Ägypten.
Ägyptische Geschichte.
Eine genaue ägyptische Chronologie existiert zurzeit nicht, obwohl im
letzten Dezennium, insbesondere durch die Ausgrabungen der deutschen
Orient-Gesellschaft unter Leitung von ¨Borchardt¨, wichtige Ansätze
gewonnen sind. Nach dem Vorgange des ägyptischen Priesters Manetho,
der in griechischer Sprache eine Königstafel gab, von der einiges
erhalten ist, hat man die Geschichte bis auf Alexander in 30 Dynastien
geteilt. Ich gebe hier die Epochen nach ¨Ed. Meyer¨ (Ägypt. Chronologie
1904, Nachträge 1907) und ¨W. Spiegelberg¨, und zugleich nach diesem
die der Kunstgeschichte. Der ursprüngliche Zustand in einer Zeit, die
sich unserer Berechnung entzieht, ist wohl der einer Besiedlung des
Landes durch einzelne selbständige Gaue gewesen; diese Gauverbände
haben sich während des ganzen Altertums erhalten. Aber sehr früh muss
der Riesenstrom, der nur durch vereinte Kräfte nutzbar zu machen war,
namentlich in Unterägypten ein straff zentralisiertes Reich geschaffen
haben, das bereits vor 4000 ein Kulturland war. Nach Meyer hat es
das ägyptische Kalenderjahr geschaffen, »das vom 19. Juli 4241 an
4000 Jahr unverändert in Ägypten bestanden hat, -- das älteste feste
Datum, welches die Geschichte der Menschheit kennt.« Der Tag ist
durch den Heliakischen Aufgang des Sothis (Sirius) festgelegt, denn
das ägyptische Jahr mit 365 Tagen sollte mit diesem Aufgang beginnen,
und der verschob sich alle 4 Jahre um einen Tag. Es folgten dann zwei
politisch getrennte, religiös und kulturell gleichartige Reiche, Unter-
und Oberägypten, von denen jenes die Fischer und Schiffer des Delta,
dieses die Ackerbauer des oberen Stromlaufs umfasste, bis etwa um 3400
Menes von Thinis, mit Königsname vielleicht ¨Namarê¨, Wahrheit eignet
dem Re, Unterägypten unterwarf und die beiden Reiche vereinigte. Diese
Vereinigung war eine wirtschaftliche Notwendigkeit; die Ackerbauer
Oberägyptens mussten sich die freie Ausfuhr ihres Kornüberschusses in
die Länder des Mittelmeerbeckens sichern.
Die folgende Tabelle hat ¨W. Spiegelberg¨ seiner Vorlesung über die
ägyptische Kunstgeschichte vom Winter 1906|7 zugrunde gelegt und
mir die Publikation gestattet. Als Zentren der Frühzeit kamen neben
Hierakonpolis (äg. Nechen) noch Buto (äg. Pe) in Betracht sowie Abydos.
Als Könige der Kunstblüte des alten Stils sind Sahurê und Neweserrê zu
nennen (Ausgrabungen der deutschen Orient-Gesellschaft ¨L. Borchardt¨;
vergl. ¨Ed. Meyers¨, des um die ägypt. Chronologie hochverdienten
Forschers Vortrag: Ägypten zur Zeit der Pyramidenerbauer, Leipzig,
J. C. Hinrichs, 1908.) (Siehe Abb.)
Die Epochen der ägyptischen Geschichte und Kunst.