angeführten Ort Thetinger. Als einen sehr wichtigen Grund gegen die
Angriffe Huttens führt sie auch Nikolaus Barbatus in seiner zu Marburg
gehaltenen Rede auf. Vergl. Schradius II. 386. Wir machen auf diesen
Umstand besonders aufmerksam, weil man gewöhnlich annimmt, es sei den
Württembergern recht gewesen, daß man Ulrich verjagte; Thetingers Worte
sind: »Als dies die Württemberger hörten, beklagten sie ihr Schicksal
heftig, das ihnen nicht vergönne zu fechten.« -- ~Magno fremitu
fortunam suam questi.~ -- Noch merkwürdiger sind die Worte Nikolai
Barbati; er sucht die Beschuldigungen Ulrichs von Hutten zu widerlegen:
»Welcher Tyrann war den Seinigen wert? Ulrich lieben die Seinigen.
Welcher Tyrann wird, wenn er verjagt ist, von seinen Untergebenen
zurückgewünscht? Mit Bitten und Gebet wünschen sich seine Untergebenen
den Herzog zurück und bitten die Götter, sie möchten ihnen den Herrn
zurückgeben« usw.
[19] Ulrich beklagte sich mehreremal über die Nachstellungen seiner
Feinde. Im Jahr 1534 soll ein für ihn von Dietrich Spät gedungener
Meuchelmörder gefangen worden sein. Sattler, Gesch. d. Herzoge.
3. Seite 47. Im Jahre 1536 wurde im Amt Dornstetten ein Zigeuner
verhaftet, welcher aussagte, von Herzog Wilhelm in Bayern für
Ermordung des Herzogs drei Gulden bekommen zu haben. C. Pfaffs
Geschichte I. 288. Ein Beweis, daß solche Versuche vorkamen.
[20] Diese Sage erzählt G. Schwab, der treue, freundliche Wegweiser
über die schwäbische Alb. Er hat sie in einer Romanze: »Der Bau des
Reissensteins« der Nachwelt aufbewahrt.
[21] Ausführlicher beschreibt diese Operationen des Bundes Sattler in
seiner Gesch. d. Herz. v. W. II. § 6 usw. Man vergleiche hierüber auch
die Geschichte des Herrn von Frondsberg, zweites Buch, und Friedrich
Stumphardt von Kannstatt, Chronik der gewaltsamen Verjagung des Herzogs
Ulrich, 1534, und Spener, ~Histor. Germ. univers. L. III. C. 4. 23~.
[22] Dieser Verrat von Teck fand wirklich also statt. Vergl. z. B.
Sattler II. § 7.
[23] Lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen, von ihm selbst
geschrieben, ~edit. Pistorius~. Nürnberg 1731.
[24] Sattler II. § 9. Hierüber ist vorzüglich zu vergleichen Friedr.
Stumphardt, Chron. § 3. Die Geschichte der Herren von Frondsberg.
Frankfurt a. M. 2. Buch, und Thetinger, ~Commentarius de Würt. reb.
gest. Lib. II~.
[25] Bei dieser Belagerung wurde Georg von Frondsberg das Barett vom
Kopf geschossen. So erzählen Sattler, Stumphardt, Thetinger u. a.
[26] Diese Griechen sind eine sonderbare Erscheinung bei der Belagerung
von Tübingen: man hieß sie Stratioten; ihr Hauptmann war Georg Samaras
aus Corona in Albanien. Er ist in der Stiftskirche in Tübingen
begraben. Ausführlich beschreibt sie Thetinger, ~Comment. de Würtemb.~
gest. 931. Crusius nennt sie vorzüglich berühmt im Lanzenschwingen.
[27] Man vergleiche über diesen Volkswitz des _Freiherrn von Aretin_
Beiträge zur Geschichte und Literatur. 1805. 5. Stück, S. 438. Das
Lied wurde zu Anfang des Jahres 1520, nachdem Reutlingen von Herzog
Ulrich genommen war, von des letztern Feinden verbreitet und ihm in den
Mund gelegt.
[28] In der Chronik des Georg Stumphardt über die gewaltsame Verjagung
des Herzogs Ulrich findet sich als eigener Artikel ein: »_gereimter
Spruch, also lautend_«, wo in einer großen Menge Knüttelversen das
Unglück des Herzogs und des Landes beschrieben ist. Aus diesem Gedicht
sind jene Verse im Text entlehnt.
[29] Anspielung auf das Wappen von Württemberg. Vergl. Anm. 31.
[30] Diese merkwürdige Höhle haben wir nach der Natur zu zeichnen
versucht. Es bleibt noch übrig, hier einige Notizen über ihre inneren
Verhältnisse zu geben. Die Vorhöhle beträgt etwas über 150 Fuß im
Umfange; von hier aus laufen zwei Gänge nach verschiedenen Richtungen,
die aber nach einer Länge von beinahe 200 Fuß wieder zusammentreffen.
Auf diesen Wegen trifft man zwei Felsensäle, den einen von 100, den
andern von 82 Fuß Länge. Wo diese Gänge sich vereinigen, bilden sie
wieder eine Grotte; von hier aus rechts gegen Norden, mehr in der Höhe,
liegt wieder eine kleinere Kammer, es ist die, in welche wir den Leser
zu dem vertriebenen Mann geführt haben. Die weiteste Entfernung vom
Eingang der Höhle bis zu ihrem Ende beträgt 577 Fuß. Man vergleiche
hierüber die so interessante als getreue Beschreibung der schwäb. Alb
von G. Schwab.
[31] Drei Hirschgeweihe, wovon die zwei obersten vier, das untere aber
drei Enden hat, sind das _alte Wappen_ von Württemberg.
[32] Crusius beschreibt in seiner Chronik das Schlößchen Lichtenstein,
wie wir es hier nacherzählen. Er sah es zu Ende des sechzehnten
Jahrhunderts, also etwa 70 Jahre nach dem Jahre 1519. Dort findet sich
auch die hieher gehörige Stelle:
»Im obern Stockwerk ist ein überaus schöner Saal, ringsum mit
Fenstern, aus welchen man bis an den Asperg sehen kann: _darin hat
der vertriebene Fürst, Ulrich von Württemberg, öfter gewohnt, der des
Nachts vor das Schloß kam und nur sagte: ›Der Mann ist da!‹ so wurde
er eingelassen._« Wo aber wohnte er den Tag über? Wo hielt sich der
Vertriebene auf? Die Frage lag sehr nahe.
Jetzt ist in die Ruinen des alten Schlosses ein Jägerhaus erbaut, das
noch immer den Namen des »Lichtensteiner Schlößleins« trägt und am
fröhlichen Pfingstfest einer lebensfrohen Menge zum Tummelplatz dient.
[33] Er schickte einen tapfern Ritter, Marx Stumpf von Schweinsberg,
an sie mit einem beweglichen Schreiben, das Schloß nicht zu übergeben,
sondern, wo sie solches auch tun wollten, ihm wieder Gelegenheit zu
machen, in dasselbe zu kommen; weil er in selbigem zu sterben bereit
sei, wenn es Gott über ihn verhänge. Sattler, Gesch. der Herz. v.
Württemb. II. 15.
[34] Diesen merkwürdigen Hund beschreibt Thetinger als einen Liebling
Ulrichs ausführlich. A. a. O. S. I. 58.
[35] »Hie gut Württemberg alleweg« findet sich oft als Wahlspruch
dieser Partei. Vergl. Pfaffs Geschichte Württembergs Bd. I. S. 306.
[36] »Der Tüfell gsegen jn allen!« sind die Worte des Chronisten
Stumphardt, die ihm unwillkürlich entschlüpfen, indem er die
Unterhandlung der Ritter »beim kühlen Wein« beschreibt.
[37] Herzog Ulrich beklagt sich wiederholt, namentlich in diesem
Zeitpunkt, daß seine Gegner so viele Lügen gegen ihn ausstreuen.
Er verteidigt sich darüber, besonders in seinen Briefen an die
schweizerische Eidgenossenschaft. So streuten seine Feinde im Jahre
1519 aus, er habe einen Edelknaben, Wilhelm von Janowiz, entzwei
gehauen. Doch Janowiz lebte noch im Jahre 1562 und war Anno 1560
Kommandant der Feste Asperg. Aber jene Lüge machte damals großes
Aufsehen, daher kam es, daß ein Schweizer, dem man diesen Mann zeigte
und sagte, was die Feinde des Herzogs von ihm ausgestreut haben,
antwortete: »_Er muß nochten ein guter Barbier gsyn syn, der den Knaben
so suber gehailt hat._« (Sattler II. § 24.)
[38] _Sattler_ erzählt dies folgendermaßen: Der schwäbische Bund hatte
einen großen Teil seiner Kriegsknechte abgedankt, diese wurden darüber
schwierig, sie rottierten sich zusammen, richteten zwölf Fähnlein
auf, erwählten ihre Hauptleute und machten unter sich nach damaligem
Gebrauch eine Regimentsordnung. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der
Herzog diese Leute an sich gezogen. Geschichte der Herzoge v. Württemb.
II. § 16.
[39] Dieses Lied führt auch Lessing in der Sammlung auf, die den Namen
trägt: »Altdeutscher Witz und Verstand.«
[40] Der Schwaben- und Frankenbund hielt in diesem Sommer einen
Bundestag in Nördlingen. Auch die Herzogin Sabina und der Herzog von
Bayern fanden sich dort ein, um hauptsächlich über Württemberg zu
entscheiden. Sattler II. § 15.
[41] Die Regentschaft mußte zu jener Zeit viel seltsamer,
leichtfertiger und böser Reden hören. Der Keller in Göppingen
berichtete einmal, man habe auf der Straße zwischen Grunbach und
Heppach einen Kieselstein gefunden, auf dessen einer Seite ein
Hirschgeweih mit der Unterschrift: »Hie gut Württemberg alleweg«, auf
der andern Seite ein Jagdhorn mit den Worten: »~Vive Dux Ulrice~« zu
sehen waren. Vergl. Pfaffs Geschichte von Württemberg I. 306.
[42] Ueber dieses neutrale Verhalten des Adels ist zu vergleichen
Sattler II. § 19.
[43] »Der Herzog zog sich mit ungefähr 6000 Mann Landvolk nach
Stuttgart, und die angeworbenen Knechte legte er nach Kannstatt.«
Sattler II. § 21. »Der Herzog, als er erfuhr, daß der Feind so nahe
sei, rief die Seinigen schnell aus Städten und Dörfern herbei, die auch
sogleich erschienen.« ~Thetingeri Commentarius etc. lib. III.~
[44] Wir benützen zur Beschreibung dieser Schlacht hauptsächlich: Joh.
Bezzi hist. ~Ulrici Ducis Würt.~ und Thetinger, der besonders bei dem
Angriff der Reiterei auf den mit Geschütz besetzten Hügel sehr ins
einzelne geht.
[45] Graf Georg von Württemberg und Mömpelgard, der Bruder Ulrichs, ist
der Stammvater des jetzigen Regentenhauses von Württemberg.
Sein Sohn war Friedrich I. reg. Herzog, der das Herzogtum erhielt, weil
Ludwig, Christophs Sohn, ohne männliche Deszendenz starb.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 6: Fußnote ohne Anker gelöscht:
Die Anmerkungen befinden sich am Ende dieser Erzählung.
S. 33: viel → viel wie
muß sich so {viel wie} möglich
S. 78: überrascht → überraschend
Entscheidung doch zu {überraschend}
S. 87: Ritterschaft → Ritterhaft
Das ist halt die {Ritterhaft}
S. 101: Laune → Leute
Gastfreundschaft der guten {Leute}
S. 142: bunten → runden
Tafeltuch über den {runden} Tisch
S. 143: Schlüssel → Schüssel
schob die {Schüssel} weit hinweg
S. 237: ficht → ficht keiner
wie der {ficht keiner} in der Türkei
S. 341: Ermorderung → Ermordung
in Bayern für {Ermordung} des Herzogs