Abb. 136. Sta. Cristina de Lena.
(Phot. J. Laurent y Cie., Madrid.)]
Die Fenster sind teilweise mit durchbrochenen Platten gefüllt,
teilweise auch durch Marmorsäulchen dreigeteilt, dann entweder flach
oder mit Bogen geschlossen; ähnliche Fensterbildung ist ja auch bei
Sta. Maria in Naranco vorhanden.
Alles in allem dürfte nach der größeren Einfachheit und weniger
bewußten gleichmäßigen Durchbildung das Kirchlein Sta. Cristina als
noch etwas älter denn der Königspalast anzusehen sein, und dafür der
Name Oratorium zutreffend bleiben. Sachlich ist ja, wie in der Größe,
eine Übereinstimmung mit dem Oratorium der Peltrudis zu Cividale wohl
anzuerkennen, besonders wenn wir dort an den Langseiten das einstige
Vorhandensein zweier Nebenräume hinter den seitlich angedeuteten Türen
annehmen.
Haben wir uns hier mit zwei Bauwerken beschäftigt, die der frühesten
Zeit der gotisch-asturischen Monarchie angehören, so existiert noch
ein kleines kirchliches Bauwerk vom Ende des 9. Jahrhunderts, das wir
seiner Eigenart halber und als letzten Ausklang dieser Kunstrichtung
zu betrachten haben: die reizende kleine Klosterkirche von Val de Dios
(Abb. 137) bei Villaviciosa; also auch in diesem Winkel gelegen. Es ist
eine Miniaturbasilika mit drei engen Schiffen, die mit Tonnen überwölbt
sind, die Schiffbögen ruhen auf Pfeilern; im Osten die übliche Gruppe
der drei rechteckigen Apsiden, westlich die notwendige Vorhalle unter
einer durch eine Treppe aus dem Seitenschiff zugänglichen Empore. Also
die Anordnung wie an den früher genannten kleinen Kirchen Asturiens;
nur hat das klare Basilikasystem aus der Zeit vor der Invasion nochmals
gesiegt.
[Illustration: Abb. 137. Val de Dios.]
Das Äußere des im Inneren engen und düstern Baues ist das
Interessanteste: alle Fenster des Obergadens sind Doppelfenster mit
Hufeisenbögen auf Mittelsäulchen; das Ostfenster sogar dreiteilig;
die mittlere Apsis hat ein Oberstockwerk (Abb. 138, Tafel XXXVII).
Die Formen sind teilweise sehr zierlich, gewissermaßen verjüngt
und fortschrittlich geworden; hohe Basen fast wie umgekehrte
Trapezkapitelle; die Kapitelle zeigen ins Polygon, dann Viereck
übergehende Flächen, vom Zylinder des Schaftes ausgehend, und sind
mit gerippten Blättern geschmückt, sehr einfach dargestellt und doch
fast naturalistisch an Farrenkräuter und Ähnliches erinnernd (Abb.
48). Eine Stilisierung, die manchmal an S. Miguel de Lino gemahnt und
das Fehlen der Mittelglieder zwischen diesem und Val de Dios bedauern
läßt. Längs der Südwand schließt sich eine teilweise offene Halle im
schönsten Steinmaterial an, die mit zwei der reichsten Fensterplatten
in den rundbogigen Fenstern glänzt. Das westliche ist mit einer Art
Ornamentranke, völlig frei gearbeitet, gefüllt, nicht ganz geschickt,
weil öfters an Bretzelform gemahnend, doch reizvoll in der Wirkung,
das zweite rechts von ganz köstlicher Art, Flechtwerk nachahmend, mit
runden, quadratischen und eckigen Löchern, geradezu genial in der
Erfindung (Abb. 139).
[Illustration: