Als wir das zweite Stockwerk des kleinen Hauses betraten, sahen wir eine
Frau, die, über einen Trog gebeugt, Wäsche wusch. Das Zimmer war mit warmem
Dampf gefüllt, man hörte nur das Plätschern des Wassers und das Klatschen
der Leinwand. Wir blieben auf der Schwelle stehen und die Frau fragte uns:
»Wen suchen Sie?«
»Madame Suzanne Bache,« antwortete François.
»Ich glaube, sie ist zu Hause und allein -- treten Sie näher,« sagte die
Frau, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen.
»Sind Sie es, de Saucier? Treten Sie ein,« ertönte eine Stimme aus dem
Nebenzimmer. In einer kleinen Kammer, in der eine Menge Kleider herumlag,
stand am Fenster auf einer Erhöhung ein Tisch und ein Stuhl; dort sass,
einen Haufen von Lumpen durchsuchend, eine etwa dreissigjährige Frau mit
nichtssagendem blassem Gesicht. Sie trug ein dunkles Kleid. Nachdem sie uns
begrüsst hatte, fragte sie nach einigem Schweigen:
»Womit kann ich dienen, teurer Marquis?«
»Sie wissen selbst, was wir brauchen, Suzanne.«
»Ist das Ihr Freund? Weiss er?« wies sie mit dem Kopf auf mich.
»Ja, wir brauchen beide deine Prophezeiung vor einem wichtigen, sehr
wichtigen Schritt,« sagte François und liess sich auf eine Truhe nieder,
nachdem er die darauf liegenden Bündel auseinander geschoben hatte.
»Vor einem wichtigen, sehr wichtigen Schritt,« wiederholte die Bache
nachdenklich, nahm die Karten, breitete sie auf dem Tisch auseinander,
mischte sie darauf, legte sie wieder auf den Tisch und begann, nachdem sie
sie ungemischt zum drittenmal auseinander gelegt hatte, mit tonloser
Stimme:
»Was ihr zu tun vorhabt, das tut. Es wird Geld geben. Eine Reise. Weiter
gehen die Schicksale auseinander. Dir, François de Saucier, droht Krankheit
und vielleicht der Tod. Dein Freund wird noch lange den gefahrvollen Weg
des Reichtums weiter gehen und ich sehe nicht das Ende dieses Weges. Nimm
dich vor Karossen, rothaarigen Weibern und Menschen in acht, deren Namen
mit >G< beginnt. Dir droht Gefahr von Wasser, aber du wirst sie überstehen.
Der Ältere geht früher in den Tod, als der Jüngere, viel, viel früher.«
Sie schwieg in Gedanken versunken, als sei sie eingeschlafen.
»Ist das alles?« fragte de Saucier, sich erhebend, leise.
»Alles,« antwortete Suzanne tonlos, wie vorher.
»Ich danke Ihnen, Sie haben uns einen guten Dienst geleistet,« sagte
François, legte Geld auf den Tisch vor die noch immer regungslos dasitzende
Frau und trat mit mir auf die Strasse hinaus.