„Zur guten Verwaltung des Lehramtes gehört +klarer Verstand+,
+Demut+, +Lehrgabe+.“
„Bei aller Arbeit in der Wissenschaft darf auch die Sorge für den
+Leib+ nicht vergessen werden.“
„Zweck der Zucht ist Abgewöhnung vom Bösen und Gewöhnung zum Guten.“
„Die Strafe kann in Tadel, Drohung und +körperlicher Züchtigung+
bestehen.“
„Überall aber muß die Strafe nur +aus Liebe+ und +mit Liebe+
angewendet werden.“
=2. Johannes Gerson= (1363–1429).
1. Der geistliche +Professor+ und +Kanzler+ der Universität Paris
Johannes +Gerson+ war Mitglied des 16. ökumen. Konzils (zu Konstanz,
1414) und unterrichtete später zu Lyon die Kinder und Kleinen in der
Religion. Er starb dort in der Mitte seiner Zöglinge.
2. Gerson verfaßte eine Schrift „Über +die Pflicht, die Kinder
Christo zuzuführen+“. Er schrieb außerdem noch für die Kinder über
die zehn Gebote und das Beichten.
3. Von dem Eifer und der großen Seelenkenntnis Gersons zeugen
folgende Stellen:
„+Christus+ verglich sich im +Sammeln der Seelen+ mit einer +Henne+,
welcher, wie Augustinus sagt, kein Tier in der bekümmerten Teilnahme
für seine Jungen gleicht.“
„Die Kleinen werden zu Christus geführt durch +Kanzelvortrag+,
+private Belehrung+, +Schulunterricht+ und die +Beichte+.“
„Ich halte die +Beichte+ für die +wirksamste Leiterin zu Christus+.“
„Niemals werde ich nach Dingen forschen, die zu verschweigen sind.“
„Kommet mit Vertrauen! Ich werde euch lehren, und ihr werdet für mich
beten.“
=3. Mapheus Vegius= (1407–1458).
1. Der Sekretär der päpstlichen Breven Mapheus +Vegius+ war auf
pädagogischem Gebiete nur +theoretisch+ tätig. Er starb zu Rom.
2. Eine besondere Verehrung zu der hl. +Monika+, deren Gebeine er von
Ostia nach Rom bringen und in der Augustinuskirche beisetzen ließ,
veranlaßte ihn zur Abfassung der ausgezeichneten Schrift: „Über die
Erziehung der Kinder und die +Veredlung ihrer Sitten+.“
3. Die Schrift zerfällt in 6 Bücher und ist eine vollständige
Pädagogik. Dem Charakter des Mittelalters gemäß hat die +erziehliche+
Seite mit Recht über die didaktische das Übergewicht. Vegius hebt
(wie früher Quintilian) hervor, daß selbst für die +Elemente
des Wissens tüchtige Lehrer+ notwendig sind, weil nur solche es
verstehen, leichtfaßlich und klar zu unterweisen und einen +sicheren
Grund+ zu legen. Die bemerkenswertesten Stellen aus dieser Schrift
sind folgende:
„Die Kinder sollen vom 7. +Jahre+ an, wie dies die Alten schon
angeordnet, den Unterricht eines Lehrers genießen.“ „Wie das weiche
Wachs die Spuren des Siegels festhält, so ist auch das +zarte Alter+
für die Aufnahme äußerer Eindrücke geeigneter als jedes andere.“
„Die Knaben sollen in +öffentlichen+ Unterrichtslokalen, nicht aber
zu Hause ihren Unterricht erhalten, weil dann der +eine+ durch den
+anderen angefeuert+ wird.“
„Vor dem häufigen +Wechsel+ der Lehrer und des Unterrichts möge man
sich hüten.“
„Die Lehrer sollen die Schüler als ihre +eigenen+ Kinder behandeln.“
„Dieselbe Regel, welche man bei +körperlicher+ Nahrung anwendet, ist
auch bei Mitteilung von Kenntnissen zu beobachten.“
„Die Lehrer mögen ihr +sorgfältiges Augenmerk+ auf das Wesen der
+einzelnen+ richten.“ (Individualität.)
„Die Lehrer müssen sich hüten, daß sie nicht übermäßig in +Zorn+
geraten, denn dem Lehrer wird Grausamkeit als Verbrechen angerechnet.“
=4. Viktorin von Feltre= (1378–1446).
1. Ein +praktischer+ Schulmann des Mittelalters war Viktorin von
+Feltre+, der stets ein vollgültiges Muster für Lehrer bleiben
wird. Als Sohn ganz armer Eltern hatte er mit Not und Entbehrungen
zu kämpfen, studierte mit glänzendem Erfolge zu Padua und wurde
Universitätsprofessor daselbst.
2. Er gründete zugleich in +Padua+ ein Pädagogium für brave Schüler
ohne Unterschied des Standes. Diese Erziehungsanstalt verlegte
er später nach +Venedig+, dann nach +Mantua+ (70 Zöglinge). Hier
unterrichtete er auch die Kinder des Herzogs Joh. Franz Gonzaga.
Befragt, welche Besoldung er wünsche, antwortete er: „Töricht fürwahr
wäre es in diesem Augenblicke, an etwas zu denken, was ich von meinen
Kinderjahren an gering geschätzt habe. Ich bin gekommen, Tugend zu
begründen, nicht, um Geld zu markten.“
3. Viktorin war Laie und nie verheiratet, ein Muster der
+Frömmigkeit+. Er +bereitete+ sich auf jede Lehrstunde gewissenhaft
+vor+ und ruhte nicht eher, bis auch die schwächsten Schüler seinen
Vortrag gefaßt hatten. Den Unterricht erteilte er stets anschaulich
mit freundlicher Herablassung. Er gab den Kindern Buchstaben aus
Pappe, damit sie dieselben spielend kennen lernten. Im Gegensatz
zu der allgemeinen Praxis des Mittelalters verwarf Viktorin alle
+körperliche+ Züchtigung und das Strafknieen in der Schule. Bei der
Erziehung legte er großen Wert auf körperliche Abhärtung, Gymnastik
und Spiele. „Von körperlicher Behendigkeit,“ sagte er, „kann man
meist auf einen durchdringenden Geist schließen. Die Wärme, die
man der +Bewegung+ verdankt, ist die angenehmste, gesundeste und
dauerhafteste, weil sie gleichmäßig über alle Teile des Körpers sich
verbreitet. Am Feuer werden nur einige derselben und diese dann
zu stark erwärmt; daraus entstehen Augenübel, Husten, Schnupfen
und vor allem wird die Trägheit, die große Feindin jedes edleren
Beginnens, in hohem Grade genährt. Durch Leibesübungen hingegen
wird der Geist erheitert, die Gesundheit befestigt, die Verdauung
erleichtert.“ Als man ihm liebevolle Vorwürfe darüber machte, daß er
seine +Enthaltsamkeit+ zu weit treibe und sich das Leben verkürze,
erwiderte er: „Glaubt mir, weniges wird zur Erhaltung des Lebens
erfordert, alles übrige dient zur Befriedigung der Lüsternheit, und
dann hat man einen Schlund zu füllen, dem auch das viele nur wenig
ist.“ Bemerkenswert ist auch sein Ausspruch: „+In der Liebe zu den
Schülern allein liegt die Würde, die Freude und das Göttliche der
Lehrerwirksamkeit.+“
Dritter Abschnitt.
Von der Reformation bis auf Rousseau.
Vorbemerkung.
1. Die Reformation übte auf die Erziehung zunächst einen
+nachteiligen+ Einfluß.
~a~) Wo sie Eingang fand, gingen die bestehenden Schulen meistens
zugrunde. Kloster-, Dom- und städtische Schulen lösten sich auf.
~b~) Es trat eine arge +Verwilderung und Sittenlosigkeit+ ein.
Krasser Unglaube und schamlose Frivolität erhoben ihr Haupt. Durch
die Religionsstreitigkeiten waren Erbitterung und Gehässigkeit
unvermeidlich geworden. Widerliches Gezänk entzweite vielfach Lehrer
und Schüler. Luther selbst nahm diesen heillosen Zustand wahr,
schrieb „an die Ratsherren“ und rief den obrigkeitlichen Zwang an
(1530).
2. Dagegen liegen in der Reformation auch wirksame
+Förderungsmomente+ für Schule und Unterricht.
~a~) Die Bibelübersetzung Luthers trug nicht wenig zur Verbreitung
des Hochdeutschen und zur Anbahnung einer einheitlichen Unterrichts-
und Schriftsprache in Deutschland bei.
~b~) Die evangel. Kirchenordnungen berücksichtigen auch die +Schule+.
Insbesondere wurden +tüchtige+ Männer angeregt, ihre Kräfte ganz der
Schule zu widmen.