Als Augenzeuge erregte ich mit meiner Erzählung von der Ankunft der
Verwandten Madame de Tombel's zu Hause, bei Tische grosse Neugier. Als
Véronique, nachdem sie das Fleisch vor Papa Mathieu zum Zerschneiden
hingestellt hatte, sich an unseren Tisch setzte, beteiligte auch sie sich
an den allgemeinen Fragen, indem sie bemerkte: »Ist sie wenigstens
unverheiratet, diese Dame?« Aber ich wusste, ausser von den Bändern der
Angekommenen, von nichts zu erzählen, so dass der Prinzipal sich wieder
daran machte den Braten zu zerlegen und Mademoiselle Blanche mit einem
Lächeln meinte:
»Man kann nicht sagen, dass Aimé ein guter Beobachter wäre.«
»Er hat sofort gesehen, was er, als Kaufmann, braucht: die Farbe der
Bänder; was für Bänder waren es denn: aus Lyon oder St. Étienne?« meinte
Papa Mathieu.
Alle lachten und fingen an zu essen. Zwischen Braten und Käse sprach man
bereits nur von den jungen Largillac und von Geschäften. Aber mein Kopf war
ganz von der angereisten Dame in Anspruch genommen: was für Haare sie habe,
welch ein Gesicht, was für Kleider, ob sie reich sei, ob verheiratet oder
ledig und dergleichen mehr. Nach dem Abendbrot sass man, wie gewöhnlich,
vor der Tür, um den warmen Abend zu geniessen, und wie gewöhnlich, erhob
sich auch Papa Mathieu gähnend zuerst, um sich zur Ruhe zu begeben, denn er
sah das Aufstehen mit der Morgenröte voraus, ihm folgte die Hausfrau und
Véronique, und, wie gewöhnlich, blieb ich mit Mademoiselle Blanche allein
auf den Stufen der Treppe vor der Haustür sitzen. Wir unterhielten uns
leise darüber was morgen für ein Wetter sein werde, wie die Arbeit heute
gegangen, weshalb Mameluk wohl belle, ob es bald einen Feiertag gäbe, --
aber ich war zerstreut und hätte beinahe vergessen Mademoiselle Blanche zum
Abschied zu küssen, die sich in ihr grosses Tuch gehüllt hatte und böse zu
sein schien. Nachdem ich Néron von der Kette gelöst hatte, sah ich nach der
Pforte, verschloss die Gartentür, das Haustor, löschte das Licht aus, stieg
mit einer Kerze hinauf in mein Zimmer und legte mich schlafen, ohne an
Mademoiselle Blanche, als an meine wahrscheinliche Braut zu denken, die
mein Prinzipal und seine Gattin mir, ihrem Adoptivsohne, zugedacht hatten,
der von Kindesbeinen in der Familie aufgewachsen war und weder Eltern, noch
Heimat, noch die Kirche kannte, in der ich Jean, Aimé, Ulysse, Bartholomé
getauft worden war.