=1. Ludwig Vives= (1492–1540).
=1. Leben.= Johann Ludwig Vives wurde am 6. März 1492 zu Valencia
als Kind adeliger aber unbemittelter Eltern geboren und empfing
seine gelehrte Bildung auf der hohen Schule seiner Vaterstadt und an
der Universität zu Paris. Nachdem er vorübergehend in Brügge sich
aufgehalten, wurde er 1516 Erzieher des späteren Kardinals Wilhelm de
Croy zu +Löwen+. Hier hielt er Vorlesungen an der Universität und trat
in freundschaftlichen Verkehr mit Erasmus von Rotterdam. Wie dieser
verhielt er sich gegen die Reformation Luthers ablehnend, eiferte aber
mit großem Freimut gegen alle vorhandenen Gebrechen und Mißstände
innerhalb der katholischen Kirche. Von Erasmus veranlaßt gab er die
Schrift des hl. Augustinus ‚~de civitate dei~‘ neu heraus und widmete
diese Ausgabe dem Könige von England, Heinrich VIII. Infolgedessen
wurde er nach +England+ berufen und zum Professor der Universität
Oxford ernannt, wo er zugleich der königlichen Prinzessin und
Thronerbin Maria Unterricht erteilte. Als er aber in dem Ehestreite
Heinrichs VIII. offen auf die Seite der Königin Katharina trat, mußte
er England verlassen und kehrte nach +Brügge+ zurück. Von hier rief
ihn der Herzog von Nassau auf Veranlassung seiner Gemahlin Mencia da
Mendoza an seinen Hof nach Breda. Nach dem Tode des Herzogs 1539 kehrte
Vives nach Brügge zurück und starb daselbst schon im nächsten Jahre, 6.
Mai 1540.
=2. Schriften.= Von seinen Schriften sind zu merken:
~a~) „Über die Unterstützung der Armen.“ Diese Schrift ist historisch
merkwürdig als die erste durchdachte und mit völliger Klarheit
hingestellte Theorie einer allgemeinen +bürgerlichen Armenpflege+.
Zu den Aufgaben der letzteren rechnet er ganz besonders auch die
+Unterweisung der Kinder der Armen+ im Lesen und Schreiben wie in den
Anfangsgründen des christlichen Glaubens.
~b~) „Über die Wissenschaften.“ Der zweite Teil dieser Schrift handelt
von dem Unterrichte in den Wissenschaften oder vom christlichen
Unterrichte.
~c~) „Über die Erziehung der christlichen Frau.“ Das Buch ist der
Königin Katharina von England gewidmet.
=3. Pädagogik.= Vives gründete seine Pädagogik auf die empirische
Psychologie, deren Vater er mit Recht genannt wird. Im einzelnen stellt
er folgende Forderungen auf: