[Illustration: Abb. 170. Quedlinburg. Wipertikrypta. Ornament auf dem
Architrav.]
Wir sehen hier also einen ersten Versuch im nordischen Lande,
einen kirchlichen Bau ganz zu wölben, ihn aber sonst möglichst in
altgewohnter Weise zu gestalten. Die Stützen um Schiff und Chor sind
sicher einfache Nachbildung von solchen an Lauben hölzerner Gebäude;
freilich schleicht sich an einzelnen Stellen doch eine südliche
Reminiszenz ein: an dem jonischen Ostpfeiler, den attischen Basen und
dem Ornament auf dem Architrav, beweisend, daß der Künstler des Baus
direkt oder indirekt doch etwas von jener fernen Kunst in Erfahrung
gebracht hatte, immerhin ohne sich in einer wesentlichen Richtung von
ihr beeinflussen zu lassen.
Die außerordentliche Niedrigkeit und Kleinheit des Gebäudes (lichte
Gewölbehöhe 2,70 m, Länge 7,20, Breite 3,80) entspricht den stets
winzigen Maßen der Kapellen jener Zeit, wie die Peterskapelle zu
Helmstedt ja auch ähnlich geringe Maße hat. Die Anlage des Umgangs um
die Apsis ist sehr merkwürdig und vereinzelt dastehend. Doch vielleicht
in manchen Eigentümlichkeiten der Zeit begründet. So hatte jene Kapelle
zu Helmstedt ursprünglich auf allen Seiten offene Bögen, auch hinter
dem Altar, so daß die Gläubigen ringsum im Freien dem Gottesdienst
in der winzigen Kapelle anzuwohnen vermochten; durchbrochene Apsiden
waren in der frühen christlichen Zeit nicht ganz unbekannt, auch in
germanischen Ländern; mit Säulenumgang, wie hier, vor allem bei dem
weitberühmten Dom von St. Martin in Tours, an den vielleicht unser
Kirchlein eine Erinnerung bilden soll. Ganz offene Umgänge ähnlicher
Art (man vergleiche S. Lorenzo in Mailand) sind ebenfalls nichts Neues.
Hierzu mag die Art des mit schwerer Platte bedeckten Altars, der fast
die ganze innere Apsis ausfüllt, Veranlassung gegeben haben. Auf seiner
Vorderseite bemerken wir unten eine (vermauerte) Öffnung, die nur als
einstige Transenna -- Durchblick in einen noch tiefer liegenden Raum,
der eine Reliquie enthielt -- erklärt werden kann; also die Andeutung
einer Krypta mit besonderern Heiligtum, die ein Umwandeln des Altars in
Prozession wünschenswert erscheinen ließ.
Daher kann unsere Kirche nicht wohl von Anfang an bereits selber Krypta
gewesen sein.
Die ganze nationale Eigentümlichkeit unseres Bauwerks stellt es vor die
karolingischen Bauwerke, denen es freilich zeitlich folgt. Nicht minder
ist es bedeutsam, daß auch hier wieder ausschließlich das Tonnengewölbe
auftritt, wie an allen ersten Wölbversuchen der Germanen.
[Sidenote: Schloßkirche zu Quedlinburg]
Oben auf dem Berge hat Heinrich dann im Bereiche geschützter Mauern
seine Schloß- und Grabkirche errichtet, in der er († 936) auch
bestattet wurde. Von ihr scheint nichts mehr übrig, als zwei Säulen,
die im westlichen Joche der heutigen Krypta der darüber seit Ende des
10. Jahrhunderts errichteten Schloßkirche die Seitenschiffe abtrennen,
ganz gleichend denen in der eben besprochenen Wipertikirche. Diese
Säulen stehen ebenfalls zwischen zwei schweren rechteckigen Pfeilern,
während die übrige jüngere Krypta von lauter freistehenden Säulen
getragen wird und mit Kreuzgewölben bedeckt ist.
Dies hat den Gedanken nahegelegt, daß auch diese Pfeiler noch
ursprünglich seien, und daß Heinrichs obere Schloßkirche eine
vergrößerte Nachbildung der Wipertikapelle gewesen wäre. Das ist
möglich; jedenfalls war sie jüngeren Datums, und die Frage bleibt
offen, ob ihre Säulen mit Pilzkapitellen eine spätere Nachahmung
der in der Wipertikrypta gewesen sein mögen, oder ob beide Kirchen
von Heinrich selbst errichtet sind. Auch in diesem Falle müssen wir
einen längeren Zeitraum zwischen ihnen annehmen, da der König erst in
späteren Lebensjahren zum Städtegründer -- auch Quedlinburgs -- wurde
und seine Residenz damals von seinem Erbgute auf das obere Schloß
verlegte.
[Sidenote: Krypta]
Leider ist auch von diesem allen sonst jede Spur verschwunden;
dagegen ist die erste Krypta seiner Schloßkirche neben seinem Grabe
neuerdings wieder ausgegraben worden und zeigt uns die merkwürdigste
Gestalt. Es ist ein heute (immer?) oben offener Raum von verlängerter
Halbkreisform, der auf der Westseite Öffnungen gegen die tief gelegenen
Grabkammern des Kaiserpaares besitzt, und in dem die Kaiserin Mathilde
bis zu ihrem Tode († 968) am Grabe ihres Gatten zu beten pflegte.
Diese Anordnung verlangt natürlich oben einen Umgang, wie ihn die
Wipertikirche besitzt, wodurch die Ähnlichkeit der oberen Kirche mit
der unteren noch wahrscheinlicher wird.
Die um etwa 2 m vertiefte durch eine schmale Treppe zugängliche Krypta
beherbergt nun an ihren Wänden die Reste der ältesten bekannten
Stukkaturen auf deutschem Boden, wohl über Frankreich oder die Schweiz
aus dem Süden gekommen; eine Gliederung der Wände durch flache Nischen,
die durch Halbsäulchen und kandelaberartige Streifen und Archivolten
getrennt und eingefaßt werden (der obere Teil war leider zerstört [s.
Abb. 65]). Ihrer Art nach können wir diese als eine Fortsetzung der
Stuckarbeiten betrachten, wie sie in Germigny-des-Prés vorkommen.
Jedenfalls ist die Stucktechnik seit jener Zeit bei den germanischen
Völkern (besonders in Deutschland) nicht mehr erloschen und in
der Folge gerade in der Harzgegend weiter gepflegt und entwickelt
(Gernrode, Goslar, Hildesheim, Drübeck, Halberstadt).
[Sidenote: Gernrode]
Einen Blick auf ein noch etwas jüngeres Bauwerk müssen wir hier
einschalten, das den ersten Schritt ins beginnende Mittelalter tut,
doch noch völlig auf den Schultern des alten Germanentums stehend,
auf die eben genannte Stiftskirche zu Gernrode, von Markgraf Gero,
Heinrichs kraftvollem Feldherrn, gegen die Wenden 961 erbaut.
Heute eine doppelchörige Kirche hatte sie ursprünglich auf der
Westseite eine stattliche Vorhalle zwischen zwei runden Treppentürmen,
wie wir das schon früher als germanische Eigentümlichkeit erwähnten,
ein sehr kurzes ziemlich quadratisches Schiff, unten je zwei Säulen mit
Pfeilern als Stützen wechselnd, darüber die beliebte Empore, die sich
durch eine Säulengalerie zum Schiffe öffnet. Die Säulchen (Abb. 52)
sind ohne Kapitell, an Stelle dessen nur mit einem derben Kämpfer (vgl.
Frankenturm zu Trier) bekrönt.
Der Nordturm hat oben Pilaster, die durch Dreiecke in
Dachsparrenstellung verbunden sind, anstatt wie die am Südturm durch
Bögen. Ganz wie dies Motiv uns an der Front von Lorsch, auch bereits
an frühen merowingischen Bauwerken, oft entgegentrat. Diese uralte
Zimmermannsform des Dreiecks kommt in Gernrode mehrfach vor; auch
an Stelle von Fensterentlastungsbögen (Abb. 60), selbst als eine
Überleitung über den Kapitellen zu den Bögen im Schiff. Im ganzen ist
unsere Kirche ein derb-kraftvoller Bau, auch im Detail und Schmuck,
insbesondere an den Kapitellen, mehr geschnitzt als gehauen, noch
überall voll altgermanischer Urwüchsigkeit.
[Sidenote: Essen]
Von Quedlinburg werden wir noch nach Westen gewiesen, an andere
Stätten christlicher Ansiedlung in deutschen Urgauen: nach Westfalen.
In Werden und Essen erstanden in der karolingischen und sächsischen
Zeit zwei Werke besonderer Eigenart; die Münsterkirche zu Essen und
die Peterskirche zu Werden. Beide in ihren noch erhaltenen Teilen
ansehnliche Westbauten einstiger großer Kirchen. In Essen ist gegen
Ende des 10. Jahrhunderts der berühmte Westteil der Altfridschen
Basilika aus dem 9. zugefügt worden, ein merkwürdiger Emporenbau, der
sich in zwei Geschossen nach der Kirche zu öffnet, die gewiß auch einst
Emporen besaß. Dieser Westteil ist bekanntlich ein halbes Sechseck,
mit einer Bogenarchitektur, die offenbar von der des Aachener Münsters
inspiriert ist; die karolingische Renaissance feiert auch in den
übrigen Teilen des turmartigen Vorbaues eine Auferstehung, und zwar in
stark antiker Auffassung.
Das ganze Werk entzieht sich als nicht mehr hierhergehörig hier
weiterer Besprechung, ist auch bereits anderweit (Humann) gründlich
genug behandelt. Aber wir finden in ihm ein Detail, vielleicht noch
vom älteren Bau, das uns interessieren muß. Im oberen Turmstockwerk
nämlich zwei Säulen mit Kapitellen, die denen der Wipertikrypta
ziemlich genau entsprechen; und zwar sind solche umgekehrte Kapitelle
auch als Füße benützt. Hier ist es also naheliegend, daß diese Teile,
vielleicht schon dem Altfridschen Bau aus der Mitte des 9. Jahrhunderts
entstammend, von neuem verwandt sind; dann wäre hier das erste bekannte
Auftreten dieser Form konstatiert. Ähnliche Kapitelle, teilweise
ebenfalls als Säulenfüße benützt, finden sich übrigens im Kölner
Museum, müssen also in Rheinland-Westfalen öfters vorgekommen sein.
Nicht ohne Interesse ist es, daß auch an demselben Bauwerk zu Essen
die ältesten Würfelkapitelle vorkommen, die wir kennen, spätestens
aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts herrührend, von denen vielleicht
gar angenommen werden darf, daß sie ebenfalls von noch älteren
Bauteilen entnommen waren. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß das
Würfelkapitell durch Ausdrehung einer Kugelform aus einem viereckigen
Balken ohne weiteres zu erzielen ist, also die Möglichkeit der
Entstehung aus dem Holzbau und der Drechslerei nicht abgewiesen werden
kann, wie es oft geschieht.
[Sidenote: Werden]
Ein ferneres Auftreten der Pilzkapitelle ist in Werden an der
Ruhr festzustellen, in dem spätkarolingischen Westbau der alten
Ludgeribasilika, die ihrerseits einem Neubau des 12.-13. Jahrhunderts
Platz gemacht hat. Dieser Westbau ist aber völlig selbständig
vorgesetzt und war als Peterskirche fast unabhängig von jener, doch mit
ihr räumlich verbunden (Abb. 171). Die Hauptkirche war in der Mitte des
9. Jahrhunderts entstanden, die Peterskirche davor im ersten Drittel
des zehnten.
Wie bemerkt, wieder ein freilich sehr mächtiger Westbau der Kirche;
eine öfters erwähnte Sonderheit deutscher Kirchen jener Frühzeit.
[Illustration: Abb. 171. Werden a. d. Ruhr. Peterskirche.]
Und zwar einer, bei dem auch die im Norden so beliebten Emporen rings
um einen offenen Mittelraum liefen; also ein Zentralbau, doch ohne
Apsis, an deren Stelle die mit Türen versehene Wand nach der Basilika
zu trat. Es war dieser Westbau, wie bemerkt, dabei eine selbständige
Kirche mit eigenem Patron, zugleich bestimmt für die Ausübung der
Sendgerichtsbarkeit. Daher ihre so merkwürdige Form. Ich habe versucht,
von dem höchst eigenartigen Bau, der in dieser Art immer noch
germanischem Wesen entsprossen zu sein scheint, eine Rekonstruktion
nach Effmann zu geben, die die außerordentliche Selbständigkeit und
merkwürdige Anlage des Ganzen zeigt, in der nichts Südliches ist (Abb.
172).
[Illustration: Abb. 172. Werden. Peterskirche. Perspektivischer
Schnitt.]
Die Emporen des ersten Stockwerkes, durch Treppen in den Ecken
zugänglich, haben nun in ihren Bogenfenstern wieder drei Säulchen mit
dem Pilzkapitell wie in Quedlinburg, doch etwas schlanker gebildet
(Abb. 173). Das vierte ist eine grobe Umbildung des korinthischen,
zimmermannsmäßig primitiv. Aber der ganze Raum und seine
Einzelarchitektur ist überall kaum karolingisch, vielmehr von älterem
Wesen durchdrungen. Selbst die meisten Bögen des Äußeren sind teilweise
reine Überkragungen (s. Abb. 58), nur mitten gewölbt.
Auch Reste von Dekorationsmalerei haben sich gefunden, Archivolten mit
Ornament und Feldern, im gleichen Stil wie ihn frühe karolingische
Miniaturen nordischer Herkunft tragen (Abb. 174).
Die Ludgerikrypta ganz im Osten unter dem Chor der heutigen Kirche
ist ebenfalls noch erhalten, ein ringförmiger Gang um die Grabkammer
des Heiligen († 816), ganz nach Art der ältesten italienischen
angelegt, wohl die älteste in Deutschland; die Ludgeridenkrypta im 10.
Jahrhundert nach jüngerer Art hinzugefügt.
[Sidenote: Köln. S. Pantaleon]
Hier muß ich noch einen Westteil einer Kirche aus karolingischer
Zeit heranziehen: den von S. Pantaleon in Köln. Auch hier ein sehr
stattlicher gewölbter Raum mit Emporen zu beiden Seiten, eine
Vorkirche, mehr als eine bloße Vorhalle, selbst mit Apsiden an
den Enden der seitlichen Räume. Dieser großartige Vorraum wurde
eingefaßt von den zwei Rundtürmen, wie wir sie früher schon so oft
fanden, wie sie gerade an deutschen Kirchenbauten aus dem Ende des
ersten Jahrtausends gern erscheinen. Das Äußere und Innere von S.
Pantaleon, soweit es noch dem ältesten Bau angehört, ist übrigens dem
fränkischen Bauwesen nahe verwandt; in eingelegten Tonplatten, mit
Ziegeln durchschossenen und eingefaßten Bögen in der Zweifarbigkeit des
Steinbaus und der Bögen, auch innen, weiß und rot, spricht noch einmal
die alte Freude an der Farbe aus der Merowingerzeit.
[Illustration: Abb. 173. Werden. Pilzkapitell.]
[Illustration: Abb. 174. Werden. Malerei eines Bogens.]
[Sidenote: Büdingen]
Einen besonderen Westbau besaß die Kirche der Abtei zu Korvey,
9. Jahrhunderts, später leider umgebaut. In einfachster Form die
Totenkirche bei Büdingen (Hessen), wo westlich scheinbar ein breites
Querschiff, doch den Eingang enthaltend, sich vorlagert vor das
schmälere Langschiff mit rechteckiger Apside im Osten. In diesem
Westbau zieht sogar noch eine sehr alte hölzerne Empore aus Balken
ringsum, ganz ursprünglich, da die Steintreppe auf Bögen auf der
Nordseite noch zu ihr emporsteigt. Die an der Nordseite des Schiffes
durch das Bruchsteingemäuer lang durchziehenden roten Schichten
von kleinen Quadern -- wenn auch nicht von Ziegeln so doch diese
nachahmend -- die rote Fensterumrahmung, die beiden kleinen Nischen
an der Ostseite, der vorspringende Pfeiler nach dem Schiff zu, das
abgeschnittene karolingische Kämpferprofil des Chorbogens sprechen
überall für das 9., spätestens 10. Jahrhundert. Wir sehen hier wieder
einen ersten Posten des Christentums an einen wichtigen Talausgang des
Nordrandes der Wetterau vom Rheingau, wohl von Mainz her, vorgeschoben.
Noch bis vor vierzig Jahren besaß die Kirche auch offenen
Dachstuhl; sie ist also trotz ihrer großen Einfachheit eines der
charakteristischsten und frühesten kirchlichen Bauwerke Deutschlands.
[Sidenote: Goldbach]
Wahrscheinlich gehört in dieselbe Kategorie die ganz kleine Kirche
zu Goldbach am Bodensee bei Überlingen. Der Grundriß ist sonst der
gleiche, nur springt der Westbau -- die alte Vorhalle, einst auch durch
eine Wand oder wenigstens Pfeiler abgetrennt -- nicht vor, sondern
etwas zurück. An Kunstformen bietet die Kirche freilich nichts; nur
die sehr kleinen alten Rundbogenfensterchen, hoch sitzend und sparsam,
wie in Büdingen, haben eine auffallende Form (Abb. 60): sie erweitern
sich nach unten, ihre Gewände stehen also schräg, was ihnen eine fast
parabolische Umrißlinie gibt.
Diese Fensterform ist freilich dem Kontinent fremd, sie kommt aber an
angelsächsischen Kirchen um so öfter vor; und gewiß ist dies höchst
merkwürdige Bauglied nicht ohne Bedeutung: wir haben vielleicht hier
eine erste Gründung englischer Missionsgeistlicher vor uns, die ja
damals eine gewaltige Tätigkeit in Deutschland entfalteten.
Ob es wohl hiermit zusammenhängt, daß der heilige Pirmin, der erste
Gründer der klösterlichen Niederlassung auf der nahen Reichenau um 724,
ein angelsächsischer Missionsbischof war?
Jedenfalls auch hier ein erstes germanisches Heidenkirchlein an weithin
sichtbarer Stelle am Seeufer, nahe bei den berühmten Heidenhöhlen
Scheffels.
Das bedeutende Alter der kleinen Kirche erweist sich darin, daß es
schon um 850 auf das reichste ausgemalt wurde, früher als die Kirche
zu Oberzell auf der Reichenau, jedenfalls von einem dortigen Künstler;
diese schöne karolingische Ausmalung gehört leider nicht in den Bereich
unserer Darstellung, fußt auch auf nicht nordischem Vorbild, beweist
aber, daß die Kirche nach der ersten Ausschmückung sogar noch einmal
erhöht, auch die Fenster um etwa 1 m höher gesetzt wurden, natürlich in
der alten Form; die ersten wurden zugemauert und übermalt.
Sie beweist aber nicht, daß die kleine Kirche erst damals erbaut wurde.
Auch ihr Grundriß entspricht dem alter angelsächsischer Kirchen, z. B.
der Kirche zu Escomb, die ein sehr langes Schiff und rechteckige
Apsis, noch genauer aber der von Boarhunt, die sogar ähnliche nach
oben verjüngte Fenster besitzt.
[Sidenote: Reichenau]
Die nahegelegenen drei Kirchen auf der Reichenau, teilweise mit gleich
prächtiger Ausmalung geschmückt, liegen nicht mehr im Bereiche unserer
Aufgabe; gehören auch einer südlichen hierher übertragenen Kunst an.
[Sidenote: Fulda]
Ein kleines Bauwerk aus der ersten Zeit der Karolinger müssen wir
dagegen als wichtig für die baulichen Bestrebungen der Epoche noch
nennen: das Kirchlein St. Michael zu Fulda; einen runden Zentralbau,
der unter des Rhabanus Maurus Leitung erbaut (den wir bereits als den
ersten Bewohner des grauen Hauses zu Winkel kennen lernten), am 15.
Januar 822 geweiht wurde (Abb. 175-177).
[Illustration: Abb. 175. Fulda. S. Michael.]
[Illustration: Abb. 176. Fulda. S. Michael. Schnitt.]
Auf dem Friedhofe der Geistlichen nahe bei der alten Bonifatiuskirche
gelegen, galt sie wie viele spätere als nach dem Muster des heiligen
Grabes erbaut. Sie bestand ursprünglich nur aus einem mittleren
Kuppelraume, der von acht Säulen umgeben ist, die die hohe Obermauer
tragen, und einem kreisförmigen Umgange (Abb. 176); im Osten eine
kleine halbrunde Apsis, im Westen eine rechteckige Vorhalle. Unter
dem Tempel eine Krypta, deren Gewölbe mitten auf einer jonischen
Säule ruht, ebenfalls von einem ringförmigen Umgange umgeben, der
durch ziemlich rohe wieder nach oben verjüngte Türöffnungen mit dem
Kryptenraum verbunden ist (Abb. 177). Die mittlere Säule verkörpert
symbolisch Christus als Stütze der Kirche. Vier der Kapitelle der
Säulen des Mittelraumes (Abb. 178, Tafel XLVI) sind korinthischen und
kompositen nachgebildet, in einem Stil, der nach dem Osten weist; die
vier anderen haben die ganz rohe und einfache Form der Altarsäulen
der Wipertikrypta zu Quedlinburg. In der folgenden Zeit, vielleicht
sehr bald, wurde der Umgang mit einer Empore versehen, die sich durch
vier Doppelöffnungen auf Mittelsäule mit ausladendem Kämpfer (Abb. 52)
gegen den Zentralraum öffnet; wir erhalten jetzt ein Bild, das sich
etwas an Germigny-des-Prés wie an Aachen anschließt, doch eine Reihe
germanischer Eigentümlichkeiten fortpflanzend.
[Illustration: