Oder doch? War es möglich? --

Eine linde und beschämende Schwäche löste seine Glieder. Vor den Torstufen

eines Hauseingangs sank er in die Knie und kühlte seine Stirne an den

Steinen. Er faltete die Hände und schloß die Augen, und gerade über ihm in

dem schmalen Ausschnitt, den die Gasse für den Himmel frei ließ, kam ein

schüchterner Stern zum Vorschein und strahlte.

* * * * *

Eine dünne, lichtgraue Helle kündigte den Morgen an, als Severin sich

aufraffte und die Richtung gegen den Altstädter Ring einschlug. Die bunten

Straßenplakate zeigten schon ihre flüchtigen Umrisse an den Wänden, und der

Mann mit der Teemaschine rüstete sich zur Heimfahrt. Vor der Ringapotheke

lehnte ein Frauenzimmer mit übernächtigen Augen und zog an der Glocke.

Der Hausbesorger hielt ihm verschlafen die verschwitzte Hand entgegen und

nickte zufrieden, als er den späten Besucher erkannte. Severin gab ihm ein

Geldstück und stieg die Treppen zu Zdenkas Wohnung hinauf. Eine endlose

Pause setzte sein Herz zu schlagen aus, bevor er an die Türe pochte.

Ein Geräusch ward drinnen vernehmbar.

Ist jemand hier? -- fragte eine Stimme.

Ich bin es -- Severin!

Die Türe öffnete sich und eine heiße Hand führte ihn in das Zimmer. Die

Petroleumlampe mit dem grünen Schirme qualmte auf dem Tische. Zdenka war im

Hemd. Das Haar fiel ihr in blonden Ringen auf den Hals und sie zitterte vor

Kälte.

Warum kommst du zu mir? -- fragte sie ruhig.

Severin nahm den Hut ab und hielt ihn in den Händen. Er schaute sich um und

umfaßte die Stube mit einem langen, abschiednehmenden Blicke. Das Frühlicht

rann durch die Fenstervorhänge herein und machte den Schein der Lampe klein

und ärmlich. Neben dem Bette stand der Schrank, in dem Zdenka die Kleider

und die Wäsche aufbewahrte. Die violette Porzellanvase auf der Truhe hatte

einen Sprung und von dem Henkel war die Farbe losgegangen. Ein

vertrockneter Blumenstrauß stak darin, den sie einmal im Sommer miteinander

im Walde gepflückt hatten.

Zdenka sah ihn an und wartete. Das Hemd glitt über ihre nackte Brust und

sie zog frierend die Schultern zusammen. Mit einer eingelernten und

mechanischen Bewegung streckte er die Arme aus. Aber er ließ sie wieder

sinken.

Severins Gang in die Finsternis: Ein Prager Gespensterroman · 第 31 / 54 题