Es kann dem, der mit der Welt der germanischen Schmuckformen vertraut
ist, keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß wir hier vor einer
einfachen Übersetzung kleiner germanischer Schmuckformen ins Größere
stehen, wie wir das anderweitig sich vollziehen sahen. Es ist dabei
nicht zu vergessen, daß ja die großen Holzarbeiten der Germanen für
ihre Gebäude alle ganz und gar verloren sind, und daß wir eben nur aus
solchen Beispielen wie dem vorliegenden entnehmen können, daß jener
Übergangsprozeß in der Holzarchitektur jedenfalls längst vor sich
gegangen sein mußte.
Wissen wir doch nicht einmal, ob die uns heute allein erhaltenen
kleinen Schmuckformen nicht ihrerseits zum Teil aus dem Großen der
-- wie bezeugt -- oft reich geschnitzten Holzbauwerke ins Kleine
übertragen waren.
Wie sollen denn sonst jene Bauten, die Venantius Fortunatus „reich von
des Künstlers Hand, spielend und künstlich geschnitzt“ nennt, sonst
geziert gewesen sein? Weshalb nicht gerade so, wie dieser Fries in
seiner ausgesprochenen Holztechnik es zeigt?
[Illustration: