Schnee und hüllte die Fichten ein; die Kreuzschnäbel kümmerte es wenig.
So fest und dick blieb er auf den Zweigen nicht liegen, daß er die
Samenzapfen verdeckte, und sobald die Sonne ein wenig schien, sangen
die purpurroten Männchen den grünlichgelben Weibchen lustig ihre Lieder
vor, und beide brachen dann fleißig dürre Reiserchen, Heidkrautzweige
und Grasblätter für die Außenwand des Nestes, das sie dann mit Moos und
Flechten auspolsterten, daß es so dick und so fest und so weich und
so warm wurde, wie es nötig ist, daß der Frost nicht bis zu den Eiern
gelangen konnte.
Gut versteckt waren die Nester auch in den dichten Zweigen, und fest
genug hineingebaut. Mochte der Schnee auch noch so hart treiben, er kam
höchstens mit einigen feinen Stäubchen bis zu den brütenden Weibchen
hin. Und damit die Eier nicht kalt wurden, fütterte jedes Männchen sein
Weibchen, so daß es das Nest nicht zu verlassen brauchte, als höchstens
dann, wenn die Mittagssonne ganz warm schien und es sich sein Gefieder
zurechtzupfte, es vom Harze reinigte und sich ein bißchen Bewegung
machte. Während nun rundumher das Land im Schnee begraben lag und außer
dem Gebimmel der Meisen und dem Gezirpse der Goldhähnchen oder einem
Krähenschrei und einem Häherruf kein Laut zu hören war, entstand in den
hundert und mehr verborgenen Nestern neues Leben.
Nun, wo der Winter nachts noch mit voller Macht hier am Berge
herrscht, die Sonne aber schon größere Kraft hat und oft genug den
Schnee über Mittag zum Tauen und Tröpfeln bringt, verlassen die jungen
Kreuzschnäbel die Nester und wagen sich auf die Zweige hinaus, wo sie
eng aneinandergedrängt sitzen, bis einer der alten Vögel herannaht und
sie gierend und mit den Flügeln zitternd sich ihm entgegendrängen,
um sich den Schlund mit angequollenem Fichtensamen vollstopfen zu
lassen. Der Frost macht hungrig, und so haben die alten Vögel von
Sonnenaufgang bis zum Abend hin genug zu tun, um die drei oder vier
immer freßlustigen Jungen sattzumachen.
Jeder von ihnen hat einen Fichtenzapfen vor und zerspellt mit dem
sonderbaren Schnabel die harten, festanliegenden Schuppen, löst mit der
Zunge das winzige Samenkorn heraus und läßt es in den Kropf rutschen.
Hier hängt ein altes Weibchen kopfüber an einem Zapfen und bearbeitet
ihn, daß es in einemfort leise knistert und immerzu winzige Teile der
Schuppen, wie Goldstaub blitzend, auf den Schnee am Boden wirbeln,
der davon und von den abgestreiften Nadeln und Flechten schon ganz
buntgefärbt ist. Dort kneift ein purpurrotes Männchen einen kleinen
Zapfen ab, trägt ihn mit dem Schnabel nach einem bequemen Ast und
leert ihn da aus. Überall gieren die hungrigen Jungen, hier und da und
dort zittern sie mit den Flügeln, in einemfort rieseln Nadeln herab,
stäubt Schnee herunter, rundumher ertönt das seltsame Locken der alten
Vögel und ab und zu das lustige Gezwitscher eines Hahnes, der auf
einem Wipfeltriebe sitzt, daß sein rotes Gefieder in der Sonne nur so
leuchtet.
Noch eine oder zwei Wochen wird das lustige Treiben und das bunte Leben
hier oben in den hohen Wipfeln anhalten. Dann aber, wenn die Sonne
den Schnee von der Bergwand vertreibt, wenn der Seidelbast sich mit
rosenroten Blütchen schmückt und der Nießwurz seine grünlichen Blumen
entfaltet, wenn die Meisen sich auf ihre Lieder besinnen und der Fink
zu schlagen beginnt, werden die jungen Kreuzschnäbel flügge sein und
mit den Alten von dannen ziehen, irgendwohin, wo die Fichten genügend
tragen. Heute werden sie da sein, morgen dort, und um die Zeit, wenn
alle anderen Vögel sich seßhaft machen und ihre Brut aufziehen, unstet
und flüchtig hin und her wandern, wie die Zigeuner.
Irgendwo werden sie zur Winterszeit sich einen Wald suchen, wo sie
Nahrung genug finden, entweder hier oben in den Bergen oder unten im
Lande, je nachdem hier oder dort der Fichtensamen gerät. Vielleicht
werden sie in eine Gegend verschlagen im flachen Lande, wo sie sonst
nicht leben, und wenn sie dort um die Weihnachtszeit einen Wald mit
unbekannten Farben und fremden Stimmen beleben, wird das Volk sie mit
besorgten Mienen betrachten und meinen, sie brächten Krieg, Seuche und
Teuerung.
Die Strohdieme.
Mitten im kahlen, verschneiten Felde steht die Dieme groß und breit
da, und so protzig, als sei sie stolz auf die weiße Haube, die ihr der
letzte Schneefall verehrt hat.
Hundert Schritte von ihr führt der Weg entlang, der von der Vorstadt
nach dem Walde führt, und auf dem tagtäglich viele Menschen hin und
her gehen. Kaum einer von ihnen sieht nach ihr hin. Was ist denn auch
weiter daran zu sehen? Es ist ja nur ein Haufen von gedroschenem Stroh.
Das ist wohl wahr. Aber sie ist doch mehr, als nichts und weiter nichts
denn ein Haufen toten Strohes. Sie ist eine Herberge und Schlafstätte
für vielerlei Getier, das da entweder sein heimliches Leben führt oder
ohne Besinnung die harte Zeit verträumt, bis im Frühling, wenn die
Dieme abgebaut wird, die Sonne das, was unter ihr schläft, aufweckt.
Schon im Vorherbste, als die Dieme eben gerichtet war, und die ersten
rauhen Winde und kalten Güsse über das Land gingen, rettete sich alles,
dem es auf dem Felde zu kalt und zu zugig wurde, zu ihr hin, große
und kleine Laufkäfer, Fliegen und Wespen, Kurzflügler und Ohrwürmer,
Raupen und Eulenfalter, Asseln und Tausendfüße, Spinnen und Milben,
Springschwänze und Erdflöhe. Sie alle krochen unter die unterste
Strohschicht, krabbelten dort noch eine Weile umher und fielen, als der
Frost einsetzte, in Schlaf.
Zu gleicher Zeit kamen die Mäuse angerückt, rötlichgraue, schlanke
Waldmäuse, die schönen zimtbraunen, auf dem Rücken mit einem schwarzen
Aalstrich geschmückten Brandmäuse, die zierlichen Zwergmäuse, die
plumpen, kurzschwänzigen Feldmäuse. Sogar Ackerspitzmäuse stellten sich
ein, denn Fraß für ihre spitzen Zähne boten die vielen schlafenden
Kerbtiere zur Genüge, auch wurde mehr als eine kranke und schwache Maus
ihre Beute.
Vor der Dieme liegt ein mächtiger Haufen Kaff, den die Dreschmaschine
unter sich ließ, und der zu einem guten Teil aus Unkrautsamen
besteht. Da war anfangs Tag für Tag ein lustiges Leben; Haus- und
Feldspatzen, Gold- und Grauammern, Hänflinge und Grünlinge, Buchfinken
und Haubenlerchen gaben sich dort ein Stelldichein. Das lockte dann
den Sperber, der alle paar Tage angestrichen kam, um die Dieme
herumschwenkte und mit einem Vogel in den Griffen dem Walde zuflog.
Späterhin löste ihn der Merlin, der Zwergfalke aus Lappland, ab. Wie
ein Blitz war er zwischen den Finken und Ammern, und gleich darauf
fußte er auf einem Grenzsteine und kröpfte seine Beute, ohne sich um
die Menschen zu kümmern, die hundert Schritte bei ihm vorübergingen.
Gestern, als der Nordostwind aus dem Holze herausheulte und
Schlackschnee über das Feld schmiß, war es still und öde bei der
Dieme. Ab und zu ließ sich eine Krähe auf dem Rande des Daches nieder,
spähte hinab, ob sich nicht eine Maus blicken ließ, und flog mißmutig
weiter. Heute, wo die Sonne hell am blauen Himmel steht und das
leichtverschneite Land bescheint, ist allerlei Leben bei der Strohburg.
Bald hier, bald da huscht eine Maus hervor, sonnt sich ein Weilchen
und schlüpft wieder in ihr Loch, wenn der Schatten einer Krähe auf den
Schnee fällt oder ein Trupp Spatzen herangebraust kommt. Eine dicke
Waldmaus, die von der Dieme nach dem Kaffhaufen will, paßt nicht auf,
und die graue Krähe, die schon eine Weile gelauert hat, packt zu, faßt
sie und streicht mit ihr fort, verfolgt von zwei Rabenkrähen, die ihr
hungrig quarrend den Raub abzujagen suchen.
In der dünnen Schneeschicht am Fuße der Dieme sind allerlei Spuren
sichtbar. Über Nacht ist der Fuchs, der in dem eine Meile weit
entfernten Forst seinen Bau hat, hier gewesen; deutlich zeigt der
Schnee seine Spur. Dann sind die zierlichen Eindrücke des Wieselchens
da zu sehen, ferner die Spuren von Katze und Hund. Sie alle sind
auf Mäusejagd gewesen. Sogar den Igel hat der Hunger aus seinem
Unterschlupf in der Dornenhecke herausgetrieben; seine Spur führt
rund um die Dieme hin. Die schöngeperlte Feder, die an einem dürren
Unkrautstengel hängengeblieben ist, stammt von der Schleiereule, die
nächtlicherweile vom Kirchturme aus der Dieme einen Besuch gemacht hat,
wo sie mit dem Kauze zusammentraf, der vom Walde herkam und der die
große Flügelfeder verlor, die dort im Schnee liegt. Auch ein paar Rehe
haben hier herumgetreten, den Schnee vor dem Kaffhaufen geplätzt und
das ausgewachsene Getreide abgeäst.
Die Goldammern, die eben auf dem Kaffhaufen herumsuchten, wo ein Hund
oder der Fuchs nach Mäusen gescharrt hat, stieben plötzlich empor
und hasten davon, und auch das Haubenlerchenpaar, das vor der Dieme
umhertrippelte, flattert von dannen, denn von der Hecke her kommt ein
schlankes, schneeweißes Tier mit blanken, schwarzen Augen angehüpft,
das Hermelin. Nach fünf bis sechs Sprüngen macht es jedesmal halt,
richtet sich auf, äugt umher und rennt dann weiter.
Jetzt ist es bei der Dieme angelangt, findet mit seinen Spürborsten
sogleich heraus, wo es bequem einschleichen kann, und fort ist es.
Nun wird Todesschrecken unter den vielen Mäusen herrschen, die in
der Dieme wohnen. Das wird ein banges Geflitze und Gekrabbel sein
und ein ängstliches Gerenne und Gerutsche. Schon ist das weiße
Mörderchen wieder da; hochaufgerichtet sitzt es und hält eine noch mit
den Hinterfüßen zappelnde Brandmaus zwischen den scharfen Zähnchen.
Einen Augenblick sieht es sich um, dann hüpft es mit seiner Beute der
Dornhecke am Feldgraben zu, wo es gerade noch rechtzeitig anlangt,
um der Krähe zu entgehen, die danach aus der Luft herunterstößt. Vor
Schreck hat es aber die Maus fallen lassen, mit der die Krähe nun
abfliegt. Kaum hat sie die Maus hinabgewürgt, da streicht sie mit
wütendem Geplärre der Dieme zu, auf der sich ein heller Raufußbussard
niedergelassen hat; es paßt ihr nicht, daß er dort auf Mäuse lauert.
Schnell sind noch drei andere Krähen da und schnarren den gutmütigen
Fremdling so an, daß er es für besser hält, sich von dannen zu begeben.
Im Frühling, wenn der Bauer Strohmangel hat und die Dieme abbaut,
werden die Mäuse nach allen Ecken und Enden auseinanderflüchten. Viele
von ihnen werden die Hunde greifen, andere die Knechte totschlagen; die
meisten aber werden entkommen. Dann wird die Dieme auch ihr schlimmstes
Geheimnis offenbaren. Anderthalbhundert schrecklich abgemagerte Frösche
und Kröten werden die Leute dann vorfinden, die der Iltis, der sich an
der einen Seite des Strohberges eins seiner Winterlager gewühlt hat, im
Herbste zusammenschleppte und hier aufspeicherte für schlechte Zeiten,
nachdem er jedes Stück durch einen Biß in das Kreuz gelähmt hatte.
Nur wenn tagelanger kalter Regen ihn festhält, frißt er davon, und so
quälen sich die unglücklichen Tiere viele Monate zwischen Leben und Tod
hin.
Einige hundert Menschen gehen täglich an der Dieme vorbei. Kaum einer
von ihnen wirft einen Blick danach hin und keiner weiß, wie vielerlei
Leben sich in ihr und um sie abspielt, stilles, friedliches Leben,
bittere Not und schreckliches Elend.
Die Ebereschen.
Über Nacht hat es schwer geschneit und in der Frühe fror es hart; nun
aber scheint die Sonne was sie nur kann.
Ihrer freuen sich die Gäste von Davos, die gesunden sowohl, die in
ihren Sportkleidern auf und ab wandeln, als auch die, die hier Genesung
von dem bösen Leiden suchen und sich in ihren Liegestühlen braten
lassen, und nicht minder die Spatzen. Sie sitzen haufenweise in den
Ebereschenbäumen und schwatzen und zwitschern, als wollten sie die
Musik der Kurkapelle überschreien.
Unten im Lande haben die Ebereschen ihre Früchte schon fallen lassen;
hier behalten sie sie noch lange. Das ist auch sehr notwendig. Was wäre
die Hauptstraße von Davos, hätte sie die Ebereschenbäume nicht. Wohl
sehen die vielen verschiedenartigen Nadelhölzer in den Gärten herrlich
aus, auch wirken die Espen mit ihrem hellen Gezweige und den dicken
blanken Blütenknospen daran prächtig; aber die Ebereschen schlagen doch
alles, was da Äste und Zweige hat, mit ihren knallroten Beeren tot.
Wie Flammen glühen die roten Dolden in der Vormittagssonne; sie
funkeln und sprühen und blitzen wie geschliffene Korallen, und selbst
die Stiele, an denen sie hängen, haben einen metallenen Schimmer.
Nirgendswo sehen die Ebereschentrauben so schön aus wie hier, und
nirgendswo halten sie sich so lange, ohne einzuschrumpfen, mißfarbig zu
werden und abzufallen.
Das muß auch so sein. Was sollten die Spatzen von Davos machen, fielen
hier, wie anderswo, die roten Beeren schon im Vorwinter zu Boden? Der
Schnee würde sie hinnehmen und erst nach vier Monaten wieder hergeben.
Dann wären die Sperlinge ganz auf die Gnade der Schlittenrösser
angewiesen und der Speisezettel würde recht mager und langweilig
ausfallen.
Anfangs, als die ersten Spatzen, die irgend ein Kurgast in Davos
aussetzte, in ihren ersten Winter kamen, mögen sie schön dumme
Augen gemacht haben, als es nirgendswo ein Feld gab oder einen
Getreideschober, wo sie ihre Nahrung finden konnten. Über Nacht war ein
Schnee gefallen, hatte alle Kehrichtplätze zugedeckt und desgleichen
das, was die Rösser unterwegs verloren hatten. Hungrig und verfroren
flogen die Sperlinge hin und her, fanden aber nichts für ihre Schnäbel,
denn überall lag Schnee.
Da beschien die Sonne die Ebereschenbeeren, daß sie funkelten und
strahlten. Aber Ebereschenbeeren sind kein Spatzenfutter; das ist ein
Fraß für Kramtsvögel, Dompfaffen und Bergfinken. Doch wenn der Teufel
in der Not Fliegen frißt, warum soll der Spatz, geht es nicht anders,
nicht an Ebereschen gehen? Zwar schmecken sie bitter und sauer zugleich
und ziehen den Schlund in arger Weise zusammen. Aber ehe die Rösser
für die genügende Menge von Futter gesorgt haben, ist man vielleicht
schon verhungert. Da hilft eben nichts, als in die sauern Beeren
hineinzubeißen. Schmeckt es auch nicht, so macht es doch satt.
Bald hatten sich die Spatzen daran gewöhnt, denn alle paar Nächte gab
es einen schweren Schneefall; dann fand sich bis gegen Mittag nichts
anderes und so blieb eben nichts übrig, als sich mit dieser Tatsache
solange abzufinden. Da nun die Ebereschenbäume in Davos fast alle
hart an der Straße stehen, so wurden die Sperlinge hier mit der Zeit
viel vertrauter als anderswo, und mag es noch so laut und so lebhaft
unter ihnen hergehen, das scheert sie wenig; sie bleiben sitzen und
zerklauben die roten Beeren, ohne sich stören zu lassen.
Auch die übrigen Vögel haben sich an den lebhaften Verkehr gewöhnt,
nicht nur die stolzen Amseln, denn die sind schon mehr als dreist,
nicht nur die schönen Dompfaffen, denn die sind überall zutraulich,
auch nicht die hübschen Grünlinge und die lustigen Buchfinken,
denn die haben ein harmloses Gemüt, und die bunten Bergfinken aus
Nordland kennen den Menschen so wenig, daß sie ihn nicht scheuen,
und so bleiben sie und die Grünlinge und die Dompfaffen ruhig bei
der Mahlzeit sitzen, wenn ein paar Menschen einen Schritt vor ihnen
stehen bleiben, mit den Händen nach ihnen deuten und laut sprechen.
Auch daß der dicke Flüëvogel nicht fortfliegt, wenn es vor seinem
Baume recht munter zugeht, ist weiter nicht merkwürdig, ebensowenig,
daß die schwarzkappige Alpenmeise sich so gut wie gar nicht um die
Menschen kümmert, und nicht minder, daß die Rabenkrähen, sind sie bei
dem Beerenfressen, wenig Scheu zeigen; aber daß sogar der prächtige
Grauspecht, der den einsamen Wald liebt, dicht an der Straße seinen
Kropf mit den roten Beeren füllt, das bekommt man einzig und allein in
Davos zu sehen.
Das ist aber alles noch gar nichts. Wenn es um die Mittagszeit auf der
Straße nur so lebt von Menschen, wenn die Schlitten hin und her klingen
und die Kurkapelle spielt, dann kommen rauhe, harte Schreie von den
Bergen, ganze Flüge von ziemlich großen Vögeln flattern heran, fallen
in den Ebereschenbäumen ein, reißen die Früchte ab und fressen sie,
und das sind Kramtsvögel, die scheuesten von allen Drosseln, und die
benehmen sich in Davos, als gäbe es keine Roßhaarschlingen, Schlaggarne
und Schießgewehre auf der Welt. Ganz dicht kann man an sie herantreten,
ihre rotgelben, schwarzgetüpfelten Brüste, ihre aschgrauen Nacken und
ihre blanken Augen besehen, ohne daß es ihnen einfällt, abzustieben.
Und doch lassen sie anderswo den Menschen noch nicht auf hundert
Schritte herankommen.
Eine Landschaft, die kein lustiges Vogelleben aufweist, wirkt tot und
kalt, mag sie sonst auch noch so prächtig sein. So würde es Davos
gehen, hätte es die vielen Ebereschenbäume an der Straße nicht, deren
rote Korallen ihren schönsten Schmuck bilden vom Herbste an bis zum
Frühling, wo sie zusammenschrumpfen und zu Boden fallen, sobald die
Espen ihre seidenen Kätzchen entfalten und an den sonnigen Hängen die
Schneeheide ihre Blümchen rosenrot färbt.
Sie haben ihren Zweck erfüllt und sind überflüssig, bis der Winter
wieder herannaht.
Inhaltsverzeichnis
Seite
Der Feldrain 9
Der Waldrand 16
Das Genist 20
Die Frühlingsblumen 25
Der Porst 30
Der Baumgarten 34
Die Kirchhofsmauer 40
Die Moorwiese 45
Die Schlucht 49
Die Heide 54
Der Fluttümpel 59
Der Windbruch 63
Der Bergteich 67
Die Marsch 71
Der Haselbusch 76
Das Bergmoor 80
Der Bach 87
Der Überhälter 92
Der Feldteich 97
Der Bergwald 102
Der Eisenbahndamm 108
Das Brandmoor 114
Der Quellbrink 121
Die Durchfahrt 129
Die Böschung 135
Die Kiesgrube 140
Die Dornhecke 145
Der Fichtenwald 150
Die Strohdieme 155
Die Ebereschen 160
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
korrigiert.
Korrekturen (in geschweifte Klammern eingeschlossen):
S. 11: Rauschschwalben → Rauchschwalben
Der Wutschrei der {Rauchschwalben} warnte beide,
S. 19: Bachen → Buchen
auf der Weibchensuche um die {Buchen}
S. 25: den → der
{der} Knirps von Zaunkönig überstimmt sie doch alle
S. 26: Er → Es
{Es} raschelt im Grase;
S. 28: da → das
ein Bächlein ist da, {das} uns allerlei erzählt,
S. 32: gelben → gelbem
mit dichtem {gelbem} Puder verhüllt
S. 32: gebt → gibt
der Regen {gibt} ihm den Rest.
S. 37: spreitzt → spreizt
Dann {spreizt} er die Schwingen
S. 39: schwinkt → schwingt
{schwingt} sich über die Hecke
S. 41: nnter → unter
und {unter} den verbogenen Wurzeln der alten Linde
S. 60: Jungale → Jungaale
einige fadendünne {Jungaale} schlängeln sich
S. 63: Buchen → Buchten
In den sonnigen {Buchten}
S. 71: ihr → ihm
die sich in {ihm} spiegeln
S. 74: vor → von
dichten Wirrwarr {von} Rohr und Schilf
S. 74: Dicke → dicke
{dicke} Blasen steigen auf und zerplatzen seufzend;
S. 78: Flüge → Flügel
ritsch ratsch, sind die {Flügel} herunter,
S. 84: frühere → früheren
eine Raubritterburg in {früheren} Zeiten
S. 89: sie es → sie sie
Bis zu der Mühle treibt {sie sie} hin
S. 90: erfreuen → erfreue
den Menschen mit ihren lustigen Liedern {erfreue}
S. 91: Kickschen → Knickschen
Benehmen die paar Fischchen {Knickschen} wieder wett,
S. 99: eulenhaften → eulenhaftem
Mit lautlosem {eulenhaftem} Fluge
S. 100: Rohrweie → Rohrweihe
gut vor den scharfen Blicken der {Rohrweihe} verborgen,
S. 101: unstät → unstet
ziehen erst zusammen {unstet} von einem Röhricht zum anderen,
S. 116: erstickte → erstickten
Endlich {erstickten} Regen, Schnee und Frost den Brand
S. 131: ihn → ihm
wenn andere Räuber {ihm} in die Quere kommen.
S. 136: Alle → Alles
{Alles} dieses kleine feine Leben
S. 151: Keuzschnäbel → Kreuzschnäbel
{Kreuzschnäbel} sind es
S. 151: Unstät → Unstet
{Unstet} waren sie in kleineren Trupps