des Sekundenpendels als natürliches Längenmass zu verwerten,

schon vorweggenommen. Als Bestätigung der von Lehmann gegebenen

sogenannten »gemeinen Norm« dient dann eine Ende des Jahres 1893 in

Babylon zum Vorschein gekommene ganze Mine, die nach ihrer Legende

eine Kopie aus der Zeit Nebukadnezar II. 607-561 nach einer Mine aus

der Regierungszeit Dungis ist, des ältesten erreichbaren Königs eines

grossen Teils von Babylon etwa um 3200; die Mine, welche sich jetzt im

British Museum befindet, hat ein Gewicht von 979,2 Gramm.

Die meisten und wichtigsten antiken Gewichte sind direkte Abkömmlinge

der babylonischen gemeinen Norm, bezw. der daraus gebildeten

Silbermine, welche 10/9 der Gewichtsmine ist.

schwer leicht

Teilbetrag 60/60; Gewichtsmine 982,4 491,2

" 50/60; Goldmine 818,6 409,3

" 50/45; babyl. Silbermine 1091,5 545,8

" 100/135; phöniz. Silbermine 727,6 363,8

ägypt. Goldmine 409,31

babyl. Silbermine = 6 ägypt. Pfund à 10 Lot.

Die römisch-athenische Elle = 10/9 der babylonischen gemeinen Elle,

der Fuss = 2/3 Elle und der Schritt = 5 Fuss = 1-2/3 Elle = 1-1/2

babylonischen Elle.

Wir rechnen heute 114 Schritt in der Minute für die deutsche Armee, die

Babylonier 120 Schritt = 180 Ellen, ¨also auf die Doppelminute¨ $360

Ellen$.

¨J. Brandis¨: das Münz-, Mass- und Gewichtssystem in Vorderasien

bis auf Alexander den Grossen, Berlin 1866. Brandis setzt das

Wertverhältnis des Goldes zu Silber bei den Babyloniern wie 40:3 =

360:27 (wie Jahr:Monat).

¨Die Tafel von Senkereh und das Zahlsystem.¨

[Sidenote: Die Tafel von Senkereh.]

Im Jahre 1854 fand der Ingenieur ¨W. K. Loftus¨ in den Ruinen von

Larsam beim heutigen Senkereh eine leider stark verstümmelte Tafel,

die aber doch für die Kenntnis des Zahl- und Masssystems von grösster

Wichtigkeit geworden ist.

Die Tafel von Senkereh enthält auf der Rückseite drei Kolonnen: a)

die Zahlen von 1-39 mit ihren Quadraten, b) die Zahlen der Quadrate

mit ihren Wurzeln 1-39, c) die Kubikzahlen von 1-39. Zu b ist in

Kujundschik, der Residenz Salmanassars eine Ergänzung gefunden, welche

die Quadrate der Zahlen von 44-60 enthält. -- Auf der Vorderseite ist,

stark verstümmelt in Kolonne I und II eine Tabelle, die nach Finger,

Ellen und deren Vielfachen bis zu 2 Kaspu fortschreitet; Kol. III und

IV enthält dann eine Tabelle, die zwei Masssysteme vergleicht, deren

erstes die gewöhnlichen Bezeichnungen des Längenmasses trägt, während

die zweite nur in unbenannten Zahlen fortschreitet.

[Sidenote: Zahlsystem.]

Ehe ich auf die Erklärung der Tabelle eingehe, muss ich über das

babylonische Zahlsystem sprechen. Es sind zwei Zahlsysteme in Gebrauch,

das eine dekadisch, das andere ältere sexagesimal, das bei Massen und

in der Astronomie sich erhalten hat. Es ist möglich, dass die dekadisch

Zählenden die Semiten, und die Sexagesimalen die Sumerer waren.

Nach Lehmanns Angaben über die sumerischen Zahlzeichen, die z. B. 7

als 5 + 2 wiedergeben, kann ein Fünfer-System das ursprüngliche der

Sumerer gewesen sein, und das Sexagesimalsystem sich von den grossen

wissenschaftlichen Zentren aus als ursprünglich gelehrte Schöpfung

zunächst auf die Gebildeten und die Priester verbreitet haben, aus

denen sich die Schreiber (Staatsbeamten) und Handelsherren rekrutierten.

Sie hatten nur zwei Ziffern, den einfachen Keil für eins, istan, isten

als Zahlwort ist, aus dessen Häufung die Einer gebildet werden, und

[**symbol] 10 esru, Plural esrit; dazu kommt später das gemeinsame

semitische (auch ägyptische) Zahlwort me 100 geschrieben [**symbol].

[**symbol] ist eins und die Einer werden durch den betreffenden Haufen

von Keilen gebildet; z. B. [**symbol] si-ba sibista, die Zehner durch

eben solche Haufen der Zahl 10 [**symbol] esru esertu, eserte esrit,

also 11 [**symbol] isten ésrit.

1 isten, 2 sina, 5 hamsu, 100 mê [**symbol], 1000 für das wir bislang

kein Zahlwort haben als 10 · 100 [**symbol]. Dies ist aber zu einem

eignen Zahlzeichen geworden, [**symbol] ist nicht 2000 sondern

10 · 1000 = 10000 und [**symbol] würde 100000 sein.

Das zweite System hat zur Einteilungszahl 60 und seine Übereinheiten

wie 60^2, 60^3, seine Untereinheit ist 1/60, deren Untereinheit

(1/60)^2, die Eins wird, wie sie bei uns als 10^0, so hier als

60^0 angesehen. Alle diese Zahlen drückt dasselbe Zeichen aus, der

einfache Keil, und die Bedeutung ergibt sich wie in unserm sogn.

indisch-arabischen System durch ¨Position¨.

Die 60 heisst sussu (Schock), σωσσος der Hellenen, soss assyrisch,

[**symbol], die 60^2 heisst Sar, Saros der Hellenen [**symbol].

Daneben gibt es Einheiten II. Klasse, wie sie ¨Lehmann¨ nennt.

60^3| |60^2| |60| | |1/60| |(1/60)^2|

|36000|sar |600| |10|1/6| |1/360| |1/21600

| | | | oder| | | | |

| | |ner| | 6| | | | |

für 600 ist ein eignes Zahlwort [**symbol] ner durchaus belegt und

volkstümlich gewesen; so ist

[**symbol] = 672 = 11 · 60 + 12.

[Sidenote: Das magische Quadrat.]

Als interessantestes Beispiel altchaldäischer Rechnung gebe ich Ihnen

die Bildung des Quadrats von 653 nach einer von ¨J. Oppert¨ edierten

magischen Tafel, welche aus der gleichen Zeit stammt (Zeitschrift für

Assyriologie 1903 Bd. 17 pag. 60). Die Zahl 653 ist unter dem Namen

Sulbâr = Ewigkeit die magische Zahl κατ' εξοχήν;

5 · 653 = 3265 ist die Phönixperiode; 653 ist gleich 292 + 361

und 5 · 292 = 1460 ist die Sothisperiode; 5 · 361 = 1805 ist die

Lunarperiode. Ich bemerke, dass die hohe Wertung der Zahl 653 ein

Argument für ein ursprüngliches Fünfersystem (wie bei den Azteken) ist.

Die Rechnung gestaltet sich wie folgt:

Geschichte der Mathematik im Altertum in Verbindung mit antiker Kulturgeschichte · 第 18 / 49 题