Heut Nacht regnet es, sagt sie. Ihre Stimme ist seltsam bewegt ...
Er blickt sie an mit seinen Rehaugen.
»Georg ...« sagt sie ...
Der Polizist steht plötzlich wieder da, er hat den Helm in der Hand und
wischt ihn mit dem Taschentuch trocken; es war tagsüber sehr heiß.
Es ist der, der vor Gericht dann aussagt: Die zwei wären ihm gleich
nicht ganz richtig vorgekommen ...
Dann gerate ich auf einen Pfad. Der hat auch sein Geländer, das sich in
die Baugründe hineinekelt, es aber bald aufgibt, wie es einsieht, daß es
hier nichts mehr zu schützen gibt ...
Der Mond, ein Wachtposten!
B. Kokoschka.
Ach, ich seh dich gu-ten Mond schon wie-der
wan-dern! Mein Freund, war-um so bleich?
Sahst du mit ei-nem an-dern die Ge-
lieb-te?
Reich von dei-nen Wan-gen ihr
ei-nen Strahl ... Und sag':
Sieh, wie mei-ne Wan-gen sind die
sei-nen fahl ...
Wiedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier Stunden gedauert hat,
sieht er, wie sich graues Morgenlicht auf den Fußboden hinabräkelt, und
er hört die treue Amsel singen ...
Fort fliegt sie; führt er die Hand an die Stirn, läßt sie daran herunter
und über die Wange gleiten, und die Augen schlagen auf.
Sie blicken auf den weißen Polster unter der Wange, feucht noch von
Tränen im Schlaf. -- -- -- -- -- --
Hat es nur einmal mit diesem elenden Regen sein Ende, ging er auf und ab
im Zimmer.
Am Fenster stehend sieht er nach des Kaufmanns Markus Vieldbich altem
Haus, es bekommt einen neuen Anstrich. Meergrüner Lack.
Gestern war erst das oberste Drittel meergrün. Heute standen die
Anstreicher bereits auf dem Pflaster. Die Arbeit ging unaufhaltsam von
statten. Das Gerüste wirkte wie übereinandergestellte Dächer und der
Regen konnte die Arbeit nicht behindern.
Er wandte sich vom Fenster weg, da erschreckt er im Spiegel: Die Augen
lagen tief in den Höhlen und die Lider waren grau. Und jetzt merkte er
erst, daß es ihm zur Gewohnheit geworden war, sie nicht ganz offen zu
halten, sah er genau hin, waren tausend Fältchen da. Auch war das
Gesicht nicht ganz rein.
Ja, mit ihm war es abwärts gegangen. Er war wie ein winziges Insekt, das
an dem heißen Lampenzylinder herabfällt.
Luise? Nein. Seitdem sie von ihm gesagt hatte, mangelnde Galanterie
seinerseits hätte sie beide auseinandergebracht, schien sie ihm ein
gewöhnliches Wesen. Sie hieß auch gar nicht Luise, wie die Gattin
Napoleons, und Mutter des Königs von Rom. Sie hieß Aloisia, nach dem
braven Großvater, und spielte falsch auf dem Klavier.
Was war es dann, das ihn nicht ruhen, ihn mit zuckenden Nasenflügeln in
tollste Lustigkeit ausarten und plötzlich wieder in heller Verzweiflung
in einen Stuhl zusammenbrechen ließ?
Abends bei der Lampe, und dem trauten Gespräch im Familienkreis, ihm
Sehnsucht die Brust durchgreift und er aufspringt mit dem heißen Wunsch:
Ach! Laßt mich eine Gewalttat verüben!