1. Der Jesuitenorden.

1. Der Stifter des Jesuitenordens ist der hl. +Ignatius von

Loyola+. Bereits 33 Jahre alt, begann er seine Studien mit den

Knaben der lateinischen Schule zu +Barcelona+. 1540 erfolgte mit

sechs Gesinnungsgenossen in Paris die Gründung des Ordens. Die

päpstliche Bestätigung betont ausdrücklich, daß der Jesuitenorden ein

+Erziehungs-+ und +Unterrichtsorden+ sein solle. Der hl. Ignatius

starb 1556.

2. Die Jesuiten gründeten +Kollegien+ (Erziehungsanstalten) als

Internate und übernahmen +Gymnasien+, welche von externen Schülern

besucht wurden. Ihre Studienordnung wurde 1599 veröffentlicht. 1600

bestanden schon 300 Kollegien!

3. Die Jesuitenschulen sind +Gelehrtenschulen+ und umfassen zwei

Abteilungen. Die niedere Abteilung war eine Lateinschule oder

+Gymnasium+, die höhere Abteilung eine +Akademie+ mit Philosophie und

Theologie. Ein Jesuitengymnasium hatte 5 Klassen, welche nach den

lateinischen Jahrespensen benannt wurden: ~Infima~, ~Grammatica~,

~Syntaxis~, ~Poëtica~, ~Rhetorica~. Der Unterricht war +Klassen-+,

nicht Fachunterricht, jeder +Lehrer+ mußte seine +Schüler+ mindestens

+3 Jahre behalten+, um ihre +Eigenart+ genau kennen zu lernen.

(Vgl. Comenius.) +Die Unterrichts- und Umgangssprache+ war die

+lateinische+. Für den Religionsunterricht war nur ½ Stunde in der

Woche angesetzt, da der gesamte Unterricht von der Religion getragen

sein sollte. Die Realien behandelte man in sog. Eruditionsstunden.

Die +formale+ Bildung, Entwicklung der seelischen Anlagen und Kräfte,

stand obenan.

4. Das Hauptaugenmerk blieb mit Recht auf die +Erziehung+ gerichtet.

Hierbei wurden folgende Grundsätze beachtet:

~a~) Auf das +Beispiel+ des Lehrers wurde das +höchste Gewicht+

gelegt, denn „die Sitten der Lehrer prägen sich in den Schülern ab

wie die Züge der Eltern in den Gesichtern der Kinder“.

~b~) Durch Anregung des +Wetteifers+ wurde auf das Ehrgefühl gewirkt.

Jeder Schüler erhielt seinen ‚~aemulus~‘ oder Nebenbuhler.

~c~) Es ist besser, „den Zögling vor dem +Bösen zu bewahren+, als

wegen des begangenen Bösen zu bestrafen“. Zur Beaufsichtigung nahm

man wie bei Trotzendorf Schüler zu Hilfe, welche als Censoren,

Dekurionen, Prätoren ihres Amtes walteten.

~d~) Die Schüler mußten in +derselben+ Art und Weise büßen, in

welcher sie gefehlt hatten.

~e~) Es herrschte +strenge+ Zucht. Das einzige Mittel der

körperlichen Züchtigung +war die Rute+, welche durch einen +eigenen

Korrektor+ (Strafvollzieher oder Zuchtmeister), +der nicht Jesuit+

war, gehandhabt wurde.

5. Die Jesuitenschulen sind sehr +gelobt+ worden, aber auch von

herbem +Tadel+ nicht verschont geblieben.

~a~) „Nimm an den Schulen der Jesuiten ein Beispiel, denn bessere

gibt’s nicht,“ sagt +Baco von Verulam+. Der protestantische Rektor

Körner nennt das Schulwesen der Jesuiten das +best+organisierte

seiner Zeit und rühmt von ihnen: „Sie sind die ersten Pädagogen, die

mit psychologischem Takte verfuhren, die nicht nach der Schablone

bildeten, sondern +individuell+ entwickelten, für das +praktische+

Leben erzogen und dadurch dem ganzen Schulwesen im bürgerlichen und

staatlichen Leben eine einflußreiche Stelle sicherten. Sie wußten

eine +Sittenreinheit+ zu erzielen, wie sie auf keiner Schule des 16.

oder 17. Jahrhunderts sich fand.“

~b~) Anderseits hat man ihnen nicht mit Unrecht vorgeworfen, daß die

Volksschule sich der Fürsorge der Jesuiten nicht zu erfreuen hatte,

die +Muttersprache+ vom Studium ausgeschlossen war und die Mathematik

gänzlich vernachlässigt wurde. Auch konnte durch die peinliche

gegenseitige Überwachung leicht Heuchelei und Spionage erzeugt werden

und die Überreizung des Ehrgefühls zu Neid und Eifersucht führen.

Von 1773 an war der Orden 41 Jahre lang aufgehoben. Papst Pius VII.

stellte ihn 1814 wieder her.

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 72 / 110 题