orphischen Gott Dionysos bei ihrer denkwürdigen Begegnung gewechselt
haben auf dem Brückenjoch der Festländer. Dionysos aber ließ das Haupt
lange auf seine Brust herabsinken. Und er verharrte reglos in einer
Schweigsamkeit, die sich wie der längste Schatten des kürzesten Tages
dämmergrau und erkältend zwischen die Wächter der beiden Reiche legte.
Dann aber hob er sein saphirnes Auge auf und lächelte dem Buddho sonnig
zu: „Recht hast du mir mit allem, o Buddho! Wir Menschen des westlichen
Reiches spielten bisher Welt und spielten Leben, ohne die Regel unseres
Spiels zu kennen und den Einsatz zu bedenken. Und daran bin ich am
meisten schuldig. Früh hab’ ich ja in meiner orphischen Vergangenheit
die Unsterblichkeit verkündet, ganz wie du selber, Gotamo. Und oftmals,
wenn ich nach sinnaufwühlenden Offenbarungnächten den ersten Strahl
meines heiligen Gestirns den Giebel meines Tempels zu Tempe goldig
kränzen sah und gleichzeitig mich durch den Mund des Orpheus als
Seelenretter und Heiland preisen hörte, -- wie mußte ich da an dich,
Spender der Unsterblichkeit denken, der du zu Maghadâ hast den Löwenruf
erschallen lassen: ‚Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit
ist gefunden‘... Das war damals, o Buddho, in jener ungeheuern Zeit
des Götterfrühlings auf hesperischer Erde... Heut’ jedoch weiß ich
auf das klärste, daß ich dich herzlich mißverstanden hatte. Mit
ähnlichen Worten meintest du nicht das Ähnliche mit mir. Ich selber
fühlte nur die zeugerische Lust des Werdens, das immer wird, und kaum
geworden, wieder entwird. Ich selber war nur immer eingedenk des ewigen
Schaffens, wie es in jeglicher Erschaffung sich selbst erscheint, in
jeglicher Erscheinung aber die Erschaffenheit verneint, die nicht das
Schaffen selber ist und sein kann. Als unzerstörliche Werdenskraft
und Allkraft genoß und litt ich meine Ewigkeit, lebte und starb ich
meine Ewigheit. Darüber vergaß ich, wundere dich nicht, das Gesetz des
Werdens. Ich vergaß, daß alles Künftige in der Welt sich nur insoweit
knoten würde, als es von einer eigenwilligen Gegenwart selbstherrlich
geschürzt wird. Den Knoten der Welt und des Werdens, den an- und
absteigenden in der Zeit, vergaß ich; vergaß, daß er an- und absteigt
in der Zeit nur wie wir es selber ihm bestimmen. Wohl hatte ich während
meiner Wallfahrt an euern heiligen Gangâ, dessen Silberquellen, wie ihr
sagt, dem Gletschertor der Milchstraße klingend wie Sternschnuppentau
entschmelzen, vom Strome her die Stimmen deiner Mönch’ und Nonnen
häufig psalmodieren hören:
„Und was der Mensch auch wirken mag,
Verdammte Taten, edles Werk:
Der Erbe ist er überall,
Der Erbe seiner eigenen Tat...“
Aber was ich von dorther hörte, obwohl mich’s manchmal wundersam
berührte, verstand mein Sinn noch nicht. Einmal ist Keinmal, Einmal
ist höchstens Einmal, hatten wir’s in unserem armsäligen Einmaleins
je und je vernommen. Wie hätten wir da dein glühendes Richterwort
fassen sollen: Einmal ist Immer! Einmal ist Unendlichmal! Einmal
ist Ewig! Ach! allzulang waren wir westlichen Olympier nur ‚Götter
Lustig im Dämmerlicht‘ gewesen... Aber du selber, Herr, sagtest es
vorhin, wir seien endlich jetzt auf deiner Spur. Ja, wir sind dir, wir
sind der Welt endlich auf der Spur, o Gotamo! Zwar ist vor Kurzem
noch an dem furchtbaren Gesetz, das du zuerst der Welt gegeben und
aufgegeben hast, der stärkste meiner Söhne mir zerbrochen, (er hieß
mit Namen Gold-Stern, das ist Zarathustra, und du kennst ihn, liebst
ihn als von deiner Art, Herr...) Noch hat also zwar nicht einmal er,
von allen zukünftigen Geistern meines Reiches der Zukünftigste und
der Geistigste, deinen Urgedanken der unendlichen Wiederkunft aller
Wesen je nach ihren Werken unangefochten bis ans Ende auszudenken,
auszuhalten vermocht: noch ist unser Stärkster zu schwach gewesen
für dein Gesetz und deine Welt, o Buddho. Aber er hat ihn doch --
und welch ein großer Anfang, Aufgang ist dies! -- als erster seit
Jahrtausenden wieder religiös erlitten und gelebt, statt einfach
wissenschaftlich festzustellen. Hier oder nirgends ahnte er, der neue
_homo religiosus_, die neue Pflicht, die neue Bindung, welche demnächst
auch uns in erneuter _religio_ dem All verpflichten und verbinden
würde. Hab’ also noch Geduld mit uns, Erhabener! Beim zagen Schimmer
dieses Stern-Gedankens werden auch wir endlich lernen, uns wieder in
die feierliche Nacht der Welt hineinzutasten. Du bist der Buddho, du
bist der Erwachte, vollkommen Erwachte! Du bist erwacht, vollkommen
erwacht zur Welt, von der wir heute morgendlich noch träumen. Aber du
kennst die tausend Zeichen, die alle, alle darauf deuten, daß auch
wir demnächst die Erwachenden und Erwachsamen sein werden: ein neuer
Aufgang mitten in Europas Untergängen... Für jetzt und heut’ indes, o
Buddho, ist unser beider Äon wieder einmal abgelaufen, -- erst an des
nächsten Ende werden wir uns wiedersehen. Dann aber wird der längste
Schatten dieses kürzesten Tags, der jetzt graudämmerig und erkältend
zwischen uns sich spreitet, dem kürzesten Schatten des längsten Tags
gewichen sein. Dann wollen wir auf diesem Brückenjoch der Länder das
nächste Mittsommerfest, Mittsommerglück gemeinsam feiern... Horch!..
Läutete da nicht eine Glocke? Summte nicht ein Gong?.. Wie ein Kristall
blaut wunderbar die Zeit! Schau um dich, Gotamo! Es weltet weit und
breit!..“
DIE WIEDERGABE DER BUDDHO-STATUE ERFOLGT MIT
GENEHMIGUNG DES FOLKWANG-VERLAGES IN HAGEN
AUS REICHLS VERLAGSBERICHT
DER VOLLSTÄNDIGE VERLAGSBERICHT WIRD AUF VERLANGEN KOSTENLOS UND
PORTOFREI GELIEFERT
OTTO REICHL VERLAG DARMSTADT
+LEOPOLD ZIEGLER+
GESTALTWANDEL DER GÖTTER
VON _LEOPOLD ZIEGLER_
DRITTE AUFLAGE, ZWEI BÄNDE
IN LEINWAND GEBUNDEN 240 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 360 M.
+Inhalt:+ Erste Betrachtung: Weltheiligung, Sühnwirkung, Sinndeutung
der Griechen. Zweite Betrachtung: Der Mythos vom Mittlergott und
die Religion der Seele. Dritte Betrachtung: Der Heilsdreiweg der
Christenheit. Vierte Betrachtung: Deutsche Reformation. Fünfte
Betrachtung: Der Mythos Atheos der Wissenschaften. Sechste Betrachtung:
Die Mysterien der Gottlosen.
DER EWIGE BUDDHO
EIN TEMPELSCHRIFTWERK IN VIER UNTERWEISUNGEN VON _LEOPOLD ZIEGLER_
IN LEINWAND GEBUNDEN 150 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 250 MARK
+Inhalt:+ Die erste Unterweisung: Buddho der Protestant. Die zweite
Unterweisung: Buddho der Erlebende. Die dritte Unterweisung: Buddho der
Wissende. Die vierte Unterweisung: Buddho der Öst-Westliche.
DER DEUTSCHE MENSCH
VON _LEOPOLD ZIEGLER_
ZUR ZEIT VERGRIFFEN
VOLK, STAAT UND PERSÖNLICHKEIT
VON _LEOPOLD ZIEGLER_
GEBUNDEN 9 M.
+Inhalt:+ Das Volk und seine Souveränität. Der Staat und die
Gerechtigkeit. Der Notstand der Persönlichkeit und seine Überwindung.
DAS WELTBILD HARTMANNS
VON _LEOPOLD ZIEGLER_ GEBUNDEN 15 M.
+Inhalt:+ System und Zeit. Deduktion, Induktion und Wahrscheinlichkeit.
Die Ableitung der Qualität. Die Entstehung des Bewußtseins. Monistische
Philosophie. Induktion und genetische Metaphysik. Der Wahrheitsbegriff.
ZUR METAPHYSIK DES TRAGISCHEN EINE PHILOSOPHISCHE STUDIE
VON _LEOPOLD ZIEGLER_
BROSCHIERT 6 M.
+Inhalt:+ I. Die letzten Prinzipien des Tragischen. II. Die Postulate
des Tragischen. III. Das Tragische als Antizipation des Weltprozesses.
FLORENTINISCHE INTRODUKTION
ZU EINER PHILOSOPHIE DER ARCHITEKTUR UND DER BILDENDEN KÜNSTE
VON _LEOPOLD ZIEGLER_
GEBUNDEN 24 M.
+GRAF HERMANN KEYSERLING+
DAS REISETAGEBUCH EINES PHILOSOPHEN
VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_
FÜNFTE AUFLAGE 1921. ZWEI BÄNDE IN LEINWAND GEBUNDEN MIT DEM BILDNIS
DES VERFASSERS 240 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 360 M.
WAS UNS NOT TUT -- WAS ICH WILL
VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ DRITTE AUFLAGE 1920 BROSCHIERT 6 M.
DAS GEFÜGE DER WELT
VERSUCH EINER KRITISCHEN PHILOSOPHIE VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_
ZWEITE AUFLAGE 1920 GEBUNDEN 90 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 180 M.
+Inhalt:+ I. Die Einheit des Universums. II. Kontinuität und
Diskontinuität. III. Harmonices mundi. IV. Die Probleme des Geistes. V.
Die Freiheit im Weltzusammenhange. Epilog: Was ist Wahrheit?
UNSTERBLICHKEIT
EINE KRITIK DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN NATURGESCHEHEN UND MENSCHLICHER
VORSTELLUNGSWELT VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_
DRITTE AUFLAGE 1920 GEBUNDEN 75 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 150 M.
+Inhalt:+ I. Über den Unsterblichkeitsgedanken überhaupt. II.
Todesgedanken. III. Das Problem des Glaubens. IV. Dauer und Ewigkeit.
V. Das Bewußtsein. VI. Mensch und Menschheit. VII. Individuum und Leben.
PHILOSOPHIE ALS KUNST
Vom _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_
GEBUNDEN 75 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 150 M.
+Inhalt:+ I. Philosophie als Kunst. II. Sterndeutung. III. Zeitliche,
zeitlose, ewige Geister. IV. Entwicklungshemmungen. V. Individuum und
Zeitgeist. VI. Idealismus und nationale Erziehung. VII. Germanische
und romanische Kultur. VIII. Ost und West auf der Suche nach der
gemeinsamen Wahrheit. IX. Die begrenzte Zahl bedeutsamer Kulturformen.
X. Das Schicksalsproblem. XI. Vom Interesse der Geschichte. XII.
Deutschlands Beruf in der veränderten Welt. XIII. Erscheinungswelt und
Geistesmacht. XIV. Für und wider die Theosophie. XV. Was uns not tut --
was ich will.
DEUTSCHLANDS WAHRE POLITISCHE MISSION
VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ DRITTE AUFLAGE 1920 BROSCHIERT 6 M.
POLITIK -- WIRTSCHAFT -- WEISHEIT
VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ ERSCHEINT IM JANUAR 1922
DER WEG ZUR VOLLENDUNG
MITTEILUNGEN DER SCHULE DER WEISHEIT IN DARMSTADT
HERAUSGEGEBEN VOM _GRAFEN HERM. KEYSERLING_
JEDES HEFT 7.50 M.
DER LEUCHTER
WELTANSCHAUUNG UND LEBENSGESTALTUNG JAHRBUCH DER SCHULE DER WEISHEIT IN
DARMSTADT HERAUSGEGEBEN VOM _GRAFEN HERM. KEYSERLING_ JAHRBUCH 1920.
GEBUNDEN 90 M.
+Inhalt:+ Graf Hermann Keyserling: Worauf es ankommt. G. F. Hartlaub:
Kritik der Geheimwissenschaft. Heinrich Nienkamp: Werten und Wirken.
Leopold Ziegler: Buddho der Protestant. Herman Hefele: Die Idee
des Kommunismus. Gerhard von Mutius: Humanität und Bildung. Max
Scheler: Sozialismus und Persönlichkeit. Fritz Wichert: Sich selber
beistehen. Friedrich Gogarten: Die Kirche. Peter Behrens: Das Ethos
und die Umlagerung der künstlerischen Probleme. Rudolf Binding:
Ethische Grundlagen eines Volkes. Günther Weitbrecht: Wertung und
Erkenntnis. Günther Weitbrecht: Der Brunnen des Lebens. Alexander von
Gleichen-Rußwurm: Unter Platanen.