Zweites Kapitel

Als Augenzeuge erregte ich mit meiner Erzählung von der Ankunft der

Verwandten Madame de Tombel's zu Hause, bei Tische grosse Neugier. Als

Véronique, nachdem sie das Fleisch vor Papa Mathieu zum Zerschneiden

hingestellt hatte, sich an unseren Tisch setzte, beteiligte auch sie sich

an den allgemeinen Fragen, indem sie bemerkte: »Ist sie wenigstens

unverheiratet, diese Dame?« Aber ich wusste, ausser von den Bändern der

Angekommenen, von nichts zu erzählen, so dass der Prinzipal sich wieder

daran machte den Braten zu zerlegen und Mademoiselle Blanche mit einem

Lächeln meinte:

»Man kann nicht sagen, dass Aimé ein guter Beobachter wäre.«

»Er hat sofort gesehen, was er, als Kaufmann, braucht: die Farbe der

Bänder; was für Bänder waren es denn: aus Lyon oder St. Étienne?« meinte

Papa Mathieu.

Alle lachten und fingen an zu essen. Zwischen Braten und Käse sprach man

bereits nur von den jungen Largillac und von Geschäften. Aber mein Kopf war

ganz von der angereisten Dame in Anspruch genommen: was für Haare sie habe,

welch ein Gesicht, was für Kleider, ob sie reich sei, ob verheiratet oder

ledig und dergleichen mehr. Nach dem Abendbrot sass man, wie gewöhnlich,

vor der Tür, um den warmen Abend zu geniessen, und wie gewöhnlich, erhob

sich auch Papa Mathieu gähnend zuerst, um sich zur Ruhe zu begeben, denn er

sah das Aufstehen mit der Morgenröte voraus, ihm folgte die Hausfrau und

Véronique, und, wie gewöhnlich, blieb ich mit Mademoiselle Blanche allein

auf den Stufen der Treppe vor der Haustür sitzen. Wir unterhielten uns

leise darüber was morgen für ein Wetter sein werde, wie die Arbeit heute

gegangen, weshalb Mameluk wohl belle, ob es bald einen Feiertag gäbe, --

aber ich war zerstreut und hätte beinahe vergessen Mademoiselle Blanche zum

Abschied zu küssen, die sich in ihr grosses Tuch gehüllt hatte und böse zu

sein schien. Nachdem ich Néron von der Kette gelöst hatte, sah ich nach der

Pforte, verschloss die Gartentür, das Haustor, löschte das Licht aus, stieg

mit einer Kerze hinauf in mein Zimmer und legte mich schlafen, ohne an

Mademoiselle Blanche, als an meine wahrscheinliche Braut zu denken, die

mein Prinzipal und seine Gattin mir, ihrem Adoptivsohne, zugedacht hatten,

der von Kindesbeinen in der Familie aufgewachsen war und weder Eltern, noch

Heimat, noch die Kirche kannte, in der ich Jean, Aimé, Ulysse, Bartholomé

getauft worden war.

Geschichten(#41305) · 第 6 / 73 题