Am 4. Dezember

Ich bitte dich--siehst du, mit mir ist's aus, ich trag' es nicht

länger! Heute saß ich bei ihr--saß, sie spielte auf ihrem Klavier,

mannigfaltige Melodien, und all den Ausdruck! All!--All!--Was

willst du?--Ihr Schwesterchen putzte ihre Puppe auf meinem Knie.

Mir kamen die Tränen in die Augen. Ich neigte mich, und ihr Trauring

fiel mir ins Gesicht--meine Tränen flossen--und auf einmal fiel sie

in die alte, himmelsüße Melodie ein, so auf einmal, und mir durch die

Seele gehn ein Trostgefühl und eine Erinnerung des Vergangenen, der

Zeiten, da ich das Lied gehört, der düstern Zwischenräume des

Verdrusses, der fehlgeschlagenen Hoffnungen, und dann--ich ging in

der Stube auf und nieder, mein Herz erstickte unter dem Zudringen.

--"Um Gottes willen," sagte ich, mit einem heftigen Ausbruch hin gegen

sie fahrend, "um Gottes willen, hören Sie auf!"--Sie hielt und sah

mich starr an." Werther, "sagte sie mit einem Lächeln, das mir durch

die Seele ging, "Werther, Sie sind sehr krank, Ihre Lieblingsgerichte

widerstehen Ihnen. Gehen Sie! Ich bitte Sie, beruhigen Sie sich."

--Ich riß mich von ihr weg und--Gott! Du siehst mein Elend und wirst

es enden.

Die Leiden des jungen Werther — Band 2 · 第 46 / 54 题