Abb. 100 u. 101. Cividale. Pemmoaltar.]

[Sidenote: Patriarchenstühle]

Auch einen alten marmornen Patriarchenstuhl aus jener Zeit birgt die

Kathedrale, bemerkenswert wegen der charakteristischen eichelartigen

Spitzen und der Hufeisenbögen der Seiten (s. Abb. 71); die zwei Flanken

eines viel reicher geschmückten liegen in der kleinen Kirche S. Maria

in Valle, heute zu einem Sarkophage zusammengestellt; ihre Außenflächen

sind mit reichstem Flachornament der bekannten Art bedeckt, oben wieder

die bezeichnenden Eicheln.

Ein anderer reicher Bischofstuhl schmückt die Tiefe der Apsis im Dom

zu Grado, mit schönen Säulen an den Ecken und einer Art Dach darüber,

doch offenbar aus Resten einstiger Schranken zusammengesetzt. Wann, ob

schon in langobardischer Zeit, läßt sich nicht wohl entscheiden. Alte

steinerne Sitze findet man noch an anderen Stellen, so hoch aufgebaut

zwischen den Bänken der Kirchenältesten im Dom zu Torcello, mit Löwen

als Lehnen in S. Ambrogio zu Mailand.

[Sidenote: Ambonen]

Von Kanzeln oder Ambonen der Langobarden ist nicht viel anderes als

Bruchstücke erhalten, meist Reste der flachgebogenen Brüstung; so in

Grado, in Ravenna, Ancona und an vielen anderen Orten. Meist sind ihre

Flächen einfach in regelmäßige kassettenartige Felder geteilt, diese

wohl von Flechtwerk umfaßt oder durchzogen; manchmal auch noch von

Halbsäulen mit Bögen und Giebeln darüber durchschnitten nach der Art

des in S. Teodoro in Ravenna vorhandenen, so in Ancona. Ein sehr alter

Ambo befindet sich in S. Giovanni e Paolo in Ravenna, inschriftlich

errichtet durch einen Hauptmann der kaiserlichen Garde, Adeodat[39],

im Jahre 597. Seine gebogene Brüstung ist in lauter kleine Vierecke

geteilt, die Tiere und Vögel enthalten; alles in bekannter Flachtechnik.

Die Ambonen scheinen um jene Zeit oft auf einem niedrigen geschlossenen

Unterbau geruht zu haben. Ein sehr schönes Relief in Dreieckform mit

einem Pfau in Umrahmung im Museum zu Brescia dürfte als Wange der

Treppe eines solchen Ambos zu deuten sein.

[Sidenote: Sarkophage]

Von sonstigen Resten der Ausstattung der langobardischen Kirchen ist

nicht viel mehr zu berichten; vielleicht ist noch mancher Sarkophage

zu gedenken, die im ganz gleichen Stile wie die Schranken ihre Seiten

geschmückt zeigen; darauf oft Sterne und Räder, meist Kreuze und

sonstige Symbole, ringsum Flechtfriese oder Rahmen von Ornamenten;

alles wieder in flachster Behandlung. So der schöne Sarkophag in der

Kathedrale zu Murano und der der Theodata im Museum Malaspina zu Pavia,

letzterer offenbar zeitlich zu den oben besprochenen gleichartigen

Skulpturen zu Cividale gehörig.

[Sidenote: Brunnenmündungen]

Vielleicht auch kommen hier noch die öfters vorkommenden

Brunnenmündungen in Betracht, wohl meist aus Kreuzgängen, wie eine

prächtige Arbeit im Garten von S. Giovanni im Lateran zu Rom; unten

sieht man unter einem Flechtbande Kreuze und Palmen, oben eine kleine

Arkade mit Giebelkrabben, Tauben und Kreuze enthaltend, das Ganze vom

echtesten langobardischen Typus; offenbar Import aus dem Norden. In

Venedig sieht man ähnliche Formen häufiger.

Die Fenster hatten wohl meistens eine Ausfüllung mit durchbrochenen

Steinplatten. Die langobardischen sind besonders reich und schön,

im Gegensatz zu den sonstigen altchristlichen der Italiener und

Griechen, die der Regel nach nur runde Öffnungen nebeneinander

enthalten. Die Sophienkirche in Konstantinopel hat an dieser Stelle

auch richtige gekreuzte steinerne Fenstersprossen. Aber reiche und

kunstvolle Ausschmückung und Einteilung war den Germanen vorbehalten.

In Grado, Aquileja, Venedig und an anderen Orten finden wir schöne

Muster, darunter auch solche in rein nordischem Flechtwerk (Abb. 95),

andere schon in bestimmten Maßwerkformen, die bereits den späteren

mittelalterlichen Maßwerkfenstern im Gedanken nicht fernstehen,

insbesondere wenn sie kleine Fensterarkaden enthalten.

[Sidenote: Türflügel]

Von Holzarbeiten dürfte einzig der Rest einer spätlangobardischen

Flügeltüre in Parma (Museum), bezeichnet als Porte di San Bertoldo, die

von S. Alessandro stammen, noch übrig sein (s. Abb. 63); die Rahmen und

je drei quadratische Füllungen sind reich flachgeschnitzt, Weinranken,

in denen allerlei Getier, Hirsche, Pferde, Bären, Pfauen sich tummelt.

Da diese Kirche 835 erst erbaut ist, so werden die Türflügel nicht

wohl älter sein. Ein wenig Orient mag in ihre Formen hinein spielen;

aber die Technik, wie die einfach gekerbten Ränder und Schmiegen sind

gut langobardisch. Gegenüber den berühmten uralten Holztüren von Sta.

Sabina in Rom, nur einer Nachahmung ähnlicher spätrömischer Erzwerke,

zeigt sich hier der ausgeprägteste Holzstil, rein zimmermanns- oder

tischlermäßige Behandlung.

Von vollständigen Bauwerken aus der Langobardenzeit ist leider sehr

wenig übrig, weil die alten Kirchen durch Verwüstung und Neubau gar

zuviel gelitten haben, von Palästen sich selbst nicht einmal eine Spur

mehr erhielt.

[Sidenote: Bologna, S. Steffano]

In Bologna haben wir in dem bekannten Kirchenkomplex von S. Sepolcro

oder S. Steffano, auch Kloster Gerusalemme genannt, eine uralte

Baugruppe, die von König Liutprant und seinem Neffen, späteren

Mitregenten, Hildiprant, nach allerlei Unbilden gründlich hergestellt

wurde. Von ihnen zeugt noch das heute im Hofe stehende Marmorbecken

mit langer Inschrift, in der die beiden Könige zur Ehre des heiligen

Ortes ihre Geschenke darbringen und dem fluchen, der sie mindere. Die

bauliche Anlage besteht heute aus vier eng zusammengebauten Kirchen und

zwei Höfen, die nach einer gewaltigen Verwüstung durch die Ungarn 903

und einem großen Umbau von 1141 in der Hauptsache aus letzterer Zeit

herrühren werden, obwohl die ganze Gruppe in der ersten Anlage noch in

die altchristliche Zeit zurückragt.

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 78 / 114 题