»Nun, dies ist doch einmal ein hübscher Herr,« flüsterte die

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text

ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist

~so markiert~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

Wilhelm Hauffs

sämtliche Werke in sechs Bänden

Mit einer biographischen Einleitung

von _Alfred Weile_

Neu durchgesehene Ausgabe

:: :: in neuester Rechtschreibung :: ::

Dritter Band.

A. Weichert, Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei

_Berlin_ NO.⁴³ Neue Königstr. 9

Lichtenstein.

Romantische Sage aus der württembergischen Geschichte.

Einleitung.

Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt,

Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;

Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,

Auch euren Herzen menschlich näher bringen: --

Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang

Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld

Den unglückseligen Gestirnen zu.

_Schiller_.

Die Sage, womit sich die folgenden Blätter beschäftigen, gehört

jenem Teil des südlichen Deutschlands an, welcher sich zwischen den

Gebirgen der Alb und des Schwarzwaldes ausbreitet. Das erstere dieser

Gebirge schließt, von Nordwest nach Süden in verschiedener Breite sich

ausdehnend, in einer langen Bergkette dieses Land ein, der Schwarzwald

aber zieht sich von den Quellen der Donau bis hinüber an den Rhein und

bildet mit seinen schwärzlichen Tannenwäldern einen dunkeln Hintergrund

für die schöne, fruchtbare, weinreiche Landschaft, die, vom Neckar

durchströmt, an seinem Fuße sich ausbreitet und Württemberg heißt.

Dieses Land schritt aus geringem, dunklem Anfang unter mancherlei

Kämpfen siegend zu seiner jetzigen Stellung unter den Nachbarstaaten

hervor. Es erregt dies um so größere Bewunderung, wenn man die Zeit

bedenkt, in welcher sein Name zuerst aus dem Dunkel tritt; jene Zeit,

wo mächtige Grenznachbarn, wie die Staufen, die Herzöge von Teck, die

Grafen von Zollern um seine Wiege gelagert waren; wenn man die inneren

und äußeren Stürme bedenkt, die es durchzogen und oft selbst seinen

Namen aus den Annalen der Geschichte zu vertilgen drohten.

Gab es ja doch sogar eine Zeit, wo der Stamm seiner Beherrscher auf

ewig aus den Hallen ihrer Väter verdrängt schien, wo sein unglücklicher

Herzog aus seinen Grenzen fliehen und in drückender Verbannung leben

mußte, wo fremde Herren in seinen Burgen hausten, fremde Söldner das

Land bewachten, und wenig fehlte, daß Württemberg aufhörte zu sein,

jene blühenden Fluren zerrissen und eine Beute für viele oder eine

Provinz des Hauses Oesterreich wurde.

Unter den vielen Sagen, die von ihrem Lande und der Geschichte ihrer

Väter im Munde der Schwaben leben, ist wohl keine von so hohem

romantischen Interesse als die, welche sich an die Kämpfe der eben

erwähnten Zeit, an das wunderbare Schicksal jenes unglücklichen Fürsten

knüpft. Wir haben versucht, sie wiederzugeben, wie man sie auf den

Höhen von Lichtenstein und an den Ufern des Neckars erzählen hört,

wir haben es gewagt, auch auf die Gefahr hin, verkannt zu werden.

Man wird uns nämlich entgegenhalten, daß sich der Charakter Ulrichs

von Württemberg[1] nicht dazu eigne, in einem historischen Romane

mit milden Farben wiedergegeben zu werden. Man hat ihn vielfach

angefeindet, manches Auge hat sich sogar daran gewöhnt, wenn es die

lange Bilderreihe der Herzoge Württembergs mustert, mit scheuem Blick

vom ältern Eberhard auf Christoph[2] überzuspringen, als sei das

Unglück eines Landes nur allein in seinem Herrscher zu suchen, oder als

sei es verdienstlich, das Auge mit Abscheu zu wenden von den Tagen der

Not.

Und doch möchte es die Frage sein, ob man nicht in Beurteilung

dieses Fürsten nur seinem erbittertsten Feinde, Ulrich von Hutten,

nachbetet, der, um wenig zu sagen, hier allzusehr Partei ist, um als

leidenschaftloser Zeuge gelten zu können. Die Stimmen aber, die der

Herzog und seine Freunde erhoben, hat der rauschende Strom der Zeit

übertäubt, sie haben die zugleich anklagende und richtende Beredsamkeit

seines Feindes, jene donnernde Philippika ~in ducem Ulericum~, nicht

überdauert.

Wir haben fast alle gleichzeitigen Schriftsteller, die Stimmen eines

längst vergangenen vielbewegten Jahrhunderts, gewissenhaft verglichen

und fanden keinen, der ihn geradehin verdammt. Und wenn man bedenkt,

welch gewaltigen Einfluß Zeit und Umgebungen auf den Sterblichen

auszuüben pflegen, wenn man bedenkt, daß Ulrich von Württemberg

unter der Vormundschaft schlechter Räte aufwuchs, die ihn zum Bösen

anleiteten, um ihn nachher zu mißbrauchen, wenn man sich erinnert, daß

er in einem Alter die Zügel der Regierung in die Hände bekam, wo der

Knabe kaum zum Jüngling reif ist, so muß man wenigstens die erhabenen

Seiten seines Charakters, hohe Seelenstärke und einen Mut, der nie

zu unterdrücken ist, bewundern, sollte man es auch nicht über sich

vermögen, die Härten damit zu mildern, die in seiner Geschichte das

Auge beleidigen.

Das Jahr 1519, in welches unsere Sage fällt, hat über ihn entschieden,

denn es ist der Anfang seines langen Unglückes. Doch darf die Nachwelt

sagen, es war der Anfang seines Glückes. War ja doch jene lange

Verbannung ein läuterndes Feuer, woraus er weise und kräftiger als

je hervorging. Es war der Anfang seines Glückes, denn seine späteren

Regentenjahre wird jeder Württemberger segnen, der die religiöse

Umwälzung, die dieser Fürst in seinem Vaterlande bewerkstelligte, für

ein Glück ansieht.

In jenem Jahr war alles auf die Spitze gestellt. Der Aufruhr des

armen Konrad war sechs Jahre früher mit Mühe gestillt; doch war das

Landvolk hie und da noch schwierig, weil der Herzog sie nicht für sich

zu gewinnen wußte, seine Amtleute auf ihre eigene Faust arg hausten

und Steuern auf Steuern erhoben wurden. Den schwäbischen Bund, eine

mächtige Vereinigung von Fürsten, Grafen, Rittern und freien Städten

des Schwaben- und Frankenlandes, hatte er wiederholt beleidigt,

hauptsächlich auch dadurch, daß er sich weigerte, ihm beizutreten. So

sahen also alle seine Grenznachbarn mit feindlichen Blicken auf sein

Tun, als wollten sie nur Gelegenheit abwarten, ihn fühlen zu lassen,

welch mächtiges Bündnis er verweigert habe. Der Kaiser Maximilian, der

damals noch regierte, war ihm auch nicht ganz hold, besonders seit er

im Verdacht war, den Ritter Götz von Berlichingen unterstützt zu haben,

um sich an dem Kurfürsten von Mainz zu rächen.

Der Herzog von Bayern, ein mächtiger Nachbar, dazu sein Schwager, war

ihm abgeneigt, weil Ulrich mit der Herzogin Sabina nicht zum besten

lebte. Zu allem diesem kam, um sein Verderben zu beschleunigen,

die Ermordung eines fränkischen Ritters, der an seinem Hofe lebte.

Glaubwürdige Chronisten sagen, das Verhältnis des Johann von Hutten zu

Sabina sei nicht so gewesen, wie es der Herzog gern sah. Daher griff

ihn der Herzog auf einer Jagd an, warf ihm seine Untreue vor, forderte

ihn auf, sich seines Lebens zu erwehren, und stach ihn nieder. Die

Huttischen, hauptsächlich Ulrich von Hutten, erhoben ihre Stimmen wider

ihn, und in ganz Deutschland erscholl ihr Klage- und Rachegeschrei.

Auch die Herzogin, die durch stolzes, zänkisches Wesen Ulrich schon

als Braut aufgebracht und ihm keine gute Ehe bereitet hatte, trat

jetzt als Gegnerin auf, entfloh mit Hilfe Dietrichs von Spät, und sie

und ihre Brüder traten als Kläger und bittere Feinde bei dem Kaiser

auf.[3] Es wurden Verträge geschlossen und nicht gehalten, es wurden

Friedensvorschläge angeboten und wieder verworfen, die Not um den

Herzog wuchs von Monat zu Monat, und dennoch beugte sich sein Sinn

nicht, denn er meinte, recht getan zu haben. Der Kaiser starb in dieser

Zeit. Er war ein Herr, der Ulrich trotz der vielen Klagen dennoch Milde

bewiesen hatte. An ihm starb dem Herzog ein unparteiischer Richter,

den er in diesen Bedrängnissen so gut hätte brauchen können, denn das

Unglück kam jetzt schnell.

Man feierte das Leichenfest des Kaisers zu Stuttgart in der Burg, als

dem Herzog Kunde kam, daß Reutlingen, eine Reichsstadt, die in seinem

Gebiete lag, seinen Waldvogt auf Achalm erschlagen habe. Diese Städtler

hatten ihn schon oft empfindlich beleidigt, sie waren ihm verhaßt und

sollten jetzt seine Rache fühlen. Schnell zum Zorn gereizt, wie er war,

warf er sich aufs Pferd, ließ die Lärmtrommeln tönen durch das Land,

belagerte die Stadt und nahm sie ein. Der Herzog ließ sich von ihnen

huldigen, und die Reichsstadt war württembergisch.[4]

Aber jetzt erhob sich der schwäbische Bund mit Macht, denn diese Stadt

war ein Glied desselben gewesen. So schwer es auch sonst hielt, diese

Fürsten, Grafen und Städte alle aufzubieten, so weilten sie doch hier

nicht, sondern hielten zusammen, denn der Haß ist ein fester Kitt.

Umsonst waren Ulrichs schriftliche Verteidigungen.[5] Das Bundesheer

sammelte sich bei Ulm und drohte mit einem Einfall.

So war also in dem Jahr 1519 alles auf die Spitze gestellt. Konnte

der Herzog das Feld behaupten, so behielt er recht, und es war nicht

zu zweifeln, daß er dann großen Anhang bekommen würde. Gelang es dem

Bunde, den Herzog aus dem Felde zu schlagen, dann wehe ihm. Wo so

vieles zu rächen war, durfte er keine Schonung erwarten.

Die Blicke Deutschlands hingen bange an dem Erfolg dieses Kampfes,

sie suchten begierig durch den Vorhang des Schicksals zu dringen, um

zu erspähen, was die künftigen Tage bringen werden, ob Württemberg

gesiegt, ob der Bund den Walplatz behauptet habe. Wir rollen diesen

Vorhang auf, wir lassen Bild an Bild vorüberziehen, möge das Auge nicht

zu frühe ermüdet sich davon abwenden.

Oder sollte es ein zu kühnes Unternehmen sein, eine historische Sage

der Vorzeit in unsern Tagen wieder zu erzählen? Sollte es unbillig

sein zu wünschen, daß sich die Aufmerksamkeit der Leser einige kurze

Stunden nach den Höhen der schwäbischen Alb und nach den lieblichen

Tälern des Neckars wende?

Die Quellen des Susquehannah und die malerischen Höhen von Boston, die

grünen Ufer des Tweed und die Gebirge des schottischen Hochlandes,

Altenglands lustige Sitten und die romantische Armut der Gälen leben,

Dank sei es dem glücklichen Pinsel jener berühmten Novellisten, auch

bei uns in aller Munde. Begierig liest man in getreuen Uebertragungen,

die wie Pilze aus der Erde zu wachsen scheinen, was vor sechzig oder

sechshundert Jahren in den Gefilden von Glasgow oder in den Wäldern von

Wallis sich zugetragen. Ja, wir werden bald die Geschichte der drei

Reiche so genau innehaben, als hätten wir sie nach den gelehrtesten

Forschungen ergründet. Und doch ist es meist nur der große Unbekannte,

der uns die Bücher seiner Chroniken erschloß und Bild an Bild in

unendlicher Reihe vor dem staunenden Auge vorüberführte; er ist es,

der diesen Zauber bewirkte, daß wir in Schottlands Geschichte beinahe

besser bewandert sind als in der unsrigen, und daß wir die religiösen

und weltlichen Händel unserer Vorzeit bei weitem nicht so deutlich

kennen als die Presbyterianer und Episkopalen Albions.

Und in was besteht der Zauber, womit jener unbekannte Magier unsere

Blicke und unsere Herzen nach den »bergigten Heiden« seines Vaterlandes

zog? Vielleicht in der ungeheuren Masse dessen, was er erzählt, in

der grauenvollen Anzahl von hundert Bänden, die er uns über den Kanal

schickte? Aber auch wir haben mit Gottes und der Leipziger Messen

Hilfe Männer von achtzig, hundert und hundertundzwanzig! Oder haben

vielleicht die Berge von Schottland ein glänzenderes Grün als der

deutsche Harz, der Taunus und die Höhen des Schwarzwaldes? Ziehen

die Wellen des Tweed in lieblicherem Blau als der Neckar und die

Donau, sind seine Ufer herrlicher als die des Rheins? Sind vielleicht

jene Schotten ein interessanterer Menschenschlag als der, den unser

Vaterland trägt, hatten ihre Väter röteres Blut als die Schwaben und

Sachsen der alten Zeit, sind ihre Weiber liebenswürdiger, ihre Mädchen

schöner als die Töchter Deutschlands? Wir haben Ursache, daran zu

zweifeln, und hierin kann also jener Zauber des Unbekannten nicht

liegen.

Aber darin liegt er wohl, daß jener große Novellist auf historischem

Grund und Boden geht, nicht als ob der unsrige weniger geschichtlich

wäre, aber wir haben ja schon seit Jahrhunderten uns angewöhnt, unter

fremdem Himmel zu suchen, was bei uns selbst blühte, und wie wir die

rohen Stoffe ausführen, um sie in anderer Form mit Bewunderung und

Ehrfurcht als teure Kleinode wieder in unsere Grenzen aufzunehmen, so

bewundern wir jedes Fremde und Ausländische, nicht weil es groß oder

erhaben, sondern weil es nicht in unsern Tälern gewachsen ist.

Doch auch wir hatten eine Vorzeit, die, reich an bürgerlichen Kämpfen,

uns nicht weniger interessant dünkt als die Vorzeit des Schotten. Darum

haben auch wir gewagt, ein historisches Tableau zu entrollen, das, wenn

es auch nicht jene kühnen Umrisse der Gestalten, jenen zauberischen

Schmelz der Landschaft aufweist, und wenn das an solche Herrlichkeiten

gewöhnte Auge umsonst die süße, bequeme Magie der Hexerei und den

von Zigeunerhand geschürzten Schicksalsknoten darin sucht, ja wenn

sogar unsere Farben matt, unser Crayon stumpf erscheint, doch eines

zur Entschuldigung für sich haben möchte, ich meine die historische

Wahrheit.

1.

Was soll doch dies Trommeten sein?

Was deutet dies Geschrei?

Will treten an das Fensterlein,

Ich ahne, was es sei.

_Uhland._

Nach den ersten trüben Tagen des März 1519 war endlich am zwölften ein

recht freundlicher Morgen über der Reichsstadt Ulm aufgegangen. Die

Donaunebel, die um diese Jahreszeit immer noch drückend über der Stadt

liegen, waren schon lange vor Mittag der Sonne gewichen, und immer

freier und weiter wurde die Aussicht in die Ebene über den Fluß hinüber.

Aber auch die engen kalten Straßen mit ihren hohen dunkeln

Giebelhäusern hatte der schöne Morgen heller als sonst beleuchtet

und ihnen einen Glanz, eine Freundlichkeit gegeben, die zu dem

heutigen festlichen Ansehen der Stadt gar trefflich paßte. Die große

Herdbruckergasse -- sie führt von dem Donautor an das Rathaus -- stand

an diesem Morgen gedrängt voll Menschen, die sich Kopf an Kopf wie eine

Mauer an den beiden Seiten der Häuser hinzogen, nur einen engen Raum

in der Mitte der Gasse übrig lassend. Ein dumpfes Gemurmel gespannter

Erwartung lief durch die Reihen und brach nur in ein kurzes Gelächter

aus, wenn etwa die alten, strengen Stadtwächter eine hübsche Dirne,

die sich zu vorlaut in den freigelassenen Raum gedrängt hatte, etwas

unsanft mit dem Ende ihrer langen Hellebarde zurückdrängten oder wenn

ein Schalk sich den Spaß machte, »sie kommen! sie kommen!« rief, alles

lange Hälse machte und schaute, bis es sich zeigte, daß man sich wieder

getäuscht habe.

Noch dichter aber war das Gedränge da, wo die Herdbruckergasse auf

den Platz vor dem Rathaus einbiegt. Dort hatten sich die Zünfte

aufgestellt. Die Schiffergilde mit ihren Altmeistern an der Spitze, die

Weber, die Zimmerer, die Bräuer, mit ihren Fahnen und Gewerbzeichen,

sie alle waren im Sonntagwams und wohlbewaffnet zahlreich dort

versammelt.

Bot aber schon die Menge hier unten einen fröhlichen, festlichen

Anblick dar, so war dies noch mehr der Fall mit den hohen Häusern

der Straße selbst. Bis an die Giebeldächer waren alle Fenster voll

geputzter Frauen und Mädchen, um welche sich die grünen Tannen- und

Taxuszweige, die bunten Teppiche und Tücher, mit welchen die Seiten

geschmückt waren, wie Rahmen um liebliche Gemälde zogen.

Das anmutigste Bild gewährte wohl ein Erkerfenster im Hause des Herrn

Hans von Besserer. Dort standen zwei Mädchen, so verschieden an

Gesicht, Gestalt und Kleidung, und doch beide von so ausgezeichneter

Schönheit, daß, wer sie von der Straße betrachtete, eine Weile

zweifelhaft war, welcher er wohl den Vorzug geben möchte.

Beide schienen nicht über achtzehn Jahre zu haben. Die eine, größere,

war zart gebaut, reiches braunes Haar zog sich um eine freie Stirne,

die gewölbten Bogen ihrer dunkeln Brauen, das ruhige blaue Auge, der

fein geschnittene Mund, die zarten Farben der Wangen -- sie gaben ein

Bild, das unter unsern heutigen Damen für sehr anziehend gelten würde,

das aber in jenen Zeiten, wo noch höheren Farben, volleren Formen der

Apfel zuerkannt wurde, nur durch seine gebietende Würde neben der

andern Schönen sich geltend machen konnte.

Diese, kleiner und in reichlicherer Fülle als ihre Nachbarin, war

eines jener unbesorgten, immer heiteren Wesen, welche wohl wissen, daß

sie gefallen. Ihr hellblondes Haar war nach damaliger Sitte der Ulmer

Damen in viele Löckchen und Zöpfchen geschlungen und zum Teil unter ein

weißes Häubchen voll kleiner künstlicher Fältchen gesteckt. Das runde

frische Gesichtchen war in immerwährender Bewegung, noch rastloser

glitten die lebhaften Augen über die Menge hin, und der lächelnde Mund,

der alle Augenblicke die schönen Zähne sehen ließ, zeugt deutlich, daß

es unter den vielerlei abenteuerlichen Gruppen und Gestalten nicht an

Gegenständen fehle, die ihrer fröhlichen Laune zur Zielscheibe dienen

mußten.

Hinter den beiden Mädchen stand ein großer bejahrter Mann; seine

tiefen strengen Züge, seine buschigen Augenbrauen, sein langer dünner,

schon ins Graue spielender Bart, selbst sein ganz schwarzer Anzug, der

wunderlich gegen die reichen bunten Farben um ihn her abstach, gaben

ihm ein ernstes, beinahe trauriges Aussehen, das kaum ein wenig milder

wurde, wenn ein Schimmer von Freundlichkeit, hervorgelockt durch die

glücklichen Einfälle der Blondine, wie ein Wetterleuchten durch das

finstere Gesicht zog. Diese Gruppe, so verschieden in sich durch Farbe

und Schattierung wie durch Charakter und Jahre, zog hin und wieder

die Aufmerksamkeit der Untenstehenden auf sich. Manches Auge hing

an den schönen Mädchen, und sie beschäftigten eine Weile durch ihre

überraschende Erscheinung jene müßige Menge, die schon ungeduldig zu

werden anfing, daß das Schauspiel, dessen sie harrte, noch immer sich

nicht zeigen wollte.

Es ging schon stark auf Mittag. Die Menge wogte immer ungeduldiger,

preßte sich stärker, und hin und wieder hatte sich schon einer oder der

andere aus den Reihen der ehrsamen Zünfte auf den Boden gelagert, da

tönten drei Stückschüsse von der Schanze auf dem Lug-ins-Land herüber,

die Glocken des Münsters begannen tiefe volle Akkorde über die Stadt

hinzurollen, und im Augenblick hatten sich die verworrenen Reihen

geordnet.

»Sie kommen, Marie, sie kommen!« rief die Blonde im Erkerfenster und

schlang ihren Arm um den Leib ihrer Nachbarin, indem sie sich weiter

zum Fenster hinausbeugte. Das Haus des Herrn von Besserer bildete die

Ecke der vorerwähnten Straße, von dem Erker konnte man hinab, beinahe

bis an das Donautor, und hinüber bis in die Fenster des Rathauses

sehen, und die Mädchen hatten also ihren Standpunkt trefflich gewählt,

um das Schauspiel, dessen sie harrten, ganz zu genießen.

Die Gasse zwischen den beiden Reihen des Volkes war indes mit Mühe

weiter gemacht worden, die Stadtwächter stellten sich mit weit

ausgestreckten Hellebarden auf, tiefe Stille herrschte unter der

ungeheuren Menge, nur das Geläute der Glocken tönte noch fort.

Jetzt hörte man den dumpfen Schall der Pauken, vermischt mit den hohen

Klängen der Zinken und Trompeten, und durch das Tor herein bewegte sich

ein langer glänzender Zug von Reitern. Die Stadtpauker und Trompeter,

die berittene Schar der Ulmer Patriziersöhne war eine zu alltägliche

Erscheinung, als daß das Auge lange darauf verweilt hätte. Als aber das

schwarze und weiße Banner der Stadt, mit dem Reichsadler, als Fahnen

und Standarten aller Größen und Farben zum Tor hereinschwankten, da

dachten die Zuschauer, daß jetzt der rechte Augenblick gekommen sei.

Auch unsere Schönen im Erkerfenster schärften jetzt ihre Blicke, als

man die Menge am untern Teil der Straße ehrerbietig die Mützen abnehmen

sah.

Auf einem großen starkknochigen Rosse nahte ein Mann, dessen kräftige

Haltung, dessen heiteres, frisches Ansehen in sonderbarem Kontrast

stand mit der tiefgefurchten Stirne und dem schon ins Graue

spielenden Haar und Bart. Er trug einen zugespitzten Hut mit vielen

Federn, einen Brustharnisch über ein eng anschließendes rotes Wams,

Beinkleider von Leder, mit Seide ausgeschlitzt, die wohl von neuem

recht hübsch gewesen sein mochten, aber durch Regen und Strapazen

eine einförmige dunkelbraune Farbe erhalten hatten. Weite schwere

Reiterstiefel schlossen sich unter den Knieen an. Seine einzige Waffe,

ein ungewöhnlich großes Schwert mit langem Griffe ohne Korb, vollendete

das Bild eines gewaltigen, unter Gefahren früh ergrauten Kriegers. Der

einzige Schmuck dieses Mannes war eine lange goldene Kette von dicken

Ringen, fünfmal um den Hals gelegt, an welcher ein Ehrenpfennig von

gleichem Metall auf die Brust herabhing.

»Sagt geschwind, Oheim, wer ist der stattliche Mann, der so jung und

alt aussieht?« rief die Blonde, indem sie das Köpfchen ein wenig nach

dem schwarzen Herrn, der hinter ihr stand, zurückbeugte.

»Das kann ich dir sagen, Bertha,« antwortete dieser. »Es ist Georg von

Frondsberg[6], oberster Feldhauptmann des bündischen Fußvolkes, ein

wackerer Mann, wenn er einer bessern Sache diente!«

»Behaltet Eure Bemerkungen für Euch, Herr Württemberger,« entgegnete

ihm die Kleine, indem sie lächelnd mit dem Finger drohte, »Ihr wißt,

daß die Ulmer Mädchen gut bündisch sind!«

Der Oheim aber, ohne sich irre machen zu lassen, fuhr fort: »Jener dort

auf dem Schimmel ist Truchseß Waldburg, der Feldleutnant[7], dem auch

etwas von unserem Württemberg wohl anstünde. Dort hinter ihm kommen

die Bundesobersten. Weiß Gott, sie sehen aus wie Wölfe, die nach Beute

gehen.«

»Pfui! verwitterte Gestalten!« bemerkte Bertha, »ob es wohl auch der

Mühe wert war, Bäschen Marie, daß wir uns so putzten? Aber siehe da,

wer ist der junge schwarze Reiter auf dem Braunen? Sieh nur das bleiche

Gesicht und die feurigen, schwarzen Augen! Auf seinem Schilde steht:

_Ich hab's gewagt._«

»Das ist der Ritter Ulrich von Hutten,« erwiderte der Alte, »dem Gott

seine Schmähworte gegen unsern Herzog verzeihen wolle. Kinder! das ist

ein gelehrter, frommer Herr. Er ist zwar des Herzogs bitterster Feind,

aber ich sage so. Denn was wahr ist, muß wahr bleiben![8]

Und siehe, da sind Sickingens[9] Farben, wahrhaftig, da ist er selbst.

Schaut hin, Mädchen, das ist Franz von Sickingen. Sie sagen, er führe

tausend Reiter in das Feld. Der ist's mit dem blanken Harnisch und der

roten Feder.«

»Aber sagt mir, Oheim,« fragte Bertha wieder, »welches ist denn Götz

von Berlichingen, von dem uns Vetter Kraft so viel erzählt. Er ist ein

gewaltiger Mann und hat eine Faust von Eisen. Reitet er nicht mit den

Städten?«

»Götz und die Städtler nenne nie in _einem_ Atem,« sprach der Alte mit

Ernst. »Er hält zu Württemberg.«[10]

Ein großer Teil des Zuges war während diesem Gespräch am Fenster

vorübergezogen, und mit Verwunderung hatte Bertha bemerkt, wie

gleichgültig und teilnahmlos ihre Base Marie hinabschaute. Es war

zwar sonst des Mädchens Art, sinnend, zuweilen wohl auch träumend

auszusehen, aber heute, bei einem so glänzenden Aufzug, so ganz

ohne Teilnahme zu sein, deuchte ihr ein großes Unrecht. Sie wollte

sie eben zur Rede stellen, als ein Geräusch von der Straße her ihre

Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein mächtiges Roß bäumte sich in der

Mitte der Straße unter ihrem Fenster, wahrscheinlich scheu gemacht

durch die flatternden Fahnen der Zünfte. Sein hoch zurückgeworfener

Kopf verdeckte den Reiter, so daß nur die wehenden Federn des Baretts

sichtbar waren; aber die Gewandtheit und Kraft, mit welcher er das

Pferd herunterriß und zum Stehen brachte, ließ einen jungen mutigen

Reiter ahnen. Das lange hellbraune Haar war ihm von der Anstrengung

über das Gesicht herabgefallen. Als er es zurückschlug, traf sein Blick

das Erkerfenster.

»Nun, dies ist doch einmal ein hübscher Herr,« flüsterte die Blonde

ihrer Nachbarin zu, so heimlich, so leise, als fürchte sie, von dem

schönen Reiter gehört zu werden, »und wie er artig und höflich ist!

Sieh nur, er hat uns gegrüßt, ohne uns zu kennen!«

Aber das stille Bäschen Marie schien der Kleinen nicht viel

Aufmerksamkeit zu schenken. Ein glühendes Rot zog über die zarten

Wangen. Ja! wer die ernste Jungfrau gesehen hätte, wie sie so kalt

auf den Zug hinabsah, hätte wohl nie geahnet, daß so viel holde

Freundlichkeit um diesen Mund, so viel Liebe in diesem sinnenden Auge

wohnen könnte, als in jenem Augenblick sichtbar wurde, wo sie durch ein

leichtes Neigen des Hauptes den Gruß des jungen Reiters erwiderte.

Der kleinen Schwätzerin war unsere flüchtige, aber wahre Bemerkung über

dem Anblick des schönen Mannes völlig entgangen. »Nur schnell, Oheim!«

rief sie und zog den alten Herrn am Mantel, »wer ist dieser in der

hellblauen Binde mit Silber? Nun?«

»Ja, liebes Kind!« antwortete der Oheim, »den habe ich in meinem Leben

nicht gesehen. Seinen Farben nach steht er in keinem besondern Dienst,

sondern reitet wohl auf seine eigene Faust gegen meinen Herzog und

Herrn, wie so viele Hungerleider, die sich an unsern Töpfen laben

wollen.«

»Mit Euch ist doch nichts anzufangen,« sagte die Kleine und wandte

sich unmutig ab. »Die alten und gelehrten Herren kennet Ihr alle auf

hundert Schritte und weiter. Wenn man aber einmal nach einem hübschen,

höflichen Junker fragt, wißt Ihr nichts. Du bist auch so, Marie,

machtest Augen auf den Zug hinunter, als ob es eine Prozession am

Fronleichnam wäre; ich wette, du hast das Schönste von allem nicht

gesehen und hattest noch den alten Frondsberg im Kopfe, als ganz andere

Leute vorbeiritten!«

Der Zug hatte sich während dieser Strafrede Berthas vor dem Rathause

aufgestellt; die bündische Reiterei, die noch vorüberzog, hatte wenig

Interesse mehr für die beiden Mädchen. Als daher die Herren abgesessen

und zum Imbiß ins Rathaus gezogen waren, als die Zünfte ihre Glieder

auflösten und das Volk sich allmählich zu verlaufen begann, zogen auch

sie sich vom Fenster zurück.

Bertha schien nicht ganz zufrieden zu sein. Ihre Neugier war nur halb

befriedigt. Sie hütete sich übrigens wohl, vor dem alten ernsten Oheim

etwas merken zu lassen. Als aber dieser das Gemach verließ, wandte sie

sich an ihre Base, die noch immer träumend am Fenster stand:

»Nein, wie einen doch so etwas peinigen kann! Ich wollte viel darum

geben, wenn ich wüßte, wie er heißt. Daß du aber auch gar keine Augen

hast, Marie! Ich stieß dich doch an, als er grüßte. Siehe, hellbraune

Haare, recht lang und glatt, freundliche dunkle Augen, das ganze

Gesicht ein wenig bräunlich, aber hübsch, sehr hübsch. Ein Bärtchen

über dem Mund, nein! ich sage dir -- wie du jetzt nur wieder gleich

rot werden kannst!« fuhr die Blonde in ihrem Eifer fort, »als ob zwei

Mädchen, wenn sie allein sind, nicht von dem schönen Mund eines jungen

Herrn sprechen dürften. Dies geschieht oft bei uns. Aber freilich bei

deiner seligen Frau Muhme in Tübingen und bei deinem ernsten Vater in

Lichtenstein kamen solche Sachen nicht zur Sprache, und ich sehe schon,

Bäschen Marie träumt wieder, und ich muß mir ein Ulmer Stadtkind

suchen, wenn ich auch nur ein klein wenig schwatzen will.«

Marie antwortete nur durch ein Lächeln, das wir vielleicht etwas

schelmisch gefunden hätten. Bertha aber nahm den großen Schlüsselbund

vom Haken an der Türe, sang sich ein Liedchen und ging, um noch einiges

zum Mittagessen zu rüsten. Denn wenn man ihr auch etwas zu große

Neugierde vorwerfen konnte, so war sie doch eine zu gute Haushälterin,

als daß sie über der flüchtigen Erscheinung des höflichen Reiters das

Zugemüse und den Nachtisch vergessen hätte.

Sie hüpfte hinaus und ließ ihre Base allein bei ihren Gedanken. Und

auch wir stören sie nicht, wenn sie jetzt die schönen Bilder der

Erinnerung durchgeht, die jene Erscheinung mit einem Male aus dem

tiefen, treuen Herzen hervorgerufen hatte, wenn sie jener Zeit gedenkt,

wo ein flüchtiger Blick von ihm, ein Druck seiner Hand ihre Tage

erhellte, wenn sie jener Nächte gedenkt, wo sie im stillen Kämmerlein,

unbelauscht von der seligen Muhme, jene Schärpe flocht, deren freudige

Farben sie heute aus ihren Träumen weckten. Wir lauschen nicht, wenn

sie errötend und mit niedergeschlagenen Augen sich fragt, ob Bäschen

Bertha den süßen Mund des Geliebten richtig beschrieben habe?

2.

Steigt deine Hoffnung wieder?

Ist nicht dein Herz entbrannt?

Du fühlst dich, Jüngling, wieder

Im alten Schwabenland.

_G. Schwab._

Der festliche Aufzug, den wir auf den letzten Blättern beschrieben

haben, galt den Häuptern und Obersten des schwäbischen Bundes, der an

diesem Tage, auf seinem Marsch von Augsburg, wo er sich versammelt

hatte, in Ulm einzog. Der Leser kennt aus der Einleitung die Lage der

Dinge. Herzog Ulrich von Württemberg hatte durch die Unbeugsamkeit, mit

welcher er trotzte, durch die allzu heftigen Ausbrüche seines Zornes

und seiner Rache, durch die Kühnheit, mit welcher er, der einzelne,

so vielen verbündeten Fürsten und Herren die Stirne bot, zuletzt noch

durch die plötzliche Einnahme der Reichsstadt Reutlingen den bittersten

Haß des Bundes auf sich gezogen. Der Krieg war unvermeidlich; denn es

stand nicht zu erwarten, daß man Ulrich, nachdem man so weit gegangen,

friedliche Vorschläge tun werde.

Hiezu kamen noch die besonderen Rücksichten, die jeden leiteten.

Der Herzog von Bayern, um seiner Schwester Sabina Genugtuung zu

verschaffen, die Schar der Huttischen, um ihren Stammesvetter zu

rächen, Dietrich von Spät[11] und seine Gesellen, um ihre Schmach

in Württembergs Unglück abzuwaschen, die Städte und Städtchen, um

Reutlingen wieder gut bündisch zu machen, sie alle hatten ihre Banner

entrollt und sich mit blutigen Gedanken und lüstern nach gewisser Beute

eingestellt.

Bei weitem friedlicher und fröhlicher waren bei diesem Einzug die

Gesinnungen _Georgs von Sturmfeder_, jenes »artigen Reiters«, der

Berthas Neugierde in so hohem Grade erweckt, dessen unerwartete

Erscheinung Mariens Wangen mit so tiefem Rot gefärbt hatte. Wußte er

doch kaum selbst, wie er zu diesem Feldzug kam, da er, obgleich den

Waffen nicht fremd, doch nicht zunächst für das Waffenwerk bestimmt

war. Aus einem armen, aber angesehenen Stamme Frankens entsprossen,

war er, frühe verwaist, von einem Bruder seines Vaters erzogen worden.

Schon damals hatte man angefangen, gelehrte Bildung als einen Schmuck

des Adels zu schätzen. Daher wählte sein Oheim für ihn diese Laufbahn.

Die Sage erzählt nicht, ob er auf der hohen Schule in Tübingen, die

damals in ihrem ersten Erblühen war, in Wissenschaften viel getan.

Es kam nur die Nachricht bis auf uns, daß er einem Fräulein von

Lichtenstein, die bei einer Muhme in jener Musenstadt lebte, wärmere

Teilnahme schenkte als den Lehrstühlen der berühmtesten Doktoren. Man

erzählt sich auch, daß das Fräulein mit ernstem, beinahe männlichem

Geiste alle Künste, womit andere ihr Herz bestürmten, gering geachtet

habe. Zwar kannte man schon damals alle jene Kriegslisten, ein hartes

Herz zu erobern; und die Jünger der alten Tubinga hatten ihren Ovid

vielleicht besser studiert als die heutigen. Es sollen aber weder

nächtliche Liebesklagen noch fürchterliche Schlachten und Kämpfe um

ihren Besitz die Jungfrau erweicht haben. Nur _einem_ gelang es, dieses

Herz für sich zu gewinnen, und dieser _eine_ war Georg. Sie haben

zwar, wie es stille Liebe zu tun pflegt, niemand gesagt, wann und wo

ihnen der erste Strahl des Verständnisses aufging, und wir sind weit

entfernt, uns in dieses süße Geheimnis der ersten Liebe eindrängen

zu wollen, oder gar Dinge zu erzählen, die wir geschichtlich nicht

belegen können. Doch können wir mit Grund annehmen, daß sie schon bis

zu jenem Grad der Liebe gediehen waren, wo man, gedrängt von äußeren

Verhältnissen, gleichsam als Trost für das Scheiden, ewige Treue

schwört. Denn als die Muhme in Tübingen das Zeitliche gesegnet und

Herr von Lichtenstein sein Töchterlein zu sich holen ließ, um sie nach

Ulm, wo ihm eine Schwester verheiratet war, zu weiterer Ausbildung zu

schicken, da merkte Rose, Mariens alte Zofe, daß so heiße Tränen und

die Sehnsucht, mit welcher Marie noch einmal und immer wieder aus der

Sänfte zurücksah, nicht den bergigen Straßen, denen sie Valet sagen

mußte, _allein_ gelte.

Bald darauf langte auch ein Sendschreiben an Georg an, worin ihm

sein Oheim die Frage beibrachte, ob er jetzt, nach vier Jahren, noch

nicht gelehrt genug sei? Dieser Ruf kam ihm erwünscht. Seit Mariens

Abreise waren ihm die Lehrstühle der gelehrten Doktoren, die finstere

Hügelstadt, ja selbst das liebliche Tal des Neckars verhaßt geworden.

Mit neuer Kraft erfrischte ihn die kalte Luft, die ihm von den Bergen

entgegenströmte, als er an einem schönen Morgen des Februar aus den

Toren Tübingens seiner Heimat entgegenritt. Wie die Sehnen seiner Arme

in dem frischen Morgen sich straffer anzogen, wie die Muskeln seiner

Faust kräftiger in den Zügel faßten, so erhob sich auch seine Seele

zu jenem frischen heiteren Mute, der diesem Alter so eigen ist, wenn

die Gewißheit eines süßen Glückes im Herzen lebt, und vor dem Auge,

das Erfahrung noch nicht geschärft, Unglück noch nicht getrübt hat,

die Zukunft heiter und freundlich sich ausbreitet. Wie der klare See,

der das heitere Bild, das auf ihn herabschaut, nicht minder freundlich

zurückwirft und mit diesen reizenden Farben seine Tiefe verhüllt, so

hat gerade das Ungewisse dieser Zukunft seinen eigentümlichen Reiz. Man

glaubt in Kopf und Arm Kraft genug zu tragen, um dem Glück seine Gunst

abzuringen, und dies Vertrauen auf sich selbst gibt bei weitem mutigere

Zuversicht als die mächtigste Hilfe von außen.

So war die Stimmung Georgs von Sturmfeder, als er durch den

Schönbuchwald seiner Heimat zuzog. Zwar brachte ihn dieser Weg dem

Liebchen nicht näher, zwar konnte er nichts sein nennen als das Roß,

das er eben ritt, und die Burg seiner Väter, von welcher der Volkswitz

sang:

Ein Haus auf drei Stützen,

Wer vorn hereinkommt,

Kann hinten nicht sitzen.

Aber er wußte, daß dem festen Willen hundert Wege offen stehen, um

zum Ziel zu gelangen, und der alte Spruch des Römers: ~Fortes fortuna

juvat~, hatte ihm noch nie gelogen.

Wirklich schienen auch seine Wünsche nach einer tätigen Laufbahn bald

in Erfüllung zu gehen.

Der Herzog von Württemberg hatte Reutlingen, das ihn beleidigt hatte,

aus einer Reichsstadt zur Landstadt gemacht, und es war kein Zweifel

mehr an einem Krieg.

Der Erfolg schien aber damals sehr ungewiß. Der schwäbische Bund, wenn

er auch erfahrenere Feldherren und geübtere Soldaten zählte, hatte doch

in allen Kriegen durch Uneinigkeit sich selbst geschadet. Ulrich, auf

seiner Seite, hatte vierzehntausend Schweizer, tapfere, kampfgeübte

Männer, geworben, aus seinem eigenen Lande konnte er, wenn auch minder

geübte, doch zahlreiche und tüchtige Truppen ziehen, und so stand die

Wage im Februar 1519 noch ziemlich gleich.

Wo alles um ihn her Partei nahm, glaubte Georg nicht müßig bleiben zu

dürfen. Ein Krieg war ihm erwünscht. Es war eine Laufbahn, die ihn

seinem Ziele, um Marie würdig freien zu können, bald nahe bringen

konnte.

Zwar zog ihn sein Herz weder zu der einen, noch zu der andern Partei.

Vom Herzog sprach man im Lande schlecht, des Bundes Absichten schienen

nicht die reinsten. Als aber durch Geld und Klagen der Huttischen und

durch die Aussicht auf reiche Beute bestochen, achtzehn Grafen und

Herren, deren Besitzungen an sein Gütchen grenzten, auf einmal[12] dem

Herzog ihre Dienste aufsagten, da schien es ihn zum Bunde zu ziehen.

Den Ausschlag gab die Nachricht, daß der alte Lichtenstein mit seiner

Tochter in Ulm sich befinde. Auf jener Seite, wo Marie war, durfte er

nicht fehlen, und so bot er dem Bunde seine Dienste an.

Die fränkische Ritterschaft, unter Anführung Ludwigs von Hutten, zog

sich am Anfang des März gegen Augsburg hin, um sich dort mit Ludwig von

Bayern und den übrigen Bundesgliedern zu vereinigen. Bald hatte sich

das Heer gesammelt und ihr Weg glich einem Triumphzug je näher sie dem

Gebiete ihres Feindes kamen.

Herzog Ulrich war bei Blaubeuren, der äußersten Stadt seines Landes

gegen Ulm und Bayern hin, gelagert. In Ulm sollte jetzt noch einmal

zuvor im großen Kriegsrat der Feldzug besprochen werden, und dann

hoffte man in kurzer Zeit die Württemberger zur entscheidenden

Schlacht zu nötigen. An friedliche Unterhandlungen wurde, da man

so weit gegangen war, nicht mehr gedacht, Krieg war die Losung und

Sieg der Gedanke des Heeres, als ein frischer Morgenwind ihnen die

Grüße des schweren Geschützes von den Wällen der Stadt entgegentrug,

als das Geläute aller Glocken zum Willkomm vom andern Ufer der Donau

herübertönte.

Wohl schlug auch Georgs Herz höher bei dem Gedanken an seine erste

Waffenprobe. Aber wer in ähnlicher Lage sich befand, wird ihn nicht

tadeln, daß auch friedlichere Gedanken in seiner Seele aufzogen und

ihn Kampf und Sieg vergessen ließen. Als zuerst, noch in weiter Ferne,

das kolossale Münster aus dem Nebel auftauchte, als nachher der

verhüllende Dunstschleier herabfiel und die Stadt mit ihren dunkeln

Backsteinmauern, mit ihren hohen Tortürmen sich vor seinen Blicken

ausbreitete, da kamen alle Zweifel, die er früher tief in die Brust

zurückgedrängt hatte, schwerer als je über ihn. »Schließen jene Mauern

auch die Geliebte ein? Hat nicht ihr Vater, seinem Herzog treu,

vielleicht in die feindlichen Scharen sich gestellt, und darf der,

dessen ganze Hoffnung darauf beruht, den Vater zu gewinnen, darf er

sich jenem gegenüberstellen, ohne sein ganzes Glück zu vernichten? Und

ist der Vater auf feindlicher Seite, kann Marie möglicherweise noch in

jenen Mauern sein? Und wenn alles gut wäre, wenn unter der festlichen

Menge, die sich zum Anblick des einziehenden Heeres drängt, auch Marie

auf ihn herabschaut, hat sie auch die Treue noch bewahrt, die sie

geschworen?« --

Doch der letzte Gedanke machte bald einer freudigeren Gewißheit Raum;

denn wenn sich auch alles Unglück gegen ihn verschwor, Mariens Treue,

er wußte es, war unwandelbar. Mutig drückte er die Schärpe, die sie

ihm gegeben, an seine Brust, und als jetzt die Ulmer Reiterei sich an

den Zug anschloß, als die Zinken und Trompeten ihre mutigen Weisen

anstimmten, da kehrte seine alte Freudigkeit wieder, stolzer hob er

sich im Sattel, kühner rückte er das Barett in die Stirne, und als der

Zug in die festlich geschmückten Straßen einbog, musterte sein scharfes

Auge alle Fenster der hohen Häuser, um sie zu erspähen.

Da gewahrte er sie, wie sie ernst und sinnend auf das fröhliche Gewühl

hinabsah, er glaubte zu erkennen, wie ihre Gedanken in weiter Ferne

den suchten, der ihr so nahe war; schnell drückte er seinem Pferde die

Sporen in die Seiten, daß es sich hoch aufbäumte und das Pflaster von

seinem Hufschlag ertönte. Aber als sie sich zu ihm herabwandte, als

Auge dem Auge begegnete, als ihr freudiges Erröten dem Glücklichen

sagte, daß er erkannt und noch immer geliebt sei, da war es um die

Besinnung des guten Georg geschehen; willenlos folgte er dem Zuge

vor das Rathaus, und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte ihn seine

Sehnsucht alle Rücksichten vergessen lassen und unwiderstehlich zu dem

Eckhaus mit dem Erker hingezogen.

Schon hatte er die ersten Schritte nach jener Seite getan, als er sich

von kräftiger Hand am Arm angefaßt fühlte.

»Was treibt Ihr, Junker?« rief ihm eine tiefe, wohlbekannte Stimme

ins Ohr. »Dort hinauf geht es die Rathaustreppe. Wie? ich glaube, Ihr

schwindelt; wäre auch kein Wunder, denn das Frühstück war gar zu mager.

Seid getrost, Freundchen, und kommt. Die Ulmer führen gute Weine, wir

wollen Euch mit altem Remstaler anstreichen.«

Wenn auch der Fall aus seinem Freudenhimmel, in welchem er einige

Minuten geschwebt hatte, auf den Rathausplatz in Ulm etwas unsanft

war, so wußte er doch dem alten Herrn von Breitenstein, seinem

nächsten Grenznachbar in Franken, Dank, daß er ihn aus seinen Träumen

aufgeschüttelt und von einem übereilten Schritte zurückgehalten hatte.

Er nahm daher freundlich den Arm des alten Herrn und folgte mit ihm

den übrigen Rittern und Herren, die sich von dem scharfen Morgenritte

an der guten Mittagskost, die ihnen die freie Reichsstadt aufgesetzt

hatte, wieder erholen wollten.

3.

Ich höre rauschende Musik, das Schloß ist

Von Lichtern hell. Wer sind die Fröhlichen?

_Schiller_.

Der Saal des Rathauses, wohin die Angekommenen geführt wurden, bildete

ein großes, längliches Viereck. Die Wände und die zu der Größe des

Saales unverhältnismäßig niedere Decke waren mit einem Getäfel von

braunem Holz ausgelegt, unzählige Fenster mit runden Scheiben, worauf

die Wappen der edlen Geschlechter von Ulm mit brennenden Farben gemalt

waren, zogen sich an der einen Seite hin, die gegenüberstehende Wand

füllten Gemälde berühmter Bürgermeister und Ratsherren der Stadt, die

beinahe alle in der gleichen Stellung, die Linke in die Hüfte, die

Rechte auf einen reichbehängten Tisch gestützt, ernst und feierlich auf

die Gäste ihrer Enkel herabsahen. Diese drängten sich in verworrenen

Gruppen um die Tafel her, die, in Form eines Hufeisens aufgestellt,

beinahe die ganze Weite des Saales einnahm. Der Rat und die Patrizier,

die heute im Namen der Stadt die Honneurs machen sollten, stachen in

ihren zierlichen Festkleidern mit den steifen schneeweißen Halskrausen

wunderlich ab gegen ihre bestaubten Gäste, die, in Lederwerk und

Eisenblech gehüllt, oft gar unsanft an die seidenen Mäntelein und

samtenen Gewänder streiften. Man hatte bis jetzt noch auf den Herzog

von Bayern gewartet, der, einige Tage vorher eingetroffen, zu dem

glänzenden Mittagmahl zugesagt hatte; als aber sein Kämmerling seine

Entschuldigung brachte, gaben die Trompeter das ersehnte Zeichen,

und alles drängte sich so ungestüm zur Tafel, daß nicht einmal die

gastfreundliche Ordnung des Rates, der je zwischen zwei Gäste einen

Ulmer setzen wollte, gehörig beobachtet wurde.

Breitenstein hatte Georg auf einen Sitz niedergezogen, den er ihm als

einen ganz vorzüglichen anpries. »Ich hätte Euch,« sagte der alte

Herr, »zu den Gewaltigen da oben, zu Frondsberg, Sickingen, Hutten

und Waldburg setzen können, aber in solcher Gesellschaft kann man den

Hunger nicht mit gehöriger Ruhe stillen. Ich hätte Euch ferner zu den

Nürnbergern und Augsburgern führen können, dort unten, wo der gebratene

Pfau steht -- weiß Gott, sie haben keinen übeln Platz -- aber ich weiß,

daß Euch die Städtler nicht recht behagen, darum habe ich Euch hieher

gesetzt. Schauet Euch hier um, ob dies nicht ein trefflicher Platz

ist? Die Gesichter umher kennen wir nicht, also braucht man nicht viel

zu schwatzen. Rechts haben wir den geräucherten Schweinskopf mit der

Zitrone im Maul, links eine prachtvolle Forelle, die sich vor Vergnügen

in den Schwanz beißt, und vor uns diesen Rehziemer, so fett und zart,

wie auf der ganzen Tafel keiner mehr zu finden ist.«

Georg dankte ihm, daß er mit so viel Umsicht für ihn gesorgt habe, und

betrachtete zugleich flüchtig seine Umgebung. Sein Nachbar rechts war

ein junger, zierlicher Herr von etwa fünfundzwanzig bis dreißig Jahren.

Das frischgekämmte Haar, duftend von wohlriechenden Salben, der kleine

Bart, der erst vor einer Stunde mit warmen Zänglein gekräuselt sein

mochte, ließen Georg, noch ehe ihn die Mundart davon überzeugte, einen

Ulmer Herrn erraten. Der junge Herr, als er sah, daß er von seinem

Nachbar bemerkt wurde, bewies sich sehr zuvorkommend, indem er Georgs

Becher aus einer großen silbernen Kanne füllte, auf glückliche Ankunft

und gute Nachbarschaft mit ihm anstieß und auch die besten Bissen von

den unzähligen Rehen, Hasen, Schweinen, Fasanen und wilden Enten, die

auf silbernen Platten umherstanden, dem Fremdling auf den Teller legte.

Doch diesen konnte weder seines Nachbars zuvorkommende Gefälligkeit

noch Breitensteins ungemeiner Appetit zum Essen reizen. Er war noch

zu sehr beschäftigt mit dem geliebten Bilde, das sich ihm beim Einzug

gezeigt hatte, als daß er die Ermunterungen seiner Nachbarn befolgt

hätte. Gedankenvoll sah er in den Becher, den er noch immer in der Hand

hielt, und glaubte, wenn die Bläschen des alten Weines zersprangen

und in Kreisen verschwebten, das Bild der Geliebten aus dem goldenen

Boden des Bechers auftauchen zu sehen. Es war kein Wunder, daß der

gesellige Herr zu seiner Rechten, als er sah, wie sein Gast, den Becher

in der Hand, jede Speise verschmähe, ihn für einen unverbesserlichen

Zechbruder hielt. Das feurige Auge, das unverwandt in den Becher sah,

der lächelnde Mund des in seine Träume versunkenen Jünglings schienen

ihm einen jener echten Weinkenner anzuzeigen, die auf feingeübter Zunge

den Gehalt des edlen Trankes lange zu prüfen pflegen.

Um der Ermahnung des wohledlen Rates, den Gästen das Mahl so angenehm

als möglich zu machen, gehörig nachzukommen, suchte er auf der

entdeckten schwachen Seite dem jungen Manne beizukommen. Es war zwar

gegen die Gewohnheit des jungen Ulmers, viel Wein zu trinken, aber dem

jungen Mann zulieb, der etwas so Hohes und Gebietendes an sich hatte,

mußte er schon ein übriges tun. Er schenkte sich seinen Becher wieder

voll und begann: »Nicht wahr, Herr Nachbar, das Weinchen hat Feuer und

einen feinen Geschmack? Freilich ist es kein Würzburger, wie Ihr ihn

in Franken gewohnt sein werdet, aber es ist echter Elfinger aus dem

Ratskeller und immer seine achtzig Jahre alt.«

Verwundert über diese Anrede, setzte Georg den Becher nieder und

antwortete mit einem kurzen »Ja, ja! --« der Nachbar ließ aber den

einmal aufgenommenen Faden nicht so bald wieder fallen. »Es scheint,«

fuhr er fort, »als munde er Euch doch nicht ganz; aber da weiß ich Rat.

Heda! gebt eine Kanne Uhlbacher hieher! -- Versuchet einmal diesen, der

wächst zunächst an des Württembergers Schloß; in diesem müßt Ihr mir

Bescheid tun: Kurzen Krieg, großen Sieg!«

Georg, dem dieses Gespräch nicht recht zusagte, suchte seinen Nachbar

auf einen andern Weg zu bringen, der ihn zu anziehenderen Nachrichten

führen konnte. »Ihr habt,« sprach er, »schöne Mädchen hier in Ulm,

wenigstens bei unserem Einzug glaubte ich deren viele zu bemerken.«

»Weiß Gott,« entgegnete der Ulmer, »man könnte damit pflastern.«

»Das wäre vielleicht so übel nicht,« fuhr Georg fort, »denn das

Pflaster Eurer Straßen ist herzlich schlecht. Aber sagt mir, wer wohnt

dort in dem Eckhaus mit dem Erker; wenn ich nicht irre, schauten dort

zwei feine Jungfrauen heraus, als wir einritten.«

»Habt Ihr diese auch schon bemerkt?« lachte jener. »Wahrhaftig, Ihr

habt ein scharfes Auge und seid ein Kenner. Das sind meine lieben Basen

mütterlicherseits, die kleine Blonde ist eine Besserer, die andere ein

Fräulein von Lichtenstein, eine Württembergerin, die auf Besuch dort

ist.«

Georg dankte im stillen dem Himmel, der ihn gleich mit einem so nahen

Verwandten Mariens zusammenführte. Er beschloß, den Zufall zu benützen,

und wandte sich, so freundlich er nur konnte, zu seinem Nachbar. »Ihr

habt ein Paar hübsche Mühmchen, Herr von Besserer ...«

»Dietrich von Kraft nenne ich mich,« fiel er ein, »Schreiber des großen

Rates.«

»Ein Paar schöne Kinder, Herr von Kraft; und Ihr besuchet sie wohl

recht oft?«

»Jawohl,« antwortete der Schreiber des großen Rates, »besonders seit

die Lichtenstein im Hause ist. Zwar will mein Bäschen Bertha etwas

eifersüchtig werden, denn im Vertrauen gesagt, wir waren vorher ein

Herz und eine Seele, aber ich tue, als merke ich es nicht, und stehe

mit Marien um so besser.«

Diese Nachricht mochte nicht so gar angenehm in Georgs Ohren klingen,

denn er preßte die Lippen zusammen, und seine Wangen färbten sich

dunkler.

Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 3 · 第 1 / 32 段