»Wo sind denn Klara und die Großmama?« fragte es jetzt.

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Johanna Spyri

Heidi kann brauchen, was es gelernt hat

Inhalt

Reisezurüstungen

Ein Gast auf der Alm

Eine Vergeltung

Der Winter im Dörfli

Der Winter dauert fort

Die fernen Freunde regen sich

Wie es auf der Alp weitergeht

Es geschieht, was keiner erwartet hat

Es wird Abschied genommen, aber auf Wiedersehen

Reisezurüstungen

Der freundliche Herr Doktor, der den Entscheid gegeben hatte, daß

das Kind Heidi wieder in seine Heimat zurückgebracht werden sollte,

ging eben durch die breite Straße dem Hause Sesemann zu. Es war ein

sonniger Septembermorgen, so licht und lieblich, daß man hätte denken

können, alle Menschen müßten sich darüber freuen. Aber der Herr Doktor

schaute auf die weißen Steine zu seinen Füßen, so daß er den blauen

Himmel über sich nicht einmal bemerken konnte. Es lag eine Traurigkeit

auf seinem Gesichte, die man vorher nie da gesehen hatte, und seine

Haare waren viel grauer geworden seit dem Frühjahr. Der Doktor hatte

eine einzige Tochter gehabt, mit der er seit dem Tode seiner Frau sehr

nahe zusammen gelebt hatte und die seine ganze Freude gewesen war. Vor

einigen Monaten war ihm das blühende Mädchen durch den Tod entrissen

worden. Seither sah man den Herrn Doktor nie mehr so recht fröhlich,

wie er vorher fast immer gewesen war.

Auf den Zug an der Hausglocke öffnete Sebastian mit großer

Zuvorkommenheit die Eingangstür und machte gleich alle Bewegungen

eines ergebenen Dieners; denn der Herr Doktor war nicht nur der

erste Freund des Hausherrn und dessen Töchterchen, durch seine

Freundlichkeit hatte er sich, wie überall, die sämtlichen Hausbewohner

zu guten Freunden gemacht.

»Alles beim alten, Sebastian?« fragte der Herr Doktor wie gewohnt mit

freundlicher Stimme und ging die Treppe hinauf, gefolgt von Sebastian,

der nicht aufhörte, allerlei Zeichen der Ergebenheit zu machen,

obschon der Herr Doktor sie eigentlich nicht sehen konnte, denn er

kehrte dem Nachfolgenden den Rücken.

»Gut, daß du kommst, Doktor«, rief Herr Sesemann dem Eintretenden

entgegen. »Wir müssen durchaus noch einmal die Schweizerreise

besprechen, ich muß von dir hören, ob du unter allen Umständen bei

deinem Ausspruche bleibst, auch nachdem nun bei Klärchen entschieden

ein besserer Zustand eingetreten ist.«

»Mein lieber Sesemann, wie kommst du mir denn vor?« entgegnete der

Angekommene, indem er sich zu seinem Freunde hinsetzte. »Ich möchte

wirklich wünschen, daß deine Mutter hier wäre; mit der wird alles

gleich klar und einfach und kommt ins rechte Geleise. Mit dir aber ist

ja kein Fertigwerden. Du lässest mich heute zum dritten Male zu dir

kommen, damit ich dir immer noch einmal dasselbe sage. -

»Ja, du hast recht, die Sache muß dich ungeduldig machen, aber du mußt

doch begreifen, lieber Freund« - und Herr Sesemann legte seine Hand

wie bittend auf die Schulter seines Freundes -, »es wird mir gar zu

schwer, dem Kinde zu versagen, was ich ihm so bestimmt versprochen

hatte und worauf es sich nun monatelang Tag und Nacht gefreut hat.

Auch diese letzte schlimme Zeit hat das Kind so geduldig ertragen,

immer in der Hoffnung, daß die Schweizerreise nahe sei und daß es

seine Freundin Heidi auf der Alp besuchen könne; und nun soll ich

dem guten Kinde, das ja sonst schon so vieles entbehren muß, die

langgenährte Hoffnung mit einemmal wieder durchstreichen - das ist mir

fast nicht möglich.«

»Sesemann, das muß sein«, sagte sehr bestimmt der Herr Doktor, und als

sein Freund stillschweigend und niedergeschlagen dasaß, fuhr er nach

einer Weile fort: »Bedenke doch, wie die Sache steht. Klara hat seit

Jahren keinen so schlimmen Sommer gehabt, wie dieser letzte war.

Von einer so großen Reise kann keine Rede sein, ohne daß wir die

schlimmsten Folgen zu befürchten hätten. Dazu sind wir nun in den

September eingetreten, da kann es ja noch schön sein oben auf der Alp,

es kann aber auch schon sehr kühl werden. Die Tage sind nicht mehr

lang, und oben bleiben und da die Nächte zubringen kann Klara doch nun

gar nicht. So hätte sie kaum ein paar Stunden oben zu verweilen. Der

Weg von Bad Ragaz dort hinauf muß ja schon mehrere Stunden dauern,

denn zur Alp hinauf muß sie entschieden im Sessel getragen werden.

Kurz, Sesemann, es kann nicht sein! Aber ich will mit dir hineingehen

und mit Klara reden, sie ist ja ein vernünftiges Mädchen, ich will

ihr meinen Plan mitteilen. Im kommenden Mai soll sie erst nach Ragaz

hinkommen; dort soll eine längere Badekur unternommen werden, so

lange, bis es hübsch warm wird oben auf der Alp. Dann kann sie dort

von Zeit zu Zeit hinaufgetragen werden, da wird sie diese Bergpartien

erfrischt und gestärkt, wie sie dann sein wird, ganz anders genießen,

als es jetzt geschähe. Du begreifst auch, Sesemann, wenn wir noch eine

leise Hoffnung für den Zustand deines Kindes aufrechterhalten wollen,

so haben wir die äußerste Schonung und die sorgfältigste Behandlung zu

beobachten.«

Herr Sesemann, der bis dahin schweigend und mit dem Ausdrucke

trauriger Ergebung zugehört hatte, fuhr jetzt auf einmal empor:

»Doktor«, rief er aus, »sag es mir ehrlich: Hast du wirklich noch

Hoffnung auf eine Änderung dieses Zustandes?«

Der Herr Doktor zuckte die Achseln. »Wenig«, sagte er halblaut. »Aber

komm, denk einmal einen Augenblick an mich, lieber Freund! Hast du

nicht ein liebes Kind, das nach dir verlangt und sich auf deine

Heimkehr freut, wenn du weg bist? Nie mußt du in ein verödetes Haus

zurückkehren und dich allein an deinen Tisch hinsetzen. Und dein

Kind hat's auch gut daheim. Muß es auch vieles entbehren, was andere

genießen können, so ist es in manch anderem auch vor vielen bevorzugt.

Nein, Sesemann, ihr seid nicht so sehr zu beklagen, ihr habt es doch

recht gut, so zusammenzusein; denk an mein einsames Haus!«

Herr Sesemann war aufgestanden und ging nun mit großen Schritten im

Zimmer auf und ab, wie er immer zu tun pflegte, wenn ihn irgendeine

Sache stark beschäftigte. Auf einmal stand er vor seinem Freunde still

und klopfte ihm auf die Schulter.

»Doktor, ich habe einen Gedanken: Ich kann dich nicht so sehen, du

bist ja gar nicht mehr der alte. Du mußt ein wenig aus dir heraus, und

weißt du, wie? Du sollst die Reise unternehmen und das Kind Heidi auf

seiner Alp besuchen in unser aller Namen.«

Der Herr Doktor war sehr überrascht von dem Vorschlage und wollte sich

dagegen wehren, aber Herr Sesemann ließ ihm keine Zeit. Er war so

erfreut und erfüllt von seiner neuen Idee, daß er den Freund unter

den Arm faßte und nach dem Zimmer seines Töchterchens hinüberzog.

Der gute Herr Doktor war für die kranke Klara immer eine erfreuliche

Erscheinung, denn er hatte sie von jeher mit einer großen

Freundlichkeit behandelt und ihr jedesmal, wenn er kam, etwas Lustiges

und Erheiterndes zu erzählen gewußt. Warum er das jetzt nicht mehr

konnte, wußte sie wohl und hätte so gern ihn wieder froh gemacht. Sie

streckte ihm gleich die Hand entgegen, und er setzte sich zu ihr hin.

Herr Sesemann rückte seinen Stuhl auch heran, und indem er Klara bei

der Hand faßte, fing er an von der Schweizerreise zu reden und wie er

sich selbst darauf gefreut hatte. Über den Hauptpunkt aber, daß sie

nun unmöglich mehr stattfinden könnte, glitt er eilig hinweg, denn

er fürchtete sich ein wenig vor den kommenden Tränen. Dann ging

er schnell auf den neuen Gedanken über und machte Klara darauf

aufmerksam, wie wohltätig es für ihren guten Freund wäre, wenn er

diese Erholungsreise unternehmen würde.

Die Tränen waren wirklich aufgestiegen und schwammen in den blauen

Augen, wie sehr sich auch Klara Mühe gab, sie niederzudrücken, denn

sie wußte, wie ungern der Papa sie weinen sah. Aber es war auch hart,

daß nun alles aus sein sollte, und den ganzen Sommer hindurch war die

Aussicht auf die Reise zum Heidi ihre einzige Freude und ihr Trost

gewesen in all den langen, einsamen Stunden, die sie durchlebt hatte.

Aber Klara war nicht gewohnt zu markten, sie wußte recht gut, daß der

Papa ihr nur versagte, was zum Bösen führen würde und darum nicht sein

durfte. Sie schluckte ihre Tränen hinunter und wandte sich nun der

einzigen Hoffnung zu, die ihr blieb. Sie nahm die Hand ihres guten

Freundes und streichelte sie und bat flehentlich:

»O bitte, Herr Doktor, nicht wahr, Sie gehen zum Heidi, und dann

kommen Sie, um mir alles zu erzählen, wie es ist dort oben und was das

Heidi macht und der Großvater und der Peter und die Geißen, ich kenne

sie alle so gut! Und dann nehmen Sie mit, was ich dem Heidi schicken

will, ich habe schon alles ausgedacht und auch etwas für die

Großmutter. Bitte, Herr Doktor, tun Sie's doch; ich will auch gewiß

unterdessen Fischtran nehmen, soviel Sie nur wollen.«

Ob dieses Versprechen der Sache den Ausschlag gab, kann man nicht

wissen, aber es ist anzunehmen, denn der Herr Doktor lächelte und

sagte: »Dann muß ich ja wohl gehen, Klärchen, so wirst du uns einmal

rund und fest, wie wir dich haben wollen, Papa und ich. Und wann muß

ich denn reisen, hast du das schon bestimmt?«

»Am liebsten gleich morgen früh, Herr Doktor«, entgegnete Klara.

»Ja, sie hat recht«, fiel hier der Vater ein; »die Sonne scheint, der

Himmel ist blau, es ist keine Zeit zu verlieren, für jeden solchen Tag

ist es schade, den du noch nicht auf der Alp genießen kannst.«

Der Herr Doktor mußte ein wenig lachen: »Nächstens wirst du mir

vorwerfen, daß ich noch da bin, Sesemann; so muß ich wohl machen, daß

ich fortkomme.«

Aber Klara hielt den Aufstehenden fest; erst mußte sie ihm ja

noch alle Aufträge an das Heidi übergeben und ihm noch so vieles

anempfehlen, das er recht betrachten und ihr dann davon erzählen

sollte. Die Sendung an das Heidi konnte ihm erst später zugeschickt

werden, denn Fräulein Rottenmeier mußte erst alles verpacken helfen;

sie war aber eben auf einer ihrer Wanderungen durch die Stadt

begriffen, von denen sie nicht so schnell zurückkehrte.

Der Herr Doktor versprach, alles genau auszurichten, die Reise, wenn

nicht am Morgen früh, so doch womöglich noch im Laufe des folgenden

Tages anzutreten und dann bei seiner Heimkehr getreulich Bericht zu

erstatten über alles, was er gesehen und erlebt haben würde.

Die Diener eines Hauses haben oft eine merkwürdige Gabe, die Dinge zu

erfassen, die im Hause ihrer Herren vor sich gehen, lange bevor diese

dazu kommen, ihnen Mitteilung davon zu machen. Sebastian und Tinette

mußten diese Gabe in hohem Grade besitzen, denn eben, als der Herr

Doktor, von Sebastian begleitet, die Treppe hinunterging, trat Tinette

ins Zimmer der Klara ein, die nach dem Mädchen geschellt hatte.

»Holen Sie diese Schachtel voll ganz frischer, weicher Kuchen, wie

wir sie zum Kaffee haben, Tinette«, sagte Klara und deutete auf die

Schachtel hin, die schon lange bereitgestanden hatte. Tinette erfaßte

das bezeichnete Ding an einer Ecke und ließ es verächtlich an ihrer

Hand baumeln. Unter der Türe sagte sie schnippisch:

»Es ist wohl der Mühe wert.«

Als der Sebastian unten mit gewohnter Höflichkeit die Türe aufgemacht

hatte, sagte er mit einem Bückling:

»Wenn der Herr Doktor wollten so freundlich sein und dem Mamsellchen

auch einen Gruß vom Sebastian bestellen.«

»Ah, sieh da, Sebastian«, sagte der Herr Doktor freundlich; »so wissen

Sie denn auch schon, daß ich reise?«

Sebastian mußte ein wenig husten.

»Ich bin... ich habe... ich weiß selbst nicht mehr recht... ach ja,

jetzt erinnere ich mich: Ich bin eben zufällig durch das Eßzimmer

gegangen, da habe ich den Namen des Mamsellchens aussprechen gehört,

und wie es so geht, man hängt dann so einen Gedanken an den anderen an

und so... und in der Weise...«

»Jawohl, jawohl«, lächelte der Herr Doktor, »und je mehr Gedanken

einer hat, je mehr wird er inne. Auf Wiedersehen, Sebastian, der Gruß

wird bestellt.«

Jetzt wollte der Herr Doktor gerade durch die offene Haustür enteilen,

aber er traf auf ein Hindernis: Der starke Wind hatte Fräulein

Rottenmeier verhindert, ihre Wanderung weiter fortzusetzen; eben

war sie zurückgekehrt und wollte ihrerseits durch die offene Tür

eintreten. Der Wind hatte ihr weites Tuch, in das sie sich gehüllt

hatte, aber dergestalt aufgebläht, daß es gerade so anzusehen war, als

habe sie die Segel aufgespannt. Der Herr Doktor wich augenblicklich

zurück. Aber gegen diesen Mann hatte Fräulein Rottenmeier von jeher

eine besondere Anerkennung und Zuvorkommenheit an den Tag gelegt. Auch

sie wich mit ausgesuchter Höflichkeit zurück, und eine Weile standen

die beiden mit rücksichtsvoller Gebärde da und machten einander

gegenseitig Platz. Jetzt aber kam ein so starker Windstoß, daß

Fräulein Rottenmeier auf einmal mit vollen Segeln gegen den Doktor

heranflog. Er konnte eben noch ausweichen; die Dame aber wurde

noch ein gutes Stück über ihn hinausgetrieben, so daß sie wieder

zurückkehren mußte, um nun den Freund des Hauses mit Anstand zu

begrüßen. Der gewalttätige Vorgang hatte sie ein wenig verstimmt, aber

der Herr Doktor hatte eine Art und Weise, die ihr gekräuseltes Gemüt

bald glättete und eine sanfte Stimmung darüber verbreitete. Er teilte

ihr seinen Reiseplan mit und bat sie in der einnehmendsten Weise,

ihm die Sendung an das Heidi so zu verpacken, wie nur sie zu packen

verstehe. Dann empfahl sich der Herr Doktor.

Klara erwartete, daß sie erst einige Kämpfe mit Fräulein Rottenmeier

zu bestehen haben würde, bevor diese ihre Zustimmung zum Absenden all

der Gegenstände geben werde, die Klara für das Heidi bestimmt hatte.

Aber diesmal hatte sie sich getäuscht: Fräulein Rottenmeier war

ausnehmend gut gelaunt. Sogleich räumte sie alles weg, was auf dem

großen Tische lag, um die Dinge alle, die Klara zusammengebracht

hatte, darauf auszubreiten und dann vor ihren Augen die Sendung zu

verpacken. Es war keine leichte Arbeit, denn die Gegenstände, die

da zusammengerollt werden sollten, waren vielgestaltig. Erst kam

der kleine dicke Mantel mit der Kapuze, den Klara für das Heidi

ausgesonnen hatte, damit es im kommenden Winter die Großmutter

besuchen könnte, wann es wollte, und nicht warten müßte, bis der

Großvater kommen konnte und es dann in den Sack eingewickelt werden

mußte, damit es nicht erfriere. Dann kam ein dickes, warmes Tuch für

die alte Großmutter, damit sie sich darin einhülle und nicht frieren

müsse, wenn der Wind wieder so schaurig um die Hütte klappern würde.

Dann kam die große Schachtel mit den Kuchen; die war auch für die

Großmutter bestimmt, daß sie zu ihrem Kaffee auch einmal etwas anderes

als ein Brötchen zu essen habe. Jetzt folgte eine ungeheure Wurst;

die hatte Klara ursprünglich für den Peter bestimmt, weil er doch

nie etwas anderes als Käse und Brot bekam. Aber sie hatte sich jetzt

anders besonnen, denn sie fürchtete, der Peter könnte vor Freuden die

ganze Wurst auf einmal aufessen. Darum sollte die Mutter Brigitte

diese bekommen und erst für sich und die Großmutter einen guten Teil

davon nehmen und dem Peter den seinigen in verschiedenen Lieferungen

abgeben. Jetzt kam noch ein Säckchen Tabak; der war für den Großvater,

der ja so gern ein Pfeifchen rauchte, wenn er am Abend vor der Hütte

saß. Zuletzt kam noch eine Anzahl geheimnisvoller Säckchen, Päckchen

und Schächtelchen, welche Klara mit besonderer Freude zusammengekramt

hatte, denn da sollte das Heidi allerhand Überraschungen finden, die

ihm große Freude machen würden. Endlich war das Werk beendet, und ein

stattlicher Ballen lag reisefertig an der Erde. Fräulein Rottenmeier

schaute darauf nieder, in tiefsinnige Betrachtungen über die Kunst zu

packen versunken. Klara ihrerseits warf Blicke froher Erwartung darauf

hin, denn sie sah das Heidi vor sich, wie es vor Überraschung in die

Höhe springen und aufjauchzen würde, wenn das ungeheure Paket bei ihm

anlangte.

Jetzt trat Sebastian herein und hob mit einem starken Schwung den

Ballen auf seine Schulter, um ihn unverzüglich nach dem Hause des

Herrn Doktors zu spedieren.

Ein Gast auf der Alm

Das Frührot glühte über den Bergen, und ein frischer Morgenwind

rauschte durch die Tannen und wogte die alten Äste mächtig hin und

her. Das Heidi schlug seine Augen auf, der Ton hatte es erweckt.

Dieses Rauschen packte das Heidi immer im Innersten seines Wesens und

zog es mit Gewalt hinaus unter die Tannen. Es schoß von seinem Lager

auf und hatte kaum Zeit, sich fertigzumachen; das mußte aber doch

sein, denn Heidi wußte nun recht gut, daß man immer sauber und

ordentlich aussehen muß. Jetzt kam es von dem Leiterchen herunter; des

Großvaters Lager war schon leer; es sprang hinaus. Draußen vor der Tür

stand der Großvater und schaute den Himmel nach allen Seiten hin an,

wie er jeden Morgen tat, um zu sehen, wie der Tag werden wollte.

Es zogen rosige Wölkchen oben hin, und mehr und mehr blaute der

Himmel, und drüben floß es wie lauter Gold über die Höhen und das

Weideland, denn eben kam droben die Sonne über die hohen Felsen

heraufgestiegen.

»O wie schön! O wie schön! Guten Tag, Großvater«, rief das Heidi

heranspringend.

»So, sind deine Augen auch schon hell?« gab der Großvater zurück, dem

Heidi die Hand zum Morgengruß hinhaltend.

Jetzt lief das Heidi unter die Tannen und hüpfte vor Freuden über das

Tosen und Sausen da droben unter den wogenden Ästen herum, und bei

jedem neuen Windstoß und lauten Wipfelbrausen jauchzte es auf vor

Wonne und sprang noch ein wenig höher.

Unterdessen war der Großvater zum Stalle hingegangen und hatte dem

Schwänli und Bärli die Milch abgenommen; dann hatte er beide schön

geputzt und gewaschen zur Bergreise und brachte sie nun auf den Platz

heraus. Als das Heidi seine Freunde erblickte, kam es herangesprungen

und faßte sie beide um den Hals, begrüßte sie zärtlich, und sie

meckerten fröhlich und zutraulich, und jede von den Geißen wollte dem

Heidi mehr Zuneigung beweisen und drückte ihren Kopf noch immer näher

an seine Schultern heran, so daß es zwischen den zweien fast zerdrückt

wurde. Aber das Heidi hatte keine Furcht, und wenn das lebhafte Bärli

gar zu arg bohrte und drängte mit seinem Kopfe, dann sagte das Heidi:

»Nein, Bärli, du stößt ja wie der große Türk«, und augenblicklich zog

Bärli seinen Kopf zurück und stellte sich ganz anständig hin, und das

Schwänli hatte auch schon seinen Kopf in die Höhe gereckt und machte

eine vornehme Gebärde, so daß man deutlich sehen konnte, es dachte bei

sich: Das soll mir denn keiner nachsagen, daß ich mich benehme wie der

Türk. Denn das schneeweiße Schwänli war noch ein wenig vornehmer als

das braune Bärli.

Jetzt hörte man von unten herauf die Pfiffe des Peter ertönen, und

bald kamen sie heraufgesprungen, die lustigen Geißen alle, voran der

flinke Distelfink in hohen Sprüngen. Gleich war das Heidi wieder

mitten in dem Rudel drin, und vor lauter stürmischen Begrüßungen wurde

es hin- und hergeschoben, und dann schob es wieder ein wenig, denn

es wollte zu dem schüchternen Schneehöppli vordringen, das ja von

den größeren immer wieder weggedrängt wurde, wenn es dem Heidi

entgegenstrebte.

Nun kam der Peter heran und tat einen letzten, fürchterlichen Pfiff,

der sollte die Geißen aufscheuchen und der Weide zujagen, denn er

wollte Platz bekommen, um dem Heidi etwas zu sagen. Die Geißen

sprangen ein wenig auseinander auf den Pfiff hin; so konnte der Peter

vorrücken und sich nun vor das Heidi hinstellen.

»Du kannst einmal wieder mitkommen heut«, war seine etwas störrige

Anrede.

»Nein, das kann ich nicht, Peter«, entgegnete das Heidi. »Jeden

Augenblick können sie jetzt von Frankfurt kommen, und dann muß ich

daheim sein.«

»Das hast du schon manchmal gesagt«, brummte der Peter.

»Es gilt aber immer noch, und es gilt, bis sie kommen«, gab das Heidi

zurück. »Oder meinst du etwa, ich müsse nicht daheim sein, wenn sie

von Frankfurt zu mir kommen? Meinst du etwa so etwas, Peter?«

»Sie können zum Öhi kommen«, versetzte der Peter knurrend.

Jetzt ertönte von der Hütte her die kräftige Stimme des Großvaters:

»Warum geht's nicht vorwärts mit der Armee? Fehlt's am Feldmarschall

oder an den Truppen?«

Augenblicklich machte der Peter kehrum, schwang seine Rute in der

Luft, daß sie sauste und alle Geißen, die den Ton wohl kannten, auf

und davon rannten, der Peter hinter ihnen drein, alle miteinander in

vollem Trabe den Berg hinan.

Seit das Heidi wieder daheim beim Großvater war, kam ihm hier und da

etwas in den Sinn, woran es vorher nicht gedacht hatte. So machte es

jetzt alle Morgen mit großer Anstrengung sein Bett zurecht und strich

so lange daran herum, bis es ganz glatt aussah. Dann lief es in der

Hütte hin und her, stellte jeden Stuhl an seinen Ort, und was etwa

da und dort herumlag oder -hing, das kramte es alles in den Schrank

hinein. Dann holte es einen Lappen herbei, kletterte auf einen Stuhl

hinauf und rieb so lange mit seinem Lappen auf dem Tische herum, bis

dieser ganz blank war. Wenn dann der Großvater wieder hereinkam,

schaute er wohlgefällig um sich und sagte etwa: »Bei uns ist's jetzt

immer wie Sonntag, das Heidi ist nicht vergebens in der Fremde

gewesen.«

Auch heute hatte Heidi, nachdem der Peter fortgetrabt war und es mit

dem Großvater gefrühstückt hatte, sich gleich an seine Geschäfte

gemacht, aber es wurde fast nicht fertig damit. Draußen war es heut

morgen gar so schön, und alle Augenblicke geschah wieder etwas, was

das Kind in seiner Tätigkeit unterbrach. Jetzt kam durch das offene

Fenster ein Sonnenstrahl so lustig hereingeschossen, und es war

geradezu, als riefe er: »Komm heraus, Heidi, komm heraus!« Da konnte

es nicht mehr drinnen bleiben, es rannte hinaus. Da lag der funkelnde

Sonnenschein um die ganze Hütte herum, und auf allen Bergen glänzte

er und weit, weit das Tal hinunter, und der Boden dort am Abhang sah

so goldig und trocken aus, es mußte ein wenig darauf niedersetzen

und umherschauen. Dann kam ihm auf einmal in den Sinn, daß das

Dreibeinstühlchen noch mitten in der Hütte stand und der Tisch noch

nicht geputzt war vom Morgenessen. Nun sprang es schnell auf und lief

in die Hütte zurück. Aber es währte gar nicht lange, so sauste es

draußen so mächtig durch die Tannen, daß es dem Heidi in alle Glieder

fuhr, es mußte schon wieder hinaus und ein wenig mithüpfen, wenn alle

Zweige da droben hin und her wogten und rollten. Der Großvater hatte

einstweilen hinten im Schopf allerlei Arbeit zu verrichten; er trat

von Zeit zu Zeit unter die Tür hinaus und schaute lächelnd Heidis

Sprüngen zu. Eben war er wieder zurückgetreten, als mit einemmal das

Heidi laut aufschrie:

»Großvater, Großvater! Komm, komm!«

Er trat rasch wieder heraus, fast erschrocken, was mit dem Kinde sei.

Da sah er, wie dieses dem Abhange zulief, laut schreiend: »Sie kommen,

sie kommen! Und voran der Herr Doktor!«

Das Heidi stürzte seinem alten Freunde entgegen. Dieser streckte

grüßend die Hand aus. Wie das Kind ihn erreicht hatte, umfaßte es

zärtlich den ausgestreckten Arm und rief in voller Herzensfreude:

»Guten Tag, Herr Doktor! Und ich danke auch noch vieltausendmal!«

»Grüß Gott, Heidi! Und wofür dankst du denn schon?« fragte freundlich

lächelnd der Herr Doktor.

»Daß ich wieder heim konnte zum Großvater«, erklärte ihm das Kind.

Dem Herrn Doktor ging's wie ein Sonnenschein über das Gesicht.

Diesen Empfang auf der Alp hatte er nicht erwartet. Im Gefühl seiner

Einsamkeit war er unter tiefsinnigen Gedanken den Berg hinaufgestiegen

und hatte noch nicht einmal gesehen, wie schön es um ihn her war und

daß es immer schöner wurde. Er hatte angenommen, das Kind Heidi werde

ihn kaum mehr kennen; es hatte ihn so wenig gesehen, und er kam sich

vor wie einer, der kommt, den Leuten eine Enttäuschung zu bereiten,

und den sie darum nicht ansehen mögen, weil er ja die erwarteten

Freunde nicht mitbrachte. Statt dessen leuchtete dem Heidi die helle

Freude aus den Augen, und voller Dank und Liebe hielt es immer noch

den Arm seines guten Freundes fest.

Mit väterlicher Zärtlichkeit nahm der Herr Doktor das Kind bei der

Hand. »Komm, Heidi«, sagte er in freundlichster Weise, »führe mich nun

zu deinem Großvater und zeige mir, wo du daheim bist.«

Aber das Heidi blieb noch stehen und schaute verwundert den Berg

hinunter.

»Wo sind denn Klara und die Großmama?« fragte es jetzt.

»Ja, nun muß ich dir's sagen, was dir leid tun wird wie mir auch«,

erwiderte der Herr Doktor. »Sieh, Heidi, ich komme allein. Klara war

recht krank und konnte nicht mehr reisen, und so kam auch die Großmama

nicht mit. Aber dann im Frühjahr, wenn die Tage wieder warm und schön

lang werden, dann kommen sie ganz sicher.«

Das Heidi stand sehr betroffen da; es konnte gar nicht fassen, daß es

nun alles, was es so sicher vor sich gesehen hatte, auf einmal gar

nicht mehr sehen sollte. Regungslos stand es eine Weile wie verwirrt

von dem Unerwarteten. Schweigend stand der Herr Doktor vor ihm, und

ringsum war alles still, nur hoch oben hörte man den Wind durch die

Tannen sausen. Da fiel es dem Heidi auf einmal wieder ein, warum es

heruntergelaufen sei und daß der Herr Doktor ja gekommen sei. Es

schaute zu ihm auf. Da lag etwas so Trauriges in den Augen, die zu ihm

niederschauten, wie es noch gar nicht gesehen hatte. So war es nie

gewesen, wenn der Herr Doktor in Frankfurt es angeblickt hatte. Das

ging dem Heidi zu Herzen; es konnte nicht sehen, daß jemand traurig

war, und nun gar der gute Herr Doktor. Gewiß war er so, weil Klara und

die Großmama nicht hatten mitkommen können. Es suchte schnell nach

einem Trost und fand ihn.

»Oh, es währt gewiß nicht lange, bis es wieder Frühling wird, und dann

kommen sie ja bestimmt«, tröstete das Heidi. »Bei uns währt es gar

nie lange, und dann können sie ja viel länger dableiben, das will die

Klara gewiß noch lieber. Und jetzt wollen wir zum Großvater hinauf.«

Hand in Hand mit dem guten Freunde stieg es nun zu der Hütte hinan. Es

war dem Heidi so sehr daran gelegen, den Herrn Doktor wieder froh zu

machen, daß es ihn noch einmal zu überzeugen anfing, es währe so wenig

lange auf der Alm, bis die langen, warmen Sommertage wiederkommen, daß

man es kaum merke, und dabei wurde das Heidi selbst so überzeugt von

seinem Trost, daß es oben dem Großvater ganz fröhlich entgegenrief:

»Sie sind noch nicht da, aber es währt gar nicht lange, so kommen sie

auch.«

Für den Großvater war der Herr Doktor kein Fremder, das Kind hatte ja

so viel von ihm gesprochen. Der Alte streckte seinem Gaste die Hand

entgegen und bewillkommte ihn mit Herzlichkeit. Dann setzten sich die

Männer auf die Bank an der Hütte. Auch für das Heidi wurde da noch ein

Plätzchen gemacht, und der Herr Doktor winkte ihm freundlich, daß es

neben ihm sitzen solle. Nun fing er an zu erzählen, wie Herr Sesemann

ihn ermuntert habe, die Reise zu machen, und wie er auch selbst

gefunden, es möchte gut für ihn sein, da er sich seit langem nicht

mehr recht frisch und rüstig fühle. Dem Heidi sagte er dann ins Ohr,

es werde bald noch etwas den Berg heraufkommen, das aus Frankfurt mit

hergereist sei und ihm eine viel größere Freude machen werde als der

alte Doktor. Das Heidi war sehr gespannt darauf zu erfahren, was

das sein könne. Der Großvater ermunterte den Herrn Doktor sehr, die

schönen Herbsttage noch auf der Alm zuzubringen oder wenigstens an

jedem schönen Tage heraufzukommen, denn hier oben zu bleiben, dazu

konnte ihn der Almöhi nicht einladen, da war ja keine Gelegenheit, den

Herrn zu logieren. Er riet aber seinem Gaste, nicht bis nach Ragaz

zurückzukehren, sondern unten im Dörfli ein Zimmer zu beziehen, das er

im dortigen Wirthause in einer einfachen, aber ganz ordentlichen Art

finden werde. So könnte der Herr Doktor jeden Morgen nach der Alm

heraufkommen, was ihm wohltun müßte, meinte der Öhi, auch würde er

dann gern den Herrn noch auf allerlei Punkte führen, weiter hinauf

in die Berge, wo es ihm gefallen sollte. Diesem gefiel der ganze

Vorschlag sehr wohl, und es wurde festgesetzt, daß er ausgeführt

werden sollte.

Unterdessen war die Sonne in den Mittag gekommen; der Wind hatte sich

schon lange gelegt, und die Tannen waren ganz still geworden. Die Luft

war für die Höhe noch mild und lieblich und säuselte erfrischende

Kühle um die sonnenbeschienene Bank.

Jetzt stand der Almöhi auf und ging in die Hütte hinein, kam aber

gleich wieder und brachte einen Tisch heraus, den er vor die Bank

hinstellte.

»So, Heidi, nun hol herbei, was wir zum Essen brauchen«, sagte er.

»Der Herr muß nun vorlieb nehmen; ist unsere Küche auch einfach, so

ist das Eßzimmer doch anständig.«

»Das meine ich auch«, erwiderte der Herr Doktor, indem er auf das

sonnenbeleuchtete Tal hinunterschaute, »und die Einladung nehme ich

an, hier oben muß es schmecken.«

Das Heidi lief nun hin und her wie ein Wiesel und brachte herbei,

was es nur drinnen im Schranke finden konnte, denn daß es den Herrn

Doktor bewirten durfte, war ihm eine ungeheure Freude. Der Großvater

bereitete unterdessen das Mahl und trat nun heraus mit dem dampfenden

Milchkruge und dem goldig glänzenden Käsebraten. Dann schnitt er

schöne, durchsichtige Schnitten von dem rosigen Fleisch herunter, das

er hier oben an der reinen Luft getrocknet hatte. Dem Herrn Doktor

schmeckte sein Mittagsmahl so gut wie das ganze Jahr durch noch kein

einziges Mal.

»Ja, ja, hierhin muß unsere Klara kommen«, sagte er jetzt. »Da wird

sie zu ganz neuen Kräften gelangen, und wenn sie eine Zeitlang ißt wie

ich heute, so wird sie rund und fest werden, wie sie in ihrem Leben

noch nie war.«

Jetzt kam von unten herauf einer angestiegen, der hatte einen großen

Ballen auf dem Rücken. Wie er oben bei der Hütte ankam, warf er seine

Last auf den Boden hin und zog ein paar gute Züge von der frischen

Almluft ein.

»Ah, da kommt, was mit mir von Frankfurt hergereist ist«, sagte der

Herr Doktor aufstehend, und das Heidi mit sich ziehend, trat er an den

Ballen hin und fing an, ihn aufzulösen. Als die erste schwere Hülle

weg war, sagte er: »So, Kind, nun fahr weiter fort und hol dir deine

Schätze selbst heraus.«

Das Heidi tat so, und wie nun alles auseinanderrollte, schaute es mit

großen, verwunderten Augen auf die Dinge hin. Erst als der Herr Doktor

wieder herzutrat und von der großen Schachtel den Deckel weghob, dem

Heidi bedeutend: »Sieh, was die Großmutter zum Kaffee bekommt«, da

schrie es auf vor Freuden: »Oh! Oh! Jetzt kann die Großmutter einmal

schöne Kuchen essen!« und sprang rings um die Schachtel herum und

wollte gleich alles zusammenpacken und zur Großmutter hinuntereilen.

Aber der Großvater sagte, gegen Abend wollten sie dann miteinander den

Herrn Doktor begleiten und die Sachen mitnehmen. Jetzt fand das Heidi

auch das schöne Säckchen Tabak und brachte es schnell dem Großvater

herüber. Das gefiel ihm sehr wohl. Er füllte gleich sein Pfeifchen

damit, und die beiden Männer sprachen nun, auf der Bank sitzend und

große Rauchwolken von sich blasend, über allerhand Dinge, während das

Heidi hin und her sprang von einem seiner Schätze zum andern. Auf

einmal kam es wieder zu der Bank zurück, stellte sich vor den Gast

hin, und sowie die erste Pause im Gespräch entstand, sagte es sehr

bestimmt:

»Nein, das andere hat mir nicht mehr Freude gemacht als der alte Herr

Doktor.«

Die beiden Männer mußten ein wenig lachen, und der Herr Doktor sagte,

das hätte er nicht gedacht.

Als die Sonne halb hinter die Berge hinabsteigen wollte, stand der

Gast auf, um seine Rückreise nach dem Dörfli anzutreten und dort

Quartier zu nehmen. Der Großvater packte die Kuchenschachtel, die

große Wurst und das Tuch unter seinen Arm, der Herr Doktor nahm das

Heidi an die Hand, und so wanderten sie den Berg hinunter bis zur

Geißenpeter-Hütte. Hier mußte das Heidi Abschied nehmen. Es sollte

drinnen bei der Großmutter warten, bis es wieder abgeholt würde vom

Großvater, welcher seinen Gast nach dem Dörfli hinunter geleiten

wollte. Als der Herr Doktor dem Heidi die Hand zum Abschied bot,

fragte es: »Wollen Sie etwa gern morgen mit den Geißen auf die Weide

hinaufgehen?«, denn das war das Schönste, was es kannte.

»Es bleibt dabei, Heidi«, erwiderte er, »wir gehen zusammen.«

Nun gingen die Männer weiter, und das Heidi trat bei der Großmutter

ein. Erst schleppte es mit Anstrengung die Kuchenschachtel mit, dann

mußte es wieder hinaus, um die Wurst zu holen, denn der Großvater

hatte alles vor der Tür niedergelegt. Nachher mußte es erst noch

einmal hinaus, das große Tuch zu holen. Es brachte alles so nahe an

die Großmutter heran als nur möglich, damit sie recht alles berühren

könne und wisse, was es sei. Das Tuch legte es ihr auf die Knie.

»Es ist alles aus Frankfurt, von der Klara und der Großmama«,

berichtete es der hocherstaunten Großmutter und der verwunderten

Brigitte, der die Überraschung so in die Glieder gefahren war, daß

sie unbeweglich zugeschaut hatte, wie das Heidi mit der größten

Anstrengung die schweren Gegenstände hereingeschleppt und nun alles

vor ihren Augen ausgebreitet hatte.

»Aber gelt, Großmutter, die Kuchen freuen dich furchtbar stark?

Sieh nur, wie weich sie sind!« rief das Heidi immer wieder, und die

Großmutter bestätigte: »Ja, ja, gewiß, Heidi, was sind das auch für

gute Leute!« Dann strich sie wieder mit der Hand über das warme,

weiche Tuch und sagte: »Aber das ist etwas Herrliches für den kalten

Winter! Das ist etwas so Prächtiges, daß ich nie geglaubt hätte, ich

könnte in meinem Leben dazu kommen.«

Das Heidi aber mußte sich sehr verwundern, daß die Großmutter an dem

grauen Tuch noch mehr Freude haben konnte als an den Kuchen. Die

Brigitte stand immer noch vor der Wurst, die auf dem Tische lag, und

schaute sie fast mit Verehrung an. In ihrem ganzen Leben hatte sie

nie eine solche Riesenwurst gesehen, und diese sollte sie nun selbst

besitzen und einmal sogar anschneiden; das kam ihr unglaublich vor.

Sie schüttelte den Kopf und sagte zaghaft: »Man wird doch noch den Öhi

fragen müssen, wie das gemeint sei.«

Aber das Heidi sagte ganz ohne Zweifel:

»Das ist zum Essen gemeint und gar nicht anders.«

Jetzt kam der Peter hereingestolpert: »Der Almöhi kommt hinter mir

drein, das Heidi soll...«; er konnte nicht mehr weiter. Seine Blicke

waren auf den Tisch gefallen, wo die Wurst lag, und der Anblick hatte

ihn so überwältigt, daß er kein Wort mehr fand. Aber das Heidi hatte

schon gemerkt, was kommen sollte, und gab schnell der Großmutter die

Hand. Der Almöhi ging zwar jetzt nie mehr an der Hütte vorbei, ohne

schnell hereinzutreten und die Großmutter zu grüßen, und sie freute

sich auch immer, wenn sie seinen Schritt hörte, denn er hatte jedesmal

ein ermunterndes Wort für sie; aber heute war es spät geworden für das

Heidi, das alle Morgen mit der Sonne draußen war. Der Großvater aber

sagte: »Das Kind muß seinen Schlaf haben«, und dabei blieb er. So rief

er durch die offene Tür der Großmutter nur eine gute Nacht zu und nahm

das heranspringende Heidi bei der Hand, und unter dem flimmernden

Sternenhimmel hin wanderten die beiden ihrer friedlichen Hütte zu.

Eine Vergeltung

Am anderen Morgen in der Frühe stieg der Herr Doktor vom Dörfli den

Berg hinan in der Gesellschaft des Peter und seiner Geißen. Der

freundliche Herr versuchte ein paarmal mit dem Geißbuben ein Gespräch

anzuknüpfen, aber es gelang ihm nicht, kaum daß er als Antwort auf

einleitende Fragen unbestimmte, einsilbige Worte zu hören bekam. Der

Peter ließ sich nicht so leicht in ein Gespräch ein. So wanderte die

ganze schweigende Gesellschaft bis hinauf zur Almhütte, wo schon

erwartend das Heidi stand mit seinen beiden Geißen, alle drei munter

und fröhlich wie der frühe Sonnenschein auf allen Höhen.

»Kommst mit?« fragte der Peter, denn als Frage oder als Aufforderung

sprach er jeden Morgen diesen Gedanken aus.

»Freilich, natürlich, wenn der Herr Doktor mitkommt«, gab das Heidi

zurück.

Der Peter sah den Herrn ein wenig von der Seite an.

Jetzt trat der Großvater hinzu, das Mittagsbrotsäckchen in der Hand.

Erst grüßte er den Herrn mit aller Ehrerbietung, dann trat er zum

Peter hin und hing ihm das Säckchen um.

Es war schwerer als sonst, denn der Öhi hatte ein schönes Stück von

dem rötlichen Fleische hineingelegt. Er hatte gedacht, vielleicht

gefalle es dem Herrn droben auf der Weide und er nehme dann gern sein

Mittagsmahl gleich dort mit den Kindern ein. Der Peter lächelte fast

von einem Ohr bis zum andern, denn er ahnte, daß da drinnen etwas

Ungewöhnliches versteckt sei.

Nun wurde die Bergfahrt angetreten. Das Heidi wurde ganz von seinen

Geißen umringt, jede wollte zunächst bei ihm sein, und eine schob die

andere immer ein wenig seitwärts. So wurde es eine Zeitlang mitten

in dem Rudel mit fortgeschoben. Aber jetzt stand es still und sagte

ermahnend: »Nun müßt ihr artig vorauslaufen, aber dann nicht immer

wiederkommen und mich drängen und stoßen. Ich muß jetzt ein wenig mit

dem Herrn Doktor gehen.« Dann klopfte es dem Schneehöppli, das sich

immer am nächsten zu ihm hielt, zärtlich auf den Rücken und ermahnte

es noch besonders, nun recht folgsam zu sein. Dann arbeitete es sich

aus dem Rudel heraus und ging nun neben dem Herrn Doktor her, der es

gleich bei der Hand faßte und festhielt. Er mußte jetzt nicht mit Mühe

nach einem Gespräch suchen wie vorher, denn das Heidi fing gleich

an und hatte ihm so viel zu erzählen von den Geißen und ihren

merkwürdigen Einfällen und von den Blumen oben und den Felsen und

Vögeln, daß die Zeit unvermerkt dahinging und sie ganz unerwartet

oben auf der Weide anlangten. Der Peter hatte im Hinaufgehen öfters

seitwärts auf den Herrn Doktor Blicke geworfen, die diesem einen

rechten Schrecken hätten beibringen können; er sah sie aber

glücklicherweise nicht.

Oben angelangt, führte das Heidi seinen guten Freund gleich auf die

schönste Stelle, wohin es immer ging und sich auf den Boden setzte und

umherschaute, denn da gefiel es ihm am besten. Es tat, wie es gewohnt

war, und der Herr Doktor ließ sich gleich auch neben Heidi auf den

sonnigen Weideboden nieder. Ringsum leuchtete der goldene Herbsttag

über die Höhen und das weite grüne Tal. Von den unteren Alpen tönten

überall die Herdenglocken herauf, so lieblich und wohltuend, als ob

sie weit und breit den Frieden einläuteten. Auf dem großen Schneefelde

drüben blitzten funkelnd und flimmernd goldene Sonnenstrahlen hin und

her, und der graue Falknis hob seine Felsentürme in alter Majestät

hoch in den dunkelblauen Himmel hinauf. Der Morgenwind wehte leise

und wonnig über die Alp und bewegte nur sachte die letzten blauen

Glockenblümchen, die noch übriggeblieben waren von der großen Schar

des Sommers und nun noch wohlig ihre Köpfchen im warmen Sonnenscheine

wiegten. Obenhin flog der große Raubvogel in weiten Bogen umher, aber

er krächzte heute nicht. Mit ausgebreiteten Flügeln schwamm er ruhig

durch die Bläue und ließ sich's wohl sein. Das Heidi guckte dahin und

dorthin. Die lustig nickenden Blumen, der blaue Himmel, der fröhliche

Sonnenschein, der vergnügte Vogel in den Lüften, alles war so schön,

so schön! Heidis Augen funkelten vor Wonne. Nun schaute es nach seinem

Freunde, ob er auch alles recht sehe, was so schön war. Der Herr

Doktor hatte bis jetzt still und gedankenvoll um sich geblickt. Wie er

nun den freudeglänzenden Augen des Kindes begegnete, sagte er:

»Ja, Heidi, es könnte schön sein hier, aber was meinst du? Wenn einer

ein trauriges Herz hierher brächte, wie müßte er es wohl machen, daß

er an all dem Schönen sich freuen könnte?«

»Oh, oh!« rief das Heidi ganz fröhlich aus. »Hier hat man gar nie ein

trauriges Herz, nur in Frankfurt.«

Der Herr Doktor lächelte ein wenig, aber das ging schnell vorüber.

Dann sagte er wieder: »Und wenn einer käme und alles Traurige aus

Frankfurt mit hier heraufbrächte, Heidi; weißt du da auch noch etwas,

das ihm helfen könnte?«

»Man muß nur alles dem lieben Gott sagen, wenn man gar nicht mehr

weiß, was machen«, sagte das Heidi ganz zuversichtlich.

»Ja, das ist schon ein guter Gedanke, Kind«, bemerkte der Herr Doktor.

»Wenn es aber von ihm selbst kommt, was so ganz traurig und elend

macht, was kann man da dem lieben Gott sagen?«

Das Heidi mußte nachdenken, was dann zu machen sei; es war aber ganz

zuversichtlich, daß man für alle Traurigkeit eine Hilfe vom lieben

Gott erhalten könne. Es suchte seine Antwort in seinen eigenen

Erlebnissen.

»Dann muß man warten«, sagte es nach einer Weile mit Sicherheit, »und

nur immer denken: jetzt weiß der liebe Gott schon etwas Freudiges, das

dann nachher aus dem anderen kommt, man muß nur noch ein wenig still

sein und nicht fortlaufen. Dann kommt auf einmal alles so, daß man

ganz gut sehen kann, der liebe Gott hatte die ganze Zeit nur etwas

Gutes im Sinn gehabt; aber weil man das vorher noch nicht so sehen

kann, sondern immer nur das furchtbar Traurige, so denkt man, es

bleibe dann immer so.«

»Das ist ein schöner Glaube, den mußt du festhalten, Heidi«, sagte

der Herr Doktor. Eine Weile schaute er schweigend auf die mächtigen

Felsenberge hinüber und in das sonnenleuchtende grüne Tal hinab, dann

sagte er wieder:

»Siehst du, Heidi, es könnte einer hier sitzen, der einen großen

Schatten auf den Augen hätte, so daß er das Schöne gar nicht aufnehmen

könnte, das ihn hier umgibt. Dann möchte doch wohl das Herz traurig

werden hier, doppelt traurig, wo es so schön sein könnte. Kannst du

das verstehen?«

Jetzt schoß dem Heidi etwas Schmerzliches in sein frohes Herz. Der

große Schatten auf den Augen brachte ihm die Großmutter in Erinnerung,

die ja nie mehr die helle Sonne und all das Schöne hier oben sehen

konnte. Das war ein Leid in Heidis Herzen, das immer neu erwachte,

sobald die Sache ihm wieder ins Bewußtsein kam. Es schwieg eine

Weile ganz still, denn das Weh hatte es so mitten in die Freude

hineingetroffen. Dann sagte es ernsthaft:

»Ja, das kann ich schon verstehen. Aber ich weiß etwas: Dann muß man

die Lieder der Großmutter sagen, die machen einem wieder ein wenig

helle und manchmal so hell, daß man ganz fröhlich wird. Das hat die

Großmutter gesagt.«

»Welche Lieder, Heidi?« fragte der Herr Doktor.

»Ich kann nur das von der Sonne und dem schönen Garten und noch von

dem andern langen die Verse, die der Großmutter lieb sind, denn die

muß ich immer dreimal lesen«, erwiderte das Heidi.

»So sag mir einmal diese Verse, die möchte ich auch hören«, und der

Herr Doktor setzte sich zurecht, um aufmerksam zuzuhören.

Heidi legte seine Hände ineinander und besann sich noch ein Weilchen:

»Soll ich dort anfangen, wo die Großmutter sagt, daß einem wieder eine

Zuversicht ins Herz kommt?«

Der Herr Doktor nickte bejahend.

Jetzt begann Heidi:

»Ihn, ihn laß tun und walten,

Er ist ein weiser Fürst

Und wird es so gestalten,

Daß du dich wundern wirst,

Wenn er, wie ihm gebühret,

Mit wunderbarem Rat

Das Werk hinausgeführet,

Das dich bekümmert hat.

Er wird zwar eine Weile

Mit seinem Trost verziehn

Und tun an seinem Teile,

Als hätt' in seinem Sinn

Er deiner sich begeben,

Als sollt'st du für und für

In Angst und Nöten schweben,

Als fragt' er nichts nach dir.

Wird's aber sich begeben,

Daß du ihm treu verbleibst,

So wird er dich erheben,

Da du's am mind'sten gläubst.

Er wird dein Herz erlösen

Von der so schweren Last,

Die du zu keinem Bösen

Bisher getragen hast.«

Heidi hielt plötzlich inne, es war nicht sicher, daß der Herr Doktor

auch noch zuhöre. Er hatte die Hand über seine Augen gebreitet und saß

unbeweglich da. Es dachte, er sei vielleicht ein wenig eingeschlafen;

wenn er dann wieder erwachte und noch mehr Verse hören wollte, würde

er es schon sagen. Jetzt war alles still. Der Herr Doktor sagte

nichts, aber er schlief doch nicht. Er war in eine längst vergangene

Zeit zurückversetzt. Da stand er als ein kleiner Junge neben dem

Sessel seiner lieben Mutter; die hatte ihren Arm um seinen Hals gelegt

und sagte ihm das Lied vor, das er eben von Heidi hörte und das er so

lange nicht mehr vernommen hatte. Jetzt hörte er die Stimme seiner

Mutter wieder und sah ihre guten Augen so liebevoll auf ihm ruhen, und

als die Worte des Liedes verklungen waren, hörte er die freundliche

Stimme noch andere Worte zu ihm sprechen. Die mußte er gern hören und

ihnen weit nachgehen in seinen Gedanken, denn noch lange Zeit saß er

so da, das Gesicht in seine Hand gelegt, schweigend und regungslos.

Als er sich endlich aufrichtete, sah er, wie das Heidi in Verwunderung

nach ihm blickte. Er nahm die Hand des Kindes in die seinige.

»Heidi, dein Lied war schön«, sagte er, und seine Stimme klang froher,

als sie bis jetzt geklungen hatte. »Wir wollen wieder hierherkommen,

dann sagst du mir's noch einmal.«

Während dieser ganzen Zeit hatte der Peter genug zu tun gehabt, seinem

Ärger Luft zu machen. Da war das Heidi seit vielen Tagen nicht mit auf

der Weide gewesen, und nun, da es endlich einmal wieder mit war, saß

der alte Herr die ganze Zeit neben ihm, und der Peter konnte gar nicht

an das Heidi herankommen. Das verdroß ihn sehr stark. Er stellte sich

in einiger Entfernung hinter dem ahnungslosen Herrn auf, so daß dieser

ihn nicht sehen konnte, und hier machte er erst eine große Faust und

schwang sie drohend in der Luft herum, und nach einiger Zeit machte er

zwei Fäuste, und je länger das Heidi neben dem Herrn sitzen blieb, je

schrecklicher ballte der Peter seine Fäuste und streckte sie immer

höher und drohender in die Luft hinauf hinter dem Rücken des

Bedrohten.

Unterdessen war die Sonne dahin gekommen, wo sie steht, wenn man zu

Mittag essen muß; das kannte der Peter genau. Auf einmal schrie er aus

allen Kräften zu den zweien hinüber:

»Man muß essen!«

Heidi stand auf und wollte den Sack herbeiholen, damit der Herr Doktor

auf dem Platze, wo er saß, sein Mittagsmahl abhalten könne. Aber

er sagte, er habe keinen Hunger, er wünsche nur ein Glas Milch zu

trinken, dann wolle er gern noch ein wenig auf der Alp umhergehen

und etwas weiter hinaufsteigen. Da fand das Heidi, dann habe es auch

keinen Hunger und wolle auch nur Milch trinken, und nachher wolle es

den Herrn Doktor hinaufführen zu den großen, moosbedeckten Steinen

hoch oben, wo der Distelfink einmal fast hinuntergesprungen wäre und

wo alle die würzigen Kräutlein wuchsen. Es lief zum Peter hinüber und

erklärte ihm alles und daß er nun erst eine Schale Milch vom Schwänli

nehmen müsse für den Herrn Doktor und dann noch eine, die wolle es für

sich haben. Der Peter schaute erst eine Weile sehr erstaunt das Heidi

an, dann fragte er:

»Wer muß haben, was im Sack ist?«

»Das kannst du haben, aber zuerst mußt du die Milch geben, und

hurtig«, war Heidis Antwort.

So rasch hatte der Peter in seinem Leben noch keine Tat vollendet, als

er nun diese fertigbrachte, denn er sah immer den Sack vor sich und

wußte noch nicht, wie das aussah, was drinnen war und ihm gehörte.

Sobald drüben die beiden ruhig ihre Milch tranken, öffnete der Peter

den Sack und tat einen Blick hinein. Als er das wundervolle Stück

Fleisch gewahr wurde, da schüttelte es den ganzen Peter vor Freude,

und er tat noch einen Blick hinein, um sich zu versichern, daß es

auch wahr sei. Dann fuhr er mit der Hand in den Sack hinein, um die

erwünschte Gabe zum Genuß herauszuholen. Aber auf einmal zog er die

Hand wieder zurück, als ob er nicht zugreifen dürfe. Es war dem Peter

in den Sinn gekommen, wie er dort hinter dem Herrn gestanden und gegen

ihn gefaustet hatte, und nun schenkte ihm derselbe Herr sein ganzes

unvergleichliches Mittagsessen. Jetzt reute den Peter seine Tat, denn

es war ihm gerade so, wie wenn sie ihn verhinderte, sein schönes

Geschenk herauszunehmen und sich daran zu erlaben. Auf einmal sprang

er in die Höhe und lief zurück auf die Stelle hin, wo er gestanden

hatte. Da streckte er seine beiden Hände ganz flach in die Luft

hinauf, zum Zeichen, daß das Fausten nicht mehr gelte, und so blieb

er eine gute Weile stehen, bis er das Gefühl hatte, die Sache sei

nun wieder ausgeglichen. Dann kam er in großen Sprüngen zu dem Sack

zurück, und nun, da das gute Gewissen hergestellt war, konnte er mit

vollem Vergnügen in sein ungewöhnlich leckeres Mittagsmahl beißen.

Heidi kann brauchen, was es gelernt hat · 第 1 / 9 段