Ihr habet wohl geglaubt, liebe Tante, dass ich schon tot sei, als Ihr so
viele Monde keinen Brief von mir erhieltet. Zum Unglück bin ich noch am
Leben. Ich will ruhig alles erzählen, was vorgefallen ist. Jacques ist
nicht da, möge Gott ihm seine Bosheit vergeben, wie er uns von den Ränken
Satans erlöst hat. Am 22. Mai kam ich mit einem Kinde, einem Knaben,
nieder. Aber, allgütiger Gott, was war das für ein Kind: ganz behaart war
es, ohne Augen, mit deutlich sichtbaren Hörnern auf dem Kopfe. Man
fürchtete für mein Leben, als ich mein Kind zu sehen bekam. Mein Kind, wie
schrecklich! Desungeachtet wurde beschlossen, es nach dem Ritus der
heiligen katholischen Kirche zu taufen. Während des heiligen Sakramentes
fing das für die Taufe vorbereitete Wasser zu dampfen an, es erhob sich ein
fürchterlicher Gestank, und als die Anwesenden, nachdem der ätzende Dampf
sich verzogen hatte, die Augen wieder öffnen konnten, erblickten sie im
Taufbecken, statt des Kindes, einen grossen schwarzen Rettich. Mögen wir
vor den Ränken Satans verschont bleiben. Könnet Ihr Euch den ganzen Kummer,
das ganze Entsetzen und die Freude darüber vorstellen, dass wir nicht
völlig ins Verderben gestürzt worden sind. Als man mir alles erzählte, was
in der Kirche vorgefallen, war ich wie wahnsinnig. Bei uns wurde eine Messe
gelesen und jeden Tag wird mit geweihtem Wasser gesprengt. Für mich werden
Gebete um Austreibung böser Geister gelesen. Père Vital riet meinen
Organismus vom bösen Samen zu reinigen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ihr würdet mich
nicht wiedererkennen, liebe Tante, so habe ich mich in dieser Zeit
verändert. Nicht jeden trifft ein solches Unglück. Aber Gott erhalte alle,
die ihre Zuversicht auf ihn setzen. Lebet wohl usw.
Eure Euch liebende
Claire Valmont.
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