winkte mit seiner Hand der Klara zu, bis das letzte Restchen von Roß
und Reiterin geschwunden war.
Das Bett ist angekommen, und die Großmutter schläft jetzt so gut jede
Nacht, daß sie gewiß dadurch zu ganz neuen Kräften kommt. Den harten
Winter auf der Alp hat die gute Großmama auch nicht vergessen. Sie hat
einen großen Warenballen nach der Geißenpeter-Hütte gesandt. Darin war
so viel warmes Zeug verpackt, daß die Großmutter sich um und um damit
einhüllen kann und gewiß nie mehr zitternd vor Kälte in ihrer Ecke
sitzen muß.
Im Dörfli ist ein großer Bau im Gange. Der Herr Doktor ist angekommen
und hat vorderhand sein altes Quartier bezogen. Auf den Rat seines
Freundes hin hat der Herr Doktor das alte Gebäude angekauft, das der
Öhi im Winter mit dem Heidi bewohnt hatte und das ja schon einmal ein
großer Herrensitz gewesen war, was man immer noch an der hohen Stube
mit dem schönen Ofen und dem kunstreichen Getäfel sehen konnte.
Diesen Teil des Hauses läßt der Herr Doktor als seine eigene Wohnung
aufbauen. Die andere Seite wird als Winterquartier für den Öhi und
das Heidi hergestellt, denn der Herr Doktor kennt den Alten als einen
unabhängigen Mann, der seine eigene Behausung haben muß. Zuhinterst
wird ein festgemauerter, warmer Geißenstall eingerichtet, da werden
Schwänli und Bärli in sehr behaglicher Weise ihre Wintertage
zubringen.
Der Herr Doktor und der Almöhi werden täglich bessere Freunde, und
wenn sie zusammen auf dem Gemäuer herumsteigen, um den Fortgang des
Baues zu besichtigen, kommen ihre Gedanken meistens auf das Heidi,
denn beiden ist die Hauptfreude an dem Hause, daß sie mit ihrem
fröhlichen Kinde hier einziehen werden.
»Mein lieber Freund«, sagte kürzlich der Herr Doktor, mit dem Öhi oben
auf der Mauer stehend, »Sie müssen die Sache ansehen wie ich. Ich
teile alle Freude an dem Kinde mit Ihnen, als wäre ich der nächste
nach Ihnen, zu dem das Kind gehört; ich will aber auch alle
Verpflichtungen teilen und nach bester Einsicht für das Kind sorgen.
So habe ich auch meine Rechte an unserem Heidi und kann hoffen, daß es
mich in meinen alten Tagen pflegt und um mich bleibt, was mein größter
Wunsch ist. Das Heidi soll in alle Kindesrechte bei mir eintreten; so
können wir es ohne Sorge zurücklassen, wenn wir einmal von ihm gehen
müssen, Sie und ich.«
Der Öhi drückte dem Herrn Doktor lange die Hand. Er sagte kein Wort,
aber sein guter Freund konnte in den Augen des Alten die Rührung und
hohe Freude lesen, die seine Worte erweckt hatten.
Derweilen saßen das Heidi und der Peter bei der Großmutter, und
das erstere hatte so viel zu tun mit Erzählen und der letztere mit
Zuhören, daß sie alle beide kaum zu Atem kommen konnten und vor Eifer
immer näher auf die glückliche Großmutter eindrangen.
Wieviel war ihr auch zu berichten von alle dem, das den ganzen Sommer
durch sich ereignet hatte, denn man war ja so wenig zusammengekommen
während dieser Zeit.
Und von den dreien sah immer eins glücklicher aus als das andere über
das neue Zusammensein und über alle die wunderbaren Ereignisse. Jetzt
aber war das Gesicht der Mutter Brigitte noch fast am glücklichsten
anzusehen, da mit Heidis Hilfe nun zum erstenmal klar und verständlich
die Geschichte des unaufhörlichen Zehners herauskam. Zuletzt aber
sagte die Großmutter:
»Heidi, lies mir ein Lob- und Danklied! Es ist mir, als könne ich
nur noch loben und preisen und unserem Gott im Himmel Dank sagen für
alles, was er an uns getan hat.«