[Illustration: Abb. 58. Das Vernieten der Platten.

(Es sind hier sechs Lochreihen statt fünf angenommen.)]

Um die beiden Hälften der einzelnen Platten fest zusammen zu halten,

werden sie miteinander vernietet. Man bohrt an den in der Abb. 58

mit Sternchen bezeichneten Stellen Löcher und steckt kurze Stückchen

Bleidraht von entsprechender Dicke hindurch, so daß sie auf jeder Seite

1 _mm_ herausragen mögen. Da das Blei sehr weich ist, so fällt es nicht

schwer, die Drahtstückchen durch einfaches Klopfen mit dem Hammer so zu

vernieten, daß sie nicht mehr über die Platte herausragen.

Damit sind die Hauptbestandteile des Akkumulators, die Platten,

fertig, und wir können zu ihrem Einbau in die Glasgefäße schreiten.

Da die Bleiplatten nicht unmittelbar auf dem Boden aufstehen dürfen,

weil sonst etwa abbröckelnde Stückchen von Bleioxyd einen Kurzschluß

verursachen könnten, so stellen wir sie auf zwei 1 _cm_ starke

Glasröhren, die wir auf dem Boden jedes Gefäßes mit ein paar Tropfen

Siegellack befestigen. Jetzt können die Platten eingesetzt werden,

wieder wie vorher, die Fortsätze der negativen auf der einen, die

der positiven auf der anderen Seite. Jede Platte ist dabei von der

folgenden durch je zwei 3 bis 4 _mm_ dicke Glasröhren zu trennen.

Statt der Glasröhren kann man auch starkwandigen, entsprechend

dicken Gummischlauch verwenden. Der Rand des Glasgefäßes soll 2 bis 3

_cm_ höher als der obere Rand der Platten sein, da die Schwefelsäure

mindestens einen halben Zentimeter hoch über den Platten stehen soll

und außerdem noch ein gut schließender Deckel angebracht werden muß.

Wir füllen das Glas bis 1,5 _cm_ vom oberen Rande mit Wasser und

achten dabei besonders darauf, daß die Bleifortsätze und der Teil der

inneren Glaswand, der nicht unter Wasser ist, völlig trocken bleiben,

da sonst die abschließende Vergußmasse nicht genügend fest haften

bleibt. Nun wird in der einen Ecke des Behälters mit etwas Wachs ein 3

bis 4 _mm_ weites Glasröhrchen angebracht, das oben mit dem Gefäßrand

abschneidet und unten gerade noch unter den Wasserspiegel taucht. In

der Mitte stellen wir auf die Platten ein 1 _cm_ weites, 2 bis 3 _cm_

langes Glasröhrchen. Dann wird in einem kleinen Pfännchen oder in einem

Blechlöffel Paraffin geschmolzen und in möglichst heißem Zustand auf

das Wasser gegossen, wo es sich dann rasch verbreitet und erstarrt.

Es soll überall an den Glaswänden und den Bleistreifen gut anliegen;

nötigenfalls gießt man noch etwas nach. Die Paraffinschicht braucht

nicht stärker als etwa 2 _mm_ zu sein; denn der eigentliche Verschluß

wird genau so hergestellt, wie dies oben beim Trockenelement schon

beschrieben wurde. Ist der Guß völlig erkaltet, so gießen wir das

Wasser aus.

Es sind nun noch die Bleifortsätze zusammenzulöten. Wir biegen die vier

Bleistreifen der negativen Platten nach der Mitte zusammen, umwinden

sie mit einem Draht, so daß sie fest aneinander liegen, und schmelzen

die Oberfläche der vier Enden mit einem bis zur Rotglut erhitzten

und reichlich mit Salmiak gereinigten Lötkolben zusammen; Lötwasser

darf dabei ~nicht~ verwendet werden. Ebenso werden die Streifen der

positiven Platten miteinander vereinigt. Gleichzeitig können wir sowohl

an den negativen wie an den positiven Fortsätzen je einen 10 bis 20

_cm_ langen starken Bleidraht anschmelzen.

Jetzt haben wir den Akkumulator nur noch zu füllen: wir gießen

in 9 Volumteile ~destilliertes~ Wasser 1 Volumteil konzentrierte

reine Schwefelsäure (unter Beobachtung der bereits erwähnten

Vorsichtsmaßregeln). Nachdem sich die Flüssigkeit abgekühlt hat,

wird die Akkumulatorenzelle damit angefüllt und das in den Verschluß

eingegossene Glasrohr in der Mitte mit einem _Gummi_stöpsel

verschlossen, während das kleine in der Ecke offen bleibt.

[Illustration: Abb. 59. Fertige Akkumulatorzelle.]

Die nun fertige Zelle wird in einem geeigneten Holzkasten in Sägemehl

eingebettet. An dem Holzkasten bringen wir zwei Klemmschrauben an,

zu denen die Bleidrähte geführt werden. Mit roter Ölfarbe wird unter

jede Klemme das ihr zukommende Vorzeichen gesetzt. Abb. 59 zeigt den

fertigen Akkumulator. Über das Laden und den Gebrauch der Akkumulatoren

wird weiter unten (S. 80/81) noch ausführlich gesprochen werden; jetzt

wollen wir noch sehen, wie wir uns auf einfache Weise selbst gute

Gefäße für Akkumulatoren herstellen können.

[Illustration: Abb. 60. Der Boden des Holzgestelles.]

[Sidenote: Herstellung von Glasbehältern.]

Wir verwenden gewöhnliche Glasplatten, etwa alte photographische

Platten, von denen die Schicht abzuwaschen ist, und schneiden uns für

jede Zelle fünf Scheibchen -- vier Seiten und eine Bodenfläche -- in

passender Größe. Dann fertigen wir uns aus Zigarrenkistenholz ein

Gestell, in welches die zugeschnittenen Gläser gerade hineinpassen, und

dessen Herstellungsweise aus den beiden Abb. 60 und 61 hervorgeht. Die

etwa 1 _cm_ breiten Holzleistchen müssen, wenn sie geschnitten sind,

mit Glaspapier schön geglättet und dann einige Minuten in Paraffin

gekocht werden. Hierauf läßt man sie abkühlen, schabt das oberflächlich

anhaftende Paraffin mit einem Messer ab und setzt die Leistchen, wie

Abb. 61 zeigt, zu dem Gestell zusammen. Nun bereiten wir uns wieder den

bekannten Kolophonium-Wachskitt, nehmen aber diesmal etwas mehr Leinöl,

etwa 3 bis 3,5 _g_ auf 10 _g_ Kolophonium. Mit dieser kleberigen,

fadenziehenden Masse bestreichen wir zuerst die Ränder des Scheibchens,

das den Boden bilden soll, und legen es an seinen Platz im Gestell;

ebenso verfahren wir dann mit den für die Seitenwände bestimmten

Glasplatten, die darauf zwar alle schon fest zusammenhalten, aber noch

nicht genügend dicht schließen.

[Illustration: Abb. 61. Das Holzgestell.]

Einen an Leinöl ärmeren Kitt (0,5 bis 1 _g_ : 10 _g_), dem wir etwas

gewöhnlichen Asphalt (3 _g_) zusetzen, erhitzen wir unter tüchtigem

Umrühren bis zum Sieden[3] und gießen damit die inneren Kanten des

Gefäßes aus. War der Guß genügend heiß, so wird er sich überall gut an

das Glas angeschlossen haben, was man daran erkennt, daß die Masse

in den Kanten hohl liegt, wie dies in Abb. 62 _a_ angedeutet ist. Ist

sie dagegen nicht in dieser Weise auf die Glasplatten übergeflossen,

sondern zusammengeballt geblieben, wie in Abb. 62 _b_, so muß man

sie an Ort und Stelle mit einem dicken, glühenden Nagel nochmals zum

Schmelzen bringen, wobei sie sich dann richtig an das Glas anschmiegt.

Ein anderer für solche Zwecke ebenfalls sehr geeigneter Kitt wird

dadurch hergestellt, daß man erst 50 Teile Kolophonium schmilzt, dann

50 Teile rohes Bienenwachs zugibt und in der siedenden Masse 10 bis 20

Teile Guttapercha auflöst. Endlich können wir die Kittfugen noch mit in

Alkohol gelöstem roten Siegellack überstreichen, der aber vollkommen

trocken sein muß, bevor die Gläser gefüllt werden.

[Illustration: Abb. 62. Ausgießen der Kanten des Gefäßes.]

Die Rahmen für solche Gefäße können wir uns auch aus Blechstreifen

zusammenlöten, doch ist gerade bei Akkumulatoren paraffiniertes Holz

vorzuziehen, da Metall von der Säure sehr stark angegriffen wird. Die

Glasplatten halten auch ganz ohne Rahmen sehr fest zusammen, doch sind

sie in solchen vor dem Zerbrechen mehr geschützt und können bequemer

getragen werden. Sollen sie dennoch ohne Gestell gefertigt werden, so

ist es zu empfehlen, die zusammenzukittenden Ränder der Glasscheiben

vorher mit Flußsäure rauh zu machen. (Über die Handhabung der Flußsäure

siehe Seite 12.) Auf alle Fälle müssen sie unbedingt rein sein, weshalb

sich ein vorheriges Abwaschen mit Natronlauge empfiehlt. Die so

gereinigten Stellen sollen mit den Fingern nicht mehr berührt werden.

~Für die Bedienung und Instandhaltung der Akkumulatoren~ beachte man

folgendes: Jede geladene Akkumulatorenzelle hat eine Spannung von 2,2

(max.) Volt. Beim Zusammenschalten mehrerer Zellen gilt genau das

gleiche, was auf den folgenden Seiten allgemein von Elementen gesagt

ist. Der Ladestrom für eine Akkumulatorenbatterie muß immer eine etwas

höhere Spannung haben, als die geladene Batterie. Die Stromstärke

richtet man mit Hilfe eines Regulier- oder Lampenwiderstandes

(siehe Anhang) so ein, daß beim Beginn der Ladung gerade eben eine

leichte Gasentwicklung zu bemerken ist; es sollen nur vereinzelte

kleine Gasbläschen von den Platten aufsteigen. Die Ladung soll dann

bei gleichbleibendem Strom so lange fortgesetzt werden, bis die

Gasentwicklung anfängt stürmisch zu werden. Man kann im allgemeinen

rechnen, daß der Ladestrom pro Quadratdezimeter Oberfläche der

positiven Platten während 8 bis 10 Stunden mit 0,5 Ampere wirken

soll. Stärker darf auch der Entladestrom nicht sein; nur ganz kurze

Augenblicke (5 bis höchstens 10 Sekunden) kann man etwa die vierfache

Stromstärke dem Akkumulator entnehmen, ohne ihn zu schädigen.

Der obere Plattenrand soll immer von der Säure bedeckt sein; ist

sie durch Verdunsten weniger geworden, so wird destilliertes Wasser

nachgegossen. Sollen mehrere Zellen dauernd zu einer Batterie

vereinigt werden, so dürfen die Verbindungen nur aus Blei (Draht oder

Blechstreifen) bestehen und müssen in der oben angegebenen Weise

verschmolzen werden. Man sehe immer von Zeit zu Zeit zwischen den

Platten durch, ob sich nichts dazwischen gesteckt hat, denn es kommt

leicht vor, daß losgelöste Mennige zwischen den Platten Kurzschluß

bildet; solche Teilchen sind zu entfernen. Akkumulatoren, die zum

Laden nicht aus dem Haus getragen werden müssen, werden vorteilhaft

nicht mit einem festen Verguß, sondern nur mit einem lose aufsitzenden

Deckel verschlossen. Werden die Akkumulatorenzellen in Holzkästen

eingebaut, so sollten diese stets seitliche Öffnungen haben, durch die

man zwischen die Akkumulatorenplatten sehen kann. Sind Platten infolge

langen Gebrauches schlecht geworden oder haben sie sich verbogen, so

werden sie herausgenommen und getrocknet; dann entfernt man durch

leichtes Klopfen alles lose sitzende Bleisuperoxyd und streicht

in die mit verdünnter Schwefelsäure angefeuchtete Platte wie oben

neuen Mennigebrei ein. Darauf werden die Platten zwischen feuchten

Leinenlappen ein paar Stunden gepreßt und endlich wieder eingesetzt.

[Sidenote: Kupronelement.]

Endlich sei noch das Kupronelement (Kupferoxydelement) erwähnt, das

wohl von allen primären Elementen -- so nennt man alle obengenannten

Elemente zum Unterschied vom Akkumulator, den man auch sekundäres

Element nennt -- das beste ist; es liefert bei 0,9 Volt einen sehr

konstanten Strom und erfordert fast keine besondere Bedienung. Es hatte

aber für Rudi einen sehr großen Nachteil: die guten Fabrikate sind sehr

teuer und die billigeren älteren Konstruktionen nicht empfehlenswert.

[Illustration: Abb. 63. Luftthermometer zum Nachweis des

Peltiereffektes.]

[Sidenote: Thermoelemente.]

Zum Schluß seien auch noch die Thermoelemente erwähnt, die für unsere

Zwecke nur theoretisches Interesse haben, da sie als Stromquellen

nicht in Betracht kommen. Rudi führte in seinem Vortrage ungefähr

folgendes aus: Wir haben gesehen, daß bei der Berührung von zwei

verschiedenen Metallen auf diesen eine Spannungsdifferenz auftritt,

die unter Zwischenschaltung von Elektrolyten recht groß werden kann.

Es zeigen sich überhaupt immer eigentümliche Erscheinungen und nicht

nur solche elektrischer Natur bei der Berührung verschiedener Stoffe.

So hat man (Peltier) z. B. gefunden, daß die Temperatur der Lötstelle

zweier verschiedener Metalle sich beim Stromdurchgang verändert,

und zwar je nach den Metallen und der Stromrichtung positiv oder

negativ. Zum Nachweis dieser Temperaturveränderung baute sich Rudi

folgenden Apparat, der im wesentlichen zwei hintereinander geschaltete

Luftthermometer darstellt. Die Anordnung erkennen wir aus der etwas

schematisierten Abb. 63. Die Thermometergefäße bestehen aus zwei

kurzen Stücken eines weiten Glasrohres _a_, _a₁_ (in der Abbildung

im Schnitt gezeichnet), die beiderseits durch Korke verschlossen

sind; die Korke _b_ und _b₁_ erhalten je ~eine~, _c_ und _c₁_ je zwei

Bohrungen. Einen etwa 3 _mm_ starken Eisendraht _d_ hämmert man an

seinen Enden _e_, _e_breit und schneidet gerade ab; an die dadurch

entstandenen Schneiden lötet man die ebenso hergerichteten Enden je

eines 3 _mm_ starken Kupferdrahtes _f_ und _f₁_; die freien Enden

werden mit Klemmschrauben _g_ und _g₁_ versehen. Dieser Streifen

_f_, _d_, _f₁_ wird mittels der Korke _b_ und _c_ so zwischen den

beiden Glasrohrstücken festgehalten, wie dies aus der Figur erhellt.

Durch die zweite Bohrung der beiden Korke _c_ und _c₁_ sind die oben

rechtwinkelig umgebogenen Glasröhren _h_ und _h₁_ eingelassen, deren

untere Enden durch den Gummischlauch _i_ miteinander verbunden sind.

_h_ und _h₁_ sind etwa zur Hälfte mit irgend einer farbigen Flüssigkeit

gefüllt. Die Korke werden mit Siegellack oder Kolophonium-Wachskitt

abgedichtet. Der ganze Apparat ist auf einem Grundbrett _k_

aufmontiert, auf dessen Unterseite die Leiste _l_ angeschraubt wird,

die so hoch sein muß, daß _k_ mit der Tischebene einen Winkel von

etwa 10° bildet. Leitet man von einem oder mehreren Elementen (bei

Akkumulatoren muß, weil sonst durch Kurzschluß Schaden entstehen

könnte, ein Widerstand vorgeschaltet werden) einen Strom z. B. von

_g_ nach _g₁_, so sieht man, daß in _h_ die Flüssigkeit steigt und

in _h₁_ entsprechend fällt; d. h. so viel, als daß sich die Luft in

_a_ zusammenzieht, also ~abgekühlt~ wird, in _a₁_ sich ausdehnt,

also ~erwärmt~ wird. Wird die Stromrichtung umgekehrt, so dreht sich

auch die Temperaturerscheinung um. Indem man diesen Versuch auch mit

anderen Metallen als mit Eisen und Kupfer ausführt, ergibt sich wie

bei der Voltaschen Säule eine Spannungsreihe, in der die Metalle so

angeordnet sind, daß, wenn der Strom von einem vorstehenden zu einem

nachstehenden fließt, die Lötstelle immer abgekühlt wird und daß der

Grad der Abkühlung umso stärker ist, je weiter die beiden Stoffe in der

Reihe auseinanderstehen. Die wichtigsten Stoffe der Reihe sind: Wismut,

Quecksilber, Platin, Gold, Kupfer, Zinn, Blei, Zink, Silber, Eisen,

Antimon.

Wenn man nun den Apparat so abändert, daß man den in Abb. 63 mit

_d_ bezeichneten Eisendraht länger (etwa 20 _cm_) macht und ihn

nicht in ein Luftthermometer einschließt, sondern die eine Lötstelle

in eine Kältemischung (Salz-Eis), die andere in siedendes Wasser

bringt, also die eine abkühlt und die andere erwärmt, und die Klemmen

_g_ und _g₁_ mit einem Galvanoskop verbindet, so zeigt dieses das

Vorhandensein eines Stromes an, der um so stärker ist, je größer die

Temperaturdifferenz an den beiden Lötstellen ist. Untersucht man auch

hier verschiedene Metalle, so ergibt sich die gleiche Spannungsreihe

wie oben, bei welcher Anordnung der positive Strom an der wärmeren

Lötstelle von einem in der Reihe früher zu einem in der Reihe später

stehenden Metall fließt.

Die in solchen Thermoelementen erzeugten Ströme, die thermoelektrischen

Ströme, sind aber so schwach, daß sie in der Praxis nur für eine ganz

spezielle Verwendung Bedeutung haben, nämlich zu Temperaturmessungen.

Da man auch die schwächsten elektrischen Ströme noch mit großer

Genauigkeit messen kann und da bei einem Thermoelement sich die

allergeringste Temperaturänderung in einer, wenn auch geringen, so

doch meßbaren Änderung des Thermostromes äußert, so benutzt man das

Thermoelement, verbunden mit einem feinen Galvanometer, direkt zur

Messung kleinster Temperaturdifferenzen.

Nachdem wir die Herstellung der verschiedensten Elemente kennen gelernt

haben, wollen wir hören, was Rudi über die Gesetze des galvanischen

Stromes vorgetragen und welche erklärenden Versuche er dabei ausgeführt

hat.

[Sidenote: Die Gesetze des galvanischen Stromes.]

Was wir unter elektromotorischer Kraft verstehen, haben wir schon

gehört, wie auch, daß sie abhängig ist von der Größe der Spannung, die

infolge der chemischen Einflüsse auf den beiden Elektroden auftritt.

Noch nicht erwähnt haben wir, wie Rudi an einem sehr einfachen

Experimente zeigte, von welcher Bedeutung für die elektromotorische

Kraft eines Elementes sowohl die Natur der beiden Elektroden als auch

die der Flüssigkeit sei: In ein Standglas mit Wasser stellte er eine

Eisen- und eine Zinkplatte, die je mit einem längeren Draht versehen

waren, und wies mit einem Multiplikator, dessen Herstellung später

beschrieben wird (Seite 92 bis 96), das Vorhandensein eines sehr

schwachen Stromes nach. Dann schaltete er den Multiplikator aus und

eine 1,5 Volt-Glühlampe in den Stromkreis ein, die ~nicht~ glühte;

aber als er etwas Schwefelsäure unter das Wasser mischte, begann der

Kohlenfaden schwach rot zu werden, leuchtete aber erst dann hell auf,

als die Eisenplatte durch eine solche von Kupfer ersetzt wurde.

Ein zweiter Versuch sollte zeigen, daß je nach den Verhältnissen ein

Strom bei gleichbleibender elektromotorischer Kraft verschieden stark

sein kann: In den Stromkreis eines Leclanchéelementes schaltete Rudi

mit zwei kurzen Drähten eine 1,5 Volt-Glühlampe ein, die hell glühte.

Dann ersetzte er den einen der kurzen Drähte durch einen sehr langen

und sehr dünnen Kupferdraht, worauf das Lämpchen nur noch mit halber

Kraft glühte. Darauf vertauschte er den Kupferdraht mit einem kurzen

Nickelindraht, und die Lampe wurde noch etwas dunkler. An Hand dieser

Versuche wies er darauf hin, daß die Stärke eines Stromes nicht nur

von der ihn treibenden Kraft abhängt, sondern auch von der Natur

der ihn leitenden Stoffe und von der Länge und Dicke seines Weges.

In dem langen Draht ist der Strom schwächer als in dem kurzen; bei

gleichlangen Drähten verliert er in Nickelin mehr von seiner Kraft als

in Kupfer, in einem dünnen Draht mehr als in einem dicken. Es scheinen

also die Metalle zwar den Strom zu leiten, aber nicht, ohne ihm einen

gewissen Widerstand entgegenzusetzen; denn sonst würde der Strom nicht

in einem langen Leiter mehr geschwächt werden als in einem kurzen, in

einem dünnen nicht mehr als in einem dicken. Auch leiten verschiedene

Metalle verschieden gut. Haben wir nun recht aufgepaßt, so konnte uns

nicht entgehen, daß wir es hier mit drei Größen zu tun haben: 1. mit

der elektromotorischen Kraft, unmittelbar abhängig von der Spannung,

die auf den Elektroden entsteht, und deren Maßeinheit das ~Volt~ ist;

2. mit der Stromstärke, denn je heller die Lampe glühte, desto stärker

mußte der sie durchfließende Strom sein; die Einheit für die Stärke

oder die Intensität des Stromes ist 1 ~Ampere~; 3. mit dem Widerstand,

den wir in ~Ohm~ messen. (Die elektromotorische Kraft sei fernerhin

immer mit _E_, die Intensität des Stromes mit _J_ und der Widerstand

mit _W_ bezeichnet; man setzt oft auch die Anfangsbuchstaben der drei

Einheiten: _V_, _A_, _O_.) Durch genaue Messungen hat man nun ein sehr

einfaches Gesetz gefunden, das zwischen diesen Größen besteht: es ist

das Ohmsche Gesetz und sagt aus, daß _J_ umso größer ist, je größer _E_

und je kleiner _W_ ist, oder in eine Formel gefaßt: _J_ proportional

_E_/_W_. Man hat zur Vereinfachung die drei Einheiten so gewählt, daß

sogar _J_ = _E_/_W_ ist. Daraus ergibt sich _E_ = _J_ · _W_, oder in

Worten: _E_ ist umso größer, je größer _J_ und je größer _W_ ist;

ferner ergibt sich, daß _W_ umso größer ist, je größer _E_ und je

kleiner _J_ ist: _W_ = _E_/_J_.

Des weiteren schaltete Rudi in den Stromkreis eines Leclanchéelementes

eine 2 Volt-Glühlampe[4], die nur schwach glühte; dann schaltete

er zwei Elemente hintereinander, das heißt so, daß er den Kohlepol

des einen mit dem Zinkpol des anderen verband; als er nun die Lampe

einschaltete, glühte sie hell. Diesen Vorgang erklärte er wie folgt:

Wie schon erwähnt, besteht auf den Elektroden eines Elementes eine

Spannungsdifferenz; hier beträgt sie etwa 1 Volt; das Zink hat eine

Ladung ~negativer~ Elektrizität von ½ Volt, das Kupfer eine solche

~positiver~ Elektrizität von ½ Volt. Bringe ich nun das Zink mit der

Erde in leitende Verbindung, so sinkt sein Potential (= Spannung) auf

den Wert 0; da aber die Spannungsdifferenz des Elementes immer gleich

1 ist, so muß nun das Potential des Kupfers auf 1 Volt steigen. Bringe

ich das Zink in Verbindung mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine,

so steigt seine Spannung auf 100000 Volt und folglich die des Kupfers

auf 100001 Volt. Daraus ergibt sich nun folgende praktisch sehr

wichtige Tatsache: Schalte ich eine größere Anzahl von Elementen,

sagen wir zehn, so, daß jeweils die negative Elektrode des einen mit

der positiven des nächsten verbunden wird, so wirkt in der dadurch

entstandenen Reihe (Kette) eine zehnmal größere elektromotorische

Kraft als in ~einem~ Element; denn nehmen wir die Spannung auf dem

Kupfer des ersten Elementes als 1 Volt an, so werden alle mit ihm

verbundenen aber sonst isolierten Leiter dieselbe Spannung annehmen.

In unserem Fall wird das Zink des zweiten Elementes ebenfalls die

Spannung von 1 Volt erhalten, damit steigt aber das Potential des

Kupfers im zweiten Element auf 2 Volt; da mit dieser Kupferplatte aber

die dritte Zinkelektrode ebenfalls eine Spannung von 2 Volt erhält, so

steigt diese beim dritten Kupferpol auf 3 Volt und so fort, bis wir

bei der zehnten und letzten positiven Elektrode eine Spannung von 10

Volt haben. Bei dem Zink des ersten Elementes haben wir das Potential

0 angenommen und so ergibt sich eine Spannungsdifferenz von 10 Volt;

es ist also auch die elektromotorische Kraft dieser Kette zehnmal

größer als die eines einzelnen Elementes. Wir können nun aber auch alle

gleichnamigen Elektroden miteinander verbinden, also die Zinkplatten

aller Elemente zusammen und die Kupferplatten zusammen; dadurch

gewinnen wir an elektromotorischer Kraft nichts. Die Vorteile dieser

Schaltungsweise werden wir nachher kennen lernen.

Wir können nun mit Hilfe des Ohmschen Gesetzes einige einfache

Berechnungen machen. Nehmen wir an, wir hätten eine Anzahl von

Elementen und einen Stromkreis von einem bestimmten Widerstand

gegeben. Wir wollen nun berechnen, wie wir die Elemente schalten

müssen, ob hintereinander oder nebeneinander, um einen möglichst

starken Strom zu erhalten. Nehmen wir ein Bunsenelement und verbinden

wir seine Pole mit irgend einem Widerstand (z. B. einer Glühlampe),

so ist nach dem Ohmschen Gesetz die Intensität des Stromes gleich

der elektromotorischen Kraft des Bunsenelementes dividiert durch den

gesamten Widerstand; dabei ist nicht zu vergessen, daß der Strom

auch die Flüssigkeit des Elementes zu passieren hat und in ihr einen

Widerstand findet, der umso kleiner ist, je größer und einander näher

die Elektroden sind; man nennt ihn den ~inneren~ Widerstand des

Elementes.

Vereinige ich nun etwa zehn Elemente so, daß ich jeweils den Kupferpol

des einen mit dem Zinkpol des nächsten verbinde, also hintereinander

oder, wie man auch zu sagen pflegt, in Serie, so tritt in dieser

Anordnung von Elementen die zehnfache elektromotorische Kraft eines

einzigen Elementes auf. Aber auch der innere Widerstand ist nun zehnmal

so groß, so daß sich für die gesamte Stromstärke ergibt: ~zehnfache

elektromotorische Kraft eines Bunsenelementes geteilt durch den äußeren

Widerstand plus dem zehnfachen inneren eines Elementes~; oder in einer

Formel geschrieben: _J_ = 10 _E_/(_O_ + 10 _W_). Dabei sei mit _O_ der

äußere, mit _W_ der innere Widerstand bezeichnet. Ist nun der äußere

Widerstand so klein im Verhältnis zum inneren, daß wir ihn, ohne einen

allzu großen Fehler zu begehen, vernachlässigen können, so haben wir

_J_ = 10 _E_/(10 _W_) oder _J_ = _E_/_W_. In diesem Falle ist es also

ziemlich gleich, ob man ein oder zehn hintereinander geschaltete

Elemente benützt.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 6 / 24 段