EDUARD: Du wolltest Dich doch für weiteres verwenden, Mutter?
Fr. SONNTAG: (nickt freundlich Eduard zu, ihr Blick fällt plötzlich auf
Heinrich, der interessiert in der Zeitung liest.) Was interessiert Dich
in der Zeitung -- (rügend) während des Tisches.
HEINRICH: Ich bitte um gnädige Verzeihung, Mama Charlottchen.
MARTA: Hältst Du Dein Versprechen, Heinrich?
HEINRICH: Gerad mein Pferd muß stürzen.
MARTA: Du schwindelst mir immer was vor.
HEINRICH: (neckisch) Im Gegenteil, Du mußt den Verlust tragen helfen!
MARTA: Esel!
HEINRICH: Danke!
Fr. SONNTAG: Du kannst doch das Spielen nicht lassen.
HEINRICH: Es ist, mit Herrn Schiller gesagt: Mein Spaziergang.
EDUARD: Er sitzt auch viel zu viel im Büro.
MARTA: Und dick bist Du, wie der Wirt vom Schützengarten drüben.
CARL: Warum reiten Sie nicht, Herr Sonntag?
Fr. SONNTAG: Du hast doch wirklich sonntags Zeit.
HEINRICH: Der Hengst scheut ja, wenn ich mich ohne Uniform drauf setz',
Kinder.
CARL: Fußtouren wären Ihnen auch zuträglich.
EDUARD: In den Tiroler Alpen, was Carl?
CARL: Zum Schneerössel rauf.
EDUARD: Zehn Kilometer müßtest Du täglich steigen; faktisch, das tät ihm
gut.
HEINRICH: Ich werde mich gleich im Schützengarten wiegen lassen, ich
glaub, ich habe schon durch eure guten Ratschläge abgenommen. (Zwei
kleine Mädchen stehen, von allen unbemerkt, am Gartenzaun.)
Fr. SONNTAG: Mit ihm ist kein ernstes Wort zu reden.
EDUARD: Pack doch einfach seinen Koffer, Mutter.
(Die kleinen Töchter vom Wirt verschwinden ungesehen wieder.)
HEINRICH: Und wer soll unterdessen für die Kleinen sorgen?
Fr. SONNTAG: Du hast doch einen Stellvertreter. Marta lobte ihn gestern
noch.
HEINRICH: Sie soll sich lieber um die Haushaltung bekümmern.
MARTA: Esel!
HEINRICH: Danke! Freuen Sie sich, Pius, daß Sie keine Schwester haben.
CARL: (seltsam aufflammend, antwortet etwas schüchtern) Und ich beneide
Sie darum.
Fr. SONNTAG: (lächelnd) Hörst Du's, Heinrich?