Ich fühlte: An Luise, oder: Ferne Lilie ... _etcetera etcetera_ ...
Dann, wie sie wieder an uns vorbeikommt, bleibt Luise stehen: »Gute
Nacht, Herr Lockenberg ...« -- und mir bot sie die Hand ... Sie sah weg,
lächeln mußte sie ...
Zu ihrem Profil sagte ich einmal nächtens: Julia, Desdemona ...
(Nein, Luisenamen ist für sie der süßeste.)
»Die schönen, weißen Rosen auf Ihrem Hut« ... sage ich.
Sie sah noch immer weg. Ach, ich hielt noch immer ihre Hand ...!
Und die Schönbauer? fragt Luisens Freundin Mary plötzlich. (Ach, jetzt
konnte ich auch schreiben: Luisens ...)
Luise blickt Mary an. Mary hatte ihr von der Zunge gesprochen.
»Niemals!« sage ich langsam und dann: eine lange Pause ...
»Fräulein Luise, ich erkenne Sie heute nicht mehr« ... Lockenberg sagt
es plötzlich und damit schneidet er sich eine lange Gedankenreihe in
seinem Kopfe ab. (Ich hielt noch immer ihre Hand ...)
»Soll ich euch vielleicht Sessel herbringen!«
Es war die Schönbauer. Sie war auf einmal da, in einer Entfernung von
fünf Schritten sagte sie dies und machte dabei einen Hofknix. Luise
wandte sich ab.
»So, jetzt muß ich schon gehen«, sagte sie schnell. Lockenberg bedenkt
laut: Es ist halb sieben!? Er hatte die Uhr in der Hand. »Um halb sieben
muß ich schon zu Hause sein«, antwortet Luise ...
Luise ging mit den Vöglein schlafen ...
Werther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung seines noch nicht
zwanzigjährigen Herzens. Da geschah etwas und das kam so:
Es war der zehnte März, ach, damals war ihr Herz noch der Buchenhain mit
der süßen Melancholie des Vogelliedchens darin, und der kühlen Gruft,
die so lange für ihn bereit stand. In die er sich dann bestatten wollte,
die Hände über der Brust gekreuzt, und nach jener unglücklichen Liebe
...