Siebentes Kapitel

Der Herr, der Wasser in Wein verwandelt hat, half mir nicht unbemerkt

hinauszukommen, denn noch vor Sonnenaufgang weckte uns ein Klosterdiener

und befahl uns im Namen des Abtes ins Refektorium zu kommen, wo die gesamte

Bruderschaft bereits versammelt war. Der Abt antwortete kaum auf unseren

Gruss, als man uns ins Refektorium hineinführte. Wir wurden abseits von der

Brüderschaft aufgestellt. Mir war das Gesicht mit einem Tuche verhüllt

worden. Nachdem der Abt auf die Bedeutung und die Wichtigkeit der

Mönchsgelübde hingewiesen hatte, fuhr er mit einer Handbewegung in die

Richtung, wo wir standen, fort:

»Aber siehe, in unserer so musterhaften Herde, in unserem vom Geruche der

Frömmigkeit erfüllten Kloster, hat sich ein Schaf finden lassen, das die

Herde verdirbt, hat sich ein Bruder finden lassen, der das Gelübde der

Keuschheit, das Gebot des Gehorsams vergessend, im geheimen vor uns ein

Weib in seine Zelle führt, die Nacht mit diesem Weihe zubringt, in unsere

Umfriedung Sünde, Tod und Fluch trägt.« Mein Mönch weinte, sich die feiste

Brust schlagend, wobei er immerfort murmelte: »Mea culpa, mea culpa.« Die

übrigen Mönche schwiegen vorwurfsvoll. Als ich die Wendung der Dinge sah,

die mir nichts Gutes verhiess, trat ich vor und sagte bescheiden, aber

deutlich:

»Heiliger Vater, ehrwürdige Brüder, ihr beschuldiget ohne Grund diesen

guten Bruder. Die Augenscheinlichkeit seines Vergehens wird sofort in ein

Nichts zusammensinken, wenn ihr erfahret, dass ich kein Weib, sondern ein

Mann bin, der vor Mördern Rettung suchend, glücklich war unter dem Dache

dieses Klosters Zuflucht zu finden. Gott ist mein Zeuge, ausserdem beweist

die Natur selbst die Wahrhaftigkeit meiner Worte.« Hier hob ich meine Robe

auf, und solange die Brüderschaft, überrascht durch das, was man an einem

Manne sehen kann, der keine Hosen anhat und seinen Rock bis zum Gürtel

schürzt, wie versteinert dastand, ging ich schnell durch eine Seitentür

hinaus in den Garten, von wo aus ich ohne Mühe auf die Strasse gelangte.

Geschichten(#41305) · 第 28 / 73 题