Den 8. Februar

Wir haben seit acht Tagen das abscheulichste Wetter, und mir ist es

wohltätig. Denn so lang ich hier bin, ist mir noch kein schöner Tag

am Himmel erschienen, den mir nicht jemand verdorben oder verleidet

hätte. Wenn's nun recht regnet und stöbert und fröstelt und taut: ha!

Denk' ich, kann's doch zu Hause nicht schlimmer werden, als es

draußen ist, oder umgekehrt, und so ist's gut. Geht die Sonne des

Morgens auf und verspricht einen feinen Tag, erwehr' ich mir niemals

auszurufen: da haben sie doch wieder ein himmlisches Gut, worum sie

einander bringen können! Es ist nichts, worum sie einander nicht

bringen. Gesundheit, guter Name, Freudigkeit, Erholung! Und meist

aus Albernheit, Unbegriff und Enge und, wenn man sie anhört, mit der

besten Meinung. Manchmal möcht' ich sie auf den Knieen bitten, nicht

so rasend in ihre eigenen Eingeweide zu wüten.

Die Leiden des jungen Werther — Band 2 · 第 8 / 54 题