»Gehen wir, ich bitte Sie!« Eindringlich sagt es Luise zu ihrem Galan.
Ja, es war ein Galan mit lila Strümpfen und dem Girardi in der Hand.
Denn seine Haare waren gebrannt.
Er blies seine Brust auf, schüttelte das Hosenbein zurecht und »erfüllt
ihren Wunsch«.
»O, guten Tag, Fräulein Emma! Entschuldigen Sie; ich weiß es, ich habe
Sie heute schon mehrere Male gegrüßt, aber ich versichere, für Sie habe
ich immer ein echtes, ja echt -- man nimmt so in die Hand und sagt echt
-- echtes Gefühl der Freundschaft gehabt. Sie waren es doch, die sagte,
zu kurzen Hosen paßten gestreifte Strümpfe mit rotem Rand? Sie lachen?
Ja, Sie glauben doch nicht, ich hätte etwas getrunken? Ach, Emma!«
Aber Emma war schon weg.
Ja, er hatte plötzlich zu reden begonnen, ohne daß es jemand geahnt
hätte, zu wem.
Da verhielt sich ein Mensch die halbe Stunde, die er hier war,
vollkommen ruhig, einmal sieht er an seiner linken Achsel herab und an
seinem linken Mundwinkel zieht etwas, dann verhält er sich wieder ganz
wie vorher.
Plötzlich aber redet er, redet, und ein junges Mädchen steht auf, sagt
etwas zu ihrem Begleiter, und beide gehen fort.
In diesem Augenblicke kommen Emma und Olga. Sie sind wieder da und haben
etwas Listiges auf dem Herzen. Sie haben etwas ausgeheckt, Emma und
Olga. Ach, man war gespannt, auf ihren Gesichtern stand geschrieben: Man
verspricht sich Erfolg von dieser Unternehmung.
»Wir fragen Sie, in wen sind Sie eigentlich verliebt?«
»In wen? Wie?! Was?!« Er springt auf. »Das heißt also ...«
Plötzlich beruhigt er sich und sagt: »Fräulein Emma und Fräulein Olga,
bitte setzen Sie sich da neben mich, so, links und rechts, ja?
Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen:
Da hat jemand ein Schauspiel geschrieben. Gegen Schluß des vierten
Aktes, denken Sie sich -- geben Sie her den Schirm, bitte (es war ein
Riesenschirm), ich werde ihn halten -- gegen Schluß des vierten Aktes,
die erste Persönlichkeit der Stadt im Kreise ihrer Familie.
Im Hintergrunde ein leuchtendes Transparent: »Es lebe hoch usw., die
usw.«, und Volk. Und jetzt, glauben Sie, Fräulein Emma und Fräulein
Olga, daß ich es jetzt so machen werde, wie der:
Aufrecht: »Was da auch kommen mag«, bleich, die Hand ausgestreckt. »Das
ist noch nicht alles«, sagt die Hand. Er schüttelt den Kopf.
Nein, der Kopf weiß noch mehr!
Und die Augen schließen sich wieder, und der Mund öffnet sich abermals,
dieser widerspenstige Mund, der alles ausplaudert.
»Was sagt er?« fragen viele Stimmen. »Was fällt diesem Menschen ein?«
liest man auf allen Gesichtern. Ja, ja, in der Tat, alles das hat mit
dem Transparent nichts zu tun ...
Er blickt zurück in den Kreis der Familie, da steht _die_, leuchtenden
Auges und ihr Auge sagt: »Du herrlicher Mensch, stark sein!«
Da muß er (ach er muß), er will es, der Dichter; leise muß er zu seiner
Frau sagen: »Betty, fasse dich und ertrage was jetzt kommt.« Und es ist
dies keine Regiebemerkung. Ja, das sagt er. Und Betty faßt sich, die
Gute ..!
Dann wendet er sich zum Volk, und ein schwarzer Sprung im erbleichenden
Gesicht plaudert alles aus. Alles.
Wie hübsch sich das ausnahm von der dritten Galerie (dieses einzige Mal,
das ich in einem Theater war). Gleichsam ein Pointejunges, das auf der
Pointe selber saß, die sich vier Akte hindurch geschwollen völlerte. Und
jetzt, jetzt war es ihr endlich gegönnt, durch einen schwarzen Sprung
aus einem bleichen Gesicht zu platzen. Wie ein Donnerschlag!
Herr Rohrland muß sagen: »Wie ein Donnerschlag!« Und es ist dies keine
Regiebemerkung. Und sie tut es, die Pointe.
Selbst das Volk auf der Bühne zog ab.