3. Zu +tadeln+ bleibt:

~a~) sein Kampf gegen das positive Christentum. Er hat die religiöse

Aufklärung in den protestantischen Schulen Süddeutschlands merklich

gefördert.

~b~) Seine +abenteuerliche Schuldisziplin+. Jede körperliche

Züchtigung ist ihm eine Barbarei. Die Schulgesetze sind unter

Aufsicht des Lehrers von den Kindern selbst zu beraten, die Strafen

von ihnen selbst zu bestimmen.

~c~) Seine Selbstgefälligkeit und Ruhmsucht. Gleich Basedow wird

auch er nicht müde, sich fortwährend selbst zu loben und seine

Verdienste anderen gegenüber zu preisen.

=6. Dinter= (1760–1831).

1. Gustav Friedrich +Dinter+ wurde zu Borna (Königr. +Sachsen+)

geboren, wo sein Vater Advokat war. Er studierte evangelische

Theologie und wurde +Pfarrer+. Schon als Student hatte er aus Campes

Schriften den kindlichen Ton und die herablassende Sprechweise

gelernt. Da die drei Lehrer seiner Pfarrei wenig leisteten,

unterrichtete er selbst fleißig, und zwar nach dem Grundsatze: „Was

der Lernende selbst +finden+ kann, das soll man ihm nicht geben.“

Dabei bildete er talentvolle Jünglinge zu Lehrern heran.

2. 1797 wurde Dinter +Seminardirektor+ in +Dresden+. Hier befolgte

er die Regel, nie weiter zu gehen, als bis das +obere Drittel+ der

Klasse das Vorgetragene bestimmt, vollständig und in gutem Deutsch

wiedergeben könnte. Auf diese Weise bekam er (wie er selbst bekennt)

nicht die gelehrtesten Seminaristen, aber gute und gewandte Lehrer.

3. Als er im Jahre 1816 auf Empfehlung des Oberpräsidenten v. Vincke

an Stelle August Zellers als +Schulrat+ nach +Königsberg+ berufen

wurde, erklärte er dem Minister v. Altenstein: „Ich will jedes

Bauernkind in der Provinz Preußen für ein Wesen ansehen, das mich bei

Gott verklagen kann, wenn ich ihm nicht die +beste+ Menschen- und

Christenbildung verschaffe, die ich ihm zu geben vermag.“ Dinter hat

sich treulich bemüht, sein Versprechen zu halten. Die +Verdienste+,

die er sich in dieser Stellung um die Schule erworben, sind

insbesondere folgende:

~a~) Er legte großes Gewicht auf die +katechetische Lehrform+.

In seiner Schrift „Die vorzüglichsten Regeln der Katechetik“ heißt

es: „+Pestalozzi ist König der Unterklasse, Sokrates König der

Oberklasse.+ In der Mittelklasse geht das Kind von Pestalozzi zu

Sokrates über.“

~b~) Er wünschte eine möglichst +humane Behandlung+ der Jugend.

„Von +zehn Schlägen+, die der Lehrer austeilt, gehören +neun ihm+.“

~c~) Er übte eine +väterliche+, aber auch scharfe +Aufsicht+ über +die

Lehrer+.

Lesenswert ist der Brief an einen Aspiranten über den Befund seiner

Schule.

Zu +bemängeln+ bleibt ~a~) sein Rationalismus und seine Unduldsamkeit

gegen andere Konfessionen; ~b~) die übertriebene Betonung der

Verstandesbildung vor der Gemütsbildung.

Aus seinen Schriften sind noch zwei Stellen bemerkenswert:

„Das Schulwesen gleicht einem Wagen, der auf +vier Rädern+ rollt;

sie heißen: +Bildung+, +Besoldung+, +Aufsicht+, +Freiheit+.

Zertrümmere eines dieser Räder, so geht der Wagen nicht von der

Stelle.“

„Der Genius der Pädagogik bewahre uns vor Schulen, wo die Kinder die

Winkel besser kennen als die Buchstaben und die Rhomben besser als

Gott und seine Pflichten.“

=7. Diesterweg= (1790–1866).

=1. Sein Leben.= Der schroffste Gegner von Harnisch, hauptsächlich

in religiöser Beziehung, war +Adolf Wilhelm Diesterweg+ aus Siegen

(Westfalen). Wie Rousseau verlor er früh seine Mutter und wurde

deshalb von seinem Vater, der Justiz-Amtmann war, erzogen. Er

studierte in Tübingen Mathematik, Philosophie und Geschichte,

widmete sich anfangs dem technischen Berufe, wurde aber durch

+Wilberg+ (Elberfeld) für die +Pädagogik+ gewonnen und mit den

Ideen Rochows und Pestalozzis bekannt und vertraut. Er konnte

Gymnasiallehrer werden, zog aber das +Volksschulwesen+ vor und nahm

1820 die Stelle eines +Seminar-Direktors+ in +Mörs+ (Rheinland)

an, wo er 3 Jahre den Seminarunterricht fast ganz allein erteilte.

Bei seiner reichen Begabung und unermüdlichen Tätigkeit erwarb

er sich bald den Namen des +deutschen Pestalozzi+. (Ein Gehilfe

Diesterwegs in Mörs war +Ludwig Erk+, † 1883 in Berlin.) 1832 wurde

er zum Direktor des neuen +Lehrerseminars in Berlin+ ernannt,

woselbst er besonders die Übungsschule zum Glanzpunkte der Anstalt

machte. (Generalfeldmarschall Prinz +Friedrich Karl von Preußen+

war Diesterwegs Schüler.) -- Als +unversöhnlicher Gegner des

positiven Christentums+ wurde Diesterweg 1847 veranlaßt, sein Amt

niederzulegen. Er wirkte schriftstellerisch weiter und bekämpfte als

Abgeordneter von Berlin die Stiehlschen „Schulregulative“ (1854). †

1866 an der Cholera.

=2. Seine Schriften.= ~a~) „Über Erziehung überhaupt und über

+Schulerziehung+ insbesondere.“ Er stellte darin den Unterricht als

das Hauptmittel der Erziehung hin.

~b~) Der „+Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer+“. (1835.) Nicht

nur allgemeine Grundsätze, sondern auch methodische Anweisungen für

jedes einzelne Unterrichtsfach mit Stoffauswahl bietet der Wegweiser.

Stellen:

„Das Wesen des Unterrichts besteht nicht in Mitteilung, sondern

in der aktiven Bestimmung des Schülers zu +Anschauungen+.“

„Das +Erlebte hat man gelernt für ewig+.“ „Das Lebens- oder

+Erlebungsprinzip+ wird +Unterrichtsprinzip+.“

„Auch bei den besten Gaben gehört ein Leben voll +Arbeit+ dazu, um

ein tüchtiger Lehrer zu werden und zu bleiben.“ „Der Lehrer ist nur

so lange fähig zu erziehen und zu bilden, als er +selbst+ an +seiner

Erziehung und Bildung arbeitet+.“ „Der Lehrer wird nie fertig.“

„Ich flehe zu Gott, daß er den Lehrern den +Glauben+ an die

+Heiligkeit+ ihres Berufes erhalten, in ihnen mehren möge.“

~c~) Er verfaßte eine Reihe wertvoller Lehr- und Lernbücher für die

Volksschule (Schullesebuch, Lehrbuch der +mathematischen+ Geographie,

methodisches Handbuch für den +Rechenunterricht+, praktische

Rechenbücher, Geometrie usw.).

~d~) Endlich gab er zwei pädagogische +Zeitschriften+ heraus: die

„Rheinischen Blätter“ (seit 1827) und „Pädagogisches Jahrbuch“ (seit

1851).

=3. Seine Pädagogik.= ~a~) Diesterweg stellt die +Selbsttätigkeit

der Schüler+ obenan. „Die Bestimmung des Menschen ist die

+Selbsttätigkeit+ im Dienste des +Wahren+, +Guten+ und +Schönen+.“

Der Zweck der Erziehung besteht darin, alle Anlagen des Kindes

+harmonisch+ zu entwickeln, um dasselbe dadurch zur Selbsttätigkeit

und Selbständigkeit heranzubilden. „Aller wahre Unterricht ist

Anleitung zu bewußter Tätigkeit.“ Das Unterrichten soll nur ein

+Erregen+ sein, der Lehrer ist „+Wecker der Volkskraft+“.

~b~) Bei Auffassung der Unterrichtstheorie als Erregungstheorie tritt

die +formale+ Bildung in den Vordergrund. Doch auch die materiale

wurde (im Gegensatz zu Pestalozzi) gebührend berücksichtigt, wenn auch

die +formale+ oder +Kraftbildung die Hauptsache+ blieb. Die Ausbildung

soll zugleich +individuell+ sein, d. h. sich nach dem Maße der Kräfte

bei dem einzelnen richten.

~c~) Als echter Pestalozzianer geht Diesterweg überall von der

+Anschauung+ aus, sowohl in der Erziehung als im Unterrichte. Die

unterste Stufe der Erziehung ist die der +Sinnlichkeit+, die zweite

die der +Gewohnheit+ und die dritte und höchste die der +freien

Selbstbestimmung+. Beim Unterricht in jedem Lehrgegenstande ist zuerst

die Anschauung und das Gedächtnis, dann der Verstand und endlich die

Vernunft in Anspruch zu nehmen.

~d~) Während Pestalozzi für die Methode im allgemeinen wirkte, indem

er allen Unterricht auf die Anschauung gründete, bildete Diesterweg

die +Methodik der einzelnen Unterrichtsfächer+ aus. Er huldigte wie

Dinter der +heuristisch-entwickelnden+ Methode und unterscheidet sich

hierdurch wesentlich von seinem Vorbilde Pestalozzi. Doch vermied

er die Einseitigkeit der Heuristiker und scheute sich nicht, das

Positive, Nichtzufindende den Schülern zu geben.

~e~) Im scharfen Gegensatze zu Pestalozzis „objektiver Methode“

verlangt Diesterweg +tüchtige Lehrer+. „Wie keiner einem anderen etwas

geben kann, was er selbst nicht hat, so kann auch keiner entwickeln,

erziehen, bilden, der nicht selbst entwickelt, erzogen, gebildet ist.“

Er fordert, daß jeder Lehrer ein +Naturforscher+ sei, und wünscht,

daß derselbe den Scharfsinn eines Lessing, das Gemüt eines Hebel, die

Beredsamkeit eines Salzmann, die Weisheit eines Sokrates und die Liebe

Jesu Christi besitze.

~f~) Die Bildung der Lehrer soll in Seminarien geschehen. Alles soll

sich darin auf die Bildung zur +bewußten Unterrichtspraxis+ beziehen.

Die allgemeine Einführung von +Seminar-Übungsschulen+ und ihre

organische Verbindung mit den Seminarien ist vorzugsweise sein Werk.

Er sagt: „Ein Seminar ist gerade so viel wert als die Schule, die es

besitzt. Echte Seminarlehrer hüten sie daher wie ihren Augapfel.“

~g~) Inbezug auf Diesterwegs +religiösen+ Standpunkt ist eine doppelte

Periode zu unterscheiden. Bis 1840 war er rationalistisch gefärbt,

doch noch kein Gegner des positiven Christentums. Von da ab tritt er

leider immer feindlicher gegen den positiven Offenbarungsglauben auf,

neigt immer mehr zum Naturalismus und Materialismus hin. Daher auch

sein Ausspruch: „Außer der Natur kein Heil!“ und darum empfiehlt er

auch nicht die Religionslehre, sondern die Naturkunde als wichtigsten

Unterrichtsgegenstand.

=4. Seine Bedeutung.= Die pädagogische Bedeutung Diesterwegs liegt

nicht auf dem Gebiete der Erziehung (wo sein Einfluß ein geradezu

verderblicher war), sondern auf dem Gebiete des Unterrichts. Seine

Verdienste sind im wesentlichen folgende:

~a~) Er hat durch seine vorbildliche +Lehrtätigkeit+ auf den

Volksschullehrerstand mächtig eingewirkt.

~b~) Er hat vorzüglich zur besseren Ausgestaltung des +Seminarwesens+

beigetragen, indem er einesteils auf eine gründlichere wissenschaftliche

und andernteils auf eine praktische Durchbildung drang.

~c~) Er hat sich ein hohes Verdienst um die +Methode+ verschiedener

Unterrichtsfächer erworben, namentlich im +Deutschen+, im +Rechnen+,

in der mathematischen +Geographie+ und populären Himmelskunde und in

der +Raumlehre+.

~d~) Er war literarisch unablässig bemüht, die Lehrer mit

+Begeisterung+ für ihren Beruf zu erfüllen, und weckte in ihnen das

+Streben nach Fortbildung+ und Vervollkommnung.

=IV. Johann Friedrich Herbart= (1775–1841).

=1. Leben.= J. F. Herbart wurde in +Oldenburg+ als Sohn eines

Justizrates geboren. Er besuchte mit Auszeichnung das Gymnasium

seiner Vaterstadt und darauf die Universität +Jena+. Hier war er ein

begeisterter Schüler +Fichtes+ und kam auch mit Schiller in Berührung.

21 Jahre alt wurde Herbart Hauslehrer in +Interlaken+, bei dem

Schweizer Landvogt von Steiger. Seine drei Zöglinge waren nach Anlagen

und Temperament sehr verschieden; um so größer war sein Eifer,

diese Eigentümlichkeiten zu erforschen und seine Erziehung danach

einzurichten. Aus seinen Erziehungsberichten sehen wir, daß er schon

damals wichtige Hauptpunkte seiner späteren Lehre gewonnen hatte, so

die sittliche Persönlichkeit als +Erziehungsziel+, den Unterricht als

+Hauptmittel+ der Erziehung, die Mannigfaltigkeit des Interesses der

Schüler als +Hauptform+ ihrer geistigen Tätigkeit. Drei Jahre wirkte

Herbart erfolgreich im Steigerschen Hause. Im Jahre 1799 lernte er

auch Pestalozzi in Burgdorf kennen und verehren.

1802 wurde Herbart Universitätslehrer in +Göttingen+ und 1809

Nachfolger Kants in +Königsberg+. Hier gründete er ein pädagogisches

Seminar für Bewerber um das höhere Lehramt und übte als Schulrat

und Direktor der wissenschaftlichen Prüfungskommission auch eine

einflußreiche Verwaltungstätigkeit aus. 1833 kehrte Herbart

nach +Göttingen+ zurück. Der Andrang zu seinen Vorlesungen war

außerordentlich groß und blieb es bis zu seinem Tode (1841).

=2. Schriften.= Das Hauptwerk Herbarts ist die „+Allgemeine+

Pädagogik, aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet“ (1806). Dazu

kam später noch „+Umriß+ pädagogischer Vorlesungen“ (1835). Die

Professoren +Ziller+ in Leipzig und +Stoy+ in Jena haben die von

Herbart aufgestellten Theorien weiter entwickelt und in ihren

„Pädagogischen Seminarschulen“ zu verwirklichen gesucht.

=3. Pädagogisches System.= Als Fundament seiner Pädagogik gilt für

Herbart die +Sitten-+ und +Seelenlehre+. Auf diesen Grundpfeilern

ruhet sein Gebäude der +wissenschaftlichen Pädagogik+.

~a~) Die +Sittenlehre+.

Die Sittenlehre bilden folgende fünf Begriffe: 1. Der Begriff

der +inneren Freiheit+. (Wollen, Einsicht und Handeln müssen

übereinstimmen.) 2. Der Begriff der +Vollkommenheit+. (Das Wollen soll

kräftig, vielseitig und gleichartig sein, verbunden mit Gewandtheit,

Klarheit und Frische des Geistes.) 3. Der Begriff des +Wohlwollens+.

(Dieser besteht in der selbstlosen Teilnahme an Freude und Leid der

Mitmenschen.) 4. Der Begriff des +Rechtes+. (Man soll den Streit

vermeiden, Gegensätze ausgleichen und den Frieden lieben.) 5. Der

Begriff der +Vergeltung+. (Das absichtliche Eingreifen des einen

Menschen in die Verhältnisse des anderen soll vergolten werden durch

Lohn oder Strafe.) Diese auf unser Handeln sich beziehende Begriffe

werden +praktische Ideen+ genannt. Sie bilden zusammengenommen

das +höchste Ziel+ oder den Lebenszweck. Die Übereinstimmung des

gesamten Wollens mit der Gesamtheit der praktischen Ideen ergibt den

+sittlichen Charakter+.

Die +Religion+, Gottesglaube und Frömmigkeit umfassend, findet bei

Herbart nur nebenbei eine Stelle als +Stütze des Guten+.

~b~) Die +Seelenlehre+.

Die Seelenlehre (Psychologie) zeigt die Mittel und Wege zum

Erziehungsziele. Der Erzieher muß sie kennen, wie ein Arzt den

menschlichen Körper und dessen Lebensgesetze. Es sind keine

gesonderten Seelenvermögen (Erkenntnis-, Gefühls- und Willenskraft),

sondern nur +Vorstellungen+ vorhanden. Die Verbindung dieser

Vorstellungen verläuft wie ein +chemischer Prozeß+. Das Lernen ist

ein in der menschlichen Seele vor sich gehender +Perzeptions+- und

+Apperzeptions+prozeß. Perzeption ist die Aufnahme einer neuen

Vorstellung, Apperzeption die Verschmelzung der neuen mit den bereits

vorhandenen Vorstellungen.

Die Verbindung der Vorstellungen in Gruppen und Reihen (Assoziation)

und ihre Wiederhervorziehung (Reproduktion) geschieht nach bestimmten

Gesetzen. Aus den Vorstellungen entstehen, wiederum nach festen

Gesetzen, die Gefühle und Begehrungen (Willensaktionen).

Hohen Wert bei dem Lernprozeß hat die +Aufmerksamkeit+. Ist einer der

fünf Sinne ihr Träger, so haben wir die sinnliche, ist das Denken

der Träger, die geistige Aufmerksamkeit. Merkt man von selbst auf,

so ist vorhanden die unwillkürliche, merkt man mit Absicht auf, die

willkürliche Aufmerksamkeit.

~c~) Die +wissenschaftliche Pädagogik+.

Herbart gliedert seine wissenschaftliche Pädagogik in drei Teile: 1.

die Regierung, 2. den erziehenden Unterricht, 3. die Zucht.

1. Die +Regierung+. Unter „Regierung“ versteht Herbart die Leitung,

Führung und Gewöhnung schon bei kleinen Kindern. Sobald Vernunft und

Wille so weit gereift sind, daß der Zögling sich selbst regiert (d. h.

von selbst das Rechte tut), wird sie überflüssig. Die „Regierung“

soll den Tätigkeitstrieb durch Spiel und Arbeit befriedigen, die

nötige Aufsicht führen und durch Drohung und Strafe an Ordnung und

Sitte gewöhnen. Strafmittel sollen möglichst durch Ansehen und Liebe

entbehrlich gemacht werden. Der Strafvollzug geschieht rasch und kurz.

Die Strafen treffen vorzugsweise das Ehrgefühl (der Schüler tritt aus

der Bank, bleibt an der Türe stehen usw.).

2. Der +erziehende Unterricht+. Der erziehende Unterricht soll so auf

den Geist des Schülers einwirken, daß Gefühl und Wille in sittlicher

Beziehung sich ausgestalten und der ganze Mensch veredelt werde.

Darum sind die Vorstellungen planmäßig zu erzeugen, bis sie in dem

Zöglinge das +vielseitige Interesse+ erwecken. Das +Interesse+

(der Wissens- oder Vervollkommnungstrieb) ist ein Grundbegriff

der wissenschaftlichen Pädagogik Herbarts. Interesse ist die

innige Hingabe an die Gegenstände des Unterrichts, das andauernde

Weiterarbeiten, die Liebe zum Wahren, Guten und Schönen. (Vgl. Plato,

Diesterweg.)

Herbart unterscheidet zwei Arten von einfachen Interessen, nämlich

~a~) die der Erkenntnis und ~b~) die der Teilnahme.

~a~) Zu den Interessen der +Erkenntnis+ gehört zunächst die

Wißbegierde oder das Streben, sich Kenntnisse zu erwerben, daher

auch Interesse der Erfahrung oder +empirisches+ Interesse genannt.

Das Nachdenken über den Zusammenhang der Dinge bildet das Interesse

der Überlegung oder das +spekulative+ Interesse. Dazu kommt noch das

+ästhetische+ Interesse, als Ausdruck des Urteils über Gefallen oder

Mißfallen an Gegenständen und Handlungen.

~b~) Die Interessen der +Teilnahme+ beziehen sich entweder auf eine

einzelne Person oder auf eine menschliche Vereinigung oder endlich

auf Gott. Hiernach ist zu unterscheiden das +sympathetische+,

+soziale+ und +religiöse+ Interesse. (Ein Anhänger Herbarts,

Kannegießer, fügt hierzu noch das +praktische+ Interesse, d. i.

die Betätigung des erwachenden geistigen Lebens des Kindes

nach außen durch Helfen, Mitarbeiten usw.) Wenn nun alle diese

genannten Interessen zugleich gepflegt werden, so entsteht das

„gleichschwebende, vielseitige Interesse“.

Zum Zwecke der Interessenbildung soll der Lehrstoff für die einzelnen

Fächer in kleine, in sich abgerundete Stundenpensen eingeteilt werden,

in sogenannte +methodische Einheiten+.

Der Unterricht beginnt mit der +Zielangabe+. Die nun vorzunehmende

eigentliche Unterrichtsarbeit vollzieht sich in fünf

aufeinanderfolgenden Stufen, „+formale Stufen+“ genannt. 1. Stufe

der +Vorbereitung+. (Die in Beziehung zu dem Neuen stehenden älteren

Vorstellungen werden im Geiste des Schülers aufgesucht.) 2. Stufe der

+Darbietung+. (Das Neue wird, entsprechend dem Alter des Schülers

und der Art des Stoffes, dargeboten zur klaren Auffassung.) 3. Stufe

der +Verknüpfung+. (Der neue Stoff wird mit dem Bekannten und

Verwandten im Geiste zusammengestellt und verglichen.) 4. Stufe der

+Zusammenfassung+. (Die gewonnene Lehre wird in einem kurzen Satze zum

Ausdruck gebracht.) 5. Stufe der +Anwendung+. (Das Gelernte muß der

Mensch auch verwenden und gebrauchen können. Die Regeln des Rechnens,

die Gesetze der Sprache werden durch zahlreiche Aufgaben aus dem Leben

zum unverlierbaren Eigentum gemacht.) Mit diesen fünf Stufen schließt

die Lehrarbeit ab.

Zu erwähnen ist noch die +Konzentration+ des Unterrichts, d. h. die

Verbindung der verschiedenen Gedankenkreise oder die Hervorhebung

der zwischen den einzelnen Stoffen vorhandenen Beziehungen. Wer

z. B. zeigt, daß die Entdeckung Amerikas erst durch die Erfindung

des Kompasses möglich wurde, der konzentriert Weltgeschichte und

Naturlehre.

3. Die +Zucht+. Die Zucht ist eine Ergänzung des Unterrichts, sie

begleitet ihn und hilft ihm die Vorstellungen in Taten umsetzen.

Mittel: ~a~) +Verhütung+ der Gemütserregungen und Überwindung der

Leidenschaften; Anleitung zur Ruhe und zu besonnenem Urteil. ~b~)

+Erhaltung+ und Befestigung des Guten, welches als Keim von Natur im

Zöglinge liegt. Zurückdrängung des Bösen beim Kinde, Pflege seiner

Individualität. Das eigene, bessere Selbst des Schülers soll sich

entfalten, sich seiner eigensten Natur gemäß entwickeln. ~c~) Die

+Erziehungsstrafen+ sollen die natürlichen Folgen schlimmer Handlungen

nachahmen. Die Strafen erscheinen als gutgemeinte Warnungen und dürfen

nicht dauernden Widerwillen gegen den Erzieher erregen. Sittlich

schwache und kranke Schüler werden weder belohnt noch bestraft.

„+Der Unterricht bildet den Gedankenkreis, die Erziehung den

Charakter; das letzte ist nicht ohne das erste -- darin besteht die

Hauptsumme meiner Pädagogik.+“ (Herbart.)

Schüler Herbarts.

=~a.~ Ziller= (1817–1882).

An Herbart haben sich zahlreiche Pädagogen angeschlossen, unter denen

als die namhaftesten hervorzuheben sind: Waitz, Stoy, Ziller, Kern

und Dörpfeld. Den größten Einfluß auf die Schulwelt gewann Ziller,

Professor der Philosophie und Pädagogik in Leipzig.

1. Ziller hat zunächst den Herbartschen +Konzentrationsgedanken+

weiter entwickelt und bis zu der Forderung verschärft, es müsse der

„+Gesinnungsunterricht+“ (im 1. Schuljahre eine Anzahl Märchen,

im 2. Schuljahre der ‚Robinson‘, in den folgenden Schuljahren die

Bibl. Geschichte) als das beherrschende Zentrum den gesamten übrigen

Unterricht durchdringen und nach sich bestimmen. Wenn also z. B.

in dem Gesinnungsunterricht das Märchen „von dem +Wolf+ und den

sieben +Geißlein+“ behandelt wird, so soll in dem nebenlaufenden

Sachunterricht Wolf und Ziege beschrieben, im Zeichenunterricht Wolf

und Ziege gezeichnet, im Rechenunterricht mit der Zahl 8 (1 alte und

7 junge Ziegen) gerechnet werden. Bei der Behandlung des „+Robinson+“

bieten zahlreiche Gegenstände Stoffe für das Zeichnen, zu Robinsons

Abschied gehört der Gesang: „Lieb Heimatland, Ade!“, zu Robinsons

Genesung: „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank!“, für das Rechnen

ergibt sich die Aufgabe: Wieviel Stunden sind es von hier nach Bremen,

wo Robinsons Eltern wohnten? (Diese Konzentrationsidee Zillers nimmt

den Unterrichtsfächern ihre selbständige Stellung und ihren besonderen

Lehrgang, führt zur Zersplitterung und Künstelei; der Gesinnungs-

oder Kernstoff selbst aber wird in die Breite gezogen und muß sein

ursprüngliches Interesse bald verlieren.)

2. Herbart hatte den Gedanken angedeutet, daß die geistigen

Entwicklungsstufen des Kindes im großen und ganzen den Entwicklungs-

und Kulturstufen der ganzen Menschheit entsprechen. Diesen Gedanken

baute Ziller aus zu der Theorie von +den kulturhistorischen Stufen

des Unterrichts+. Danach soll im 1. Schuljahr als Gesinnungsstoff

das Märchen gewählt werden, entsprechend dem Anfangsstadium der

Menschheit, wo der Mensch noch mit kindlicher Phantasie seine

Umgebung auffaßte. Im 2. Schuljahr soll als Gesinnungsstoff

Robinson behandelt werden, wie ja auf der folgenden Stufe der

Menschheitsentwicklung der Mensch mit einiger Intelligenz die

nächsten Naturhindernisse überwand. Unter ähnlicher Begründung soll

im 3. Schuljahr die Geschichte der Patriarchen und die deutsche

Heldenzeit, im 4. die Zeit der Richter und der deutschen Könige, im

5. die der jüdischen Könige, die Zeit der Kreuzzüge, Barbarossa und

Rudolf von Habsburg, im 6. das Leben Jesu, im 7. die Geschichte der

Apostel, im 8. die Reformation, die französische Revolution und die

Gründung des Deutschen Reiches behandelt werden.

~b.~ Beneke, Lotze, Willmann.

1. Friedrich +Beneke+ (Professor in Berlin, † 1854) hält fest an

der Auffassung Herbarts, daß die Erziehungslehre sich auf die

Seelenlehre gründen müsse. Er weicht aber von Herbart darin ab, daß

er die Seele nicht als ein einfaches Wesen ansieht, sondern als

ein „+System von Kräften+ oder sinnlichen Urvermögen“, die durch

Reize und Eindrücke der Außenwelt sich fortbilden und als Gebilde

(Vorstellungen, Gefühle usw.) fortleben.

2. Hermann +Lotze+ (Professor in Berlin, † 1881) hält mit Herbart

daran fest, daß die Seele eine einfache, immaterielle Substanz

sei. Er unterscheidet sich von Herbart in folgenden Punkten: 1.

Er erkennt der Seele verschiedene +Anlagen+ zu. Vorstellungen,

Gefühle, Begehrungen sind so grundverschiedener Art, daß die einen

aus den anderen nicht abgeleitet werden können. 2. Er betont den

Wert des +Gefühls+ für das Seelenleben. Das Gefühl sei das Organ

der Wertschätzung und damit die Quelle alles Interesses. 3. Er hält

an der +Wahlfreiheit+ fest. Die Entscheidung des Willens ist nicht

durch die Macht der Motive bedingt; der Beweggrund, dem wir folgen,

erhält erst durch die freie Zustimmung des Willens seine treibende

Kraft.

3. Otto +Willmann+ wird als der bedeutendste Schüler Herbarts

bezeichnet. Er ist geboren am 24. April 1839 zu Lissa, der

Stadt des Comenius, als Sohn eines Kreisgerichtsdirektors. Als

Universitätsprofessor in Prag schrieb er seine „Pädagogischen

Vorträge“ und „Die Didaktik als Bildungslehre“. In letzterem Werke

greift er auf die Aristotelische +Dreiteilung+ der Seelenvermögen

„Wahrnehmen, Denken und Wollen“ zurück und gesellt dem Herbartschen

„Interesse (der Erkenntnis und der Teilnahme)“ den Drang nach

+Gestaltung+ und die +Hingabe+ hinzu. Im Herbst 1906 erfolgte in

Salzburg der Zusammenschluß seiner Anhänger zu einem Verein für

christliche Erziehungswissenschaft unter dem Namen „Willmannbund“.

V. Die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens seit dem Beginn des

19. Jahrhunderts.

=1. Unter Friedrich Wilhelm III.= (1797–1840).

~A.~ Von 1797–1817.

1. Schon im +Anfang+ seiner Regierung bekundete der König eine große

Sorge für das Schulwesen seines Landes.

Bei der Huldigung in Königsberg i. J. 1797 setzte er 33000 Taler zur

Verbesserung der Landschulen aus.

In der Kabinettsordre von 1798 ermahnt er die Behörden, für

Erziehung und Unterricht der Bürger- und Bauernkinder zu sorgen.

Im Jahre 1801 erließ er das Schulreglement für die niederen

katholischen Schulen in Schlesien. In diesem wurde das Reglement

von 1765 erweitert. Insbesondere wurde den Geistlichen die Pflicht

auferlegt, vor Eintritt in den geistlichen Stand sich ihre

pädagogische Ausbildung durch den Besuch eines Lehrerseminars zu

erwerben; sodann dem Fürstbischof von Breslau anheimgegeben, zu

Schulinspektoren nicht nur Erzpriester zu nehmen, sondern auch

andere Geistliche des Fürstbistums, „muntere, tätige, in der

Pädagogik erfahrene Männer“.

2. Im weiteren +Verlauf+ seiner Regierung mußte auch die Reform des

Unterrichts und der Schulverwaltung ins Auge gefaßt werden.

~a~) Der Minister v. Voß legte dem König einen Entwurf vor, wonach

die Schule nach Pestalozzischem Muster eingerichtet werden könnte.

Der König zögerte indes; er hielt es noch für zu früh, daß die

Regierung selbst Schritte zur Einführung der Pestalozzischen Methode

tun sollte. Doch genehmigte er, daß +Plamann+ 1804 eine solche

Erziehungsanstalt in Berlin gründete (welche 1821–1827 auch von

Bismarck besucht wurde)[10]. Als dann aber die Jahre schwerer Trübsal

(1806 und 1807) hereinbrachen, da konnte man sich der Einsicht nicht

mehr verschließen, daß eine Stärkung der Volkskraft durch Hebung der

Volksbildung, eine Reform nach Pestalozzis Grundsätzen notwendig sei.

Der König selbst erklärte: „Zwar haben wir an Flächenraum verloren,

zwar ist der Staat an äußerer Macht und an äußerem Glanze gesunken,

aber wir wollen und müssen dafür sorgen, daß wir an innerer Macht und

an innerem Glanze gewinnen. Deshalb ist es mein fester Wille, daß

dem Volksunterrichte die größte Aufmerksamkeit gewidmet werde.“ Es

wurden nunmehr von der Regierung +Schulmänner+ (Kawerau, Rendschmidt)

zu Pestalozzi gesandt, damit sie dessen Methode kennen lernten;

andere Männer (der Geograph Karl Ritter, der Pädagoge Georg v.

Raumer) eilten aus eigenem Antriebe nach Iferten: alle aber kehrten

voll Begeisterung für die „Erziehungsschule“ in ihre Heimat zurück

und bildeten in Preußen eine selbständige Pestalozzische Schule,

die Preußisch-Pestalozzische Schule. Sodann berief die Regierung

bedeutende Pädagogen der Pestalozzischen Richtung in einflußreiche

+Stellungen+ (Natorp nach Potsdam, Harnisch nach Breslau, Dinter

nach Königsberg), errichtete eine Anzahl neuer +Lehrerseminare+ (so

Braunsberg, Graudenz, Büren) und reorganisierte ältere Seminare (u. a.

Breslau, Magdeburg, Weißenfels).

~b~) Aber auch die Reform der +Schulverwaltung+ wurde durch

die politischen Verhältnisse herbeigeführt. Nachdem 1808 die

Gutsuntertänigkeit aufgehoben und die Städteordnung eingeführt

war, wurden 1811 die städtischen +Schuldeputationen+ und 1812 die

+Schulvorstände+ auf dem Lande errichtet. Dann traten 1808 an

Stelle der früheren Kriegs- und Domänenkammern die +Königlichen

Regierungen+ als neue Behörde ins Leben, denen das gesamte niedere

Schulwesen unterstellt wurde. In demselben Jahre wurde auch das

Oberschulkollegium (seit 1787 bestehend) aufgehoben und die Verwaltung

des Unterrichts dem Ministerium des +Innern+ zugeteilt.

~B.~ Das Ministerium Altenstein, 1817–1840.

Nachdem der Minister des Innern 9 Jahre lang die Unterrichtsverwaltung

geführt, errichtete der König 1817 ein besonderes Fachministerium

für dieselbe, +das Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und

Medizinalangelegenheiten+. An die Spitze desselben berief er den

Freiherrn v. Altenstein, das Dezernat für das Volksschulwesen und die

Seminare führten unter ihm der Reihe nach: Süvern[11], v. Beckedorf,

Dreist und Kortüm.

Im Jahre 1822 wurde das „Akademische Institut für +Kirchenmusik+“

gegründet und die erste Königliche +Blindenanstalt+ eröffnet. Auch

wurde das +Taubstummenwesen+ dadurch wesentlich gefördert, daß der

König eine namhafte Summe aussetzte zur Ausbildung von Seminaristen

in der Methode des Taubstummenunterrichts.

Um dem immer noch mangelhaften Schulbesuche[12] und der übermäßig

harten Zucht zu steuern, erließ der König die Kabinettsordre vom 14.

Mai 1825 über „+die Schulpflicht und Schulzucht+“. Durch dieselbe

wurden die bezüglichen Vorschriften des „Allgemeinen Landrechts“ auch

auf diejenigen Landesteile ausgedehnt, in welchen dieses Gesetz bisher

nicht eingeführt war.

§ 1. „Eltern oder deren gesetzliche Vertreter sollen

erforderlichenfalls durch +Zwangsmittel+ und Strafen angehalten

werden, jedes Kind nach zurückgelegtem 5. Jahre zur Schule zu

schicken.“

§ 4. „Die körperliche Züchtigung darf niemals bis zur +Mißhandlung+

ausgedehnt werden, die der Gesundheit des Kindes auch nur auf

entfernte Art schädlich werden kann.“

Am 31. Dezember 1825 erließ der König eine weitere Kabinettsordre,

wodurch er die Konsistorien in den Provinzen von der Verwaltung

des höheren Schulwesens entband und eine neue Behörde, die

+Provinzial-Schulkollegien+, schuf. Diesen wurde die Aufsicht und

Leitung der höheren Schulen und der Seminare einer Provinz übertragen,

während die Verwaltung des niederen Schulwesens den Königlichen

Regierungen für ihre Bezirke verblieb.

Am 1. Juli 1826 bestimmte der Minister, daß an allen Seminaren

der Monarchie +Entlassungsprüfungen+ zu halten seien. Der

Entlassungsprüfung sollte nach 3 Jahren eine zweite Prüfung folgen

behufs Erlangung der endgültigen Anstellung. Auch wurde die

Fortbildung der Lehrer durch Informationsreisen und Teilnahme an

Lehrkursen angeregt.

So gelangte das Volksschulwesen unter Altensteins 23jähriger

Verwaltung zu einer verhältnismäßig hohen +Blüte+, und der

französische Minister Cousin, welcher 1835 Preußen bereiste und auch

dessen Schulen kennen lernte, konnte an die französische Regierung

berichten: „Preußen ist das klassische Land der Kasernen und der

Schulen; der Schulen, um das Volk zu erziehen, der Kasernen, um es

zu verteidigen. Schulpflicht und Dienstpflicht, diese beiden Worte

bezeichnen das ganze Preußen, das ganze Geheimnis seiner Macht und

die Bürgschaft seiner Zukunft.“ Bei Altensteins Tode hatte Preußen 38

Lehrerseminare und gegen 30000 Volksschulen.

=2. Unter Friedrich Wilhelm IV.= (1840–1861).

Schon unter dem Ministerium Altenstein fehlte es nicht an Stimmen,

welche mit der neuen Pestalozzischen Schule unzufrieden waren.

Insbesondere tadelte man, daß sie 1. in dem Streben nach höheren

Bildungszielen nur oberflächlicher +Vielwisserei+ diene, und 2.

dem religiösen +Rationalismus+ huldige, wodurch die Grundlage der

Frömmigkeit untergraben werde. Diese Pestalozzi feindliche Richtung

erstarkte mehr und mehr und gewann unter Friedrich Wilhelm IV. die

Oberhand. Die Volksschule sollte nunmehr auf ein Maß von Kenntnissen

sich +beschränken+, das den wirklichen Bedürfnissen des Lebens

angepaßt wäre, und in der Pflege echter +Frömmigkeit+ und nationaler

Gesinnung ihr Ziel haben. Zur Durchführung dieses Grundsatzes berief

der König nach Altensteins Tode den Minister ~Dr.~ Eichhorn.

~A.~ Das Ministerium Eichhorn, 1840–1848.

Der Minister ~Dr.~ Eichhorn bestimmte durch den +Erlaß+ von 1841,

daß in den Seminaren und in der Volksschule der Unterricht auf das

praktisch notwendige Maß zu beschränken sei. In den Landschulen

sollte die Sprachlehre an den Leseunterricht angeknüpft werden.

Für Geschichte, Erdkunde und Naturkunde durften keine besonderen

Stunden angesetzt werden; die Lehrer sollten sich auf die Lektüre

und Erklärung dessen beschränken, was in dem Lesebuche mitgeteilt

werde. Gestattet wurde 1842 in den Seminaren der Unterricht im

Gartenbau, in der Volksschule der Unterricht im Turnen und in den

weiblichen Handarbeiten. Auf Grund dieses Min.-Erl. entwarf nun

der Ministerialrat Ferdinand Stiehl (1844–1872) im Jahre 1845 eine

„+Schulordnung für die Elementarschulen der Provinz Preußen+“.

Diese Schulordnung handelt:

1. von dem +Besuche+ der Schulen überhaupt (Schulpflicht, Dauer des

Schulunterrichts, Schulversäumnisse und deren Bestrafung);

2. von der Berufung, dem +Amte+, der Besoldung und Entlassung der

Lehrer;

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 106 / 110 题