sie in dasselbe weiße Kleid hüllte, in dem ich sie zuerst gesehen. So
lag sie über Tag friedlich lächelnd unter den Blumen, die ihre Getreue
aus Garten und Glashaus hereintrug. Eben war sie fertig mit diesem
letzten Liebesdienst, da hörten wir einen Wagen heranrollen. Der
Vater saß darin, blaß und mit einem irren Lächeln um den welken Mund.
Fabio half ihm unter heißen Tränen heraus und führte ihn in den Saal.
Als er sein Kind im Totenschmuck sah, sank er lautlos neben ihr auf
die Knie und drückte die kahle Stirn gegen ihre gefalteten Hände. Wir
wollten ihn endlich aufheben, da fanden wir, daß ein mitleidiger
Herzschlag ihn mit seinem Liebling vereinigt hatte.
In der folgenden Nacht begruben wir sie beide. Niemand war zugegen
als Fabio und Nina, und Don Vigilio segnete die Leichen ein. Er sagte
mir nachher, daß Richino es so angeordnet und befohlen habe, mich in
allem gewähren zu lassen, als sei ich Herr in diesem Hause. Er selbst
habe niemand vorgelassen und sei nach einer heftigen Szene mit seiner
Schwiegermutter noch desselben Tages nach Rom abgereist, die Generalin
in ein Kloster, wo sie ihr Trauerjahr verbringen wolle. Ich selbst
nahm, sobald sich die Gruft über den beiden geschlossen hatte, ein
Pferd und ritt, noch ehe es Tag geworden war, die Straße nach Florenz.
Ein Jahr darauf las ich in der Zeitung, daß die Generalin dem jungen
Grafen, ihrem getreuen Anbeter, ihre Hand gereicht habe. Sooft ich
später nach Bologna kam, das Grab meines Weibes zu besuchen--ich habe
sie nie wiedergesehn.
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Beatrice, von Paul Heyse.