Sieben- oder achtmal liess die verschmähte Phyllis sich die Einzelheiten
der Begegnung mit Pankratius wiedererzählen. Sie wollte wissen, was er
zuerst gesagt und was er darauf gesagt habe, und wie er gekleidet gewesen
und wie er ausgesehen habe: ob er traurig oder gleichgültig, blass oder
blühend gewesen, -- und Nektanebes strengte vergeblich sein altes
Gedächtnis an, um die hastigen und abgebrochenen Fragen des Mädchens zu
beantworten.
Am nächsten Morgen sagte er: »Wie denkst du, Herrin? Du musst in dein Haus
zurückkehren, da du doch unter den Lebenden weilst.«
»Nach Hause? Um nichts in der Welt! Dann erfahren ja alle, dass ich noch
lebe; du vergissest, dass ich eine Tote bin!«
Und Phyllis lachte laut auf. Ihre lebensprühenden Augen und Wangen machten
den Scherz ihrer Erfindung noch lustiger.
»Ich bleibe bei dir: am Tage, wenn du in die Stadt gehst, lege ich mich
zwischen die Beete, und unter den reifen Melonen wird mich niemand
gewahren, und am Abend wirst du mir erzählen, was du am Tage gesehen hast.«
Schliesslich bewog der Fischer die junge Herrin, ihrer alten Amme, die auf
einem Landgute in der Nähe von Alexandria lebte, im geheimen ein Zeichen zu
geben, ihr aufrichtig alles zu erzählen und dort abzuwarten, was Zeit und
Schicksal bringen würden. Er selbst versprach, jeden Tag alles über
Pankratius zu berichten, was mit Phyllis irgendwie in Zusammenhang stehen
sollte.
»Wann soll ich denn dorthin fahren?«
»Ich setze dich selbst im Boote über.«
»Durch die ganze Stadt? Als lebendige Leiche?«
»Nein, du wirst am Boden liegen unter einem Gewebe.«
»Die Wächter werden dich für einen Dieb halten und dich verhaften.«
»Ich werde dich mit Bastmatten bedecken.«
Phyllis war Waise und konnte daher ihr Verschwinden leicht verhehlen und
friedlich bei der alten Manto auf dem Landgute leben. Vom Morgen bis zum
Abend konnte sie die Blumen befragen, ob der ferne Jüngling sie lieben
werde. Bald zupfte sie die Blumenblätter einzeln aus den Kelchen, bald
schlug sie mit den Blättern um sich, über eine ungünstige Antwort geärgert
und freute sich kindlich über eine günstige. Da die Aufregungen der Liebe
ihr die Esslust nicht geraubt hatten und das bescheidene Mahl des Landgutes
ihrem vom Nichtstun launischen Geschmack nicht genügte, so wurde bald das
Geheimnis ihres Lebens auch der Schaffnerin ihres Stadthauses bekannt, die
ihr täglich mit dem alten Fischer bald süsses Ingwergebäck, bald lecker
gebratenes Wild, bald Pasteten mit Hahnenkämmen, bald eine in zartem Honig
abgekochte Melone sandte.