Und was ich

_Fine_

~sivd-Iu-ne si-kou-mi-ga - me.~

früher nie erschaut, Alles war mit Eis versperrt.

_Dal segno al fine._

~Ter-qi-a so-ru-nâ kâ-le-ro - juk.~

Drüben in Terkiak regieret der Hunger.

]

Bei der Einführung des Christenthums und der Civilisation wurde, wie

wir gesehen haben, der Trommeltanz abgeschafft, und damit trat auch ein

Verfall oder eine theilweise Veränderung der Verskunst ein. Noch immer

aber ist das Dichten bei den Grönländern ganz allgemein.

Der Inhalt der Lieder kann zum Theil scherzhafter Art sein, indem sie

auf mehr oder weniger unschuldige Art die Eigenheiten ihrer Mitmenschen

lächerlich zu machen suchen, -- die Grönländer haben nämlich einen

scharfen Blick für das Komische. Es existiren auch mehrere derartige

Lieder über die Mitglieder der Expedition, doch ist es mir leider

niemals gelungen, derselben habhaft zu werden. Einzelne Lieder

behandeln auch allerlei Ereignisse und Begebenheiten. Sehr allgemein

sind die Kinderlieder, die häufig für irgend ein bestimmtes Kind

gedichtet und diesem von dem Verfasser zum Geburtstag geschenkt werden.

Die Musik zu den Liedern wird zum Theil bekannten europäischen Melodien

entlehnt, häufig werden aber auch eigene Melodien dazu gedichtet, die

freilich in der Regel auch von europäischer Musik, sowohl weltlicher

wie geistlicher, beeinflußt sind. Die Grönländer singen sehr gern;

besonders im Sommer, wenn sie in den Frauenböten rudern, kann man sie

häufig ihre Lieder, theils geistlicher, theils weltlicher Art, im

Chor anstimmen hören. Es klingt sehr feierlich, wenn dieser Gesang

des Abends über die spiegelblanke Wasserfläche dahinschallt, und er

ersetzt das Hirtenhorn und das melodische Geläute der Herdenglocken,

die daheim bei uns in den Bergen ertönen.

Der Kirchengesang ist sicher dasjenige, was den Grönländern beim

Gottesdienst am meisten zusagt. Als Beweis für ihre musikalischen

Fähigkeiten mag hier noch angeführt werden, daß sich in Godthaab

ein Seminar zur Ausbildung von Katecheten befindet, in welchem das

Hauptgewicht auf die Ausbildung in der Kirchenmusik gelegt wird.

Alljährlich zur Jubelfeier wird ein Chorgesang von den am Orte

ansässigen Grönländerinnen und den Katechetenlehrlingen des Seminars

eingeübt. Dieser Chor singt ungemein schön und enthält viele gute

Stimmen.

~H.~ Der Einfluß der Civilisation. Die Zukunft der Grönländer.

Wenn man die Frage aufwirft, ob wir mit unserer Civilisation dem

grönländischen Volke Nutzen gebracht haben, so muß die Antwort leider

verneinend lauten. Wir haben den Grönländern nichts gebracht, was

ihnen den Kampf ums Dasein erleichtert hat. Seine Waffen haben wir

nach keiner Richtung hin verbessern können. Eisen hat er allerdings

bekommen, aber theils besaß er es bereits vorher, theils kann er es

sehr gut entbehren. Es wird den Anschein haben, als wenn die Einführung

der Gewehre ein großer Fortschritt für ihn gewesen sein müsse, aber

dies ist durchaus nicht der Fall, im Gegentheil, die Schußwaffen

haben einen nicht geringen Schaden angestiftet. Durch die Büchse ist

der weit wichtigere Fang mit Harpune und Blase in Verfall gerathen.

Der Letztere kann bei jeglichem Wetter vorgenommen werden und ist

weit sicherer als der Büchsenfang, wozu man gutes Wetter haben muß,

und wobei man ungefähr doppelt so viele Thiere, wie man bekommt,

anschießt oder tödtet. Außerdem hat die Schrotbüchse in manchen

Gegenden die Fänger veranlaßt, über dem Vogelschießen den Seehundsfang

zu vernachlässigen, der doch stets dasjenige ist und bleiben wird,

worauf die Lebensfähigkeit der eskimoischen Bevölkerung beruht, denn

der Seehund giebt Fleisch und Speck für die Speisen, wie zur Feuerung,

er giebt Fell zu der Kajakbekleidung, zu der täglichen Kleidung, den

Stiefeln, dem Kajak, dem Frauenboot, dem Zelt, dem Haus etc., -- mit

anderen Worten, es kann nicht ersetzt werden. Ein anderer Umstand,

der in Bezug auf die Schrotbüchse nicht außer acht zu lassen ist, ist

der, daß die Grönländer durch dieselbe in stand gesetzt sind, einen so

intensiven Fang auf verschiedene Vögel, wie z. B. auf die Eidergans, zu

betreiben, daß ihre Zahl jährlich bedeutend verringert wird, was sich

bald genug bemerkbar machen muß. Dies wird um so schlimmer sein, als

der Vogelfang jetzt zum Theil eine Lebensbedingung für viele Familien

geworden ist, so z. B. lebt jetzt die Bevölkerung in der Gegend von

Godthaab den größten Theil des Winters fast ausschließlich davon.

In früheren Zeiten fingen die Eskimos Vögel mit einem Wurfpfeil; sie

konnten viele damit fangen, doch war die Zahl der erlegten Vögel nicht

größer als ihr Zuwachs, und alles, was er verwundete, wurde die Beute

des Jägers. Wenn er jetzt aber in eine Schar Eidergänse hineinschießt,

so macht er viele lebensunfähig, ohne daß sie ihm zu gute kommen. Wir

können uns deswegen nicht damit schmeicheln, daß wir seine Fangmethode

verbessert haben.

Dagegen haben wir ihm einen unersetzlichen Schaden mit allen unseren

europäischen Produkten zugefügt. Wir haben ihm Gefallen an Kaffee, an

Tabak, Brot, europäischen Stoffen und Putz beigebracht, und er hat

uns seine unentbehrlichen Seehundsfelle und seinen Speck verkauft, um

sich diese augenblicklichen zweifelhaften Genüsse zu ermöglichen.

Inzwischen verfielen sein Frauenboot sowie sein Zelt in Ermangelung

von Fellen, ja, es geschah sogar, daß der Kajak, die Bedingung für

sein Dasein, ohne Bezug am Strande lag, die Lampen im Hause mußten

oft im Winter gelöscht werden, weil es an Speck fehlte, da man den

Wintervorrath zum Theil schon im Herbst verkauft hatte. Der Grönländer

selber hüllte sich während des Winters oft in schlechte europäische

Lumpen statt in die guten, warmen Pelzkleider, die er früher getragen,

die Armuth griff mehr und mehr um sich, die Sommerreisen mußten zum

größten Theil eingestellt werden, da ja Frauenboot und Zelt fort waren,

und man mußte das liebe lange Jahr in den engen Häusern leben, wo

ansteckende Krankheiten mehr denn je herrschten.

Als schlagendes Beispiel, wie sehr es mit den Grönländern

zurückgegangen ist, mag hier angeführt werden, daß sich an einem

Wohnplatz in der Nähe von Godthaab vor einigen Jahren noch 11

Frauenböte[91] befanden, -- jetzt war nur noch eins dort, und dies

gehörte dem Missionar.

An diesem Platze herrschten jedoch ganz eigenartige Verhältnisse, die

zu dem Rückschritt beigetragen hatten, wie das Fortziehen mehrerer

guter Fänger etc. Allerdings hat es nach der Zählungsliste den

Anschein, als wenn die Bevölkerung im Zunehmen begriffen sei, da sich

eine schwache Vermehrung der Einwohnerzahl bemerkbar macht; aber dies

sind nur übertünchte Gräber. Es ist noch nicht soweit gekommen, daß

der Zuwachs im Stillstand begriffen ist, aber Niemand kann darüber

im Zweifel sein, daß dies bevorsteht, und dann wird es ebenso sicher

bergab gehen, und zwar mit großer Geschwindigkeit. Die Kränklichkeit

hat in den letzten Jahren in beunruhigendem Maße zugenommen,

besonders sind die Auszehrung und die Tuberkulose der Krebsschaden

der grönländischen Bevölkerung. Es giebt kaum ein Volk, in dem eine

so verhältnißmäßig große Zahl davon ergriffen ist. Während wir in

Godthaab waren, starben 2 Auszehrungspatienten, und 10-12 andere gingen

einem sicheren Tode entgegen, -- einige von ihnen starben bereits im

folgenden Jahre, und dabei zählte die ganze Gemeinde nur etwa 100

Seelen! Die Krankheit war so allgemein, daß es beinahe leichter war,

Diejenigen aufzuzählen, welche sie nicht hatten, als Diejenigen, welche

damit behaftet waren. Allerdings scheinen die Grönländer eine ganz

ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegen diese Krankheit zu besitzen,

sie können so krank sein, daß sie schon in jungen Jahren starkes

Blutspucken haben, und dabei doch ein verhältnißmäßig hohes Alter

erreichen. Ich habe Fänger gekannt, die in hohem Grade schwindsüchtig

waren, die einen Tag einen Blutsturz hatten, am nächsten aber schon

wieder auf den Fang ausgingen.

In der Regel sind sie aber schwächlich und können nur wenig Nutzen

schaffen, was natürlich in hohem Grade lähmend auf eine so kleine

Gemeinde wirkt. Eine Seuche, die ihre Opfer schnell dahinrafft, wäre

natürlich sehr vorzuziehen.

Es kann zwar nicht behauptet werden, daß wir Europäer die Krankheit ins

Land geschleppt haben, sie war vor uns da, der europäische Einfluß hat

sie aber zur Blüthe gebracht, indem er, wie bereits nachgewiesen wurde,

bewirkt hat, daß die Grönländer jetzt zum größten Theil in den kleinen

feuchten Häusern leben, wo die Ansteckungskeime selbstverständlich

den vorzüglichsten Boden finden. Außerdem ist die magere europäische

Kost nicht gesund für diese Leute, die gewohnt sind, von Fleisch und

Speck zu leben. Der beste Beweis hierfür ist der Umstand, daß die

Krankheit vorzugsweise in der Nähe der Kolonien vorkommt, wo die von

der Handelscompagnie Angestellten zum großen Theil von europäischen

Waren leben. Als andere mitwirkende Ursache könnte möglicherweise auch

erwähnt werden, daß sie jetzt häufig im Winter Mangel an Speck leiden

und in kalten Häusern und in schlechter Bekleidung sitzen müssen.

Ein stetig fortschreitender Rückgang von ehemaligem Wohlstand und

Gedeihen zu theilweise hoffnungsloser Armuth und Schwäche, -- das ist

die Ausbeute, auf welche die Grönländer zurückblicken können!

Haben wir ihnen aber dafür nicht das Christenthum und die Aufklärung

gebracht?

Ja, freilich, es kann nicht geleugnet werden, daß +Egede+ einzig

und allein nach Grönland ging, um den Heiden das Licht des Evangeliums

zu bringen, und aus demselben Grunde haben die Europäer seine

Wirksamkeit fortgesetzt. In der Beziehung ist ein schönes Resultat

erreicht worden: alle Bewohner der Westküste Grönlands sind jetzt

Christen, jedenfalls dem Namen nach, und die Aufklärung geht so weit,

daß die meisten jetzt lesen und schreiben können.

Es liegt indessen klar auf der Hand, daß man einem Eskimo unmöglich

höhere geistige Interessen beibringen und gleichzeitig verlangen kann,

daß er ein ebenso guter Fänger ist wie zu jenen Zeiten, als ihn nur

ein einziges Interesse beseelte, nämlich das, sich zu einem tüchtigen

Kajakruderer und Seehundsfänger auszubilden. Er lebt sozusagen am Rande

des Daseins, eine Anspannung aller seiner Kräfte ist erforderlich, wenn

er den Kampf mit der harten Natur erfolgreich aufnehmen soll, -- ein

wenig mehr Ballast, und er wird sinken.

Da drängt sich uns die Frage auf: kann diese geistige Gelehrsamkeit

den Rückgang ersetzen, den die Berührung mit der Civilisation

nothwendigerweise im Gefolge hat? Was ist vorzuziehen, -- ein

getaufter Eskimo, der lesen und schreiben kann, der alle möglichen

geistigen Interessen hat, der aber nicht im stande ist, seine Familie

zu ernähren, dessen Gesundheit untergraben ist, und der tiefer und

tiefer in das Elend versinkt, -- oder ein Heide, der freilich, wie ein

Missionar sagen würde, „in geistiger Finsterniß“ lebt, der aber eine

kräftige Gesundheit hat, sich gut steht, seine Familie ernährt und

immer zufrieden ist? Von dem Standpunkt der Eskimos betrachtet, kann

man wohl kaum über die Antwort im Zweifel sein.

Und doch sind die Grönländer nachsichtiger behandelt worden als

jegliches andere uncivilisirte Volk, das unseren Civilisationsversuchen

ausgesetzt war. Man kann der dänischen Regierung für ihr Auftreten nur

die höchste Anerkennung zollen.

Das wirkliche Wohl der Grönländer ist ihr wesentlicher Beweggrund

gewesen. Es giebt kein zweites Beispiel, daß sich ein Jagdvolk, welches

mit der Civilisation in Berührung kam, so gut und so lange gehalten

hat, wie das hier der Fall gewesen, und die Behandlung der Grönländer

kann in dieser Beziehung anderen Staaten als leuchtendes Beispiel

dienen.

Trotzdem ist das Resultat, wie wir gesehen haben, ein sinkendes

Volk. Dies ist wahrlich eine ernste Mahnung, nicht von dem Gedanken

auszugehen, daß jegliche Missionswirksamkeit nützlich ist; freilich

kann dadurch einzelnen Heiden das Licht des Christenthums gebracht

werden, den meisten Völkern aber wird nur ein Rückschritt durch die

plötzliche Berührung mit der Civilisation oder vielmehr deren Produkten

verursacht, denn die civilisirten Völker theilen den uncivilisirten

stets zuerst ihre Laster, nicht aber ihre Tugenden mit.

Stellt man dann zum Schluß die Frage, ob denn keine Rettung für die

grönländische Bevölkerung möglich ist, so muß man einräumen, daß das

einzige Mittel in dem Rückzuge der Europäer bestehen würde, -- man

müßte dem Grönländer das Land völlig wieder überlassen, dann würde er,

von europäischen Produkten nicht in Versuchung geführt, möglicherweise

im stande sein, sich wieder zu erheben. Aber eine solche Möglichkeit

ist kaum denkbar; es würden andere civilisirte Völker kommen, und

der schädliche Einfluß würde in gleichem Maße fortgesetzt werden.

Außerdem droht dem Grönländer noch eine andere Gefahr, -- nämlich

das beunruhigende Abnehmen der Seehunde. Dies beruht nicht so sehr

auf dem Fang, den er selber betreibt, da dieser so verschwindend ist

im Verhältniß zu demjenigen, den die europäischen und amerikanischen

Seehundsfänger betreiben, besonders auf dem Treibeis bei New-Foundland,

wo die neugeborenen Jungen jährlich zu Hunderttausenden geschlachtet

werden.

Es ist also abermals die weiße Rasse, die ihm Schaden zufügt. Aber

selbst wenn er es wüßte, würde es nicht in seiner Macht liegen, diesem

Vorgehen eine Grenze zu setzen.

So ist denn dies Volk ganz sicher und unwiderruflich dem Untergang

geweiht, es wird in einer näheren oder ferneren Zukunft unterliegen und

zu einem Schatten von dem, was es früher gewesen, hinschwinden. Und

doch ist der Grönländer zufrieden und glücklich, vielleicht glücklicher

als die Meisten von uns, er haßt uns nicht, sondern ist fröhlich und

freundlich, wenn wir zu ihm kommen. Die europäischen Nationen könnten

viel von den Eskimos lernen!

Fußnoten:

[43] Diese Aehnlichkeit ließe sich ja übrigens auch dahin erklären,

daß es eine sehr alte Rasse ist, bei der alles zu bestimmten Formen

erstarrt ist, und die sich jetzt allmählich verändern; hierauf scheint

ja auch ihre nach jeder Richtung hin abgesonderte Stellung wie ihre

vollkommenen Geräthschaften zu deuten. Andere Verhältnisse scheinen

jedoch theilweise gegen eine solche Annahme zu sprechen.

[44] Diesen Grund giebt ~Dr.~ +Rink+ in seiner Abhandlung: „~The Eskimo

Tribes~“ an. Mittheilungen über Grönland, Bd. XI., Kopenhagen 1887, S.

32.

[45] ~Dr.~ +Rink+ „Eskimoische Märchen und Sagen“, Supplement,

Kopenhagen 1871, S. 217.

[46] Die Inlandseskimos in Alaska betreiben noch heutzutage Fischfang

auf den Flüssen in Kanoes aus Birkenrinde.

[47] Das Beziehen der Böte mit Fellen scheint an mehreren Stellen der

Erde, ganz unabhängig voneinander, erfunden zu sein. +~Coracle~+ oder

Korbböte (aus Korbgeflecht angefertigt und mit Fellen bezogen) wurden

von den alten Briten und Gelen benutzt, um über große Ströme und

Buchten zu setzen. Aehnliche Böte sollen noch jetzt bei der ländlichen

Bevölkerung Großbritanniens und Irlands benutzt und mit Fellen oder

mit Wachstuch überzogen werden. Jedenfalls weiß ich, daß die Fischer

an der Westküste von Irland ganz allgemein Fellböte benutzen, die

große Aehnlichkeit mit den grönländischen Frauenböten haben. Ferner

sollen ähnliche Fellböte seit undenklichen Zeiten in Indien in

Gebrauch sein. In Afrika, Amerika, Australien und Polynesien hat man

sie bei halbwilden Volksstämmen gefunden unter Verhältnissen und mit

Abweichungen, welche die Annahme berechtigt erscheinen lassen, daß sie

an Ort und Stelle erfunden und nicht von anderen Völkern eingeführt

sind. Die Ree-Indianer benutzen ebenfalls solche Böte.

[48] Die Türken haben ein Wort „+Kajek+“ für eine gewisse Bootsart.

Dasselbe Wort kommt auch in der serbischen, der bulgarischen wie in den

meisten slavischen Sprachen vor -- theilweise unter der Form +Kajuk+

-- bis nach Sibirien hinein; ferner findet man es im Griechischen,

Rumänischen, Kurdischen etc. Ich habe es indessen nicht durch Asien

verfolgen können. Wahrscheinlich ist es ein türkisches Wort und stammt

in diesem Falle mehr aus Osten. Die +Kamtschadalen+ benutzen auf den

Flüssen Böte, die sie +Koiakh-taktim+ nennen. Dies ist möglicherweise

dasselbe Wort, indem +taktim+ eine auffallende Aehnlichkeit mit

+taktou+ hat, dem Namen für eine Bootsart, die auf dem Meere gebraucht

wird. (Siehe +Kracherinnikow+, ~Hist. et deser. de Kamtschatka~,

Amsterdam 1770. Bd. I.) Der erste Theil von +Koiakh+ erinnert stark an

das +Kajek+ der Türken und das +Kajak+ der Eskimos, es bedarf indessen

eines umfangreicheren Materials, um zu entscheiden, ob ein Zusammenhang

zwischen diesen Wörtern stattfindet. Die Entfernung zwischen dem Ort,

von dem die Türken gekommen sind, und der Heimath der Kamtschadalen ist

jedoch möglicherweise nicht so sehr groß.

[49] Die Nordwestindianer und Tschuktschernen benutzen übrigens auch

Harpunen und die große Blase zum Fang der großen Seethiere, indem sie

diese Waffen von größeren offenen Kanoes oder Fellböten aus werfen. Es

hat jedoch den Anschein, als wenn sie die Benutzung von den Eskimos

gelernt hätten.

[50] Siehe u. A. +Cook+ and +King+, „~A voyage to the Pacific Ocean

etc. third edition~“, London 1785, ~vol. II.~, S. 513. Siehe ebenfalls

spätere Schriftsteller wie +Eliot+ u. A.

[51] Merkwürdig ist es, daß die Bewohner der Insel St. Lawrence die

Kajaks gar nicht zu kennen scheinen. Sie haben nur große, offene

Fellböte vom selben Bau wie die Tschuktschernen. Vergl. +Nordenskjölds+

Vegareise um Asien und Europa (Kristiania), Zweiter Theil, Seite 249.

[52] +F. v. Lütke Ermans+ Archiv, Bd. III., Seite 446-464, 1843.

[53] Ueber die verschiedenen Formen des Wurfbrettes bei den Eskimos

siehe +Masons+ Abhandlung darüber: ~Annual Report etc. of Smithsonian

Institution~ von 1884, ~Part II.~, Seite 279.

[54] Dort oben haben sie den ganzen Winter viele Seehunde auf dem

Eise fangen können und dies ist eine Fangart, die sie höher im Norden

erlernt haben müssen, und die dort ihre Hauptfangart gebildet hat.

[55] +Gustav Storm+, Studien über die Vinlandsreisen u. s. w.

Jahrbücher für Nordische Alterthumskunde und Geschichte 1887,

Kopenhagen 1888, Seite 56.

[56] Ueber das Zusammentreffen mit den alten Norwegern besitzen auch

die Eskimos selber mehrere Sagen. Siehe +Rinks+ eskimoische Sagen und

Märchen.

[57] Man hat gewöhnlich aus der Flóamannasage den Schluß ziehen wollen,

daß der früher bereits erwähnte +Thorgils Orrabeinsfostre+ bereits um

das Jahr 1000 die Eskimos an der südlichen Ostküste Grönlands getroffen

haben soll, indem die dort erwähnten „Zauberinnen“ solche gewesen

sein müssen. Schon Professor +Storm+ hat darauf aufmerksam gemacht

(Studien über die Vinlandsreisen, Sonderdruck, Seite 56), daß der

abenteuerliche Charakter dieser Sage uns nicht gestattet, einen Schluß

nach dieser Richtung hin zu ziehen. Man darf auch nicht vergessen, daß

die Handschrift des ersteren aus dem Jahre 1400 stammt, also lange nach

der Zeit, in welcher die Norweger mit den Eskimos an der Westküste

zusammentrafen. Selbst wenn mit der Zauberin wirklich Eskimos gemeint

sind, was höchst zweifelhaft ist, so kann dies eine spätere Hinzufügung

sein.

[58] +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 58.

[59] Die ursprünglichen Frauenpelze pflegten nach unten zu in eine

Schnippe auf dem Magen und eine auf dem Rücken zu enden, die einem

Schwanze glich. Etwas Aehnliches scheint auch bei den Kamtschadalen

oder Itelmernen gebräuchlich gewesen zu sein; +Steller+ erwähnt, daß

die Kuklanka der Frauen mit einem Schwanz versehen sei. Er erzählt

auch, daß die Itelmerner Winter- und Reiseschuhe haben mit Sohlen aus

Seehundsfell und das übrige aus Rennthierfüßen. Diese heißen ~Kamas~,

was ihm einen Anklang an das grönländische „~Kamikker~“ zu haben

scheint.

[60] Zuweilen benutzt man auch das Fell des blauen Seehundes (~phoca

barbata~) oder das des Ringseehundes ~phoca foetida~. Das Erstere ist

das stärkste von allen Seehundsfellen, aber diese Seehundsart findet

sich auf der Westküste nur sehr selten; an der Ostküste dagegen ist

sie die gewöhnlichste von allen, weswegen das Fell sehr häufig für die

Kajaks verwendet wird.

[61] Dieselbe pflegt aus dem ganzen Fell eines jungen Ringseehundes

(~Phoca hispidia~) gemacht zu sein, das enthaart, aufgepustet und dann

getrocknet wird. Der Fangriemen besteht aus dem Fell der Bartrobbe,

~Phoca barbata~ (~Ugsuk~), das in dünne Streifen geschnitten wird. Für

noch besser sieht man die Haut des jungen Walrosses an.

[62] Eine Ausnahme hiervon bildet eine besondere Art Harpune (~Siga

gut~), die bei Kangamiut und nördlich davon zur Walroßjagd benutzt

wird. Sie ist ziemlich groß, hat zwei Handgriffe, einen für den Daumen

an der einen Seite und einen für die anderen Finger an der anderen

Seite, sie wird mit der Hand ohne Wurfbrett geworfen.

[63] Man hält das Ruder, indem man damit nach der Seite ausholt, in

einer etwas schrägen Lage, so daß das Ruderblatt durch die Bewegung das

Wasser unter sich wegdrückt und dadurch selber eine aufwärtsstrebende

Bewegung erhält.

[64] Wo das Wasser im Winter an Grönlands Westküste offen ist, staut

sich doch stets Eis am Strande auf, und bei Ebbe kann dies ungefähr

eine 10 Fuß hohe, lothrechte, glatte Eiswand bilden.

[65] Diese und viele ähnliche Berichte sind von den Grönländern selbst

in ihrer eigenen Sprache geschrieben und in dem grönländischen früher

erwähnten „~Atuagagdliutit~“ in Godthaab veröffentlicht. Die hier

mitgetheilten Züge sind später von ~Dr.~ +Rink+ in seinem Buch: „Ueber

die Grönländer, ihre Zukunft u. s. w., Kopenhagen 1882“ veröffentlicht.

[66] In einer ganzen Anzahl von Häusern, namentlich in der Nähe

der Kolonien, findet man jetzt jedoch häufig Oefen, die von der

grönländischen Handelscompagnie gekauft sind und die mit Torf und

Mövenhaufen (Guano) geheizt werden. Gleichzeitig brennen freilich auch

stets Thranlampen.

[67] Der Inhalt dieser Rennthiermägen ist, wie bereits früher in diesem

Buche erwähnt wurde, eine große Delikatesse für die Grönländer.

[68] Es kann uns nicht wundern, daß die Eskimos, besonders im Anfang,

eine sehr schlechte Meinung von den Europäern erhielten, denn viele

von den Leuten, die ausgesandt wurden, waren zum Theil Verbrecher, die

durch ihr Benehmen den guten Grönländern ein Aergerniß gaben. Dies war

u. a. der Fall mit den Männern und Frauen, die im Jahre 1728 mit Major

+Paars+ ausgesandt wurden. Die Heiden fragten oft, woher es käme, daß

die Europäerinnen so frech wären und jeglichen weiblichen Anstandes

ermangelten. Ob das Benehmen der Europäer nach jener Zeit stets danach

angethan gewesen ist, ihnen eine bessere Ansicht beizubringen, ist wohl

sehr zweifelhaft.

[69] +Dalagers+ „Grönlands Relationer“ 1752, Kopenhagen, S. 15-16.

[70] Für die nördlicher wohnenden Grönländer kommen noch Hunde und

Hundeschlitten dazu.

[71] Wenn Mehrere zusammen auf Jagd gegangen sind, so giebt es

auch da bestimmte Regeln. Schießen zwei oder mehrere Personen auf

ein Rennthier, so gehört es Demjenigen, der es zuerst getroffen,

selbst wenn er es nur ganz leicht verwundet hat. Ueber die bei der

Seehundsjagd geltenden Regeln sagt +Dalager+: „Trifft ein Grönländer

mit seinen leichten Pfeilen einen Seehund oder ein anderes Seethier, so

daß es nicht stirbt, sondern mit dem Pfeil davonläuft, so gehört es,

falls auch ein Anderer kommt und es mit seinem Pfeil trifft, doch dem

Ersten, hat er aber die gewöhnliche Harpune benutzt und ist die Leine

zerrissen, und kommt dann ein Anderer, der trifft, so hat der Erste

sein Recht verloren, -- schießen sie dagegen gleichzeitig und treffen

Beide, so wird das Thier der Länge nach mit Haut und Haar getheilt.

Treffen Beide gleichzeitig einen Vogel, so theilen sie ihn der Quere

nach. Wird ein todter Seehund mit einer Harpune im Leibe gefunden,

so erhält der Besitzer, falls er bekannt und in der Nähe ansässig

ist, seine Harpune wieder, der Finder aber behält den Seehund.“ Ganz

ähnliche Regeln scheinen auch an der Ostküste zu herrschen.

[72] +Holm+ erzählt nämlich von der einen, daß sie die Tochter eines

Zwerges bei +Imarsivik+ gewesen, und dieser wird gewiß mit dem

kleinen buckeligen Manne identisch sein, den wir dort trafen. Daß wir

auch seine Tochter gesehen haben, falls sie zu Hause war, ist sehr

wahrscheinlich.

[73] Es kam auch wohl vor, daß man Andre bat, dies für sich zu

besorgen, doch mußte es stets in Form eines Ueberfalles oder Raubes

geschehen.

[74] +Graahs+ Entdeckungsreise an die Ostküste von Grönland, Kopenhagen

1832, S. 145-148.

[75] Siehe +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 96.

[76] Siehe +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 103.

[77] Siehe ebendaselbst S. 94.

[78] +Dalager+ erwähnt, daß zu seinen Lebzeiten an der Westküste kaum

der zwanzigste Theil der Grönländer zwei Frauen hatte, sehr selten

hatten sie drei und ganz ausnahmsweise vier, doch hat er einen Mann

gekannt, der deren elf hatte. Grönl. Rel. S. 9.

[79] +Dalager+, Grönl. Relat. S. 9.

[80] Die Bewohner des Grädefjords gehören der Herrnhuter Gemeinde an.

[81] Dies ist eine Art von Thing oder Versammlung, die im wesentlichen

aus Abgesandten der verschiedenen Wohnorte des Distrikts besteht. Die

Europäer der Kolonien nehmen auch theil daran, und Einer von ihnen

pflegt den Vorsitz zu führen. Die grönländischen Abgesandten heißen

+Partisok+.

[82] +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 96.

[83] +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 102.

[84] Wie bereits erwähnt wurde, wird ein grünes Haarband von solchen

Frauen getragen, die in unverehelichtem Stande Kinder geboren haben.

[85] Ein weiterer Grund hierzu ist auch die natürliche Wahl der

Geschlechter, indem die Abkommen solcher Mischlinge gewöhnlich schöner

sind als die reinen Eskimos und deswegen bei Eheschließungen häufig

vorgezogen werden.

[86] Siehe +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 100.

[87] +Graah+, Entdeckungsreise, S. 141.

[88] Siehe +Holm+, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 91.

[89] +H. Rink+, Eskimoische Sagen und Märchen. Ueber ostgrönländische

Sagen, siehe ebenfalls +Holm+, Mitth. über Grönland, Bd. 10.

[90] Frau +Rink+ ist +H. Rinks+ Gattin. Sie ist in Grönland geboren

und hat fast ihr ganzes Leben dort verbracht. Wir besitzen von ihrer

Hand mehrere in Novellenform abgefaßte Schilderungen über das Leben der

Grönländer.

[91] Hat ein Mann ein Frauenboot, so wird das als Zeichen des

Reichthums angesehen, denn er muß viele Seehunde fangen, um genügend

Felle dafür zu erhalten, und indem es ihn in den Stand setzt, im Sommer

verschiedene Fangstellen zu besuchen, trägt es in nicht geringem Grad

dazu bei, den Wohlstand und das Wohlsein seiner Familie und Genossen zu

vermehren.

Kapitel XXVII.

Ein Jagdausflug nach dem Ameralik-Fjord.

Wir hatten uns lange mit dem Gedanken getragen, einmal am Ameralikfjord

auf Rennthierjagd zu gehen, doch hatte uns bis dahin stets die

geeignete Schneeschuhbahn gefehlt. Endlich, am Freitag, den 23.

November, saßen wir im Boot, das nach vielem Hin- und Herreden mit

den mancherlei für einen solchen Ausflug in dieser nicht sehr milden

Jahreszeit erforderlichen oder doch wünschenswerthen Gegenständen

beladen war.

Am Strande standen mehrere der in der Kolonie ansässigen Europäer und

die meisten der grönländischen Schönheiten versammelt, um uns ihr

Lebewohl zuzuwehen, ja es sollen sogar nasse Augen vorhanden gewesen

und Thränen geflossen sein, weil die norwegischen Freunde sie auf so

lange Zeit verlassen wollten.

[Illustration: Anne Kornelia und Joel.

Auf Schneeschuhen durch Grönland. Zweiter Band · 第 23 / 28 题