Mutter PIUS: Mit de Schluffen an de Bein, Jung?
CARL: (kleinlaut) Ich wär wahrhaftig in Gedanken so gelaufen. (Zu
Eduard) Ich hab die Stiefel beim Schuster.
Mutter PIUS: (zu Eduard, wie zu einem kleinen Jungen) De Mama werd schon
bang sein -- dafür kenn ich ihr. (Mutter Pius reicht Eduard ermahnend
die Hand, Carl begleitet ihn bis zur Ecke. Eduard winkt noch einmal
Mutter Pius zu.)
Mutter PIUS: (ruft durchs Fenster) Gib mir meine Valentiaspitzen und
Poingtskrägen. Se liegen in de Fase auf en Schrank, daß de Mietze nich
damit spielt.
Großvater: (Reicht die Spitzen heraus und zeigt in die Ferne, wo am Rand
des Waldes die drei Herumtreiber: Pendelfrederech, Lange Anna und der
gläserne Amadeus um eine Laterne gehen, deren Licht noch nicht ganz
erblichen ist.)
Großvater: (dämlich) Da gehen die drei Erzengel in de Ferne un blasen
aus de Laterne.
Mutter PIUS: Du fängst auch wohl an zu reimen, wie de Carl?
(Carl kommt zurück.)
Mutter PIUS: (zu Carl) Lang macht der auch nicht mehr mit.
Großvater: (nickt beständig zustimmend) Tum, tum, tum, tum.
CARL: Ich würd dem schon ein Stück von meiner gesunden Brust gebn.
Mutter PIUS: (Pause) Sag ens, Carl, wen hast De lieber, mir oder ihm?
(In der Richtung blickend, die Eduard eingeschlagen hat.)
CARL: (lacht) Du träumst wohl, Großmutter, ich bin noch der Carl in
Deinem Schoß.
Mutter PIUS: Mir überkömmt es man so.
CARL: Dich?
Großvater: Tum tingelingeling!!
Mutter PIUS: Meinst wohl, de Großmutter war nie wehmutsvoll gewesen?
CARL: Na, was is denn los?
Mutter PIUS: (sitzt eine Weile schweigend, den Kopf herabgesunken auf
die Brust; die drei Männer verschwinden in der Ferne im Wald.)
AMANDA: (ruft) Wo bist Du denn, Vatter?
Großvater: Ich muß noch bei de Mutter Pius bleiben, sie hat
Heiratsgedanken.
Mutter PIUS: (auffahrend) Du alter Sünder.
Großvater: Wenn ich en Sünder bin, da hätten wir uns heiraten sollen.
Mutter PIUS: Dir! Du schlapper Bock!
CARL: Haltet Eure Mäuler, ich muß arbeiten.
Großvater: (Holt einen Ausklopfer) Wart man, ich schaff Dich Ruh!
(Amanda zieht ihren Vater vom Fenster fort. Man hört ihn noch aus dem
Hause reden, wichtig): Im Examen muß er steigen!
(Carl nimmt Heft und Buch, Tintenfäßchen, Halter aus seiner
Tasche und beginnt zu blättern; Mutter Pius glättet geschickt die
Spitzen und schweigt grübelnd.)
CARL: (etwas neckisch) Ich glaub en's, der Großvater hat recht
gesprochen.
Mutter PIUS: Ich altes Weib?
CARL: (sie neckend) Mit Dein jung Herz!
Mutter PIUS: (sich aufraffend) Temperatur hab'n alle Pius im Leib gehabt
un Du auch, Carl, siehst De, un de Großmutter weiß das. (Sie holt
sorgfältig Martas Bild aus ihrer Ledertasche und hält es Carl hin.)
CARL: (fragend verblüfft).
Mutter PIUS: Deine Flamme!